Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2279 (2.8.1968)
- Date
- 1968-08-02
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O QQ o £ ® ♦* — J* c <« o * t »¿5 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Ano XXIX BUENOS AIRES. VIERNES 2 DE AGOSTO DE 196* N? 2219 el ejemplar en toda la República 30.- PUEYRREDON 2190 1« izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2618 Aus der Tschechoslowakei Washington. — Die Tschechoslowakei plant die festliche Begehung des 1000. Jahrestages .der jüdischen Niederlassung in diesem Land und beabsichtigt die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Israel, wie ein tschechischer Diplomat dem Korrespondenten der Jüdischen Telegraphenagentur mitteilte. Die tschechische Botschaft hatte den Berichterstatter der ITA zu einem Empfang 'eingeladen, welchen Botschafter Karel Duda veranstaltete. Es geschah zum ersten Mai nach dem Sechstagekrieg, dass ein ITA - Korrespondent von einer kommunistischen Botschaft zu einer Veranstaltung aufgefordert wurde. Die tschechischen Diplomaten versicherten, dass die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Israel Gegenstand aufmerksamer Erwägungen sei. (ITA) Die Neue Linke und Israel Washington. — Die Sympathie vieler jugendlicher Liberaler für Israel im Mai 1967 hat sich in Apathie und Feindseligkeit verwandelt. Israel begeistert nicht mehr die jungen Intellektuellen, die von einer neuen Gesellschaftsordnung in der Welt träumen. Der Hauptgrund für den Abstieg Israels von der Höhe seiner Popularität ist die Tatsache, dass es den Krieg zu gewinnen wagte. Es entfaltete erstaunliche militärische Stärke und wollte nicht das Opfer sein. Anscheinend identifiziert sich die Jugend mit den Opfern. Nach Anischt von Studenten und junger Professoren nordamerikanischer Universitäten bildet Israel heute in Wirklichkeit einen Teil des „Establishment-. Die jugendlichen Geister, die entweder für oder gegen die Regierung eintreten, sind von Israel .gelangweilt“. Sie entdecken mit einem- BEACHTENSWERTE ENTWICKLUNG von ARIE ASHKENAS Dass unsere Zeit neue Wege und Formen für die Gestaltung des nationalen Friedens und des internationalen Zusammenlebens sucht, kann trotz aller entgegenlaufenden Tendenzen und der vielen Gewalttaten im öffentlichen Leben kaum in Abrede gestellt werden. In diesen Auseinandersetzungen werden mitunter die ältesten Traditionen ausser Acht gelassen, mit einem Federstrich beiseite geschoben oder sogar bewusst bekämpft. Ein tabu, eine geheiligte Ueberlieferung oder eine nicht umzustossende Ansicht gibt es kaum noch. Manche bedauern diese Vorgänge, andere wiederum erblicken eine Chance, zu neuen Erkenntnissen und gesünderen Grundlagen des Lebens als bisher zu gelangen. Jetzt haben sich sogar und dazu noch in Spanien, das immer als eine Hochburg der Reaktion galt, — die Bischöfe zu einer Erklärung zusammengefunden, in der sie für die Rechte der Arbeiterschaft auf freie Syndikate eingetreten sind, die auch das Streikrecht erhalten sollen, soweit es sich nicht um politische Aktionen, sondern um arbeitsrechtliche Fragen und Interessen der Lohngestaltung handelt. Der Klerus beruft sich auf verschiedene Runderlasse (Enzykliken) der letzten Päpste, die sich mit den Problemen des Sozial- und Arbeiterrechts beschäftigt haben und der Einfluss der Katholischen Kirche als :ner fortschrittlichen Kraft auf die Arbeiterschaft sichern sollten. In diesen Enzykliken sind verschiedene Gedanken und Prinzipien formuliert, die von der Kirche in ihr eigenes Gedankengebäude hineingearbeitet worden sind, und die der Entwicklung der letzten Jahrzehnte Rechnung tragen .. In allen Diktaturstaaten, also auch in Spanien, ist die Freiheit unterdrückt, die Freiheit des Wortes und der Schrift, die Freiheit der Vereinigung, die Freiheit der politischen Parteibildung sowie manche anderen Freiheiten. Aus diesem Grunde ist es weder überraschend noch verwunderlich, dass sich das offizielle Franco-Spanien gegen die Resolution der Bischöfe wendet und nur diejenigen Gewerkschaften anzuerkennen bereit ist, die von der Regierung gebildet und kontrolliert werden. Die Regierung wird also nicht zulassen, was von den Bischöfen gefordert worden ist: das freie Recht zur Schaffung freier Arbeitersyndikate. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass der spanische Klerus zum ersten Flügel der Kirche gehört, also zu jenen Konservativen, die sich gegen gewisse Vorschläge eines Stellungswechsels der kirchlichen Haltung gegenüber den Juden ausgesprochen haben. Das Eintreten für die Arbeiterrechte ist deswegen noch stärker bemerkenswert, aL wenn es sich um einen Kreis von Geistlichen handeln würde, der allgemein für Liberalisierung eintritt. Wer um den starken Einfluss des katholischen Klerus in Spanien weiss, wird dem neuen Spannungsverhältnis Bedeutung für die Zukunft des FrancoRegimes beimessen müssen, das sich übrigens bisher ebenso wie die Kirche nicht zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel entschliessen konnte, obwohl die Kirchen mit all ihren zahlreichen Institutionen und Einrichtungen noch niemals so frei und unangefochten im Heiligen Lande lebten wie heute in Israel. Wenn sich Liberalisierungstendenzen im allgemeinen durchsetzen können, was abzuwarten ist, dann besteht auch die Aussicht, dass andere kirchliche Positionen einer erneuten Prüfung unterzogen werden, die zu einer „freieren“ und verständnisvollen Zusammenarbeit mit Israel hinüberleiten könnten. mal, dass Israel sich auf „altertümliche Traditionen, alte religiöse Dogmen, den Militarismus und einen neokolonialen, Zionismus genannten Begriff“ stützt. Für die Studenten ist Israel alt und daher schlecht. Die arabische Bewegung der „Befreiung“ ist jung und muss deshalb gut sein. Israel wind als Produkt einer früheren Generation, als Teil der stupiden Welt der Eltern betrachtet. Die jüdische Jugend hat genug von Israel. „Wir haben soviel Geschwätz von hochtrabenden Rabbinern angehört und sind zu so vielen stumpfsinnigen und verschwenderischen Banketten geschleift worden . sagen sie. Die Neue Linke würde es wahrscheinlich leugnen, aber die Alte Linke hat eine scharfsinnige Deutung gegeben. Die Mitglieder der Neuen Linken scheuen sich, Israel direkt anzugreifen, denn Anne Frank ist für sie heute noch „ein wunderbarer Mensch", so dass sie Israel auf einer intellektuellen Ebene attackieren. „Mein Vater rechtfertigt seinen Beruf als Ausbeuter mit der Versicherung, dass er die Neger freundlich behandelt, ebenso wie Israel die Unterdrückung der wehrlosen Araber mit Vernunftsgründen bemäntelt“, äusserte ein junges Mädchen, das stolz darauf ist, keine Konformistin zu sein. Sie ist Gesanglehrerin, aber sie will keine hebräischen Volkslieder mehr singen. „Warum sollte ich mich nach einer jüdischen Fassung von Rhodesien oder Südafrika sehnen, die sich mit roher Gewalt durchsetzen?“, fragt sie. Ein junger Universitätsprofessor Jüdischer Abkunft behauptet, dass „Israel eine lebendige Heuchelei“ sei. „Theoretisch gründet es sich auf Liebe und Sozialismus, aber es ist ein Beispiel für engstirnigen Chauvinismus und den Glauben an eine jüdische Oberrasse. Ich bin gegen den Einsatz von Bomben in Vietnam und auch in Israel. Israel kämpft für den Status quo und gegen einen Wandel. Ich bin kein Antizionist. Ich habe in Israel grossartige Menschen getroffen, aber ihre Prahlereien und Arroganz haben mich tödlich gelangweilt.“ Israels Bemühen, den afro-asiatischen Völkern in ihrer Entwicklung zu helfen, werden mit den Worten abgetan; „Nun schön, die Israelis wollen ihr Gewissen erleichtern“. In gewissem Mass leidet Israel unter der Kluft zwischen den Generationen. Ein beträchtlicher Prozentsatz der Bevölkerung der USA ist heute keine 25 Jahre alt. Diese Jugend kann sich nicht an die Aengste der dreissiger und vierziger Jahre erinnern. Ihre politische Orientierung begann nach der Aera des Senators Joseph McCarthy, dessen übler Fanatismus den Antikommunismus in Verruf brachte. Ihr Held wurde Castro. Unter diesen Um ständen übt auf sie der arabische „Sozialismus“ eine grössere Anziehungskraft als der „Zionismus“ aus. Der Zionismus erweckt ein negatives Bild von etwas Altem, das mit der Religion, mit Finanzgruppen und mit dem „Establishment“ verknüpft ist. Israels militärische Erfolge sind für sie Faschismus und Unterdrükkung. Die weniger erfolgreichen Araber und im besonderen die Guerillas werden in ihren Augen zu Helden, zu Wegbereitern des sozialen Umschwungs und der Revolution. Diese gleichen jungen Menschen wollen die Tatsache nicht erkennen, dass ein kommunistisches Regime, Polen, heute wild antisemitisch ist und den Studenten die Freiheit des Wortes verweigert. Nur sechs Studenten von allen Universitäten Washingtons fanden sicn bereit, vor der polnischen Botschaft zu demonstrieren. Anscheinend hatten die anderen den Köder geschluckt, dass Polen nur antizionistisch aber nicht antisemitisch ist. Die der Neuen Linken eigene Philosophie stempelt einen ermordeten jüdischen Kaufmann zu einem Ausbeuter, der den verdienten Lohn empfangen hat. Aber ein von Polizisten getöteter Neger verwandelt sich automatisch in ein Opfer des Rassenhasses und der polizeilichen Brutalität. Der Neger wird wie ein Freiheitskämpfer betrauert. Dieser Wahn ist höchst zweischneidig. Er hat auch recht unangenehme Folgen für die Israelis. Wenn diese nur Marionetten der Herren in Washington sind, warum können sie dann nicht die Phantom-Jets kaufen, die sie so nötig brauchen? Wenn sie Neokolonialisten und Imperialisten sind, warum sind die Araber gegen derartige Kritiken für die gleichen Tendenzen immun? Warum verdienen Nasser und Hussein Mitleid, während Eshkol und Dajan verspottet werden? Wenn die Rolle der Russen im Mittelosten weder militaristisch noch kolonialistisch oder imperialistisch ist, was ist sie dann eigentlich? MILTON FRIEDMAN Erklaerung Arthur Goldbergs Jerusalem. — In einer grossangelegten Rede enthüllte Arthur Goldberg, dass die von den USA während des Sechstagekrieges und danach vor den UN verfolgte Politik seinen eigenen Ueberzeugungen und Anschauungen entsprochen habe. Er sprach in der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg und äusserte: „Das Ziel für den Mittelosten, um das sich die Völkergemeinschaft und alle ihre Mitglieder bemühen müssen, kann nur ein gerechter und dauerhafter Frieden sein.“ Er betonte, dass eine Rückkehr zu der Lage vor dem 4, Juni 1967 kein Rezept für den Frieden sondern für erneute Feindseligkeiten darstellt. (ITA) „Fruehstueck “ mit Dajan Tel Aviv. — Ein israelischer Passagier de« gekaperten EL AL-Flugzeugs. der zu denen gehörte, welche von den Algeriern nach Paris zurückgeschickt wurden, weil er einen österreichischen Pass beaas», erzählte, wie er ruhig auf dem Flug nach Algier stückweise eine Fotografie verspeiste, die zu seiner A Festnahme hatte führen können, da sie ihn zusam^F men mit dem Verteidigungsminister Mosche Dajan’* zeigte. Dr. Jaakow Low aus Sichron Jaakow befand sich auf der Ruckreise von Tokio via Rom. nachdem er in Japan einem wissenschaftlichen Kongress beigewohnt hatte. Er zerriss die Fotografie, als die arabischen Terroristen die Kontrolle des Apparates über nahmen, und verschluckte ein Stückchen nach dem anderen. Vor der Landung in Algier hatte er sein „Frühstück“ beendet. Wegen seines österreichischen Passes sahen die Algerier ihn als Ausländer an und liessen ihn frei. Inzwischen ist Dr. Low nach Israel zurückgekehrt. JITA) Im anderen Deutschland von SEM FRANKENSTEIN Man macht es den wenigen Juden, die heute noch in der Bundesrepublik leben, nicht leicht. Je kleiner die Orte sind, in denen sie wohnen, desto häufiger sind die unliebsame Vorkommnisse, denen sie begegnen. Nur wenige Zeitungen berichten hierüber. Die Allgemeine unabhängige jüdische Wochenzeitung registriert diese Vorfälle, meist ohne Kommentar. Was soll man auch viel dazu sagen? Nach Neuss wurde ein „jüdischer Kaufmann“ verschlagen, der einst nach Holland ausgewandert war und dort im Untergrund überlebt hat. Der Vater, die Schwester und seine vier Grosseltern kamen im KZ um. Die Mutter konnte sich retten. Nach dem Krieg war der jüdische Kaufmann nach Israel gegangen, hatte dort im Unabhängigkeitskrieg mitgekämpft, kam zum Besuch seiner Mutter nach Deutschland zurück, wo er krank wurde und auf Anraten der Aerzte blieb. Er heiratete und lebt heute mit seiner Frau und drei Kindern zwischen zehn und drei Jahren in Neuss. Ob seine Frau eine Jüdin ist, ob die Kinder jüdisch erzogen werden, sagt der Chronist nicht, ist aber auch nicht entscheidend- Die jüdische Zeitung aus Düsseldorf berichtete: „Es war der zweite Vorfall'innerhalb von sechs Wochen: In der Nacht vom 10. zum 11. Mai wurde ein Explosivkörper auf das Grundstück des Neusser Kaufmanns Bernhard Straus geschleudert. Er explodierte um 2 Uhr 30 wenige Zentimeter neben dem Schlafzimmerfenster der Kinder und riss die Familie aus dem Schlaf. Straus (45) stürzte auf die Strasse, aber der oder die Täter waren schon im Dunkel der Nacht verschwunden. Eine zufällig in der Nähe seines Hauses vorbeikommende Polizeistreife sichtete die ersten Spuren, und tags darauf erstattete Straus bei der Neusser Polizei Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. „Am 13. Mai kam ein Beamter der Politischen Polizei nach Neuss, und erst auf die Frage, ob er Feinde habe, begriff der Kaufmann, dass die Anschläge wohl ihm und nicht dem portugiesischen Konsulat galten, das neben seinem Haus residiert. Denn Feinde hat Straus in Neuss. Im Frühjahr 1967 war er auf einer NPD-Versammlung als Diskussionsredner aufgetreten und in eine Schlägerei mit NPD-Anhängern verwickelt worden. Zum zweiten Mal machte Straus von sich reden, als die Neusser Presse mit keinem Wort über die Verhaftung des damals noch aktiven Neusser Polizeihauptmeisters Georg Schwarz berichtete. Schwarz war im Wuppertaler Bialystok-Prozess als Zeuge schwer belastet worden, im Sommer 1941 an der Ermordung von mindestens tausend Juden massgeblich beteiligt gewesen zu sein und wurde verhaftet... “ Der Neusser jüdische Kaufmann Straus hatte auch Strafanzeige gegen den Landesverband der NPD gestellt; es dauerte länger als ein Jahr, bis ihm der Eingang des Schreibens bestätigt wurde ... Heute bereut Straus, seinerzeit dem Rat seiner Aerzte gefolgt zu haben und in Deutschland geblieben zu sein,.. Dass er Konsequenzen hieraus gezogen hat, ist nicht bekannt geworden... Inzwischen erhielt er einen anonymen Brief, in dem seine Ermordung angedroht wird .. Welche Zukunft erwartet seine und alle jüdischen Kinder in der Bundesrepublik? An der Berechtigung dieser Frage wird Straus nicht zweifeln. Sicherlich wäre es verfehlt, aus einzelnen Vorfällen allgemeine Folgerungen zu ziehen. Aber ebenso gefährlich ist es, hierüber zur Tagesordnung übergehen zu wollen und zu behaupten, es gäbe ein neues Deutschland... Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83* /io i* PrvmiVdai! Intelectual N* 947 226