Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2284 (6.9.1968)
- Date
- 1968-09-06
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1’ izq. T. E. 83 - 2613 Año XXIX JfoJem&n&JsAjGielilcL BUENOSAIRES, VIERNES 6 DE SEPTIEMBRE DE 1968 N > 2284 ALIJA AUS DEM WESTEN Vor kurzem traf im Haifaer Hafen die 'bis jetzt grösste organisierte Einwanderer-Gruppe aus den Vereinigten Staaten von Nord" amerika ur.d Kanada ein und wurde von Vertretern der Jewish Agency-Abtei" lung für Alija (Einwanderung» und Klita (Einord" nung) empfangen. Die Gruppe besteht aus 31 Familien und 21 Einzelpersonen, insgesamt 155 Personen. Unter den Neuankömmlingen giot es vier Aerzte mit ihren Familien — in einem Fall sind beide Eheleute Aerzte — welche Posten am Hadassa-Spital in Jerusalem und am Meir-Krankenhaus in Kfar Saba an. treten werden, ferner Ingenieure, Apotheker und Physiker — aut welche bereits Anstellungen am Weizmann. Institut und verschiedenen elektronischen und chemischen Betrieben in Haifa und Jerusalem warten — sowie fünf Lehrer. Unter den Alleinstehenden sind 15 Studenten, die sich an der Hebräischen Universität in Jerusalem und der Bar Ilan Universität in Ramat Gan inskribiert haben und in den meisten Fällen Stipendien bekommen. Die Ankömmlinge habe»' ferner Beamte, einen Schneider, einen Lastkraftwagenchauffeur, einen Krawattenfabrikanten und 10 Pensionäre aufzuweisen. Die erste Sache, die Dr. David Rabinowitz (341 in Israel tun will, ist, sich seinen Namen auf Rabin zu ändern. Er war Medizinprofessor an der John Hopkins- Universität in den USA und Vorstand einer Abteilung der dortigen Klinik. Er soll Direktor eines neu zu errichtenden Departments für chemische Endokrinologie am Hadassaspital in Jerusalem we»-den. Frau Rabinowitz, eine Mutter von vier Kindern, ist Psychiaterin und hofft, ihren Beruf später wieder auszuüben. Unter den Neueinwanderern ist Dr. Nissan Schanin (53), der erste Vorsitzende der in den USA im Januar gebildeten ,Alija-Bewegung‘. Alle 600 Mitglieder ihrer New Yo-ker Zweigstelle haben sich verpflichtet, binnen drei Jahren, von ihrem Eintritt in die Bewegung gerechnet, ihre Alija anzutreten. Dr Schanin kam ins Land mit seiner Frau und vier Kindern und soll einen Poeten am Lehrerseminar von Beth Hakerem, Jerusalem. antreten. In New York Ist er der Direktor einer jüdischen Schule gewesen, Rabbi David Telsner stand während der letzten fünf Jahre an der Spitze der Abteilung für religiöse Alija bei der Jewish Agency in New York. Für seine Familie — Frau und drei Kinder — hat er bereits eine passende Wohnung in Jerusalem gefunden. Rabbi Jiz* chak Zacks hat eine zehnköpfige Familie — Frau und neun Kinder — ins Land gebracht. Er ist ein Enkel des berühmten Gelehrten und geistigen Führers Chefez Chaim. Auch er hat bereits in Jerusalem eine entsprechend grosse Wohnung erworben. In der Gruppe gibt es ausser den erwähnten noch zwei Rabbiner. Dr, Morton Wachspress (44t war Direktor der psychiatrischen Abteilung eines New Yorker Krankenhauses, von CHAIM Er wird im „Eitanim‘‘-Spital bei Jerusalem angestellt werden, aber sein Gehalt dort wird nur ein Sechstel des Betrages ausmachen, den er in Amerika erhielt. Mit ihm kamen seine Frau und zwei Kinder ins Land. Herr mann Greenberg (52), ein Krawattenerzeuger von l New York, will sich mit Frau und vier Töchtern in Jerusalem niederlassen. Er brachte ein kleines Kapital mit und will entweder Teilhaber in einem Exportgeschäft werden, oder aber Mathematik unterrichten. Er besitzt nämlich den aka- BEN JAKOV demischen Titel eines Magisters der Mathematik, den er sich erwarb, als er neben seiner Berufsarbeit noch studierte. Salomon Borodkin (39) war als Chemiker in einem amerikanischen Zuekerkonzern tätig. Jetzt will er Forschungen auf dem Gebiet der Wasser-Entsalzung im Rahmen einer mit dem Weizmann-Institut eng verbundenen hydronautischen Gesellschaft betreiben. Benjamin Green (32). Vater von drei Kindern, ist Ingenieur für optische Elektronik. In den USA arbeitete er bei der Sperry Gyroscope Company in Great Neck, New York; in Israel wird er bei der Eiron in Haifa auf dem Gebiet der ärztlichen Elektronik tätig sein. David Flanders (19) beabsichtigt an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu studieren. Beide Eltern sind Professoren in den Vereinigten Staaten. Er ist Mitglied der „Habonim“- Bewegung und „war immer ein Zionist gewesen“. Bärtig, in eine grüne Sportjacke gekleidet, trägt er im Knopfloch eine grosse Medaille mit der Aufschrift: „Kleide Dich englisch, denke jü disch“. WIE ICH ES SEHE Die modernen Primitiven mm JEHUDA GOTTHEIMER i. Wenn man die Besetzung der Tschechoslowakei (CSR) durch die Russen nur als einen brutalen Versuch der Erweiterung des kommunistischen Machtbereichs betrachtet, wird man den historischen Tatsachen nicht gerecht, die den Hintergrund dieses erschütternden Geschehens bilden. Die lange und weehselvolle Geschichte dieses kleinen Landes und Volkes ist der getreuliche Widerspiegel des Kampfes, den vielfache Tendenzen und Strömungen Jahrhunderte hindurch mit- und gegeneinander ausgetragen haben. Zentral - Europa ist der Schmelztiegel vieler Völker und Rassen, die bisher noch keinen vernünftigen und friedlichen modus vivendi gefunden haben. Das Gebiet der CSR hat im Laufe der Jahrhunderte häufig seinen Herrn gewechselt; es gehörte den verschiedensten Reichen und Staatenverbänden an, bis es nach dem Ersten Weltkrieg zu einem eigenen Staatskörper zusammengefügt worden ist, immer aber ein Land mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen und starken Minderheiten blieb. Die Geschichte dieses kleinen Landes ist zu einem guten Teil europäische Geschichte, mit der auch die Juden eng verbunden sind. Gehört doch Prag zu den alten jüdischen Gemeinden Europas, die während einer langen Epoche sogar der Mittelpunkt des jüdischen Lebens auf dem alten Kontinent gewesen ist. Noch heute zeugen einige berühmte Baudenkmäler von einer grossen Vergangenheit, die — im Gegensatz zu so vielen anderen Teilen Europas — von einer glücklichen und relativ sicheren jüdischen Vergangenheit Zeugnis ablegen. Die ältesten Dokumente weisen eine jüd sehe Ansiedlung bis ins Jahr 906 nach. In der wilden Zeit der Kreuzfahrer hatten auch die Prager Juden unter Verfolgungen zu leiden, wobei der Hinweis interessant sein dürfte, dass oüe Verfolger aus anderen Ländern kamen, wie dies bis in unsere Tage immer wieder der Fall war. Erst mit den Hussitenunruhen änderte sich die Lage der Juden (Anfang des 14. Jahrhunderts), als die Kirche eine den Juden feindl.che Haltung annahm. Die Prager Synode (1349) verbot zwar Gewaltakte gegen die J uden, erneuerte aber gleichzeitig die judenfeindlichen Satzungen des Wiener Provinzialkonzils. Aus dieser Stimmung erklärt sich der — von einem Geistlichen unter nichtigem Vorwand angezettelte — Ueberfall von 1380, bei dem 3 000 Juden in Prag getötet worden sind. Der grosse Kabalist Avigdor Kara war Augenzeuge dieser Geschehnisse, die er durch seine Berichte der Nachwelt erhalten hat. Später setzten Versuche der Judenausweisungen ein- Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass in diesen Zeiten der Unruhe und der Verfolgungen die Prager Juden die Kraft aufbrachten, die erste hebräische Druckerei „in deutschen Landen“ zu errichten, eine frühe und interessante Parallele zu den Judenverfolgungen in unserer Zeit, als die Juden in Deutschland unter der Naziherrschaft durch Besinnung auf sich selbst einen letzten Höhepunkt ihres kulturellen Lebens erreichten. Nach wechselvollen Schicksalen lebten die Juden in Prag am Anfang unseres Jahrhunderts im Einklang mit dem Leben und Wirken des mitteleuropäischen Judentums, mit dem sie mannigfach verbunden waren. Prag war eines der grossen Zentren einer jüdischen Kultur, die sich vorwiegend in deutscher Sprache ausdrückte, eine Hochburg der Literatur, ein Mittelpunkt zionistischen Lebens, eine der feste Stützen eines echten Humanismus und der Demokratie, die unter den Hammerschlägen und Mordaktionen des Dritten Reiches zertrümmert worden ist. II. Es war ein Hohn auf die historische Wahrheit, als die Nazis die „Reinheit“ der deutschen Rasse verkündeten. Sicher ist, dass es wenige Völker gibt, die aus so vielen verschiedenen „Rasssen“, Stämmen und Nationalitäten zusammengesetzt sind wie das deutsche, was auch nicht zu verwundern ist, wenn man die Geschichte dieses Landes betrachtet und weiss, wie viele Völker über die im Herzen Europas gelegenen deutschen Gebiete hinweggefegt sind. Das slawische Element war in allen ehemaligen deutschen Ostprovinzen ausserordentlich stark vertreten, wie die Deutschen in den westlichen slawischen Randgebieten ei¬ USA-Hilfe für Israel HuheUkwS°wr~ D*r n°rdamerikanische Vizepräsident n H- Mumphrey, der von der Parteikonvention der Demokraten zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde, war schon als Senator ein eifriger Verfechter der Sache Israel. In einer Erklärung, die er Juw der amerikanisch-israelischen Freundschaftshga abgab, erinnerte er daran, dass er rHi j Israels aus moralischen und politischen Gründen begeistert unterstützt habe, und fügte hinzuimmanenter Frieden im Mittelosten eneicht und dem Rüstungswettlauf ein Ende gesetzt wird, ist die ständige militärische Unterstützung Israels durch die USA berechtigt. Diese Hilfe sollte sich auf die Lieferung von Phantom-Flugzeugen für Israel erstrecken obzwar die wahre Lösung in einem Abkommen über die allgemeine Abrüstung zu suchen ist. SS gescherter Frieden ist das Ziel für diese Region und liegt im Interesse aller dort lebenden Völker.“ Vor Eröffnung der Konvention hatte die Programm-Kommission einen Paragraphen einzufügen beschlossen, in dem die USA aufgefordert werden, Is_?®,s*an<* zu leisten und es mit dem „für seine Verteidigung notwendigen Kriegsmaterial, einschliesslich der modernsten Kampfflugzeuge zu beliefern, solange dieses Land von feindlichen und gut gerüsteten Nachbarn bedroht ist.“ (ITA) Die Tschechen hatten die Bezeichnungen der Strassen und Wege entfernt, um die Bewegung der Invasionstrup. pen zu behindern. An ihrer Stelle wurden verschiedentlich Plakate angebracht, auf denen „Nach Moskau“ stand. Monumento en Dachau Londres. — Representantes de 23 naciones van a concurrir a la inauguración del Monumento Internacional a cincuenta mil víctimas del nazismo que sucumbieron bajo la barbarie de Hitler durante la Segunda Guerra Mundial en el carneo de concentracón de Dachau. Según indica la oficina de información del Congreso Judio Mundial en esta ciudad, la ceremonia de develación del monumento se llevará a cabo el día 8 de septiembre. Señálase que numerosos sobrevivientes ingleses de Dachau y sus familiares harán acto de presencia en la ceremonia. Serán trasladados a bordo de aviones de la Real Fuerza Aérea (RAF) con destacamentos de veteranos de la guerra encabezados por el Mayor General Sir Colin Gubins. H PAUL HERMANN Monument in Dachau London. — Repräsentanten von 23 Nationen werden an der Einweihung des internationalen Monuments für fünfzigtausend Naziopfer teilnehmen, die unter der H'tlerbarbarei während des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager Dachau umgekommen sind. Wie das hiesige Informationsbüro des Jüdischen Weltkongresses mitteilt, wird die feierliche Enthüllung des Monuments am 8. September stattfinden. Es wird darauf verwiesen, dass zahlreiche englische Ueberlebende aus Dachau und ihre Angehörigen bei der Zeremonie anwesend sein werden. Sie werden von Flugzeugen der Royal Air Force (RAF) mit Gruppen von Kriegsveteranen, an deren Spitze Generalmajor Sir Cor linGubins steht, an ihren Bestimmungsort gebracht werden. H. PAUI HERMANN ne starke Minderheit bildeten. Dass die nationalstaatlichen Grenzen mit den sprachlichen und ethnologischen nicht immer übereinftimmten und auch nicht übereinstimmen konnten, entspricht der historischen Entwicklung und der einfachen Tatsache, dass es sich um Mischgebiete (und in gewissem Sinne auch um Mischvölker) handelt. Nur die politischen Machthaber wollen sich von diesen Fakten nicht überzeugen lassen. Bemerkenswert dürfte sein, dass das Bistum Prag rund 70 Jahre später (975) geschaffen wurde, als sich eine jüdische Gemeinde dort dokumentarisch nachweisen lässt. Prag war die erste deutsche Universität. Merkwürdig — und doch so häufig in der Geschichte der Deutschen und der Juden — liefen deutsches und jüdisches Schicksal parallel. Die (tschechischen) Hussiten zwangen die deutschen Professoren und Studenten, Prag zu verlassen; so zogen sie nach Leipzig (1409). — Das Geoiet der heutigen CSR gehörte im wesentlichen zur Oesterreich-Ungarischen Donaumonarchie, bis die Tschechen gemeinsam mit den Slowaken nach dem Ersten Weltkrieg ihren eigenen Staat gründen konnten. III. Die moderne CSR ist das Werk ihres ersten Präsidenten, des Universitätsprofessors Thomas Masaryk, der Sohnes eines Slowaken und einer Deutschen war. Mit seiner die Humanität ver. kündenden Staatsphilosophie verlangte er von den Alliierten die Schaffung eines selbständigen csl. Staates, wurde bereits Ende 1917 Vorsitzender des csl- Staatsrates in Paris, schloss im Mai 1918 einer Vertrag zwischen Tschechen und Slowaken über die Gründung eines gemeinsamen Staates und wurde dann im November 1918 der erste Präsident der CSR. Dreimal wurde Masaryk wiedergewählt, hi* er 1935 zurücktrat. Während dieser Epoche festigte sich cer junge Staat, der als ein demokratisches Musterland in Europa galt. Die CSR war ein Nation*, litätenstaat, in dem die Tschechen die Mehrheit bildeten, in gewissen Landes, teilen übe»-wog die slowaki- (Schiuss auf Seite 2)