Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2277 (19.7.1968)
- Date
- 1968-07-19
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O £0 FRANQUEO PAGADO o c o — £ c ™ o Concesión 908 <o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 19 DE JULIO DE 1968 N* 2277 EL EJEMPLAR en toda la República 30.- PUEYRREOON 2190 1* íaq. Buenos Aires T.E. 33-2613 Augenschein in Prag Die Aufschrift „Prvc se sionismem!“ (Weg mit dem Zionismus!) auf der Wand eines Zinshauses in der Prager Innenstadt bröckelt langsam mit der Hausfassade ab. Im Jüdischen Ge* meindehaus auf der Maislova ulice empfängt den Besucher der Geruch frischaufgetragenen Kalks und Farbe. Auf den Strassen, im Herzen Prags, sammeln Studenten Unterschriften für eine Petition, mit der die Regierung der CSR zur sofortigen Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Israel aufgefordert wird, aber der Schriftsteller Ladislav Mnacko, der einst die Heimat verliess, um gegen den Abbruch dieser Beziehungen zu protestieren, hat dennoch an Popularität eingebiisst, weil er „seinen Kampf daheim fortführen sollte“. Trotzdem: die abbröckelnde antiisraelische Parole auf der einen, die Renovierungsarbeiten im Jüdischen Gemeindehaus auf der anderen Seite, kennzeichnen die Situation der Juden in der Tschechoslowakei, die nach der antiisraelischen Hysterie des vorigen Sommers wieder aufzuatmen beginnen. Tschechische Journalisten, Rundfunk- und Fernsehkommentatoren geben unumwunden zu, dass der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Israel im Sommer 1967 „eine der zahlreichen Verfehlungen der früheren Parteiführung“ war, die ohne Rücksicht auf eigene politische Interessen blind jeder Moskauer Anweisung folgte. Zum ersten Jahrestag des Sechstagekrieges gab es im Prager Fernsehen eine etwa einstündige Diskussion, an der neben dem Fernsehredakteur auch der Leiter der Mittelost-Abteilung sowie der Leiter der Abteilung für internationale Organisationen im Prager Aussenministerium teilnahmen. Die Diskussion hatte einen zu offiziellen Anstrich, war entsprechend langweilig. aber in einigen Sätzen wurde dennoch der Standpunkt Prags zum Nahost- Konflikt klar Umrissen: Die CSR anerkenne, das Recht Israels auf staatliche Existenz, auf ein Leben in Frie¬ Von ZEEV BARTH den und Sicherheit hinter anerkannten Grenzen. Ferner unterstütze die CSR den Sicherheits - Beschluss vom November 1967 und wünscht eine politische Lösung des Konfliktes, ohne Waffengewalt. Israel müsse Prager Vorstellungen zufolge die besetzten arabischen Gebiete verlassen, weil es Energisches Dementi Helsinki. — Einer von der kairoer Zeitung „Al Ahram ‘ dem ägyptischen Aussen minister Mahmud Riad zugeschriebenen Erklärung wurde vom Chef der Politischen Abteilung des finnischen Aussenministeriums, Dr. Hyverinen, entschieden widersprochen. Riad hatte nach einem Besuch der skandinavischen Länder erklärt, die nordischen Länder seien „vorder israelischen Position nicht befriedigt“. Diese Auffassung bezeichnet^ Dr. Hyverinen als irrig „Die finnische Regierung“, versicherte Dr- Hyverinen auf einer Pressekonferenz, „hat kei^e Unzufriedenheit mit der israelischen Position geäussert. Finnland bleibt im Mittelostkonflikt neutral.“ (ITA) heutzutage nicht angeht, Gebietszuwachs durch Krieg zu erreichen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der C~R und Israel werden „eines Tages ganz bestimmt wieder aufgenommen“, doch dürfe nichts überstürzt werden, denn die sofortige Wiederaufnahme der Beziehungen wäre nur dazu angetan, den Widerstand der israelischen „Falken“ gegen die Forderung auf Räumung der besetzten Gebiete zu stärken. Und was die von Israel erhobene Forderung auf direkte Friedensverhandlungen anbelangt, waren sich alle Diskussionsteilnehmer darüber einig, dass dies gewiss der ideale Weg zum Frieden wäre, doch — so der Leiter der Mittelost-Abteilung — „es sei reichlich unrealistisch, Aufrüstung der Araber Washington. — Die Araber besitzen gegenwärtig mehr und bessere Waffen als vor dem Sechstagekrieg, wie „Daily News“ berichtete. Die Zeitung veröffentlichte die letzten Ziffern und Informationen, die in ihrem Besitz sind. Danach sind heute 3.500 russische Instruktoren in Aegypten, 100 in Syrien und 700 in Irak. Vor dem 4. Juni 1967 hatte Aegypten 12 Düsenbember SU_7. Hiervon verlor es 7-6; heute besitzt es 700. Aegypten verlor 130 MIG-21; heute hat es 120 neue Maschinen. Es verlor 100 MIG-15 und -17 und hat 100 MIG-19 erhalten. Die Tanks wurden mit bis zu 1.000 neue Modellen ersetzt. Irak verlangte und bekam schnelle Düsenjäger anstatt schwerer Bombenflugzeuge. Es verfügt jetzt über SU-7 und MIG-Apparate. Syrien hatte vor dem Krieg keine SU-7. Heute hat es 50. Es verlor 30 seiner 45 MIG'21. Heute besitzt es 70. Die Tanks wurden bis zu 250 Stück ersetzt. — (ITA) eine arabische Zustimmung hierzu zu erwarten.“ Weit radikaler als der offizielle Regierungsstandpunkt hat sich die allgemeine Atmosphäre und der Ton ir, der Presse verändert. Vor einem Jahre stiess der Besitzer eines israelischen Reisepasses noch auf unüberwindliche Schwierigkeiten, wenn er auch nur zur Beisetzung seiner Mutier nach Prag reisen wollte; heute, kann er bei jedem beliebigen CSR - Konsulat anstandslos ein Visum erhalten. Vor dem Januar- Umschwung in Prag begann jede Zeitungs- oder Rundfunknachricht über den Nahen Osten ganz stereotyp mit dem Quellenhinweis „Kairo meldet“ oder „Aus Amman verlautet“. Heute werden zunächst Meldungen aus Tel Aviv z.itiert und nur selten auch solche aus den arabischen Hauptstädten angeschlossen. Die vom Alpdruck der Parteizensoren befreite tschechische Presse räumt jetzt israelischen oder jüdischen Themen bevorzugt viel Raum ein. Die Tatsache, dass die CSR trotz Unwillen, und scharfer Kritik seitens der arabischen und kommunistischen Staaten sich im Sozial- und Wirtschaftsausschuss der UN der Stimme enthielt, als Moskau und Kairo dem israelischen Vertreter die Abgabe einer Erklärung zur Resolution gegen den Nazismus verwehren wollten, hat „Svobodne Slovo“ unter einer ebenso fetten Ueberschrift veröffentlicht, wie den Bericht über die Pariser Vietnam- Gespräche. Die Wochenzeitung „Student“, Organ der jungen Intelligenz, brachte am 5. Juni, dem Jahrestag des Kriegsausbruchs ein Gedicht auf „Debora“, angeblich aus einem Buch altjüdischer Poesie übersetzt. Der Sinn war unzweideutig, wenn es darin hiess: „Mein Herz gehört Euch, israelischen Führern, die sieh zu schlagen wissen...“ Ganze Redaktionsteams Unterzeichneten und veröffentlichten Resolutionen für die Wiederaufnahme der tschechoslowakisch - israelischen Beziehungen und die massgebliche Wochenschrift „Literärni Listy“ räumte dem jüdischen Schriftsteller Arnost Lustig anderthalb Seiten für eine Antwort auf kritische Aeusserungen des slowakischen Dichters Laco Novomesky ein, der nicht eben als judenfreunlich bekannt ist. Als ich in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes und einem der prominentesten Führer des Demokratisierungs - Prozesses, Prof. Dr. Eduard Goldstükker, die Frage stellte, ob er in Israel ein reaktionäres und aggressives Land erblicke, antwortete er mit einem unzweideutigen Nein. DAS JUEDISCHE DILEMMA „Obwohl sich die Jüdische Gemeinde auch in der Vergangenheit nicht über Diskriminierung gegenüber andereu Religionsgemeinschaften beklagen konnte, begrü. ssen wir die Demokratisierung, weil Juden stets dort leichter atmen, wo es mehr Freiheit gibt“, erklärte mir der Generalsekretär des Rates jüdischer Gemeinden in Böhmen und Mähren, Heitiinger. Was die Diskriminierung in der Novotny-Aera, insbesondere aber in den furchtbaren fünfziger Jahren anbelangt, so kann Heitlingers Erklärung nur zum Teil akzeptiert werden Der latente Antisemitismus der stalinistischen Zeit fand auch in Prag deutlichen Ausdruck. Elf der vierzehn Angeklagten und acht der elf zum Tode Verurteilten im Slansky-Prozess waren Juden. In der Berichterstattung über den Prozess wurde das sehr klar herausgestrichen und der Terminus „zionistische Zersetzungsarbeit“ und „jüdischer Kosmopolitmus“ spielten eine wichtige Rolle. Die Briefmarken, die vor einem Jahre aus Anlass des Milleniums der Prager Judengemeinde erschienen waren, sind nach einem Protest der Araber aus dem Verkehr gezogen worden und können jetzt nur beim Philatelistendienst erworben werden, soweit der Vorrat noch reicht. Im Zuge der Demokratisierung formulierte auch der Rat der Jüdischen Gemeinden seine von der Presse veröffentlichten Forderungen. In diesen wird die Verurteilung aller antisemitischen Aeusserungen aus den Zeiten der politischen Prozesse und die Rehabilitierung auch jener Juden gefordert, die nicht nur Opfer gerichtlicher Repressalien wurden, sondern auch solche administrativer Eingriffe. Die Rassenverfolgung soll in der Sozial- und Gesundheitsgesetzgebung der politischen Verfolgung gleichgestellt werden. Die Militärverwaltung wurde aufgefordert, den Zugang zu einer Stelle auf dem Interview mit Abba Eban Paris. — „Das wahre Problem im Mittelosten ist, dass Nasser auch nur den Gedanken an Verhandlungen ablehnt und keinen Frieden will. Diese Information wurde uns offiziell übermittelt“, erklärte Israels Aussenminister Abba Eban in einem Interview mit der französischen Zeitschrift „Réalités“. Ueber die Grenzen befragt, erklärte Eban; „Ueber alle Grenzen kann verhandelt werden. Eine Ausnahme bildet nur das ungeteilte Jerusalem“. Zu der Frage über das Embargo auf die Mirages - Flugzeuge äusserte er, dass „diese Massnahme die diplomatische Situation im Mittelosten etwas mehr eingeforren hat“. (ITA) Politik und Sicherheit Jerusalem. — In der letzten Kabinettssitzung gelangten Fragen der Politik und Sicherheit zur Sprache. Im weiteren stand der Plan, die Informationsdienste für das Ausland aktiver zu gestalten, zur Diskussion. Diesen Diensten wurde ihre geringe Aktivität nach dem Sechstagekrieg zum Vorwurf gemacht. Mit der Annahme eines Planes, den Abba Eban dem Kabinett vorlegte, sollen sie neuen Impuls erhalten. Anscheinend benötigt Eban 4 Millionen IL zur Ankurbelung dieser Dienste, welche sich auf alle ausländischen Hauptstädet erstrecken sollen. Der Aussenminister beabsichtigt, besondere Informationsbüros in den diplomatischen Vertretungen Israels einzurichten und israelische Fachleute und Akademiker an ausländische Hochschulen zu entsenden, damit sie dort Vorträge halten und die intellektuellen Schichten in der Welt über die israelischen Realitäten informieren, da diese heute einen grösseren Einfluss zu gewinnen scheinen. Eban berichtete ferner über seine Gespräche mit UN-Schlichter Dr. Jarring, der seine Mission nicht als beendet ansehe. Er informierte auch über die Unterhaltungen, die in London zwischen Jarring und dem Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums, Gideon Rafael, stattfanden. Er betonte, dass Israel Dr. Jarring seine Unterstützung zugesagt habe. Eban bezog sich hierauf auf die von Nasser in Moskau und Belgrad abgegebenen Erklärungen, die zu der Vermutung berechtigten, dass Nasser sich weiter an die Beschlüsse der Konferenz von Khartum gebunden fühlt und seine kriegerische Politik nicht zu ändern gewillt ist. Verteidigungsminister Mosche Dajan erstattete einen Bericht über die letzten Sabotageakte und die israelischen Gegenmassnahmen. (ITA) Fluss Oher freizugeben, wo die Asche von 20.000 jüdischen NS-Opfern verschüttet wurde. Internationale politische Ereignisse sollen künftighin den Status der jüdischen Gemeinschaft nicht gefährden und den Juden der CSR soll der Kontakt mit den brüderlichen Organisationen im Ausland gestattet sein und bleiben. Die Prager Juden wollen im nächsten Jahre das Millenium nun auf breiter Basis und unter repräsentativer Auslandsteilnahme begehen. Schliesslich wird die Regierung aufgefordert, der Jugend eine religiñse Erziehung ohne administrative Schikane zu ermöglichen. So klar auch die Haltung und die Lage der Juden in Böhmen und Mähren ist, so verwirrt ist sie in der Slowakei. Denn dort geht der Demokratisierungs - Prozess Hand in Hand mit einer Wiederbelebung des slowakischen Nationalismus. Die Föderalisierung des Landes mag an und für sich gerechtfertigt sein, doch ist es nicht verwunderlich, wenn der Ruf der Slowaken nach Autonomie die Ueberreste des slowakischen Judentums an die trübe Zeit des faschistischen Tiso - Regimes erinnert. Die Befürchtungen des slowakischen Judentums sind, nur allzu verständlich, wenn man in Betracht zieht, dass die Anhänger der einstigen faschistischen Volkspartei Hlinkas sich begeistert hinter die Demokratisierungs¬ und Föderalisierungsbewegung stellen, in Wirthäusem nicht nur nationalistische sondern auch antisemitische Lieder wieder populär werden, der einstige faschistische Innenminister San» Mach im Zuge der Amnestie aus dem Gefängnis entlassen wurde, während die heutigen prominenten Vertreter des slowakischen Föderalismus, Gustav Husak und Laco Novomesky, nicht gerade als Judenfreunde bekannt sind. All dies führte zu einer merkwürdigen Reaktion: die slowakischen Juden, auch die treuesten Kommunisten unter ihnen, haben plötzlich ihr jüdisches Her* entdeckt. Sie fühlen sich in der Slowakei nicht mehr geborgen und blicken oft mit wehmütigen Augen nach Israel. USA und Mittelostkrise Tel Aviv. — Der neue USABotschafter vor den UN, George Ball, besuchte Israel und konferierte mit Premierminister Levi Eshkol über die Position der Vereinigten Staaten in der Mittelostkrise. Die Unterhaltungen begannen kurz nachdem Eshkol gerade öffentlich erklärt hatte, dass Israel unverzüglich 100 Phantom-Düsenbomber braucht. Ball und der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten, Joseph Sisco, setzten Gespräche fort, die von dem Direktor des State Department für arabisch-israelische Fragen, Alfred I. Atherton, mit Aussenminister Abba Eban geführt wurden. Regierungssprecher teilten mit, dass Ball und Eshkol sich über die heutige Lage im Mittelosten vom Gesichtspunkt ihrer beiden Regierungen und dem der Vereinten Nationen unterhalten haben. Botschafter Bali begab sich von Israel aus nach Amman. Inzwischen verlautete, dass die USA den Transjordaniern angeblich 54 Patton-Tanks geliefert haben, um die von diesem Land im Sechstagekrieg erlittene* Verluste zu kompensieren. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83* Registro de la Propiedad Intelectual N? 941 226