Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2281 (16.8.1968)
- Date
- 1968-08-16
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE UIOÜÍISCHAI) PUEYRREOON 2190 — 1* izq. £& Jfewvcutay¿h&&tíJtc¡, T. E. 83 - 2613 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE AGOSTO DE 1966 N® 2281 Die Welt vor dem Abgrand Nur mit einer tiefen, inneren Erschütterung kann man sich heutzutage an das Studium der Zeitereignisse heranwagen. Beim Lesen der Zeitungen mit ihren mannigfachen Meldungen gähnt uns eine tragische Hoffnungslosigkeit entgegen. Es gibt wenige Länder, deren Situation gesichert, de* .ren Wirtschaftslage ausgeglichen, deren Zukunft aussichtsreich ist. Krieg und Vernichtung, Auseinandersetzungen mit Nachbarn oder anderen Mächten, innerer Hader, Zwist und Bürgerkrieg reissen immer neue Gegensätze auf und vertiefen die trennenden Kluften zwischen Menschen und Völkern, wo die Vernunft gebieterisch zum gegenseitigen Verstehen und zum Ausgleich mahnt. Nicht Kriege, sondern stabiler Frieden lautet die Lösung der Menschheitsprobleme. die immer bedrohlicher sich auf die entscheidende Frage „Sein oder Nichtsein“ hin. entwickeln. Dass es nur diese eine Alternative gibt, vor die alle gestellt sind, kann nicht mehr diskutiert werden. Die Tendenz wird stärker, die offenen Weltfragen durch Gewaltanwendung zu einer Entscheidung zu bringen, obwohl man in Paris nunmehr seit Monaten nach einer friedlichen Beilegung des Vietnam-Konflikts sucht. Frieden für Vietnam erschien vor garnicht langer von JEHUDA GOTTHEIMER gegen die Politik, gegen die Gesellschaft, gegen das internationale Leben geltend. Eine Radikalisierung der Anschauungen, eine gefährliche Simplifizierung komplizierter Tatbestände, Lebensverhältnisse und sozio* logischer Gegebenheiten sind ebenso wie das hilflose Erfindet, ist eine durchaus positive Erscheinung. Dass jedoch die Besserung der von ihr kritisierten Zustände durch Gewaltakte, durch Demonstrationen, Bombenwürfe, Obstruktionen, Besetzung von Hochschulen, Hungerstreiks und Provokationen vollzogen werden soll, muss Zeit der Schlüsse! für eine neue, umfassende Regelung der vielen ungelösten Weltprobleme. Ohne die Bedeutung einer friedlichen Beilegung dieses blutigen Krieges verkleinern zu wollen, hat es die schnelle Entwicklung der politischen Spannungen mit sich gebracht, dass andere Zweifelsfragen in den Vordergrund gerückt wurden, die im Augenb'!?k vordringlicher erscheinen. Die ganze Welt ist von einer Angst erregenden Unruhe gepackt worden. An allen Ecken der Erde macht sich diese innere Unrast durch Zusammenrottungen Unzufriedener, durch Demonstrationen von Rebellen Ein Interview mit Tito Prag. — „Ich habe den arabischen Führern gesagt, dass die Existenz Israels als eine Tatsache akzeptiert werden muss“, erklärte Präsident Tito auf einer Pressekonferenz, die durch den tschechischen Rundfunk übertragen wurde. „Israel ist eine Nation“, fuhr er fort, ,4ie mit vielen Ländern, darunter einigen Grossmächten, diplomatische Beziehungen unterhält. Es muss gesagt werden, dass die Mehrzahl der Nationen mit Israel sympathisiert, weil es ein kleiner Staat ist und immer die Gefahr bestanden hat, dass es vernichtet wird. Doch diese Gefahr existiert heute nicht mehr. Israel sollte eine realistischere Haltung bezeigen, seine Truppen aus den besetzten Ländern auf die Positionen vor dem Sechstagekrieg zurückziehen und sich als Gegenleistung mit Garantien des Status quo begnügen und die Resolution des Sicherheitsrates vom 22. November respektieren. Die Zeit arbeitet gegen Israel.“ Aus Prager Quellen verlautete, dass Titos Worte gemässigt waren, obwohl er nicht erwähnte, welche Garantien Israel für seine Grenzen erhalten solle. Er legte die grösste Betonung auf Israels Existenz als eine Tatsache. Er bezeichnete Israel auch nicht als Angreifer. Man glaubt, er habe seine Erklärung nicht zufallsweise in der Tschechoslowakei abgegeben, sondern weil ihm bekannt ist, lass die Mehrheit des tschechischen Volkes Sympathien für Israel hegt. _ (ITA) Dementi Gaza. — Der Militärgouverneur des besetzten Gazastreifens bestritt die Behauptung, dass Israel bemüht sei, die Flüchtlinge in diesem Gebiet zur Uebersiedlung nach Transjordanien zu veranlassen. General Mota Gur äusserte zu den von Transjordanien in Amman und vor den UN erhobenen Beschuldigungen dieser Art, dass nur 4.000 von den 40 000 Flüchtlingen, die in Jabalia, dem grössten Lager dieser Region, leben, seit September 1967 den Gazastreifen verlassen haben. Er fügte hinzu, die Mehrzahl dieser Flüchtlinge hätten Verwandte in den arabischen Petroleumländern besessen, die es ihnen ermöglicht hätten, sich in diese Länder zu begeben (ITA) greifen von Gewaltmassnahmen die bedauerlichen Folgen. Bevor man überhaupt weiss, wogegen man sich wendet, versucht man erst, das Bestehende zu vernichten, noch bevor man entschlossen ist, ein Neues, ein Anderes, ein Besseres an die Stelle des Bekämpften, des Alten, des Verdorbenen zu setzen. Das ist der Weg ins Chaos, den die Menschen überall angetreten haben, die Menschen aller Altersschichten, aller Farben und aller politischen oder gesellschaftlichen Schattierungen. Dieser Zug zum Nihilismus ist allen Bewegungen gemeinsam, den konservativen und reaktionären wie den vorwärts stürmenden. Nur wissen sie nicht recht, wohin sie eigentlich „vorwärts“ drängen... Die Jugend hat schon längst aufgehört, der Träger oder der alleinige Träger dieser grossen Revolte zu sein, die wir allerorts b^bachten müssen. Dass d: ' igend unzufrieden ist, k m nur als eine natürliche Erscheinung betrachtet werden, die aus dem uralten und ständigen Gegensatz der Generationen zu erklä. ren sein dürfte. Der Kampf gegen den „saturierten Bürger“, den Bourgeois, die Auflehnung gegen die statische Gesellschaft, die sich dem Fortschritt oder dem „Ruf der Zeit“ nach der Auffassung ihrer jugendlichen Kritiker verschliesst, der Willen zur Beteiligung an der Zukunftsgestaltung, das sind die Quellen, aus denen jugendlicher Unternehmungsgeist, jugendliche Kraft und jugendlicher Widerstand stets gespeist werden. Die Tatsache, dass sich die Jugend nicht mit dem zufrieden gibt, was sie vorbedenklich stimmen, weil diese Manifestationen gegen die existente Gesellschaft mit destruktiven Massnahmen vorgenommen werden und keine konstruktive Veränderung des Vorgefundenen durch eine bessere Ordnung erkennen lässt. Man braucht nicht zu verkennen, dass die von einigen Wortführern dieser (älteren) Jugend vorgetragenen Kritiken berechtigt und ihre Gedankengänge durchaus beachtlich sind. Nicht alles ist mit einem Achselzukken oder einer völlig verfehlten, überlegenen Handbewegung abzutun. Diese negative Einstellung, die sich weigert, auf die neuen Ideen der Jugend, soweit sie vorhanden sind, mit dem erforderlichen Ernst einzugehen, verschärft nur die Gegensätze und versucht, Gewalt mit Gewalt zu brechen. ohne zu einem Einvernehmen mit der eigenen Jugend zu gelangen. Wenn die Jugend andrerseits ihre Rebellion gegen die von ihr für schlecht betrachtete Gesellschaft durch Vernachlässigung ihrer Kleidung, durch lange Mähnen der Jungen und das saloppe Auftreten der Mädchen zum Ausdruck bringt, so verspielt sie ihre ernsten Chancen selbst. Denn die Welt ist bereit, neue Wege einzus< hlagen, wenn man solche (Schluss auf Seite 2) Botschafter in Afrika Jerusalem. — Unter dem Vorsitz des Aussenministers Abba Eban findet eine Konferenz der israelischen Botschafter in den Ländern Westafrikas i» Abiya, der Hauptstadt der Elfeinbeinküste, statt. Zur Beratung sollen die politischen und ökonomischen Beziehungen gelangen, die Israel durch seine Repräsentanten mit 17 Ländern West- und Zentralafrikas pflegt. Abba Eban ist offizieller Gast des Präsidenten Felix Houphuet Boigny der Elfenbeinküste. Er will auch Liberia besuchen, wo er von Präsident Willam Tubman empfangen werden wird. Ferner ist ein Be' such in Senegal vorgesehen, wo der israelische Aussenminister mit seinem dortigen Kollegen Kaain Guye Zusammentreffen wird. (ITA) LEY DE REFORMA EDUCACIONAL Jerusalem. — La kneset adoptó recientemente, por una votación de 69 a favor, 3 en contra y 18 abstenciones una nueva ley de reforma educacional, modelad» según los sistemas británico y estadounidense. Bajo el nuevo sistema habrá 6 años de escuela primaria, 3 de secundaria ciclo primero y 3 de segundaria superior. El partido religioso se opuso por temor a los efectos sobre la educación religiosa. La kneset actuó pese a una huelga de los maestros de primaria, quienes sostenían que el reducir el numere de años en primaria, el sistema disminuiría la eficacia de la escuela como factor integrante. Una comisión parlamentaria especial que estudió la situación llegó a conclusiones opuestas. Dijo que la reforma intensificaría la integración de los ñiños y per- ñutiría que mayor número de Inmigrantes de subdesarrollados continuasen sus estudios ^as aH» del primario. SHLOMO S. TANGER GESETZ FÜR ERZfEHUNGSREFORM Jerusalem. — Die Knesset nahm vor kurzem in einer Abstimmung mit 69 Jastimmen. 3 Gegenstimmen und 18 Stimmenthaltungen ein neues Gesetz für eine Erzie. hungsreform an. die dem englischen und nordamerikanischen System angeglichen ist. Nach dem neuen System wird die Grundschule 6 Jahre, der erste Gymnasialzyklus 3 Jahre und das höhere Gymnasium 3 Jahre haben. Die religiöse Partei widersetzte sich aus Furcht vor den Wirkungen auf die religiöse Erziehung. Die Knesset handelte trotz eines Streiks der Volks- Schullehrer, die behaupteten, dass durch die Reduzierung der Jahre in der Grundschule das System den Einfluss der Schule als integrierender Faktor herabsetze» würde. Eine parlamentarische Sonderkommfsslon, welch® die Lage prüfte, kam zu entgegengesetzten Ergebnisse». Sie sagte, dass die Reform die Integrierung der Kinder intensiver gestalten und gestatten würde, dass eine grössere Zahl von Einwanderern aus unterentwickelten Ländern ihre Studien über die Grundschule hinaus fortsetzen könnten. SHLOMO S. TANGER Arabischer Terror ¿egen Araber Dass die arabischen Terroristen nur gegen die Israelis oder die Juden, die in ihrem Machtbereich leben, Terrormassnahmen an wenden, wurde noch niemals behauptet. Mit den gleichen Methoden .arbeiten“ sie gegen ihre arabischen „Brüder“ und zwar gegen alle, die nicht bedingungslos bereit sind, ihrer Linie zu folgen. Man kann darüber streiten, ob die internationale Politik mit Phantasie geführt wird, oder seit Jahrhunderten in ausgefahrenen Bahnen verläuft. Die arabische Politik hat noch niemals eine Variante erfahren. Seit der neue arabische Chauvinismus die Macht in der arabischen Welt erlang, te, haben zwar die aktuierenden Figuren gewechselt, die Politik aber ist stets die gleiche geblieben. Mit allen Mitteln wurde versucht, jede arabisch-jüdische und später arabisch - israelische Annäherung zu unterbinden. Jeder Araber, der eine Verständigungspolitik treiben wollte, musste dieses Bemühen mit dem Leben bezahlen. Der bekannteste Fall ist der Mord am tra ns jordanischen König Abdullah. Ein weiteres Zeichen des radikalen arabischen Nationalismus ist neben seiner sturen Feindschaft gegen Israel die mangelnde Stabilität der eigenen internen Verhältnisse. Selbst in Aegypten, dessen Diktatur nach aussen einen gefestigten Eindruck macht, fliesst eine Regierung nach der anderen unter dem scheinbar so fevon B. B. SAMUEL sten Thron des Generals Nasser dahin. Viele Köpfe rollten, um Nasser halten zu können, dessen Regime weniger auf seinem Willen als auf den Anordnungen des Kreml basiert. „Ich bin ein Satellit“, erklärte Nasser jüngst und machte den Eindruck eines unter Drogeneinwirkung stehenden Menschen, der schon nicht mehr dem eigenen Willen zu folgen vermag. Im Irak haben wir jetzt eine neue Regierung, nachdem der .mächtige* Marschall Aref mit seinem Anhang vertrieben worden ist. Aref folgte der .harten Linie', war ein Israel-Feind, obwohl die Interessen seines Landes mit denen Israels keineswegs in irgendeinem Widerspruch cW in Kon- Verjaehrungsfrist Bonn. — Der westdeutsche Justizminister Dr. Gustav Heinemann erklärte in einem Interview mit der sozialdemokratischen Wochenzeitung „Vorwärts“, dass die Verjährungsfrist zur Aburteilung von Naziverbrechern für Morde und Völkermord abgeschafft werden müsse. Er fügte hinzu: „Wir Deutschen dürfen nicht warten, bis die Vereinten Nationen hierüber entscheiden, son dern wir sollten selbst sofort diesen Beschluss fassen.“ (ITA) kurrenz gesta.w^--n haben. Er war es, weii ein „patriotischer“ Araber gegen Is rael sein muss, sonst kann er sich nicht an der Macht halten, weil der Nachbar auf ihn mit dem Finger zeigen würde. Aref ist verschwunden, die neue Regierung gilt als gemässigt. Das bedeutet keinesfalls, dass sie eine positivere Einstellung gegen Israel haben würde. Das ist aus den genannten Gründen nicht möglich. Aber sie ist gemässigt, weil sie sich, wenn auch bisher vergeblich, darum bemüht, mit den Kurden zu einer Friedensregelung zu gelangen. Auch dieser Kurdenkrieg wird seit vielen Jahrzehnten mit wechselnder Intensität und Grausamkeit geführt. Aber diese Angabe ist nicht exakt; denn im Grunde genommen datiert diese kriegerische Auseinandersetzung noch aus Zeiten der Antike. Schon der griechische Heerführer und Historiker Xenophon weiss hiervon zu berichten. In einem vor mehr als zwanzig Jahren veröffentlichten Bericht hiess es, dass zwar der Kurdengeneral Sidky Bekr soeben ermordet worden sei, dass aber gerade jetzt (1937) die Hoffnung auf eine Lösung dieses alten Problems bestünde. Inzwischen sind wieder mehr als zwanzig Jahre vergangen, ohne zu einer Klärung zu gelangen. Deswegen sind auch die jetzigen Versuche der Bagdader Regierung mit grösster Vorsicht aufzunehmen, wen» sie überhaupt ernst gemeint sein sollten. Zu neuen ernsten Spannungen und schweren Terrorakte ist es im Libanon gekommen. Dort treiben syrische Terrorgruppen, die in den Libanon eingedrungen sind, ihr Unwesen. Sie sollen bereits einflussreiche Persönlichkeiten entführt haben, ein offensichtlich heute beliebtes. Rezept. Im übrigen haben die Syrer sich keineswegs damit abgefunden, dass die Franz», sen 1920, als sie das Mandat über Syrien übernahmen, als erste Regierungshandlung wichtigste Gebiete Syriens abtrennten, um einen neuen Staat zu bilden. Seit diesen Tagen versucht Syrien, zu dem bis zum 1. Weltkrieg auch das spätere Mandatsland Palästina gehörte, die ihm weggenommenen Gebiete des jetzigen Libanon wiederzugewinnen. Aber alle Anstrengungen waren vergeblich. Die Grossmächte brauchten (und brauchen) den Pufferstaat Libanon, der als einziges arabisches Land eine, wenn auch geringe arabische Mehrheit besitzt. Der Streit um die Palästina-Befreiungsarmee ist nur ein billiger Vorwand, um den wahren Machtkampf zu verschleiern. Ob die Regie- - rung in Damaskus mit dieser Terror- und Raubpolitik gegenüber seinem arabischen Nachbarn Libanon Erfolg haben kann, muss nach den bisherigen Erfahrungen als recht zweifelhaft bezeichnet werden.