Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2273 (21.6.1968)
- Date
- 1968-06-21
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O 00 O C FRANQUEO PAGADO ♦* — fc s 2 Concesión 908 o “c <o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Ano XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE JUNIO DE 1968 , N® 2173 EL ejemplar qn en toda la República PUEYRREDON 2190 1\izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 So verloren die UN den Frieden voQ J. E. PALMON Polen und der Orient i- ,Pol®ns Haltung im Nahostkonflikt und die anti-israelische Propaganda Warschaus scheinen sich jetzt für das Land wirtschaftlich bezahlt zu machen, So behauptet wenigstens die warschauer Regierung. Libyen hat bei polnischen Werften unlängst 33 Hochseefischkutter in Auftrag gegeben. Wie aus polnischen Quellen zu erfahren ist, sollen die Schiffe gleichzeitig auch für Kriegszwecke benutzbar sein. Auch die polnischen Waffenlieferungen an die arabischen Staaten wurden erhöht, gleichzeitig der übrige. Handel intensiviert. Aegypten dürfte zu den grössten Handelspartnern Polens im arabischen Raum gehören. Es bestellte bei der Autofabrik in Sanok für die ersten sechs Monate dieses Jahres 954 Anhänger mit einem Ladeumfang von je 3,5 Tonnen, die laut „Trybuna Ludu“ der Landwirtschaft Nassers dienen sollen. Die Aussenhandelszentrale in Warschau, „CEKOP“, begann mit dem Export von Papier- und Zuckerfabriken nach Aegypten. Die Zahl der polnischen Berater in den arabischen Ländern erhöhte sich in letzter Zeit fast um das Doppe.te. Erst unlängst traf eine grössere polnische Beratergruppe in Damaskus ein. In ihren Reihen befinden sich u. a. Techniker und Experten für die Projektierung von Phosphatwerken. Die polnischen Fluglinien ,.LOT“ haben ihre Tätigkeit auch auf Saudi Arabien und Libyen ausgedehnt. Das gleiche gilt für das polnische Reisebüro „Or¬ bis“, das in Kairo bereits Ermässigungen für polnische Sammelreisen nach Aegypten erreicht hat. Die „Archäologische Station der Universität Warschau“ unter Prof. Michalowski in Aegypten erstreckt ihre Tätigkeit neuerdings auch auf die Cyrenaika. Warschau hat umgekehrt für 1968 mehr Stipendien für arabische Studenten zur Verfügung gestellt. Ausser zahlreichen Arabern und Syrern studieren zur Zeit 75 Iraker, 109 Sudanesen und 120 Tunesier. Etwa 1.3000 arabische Techniker werden gratis in Polen fortgebildet, die meisten von ihnen sind Aegypter. Sie befinden sich in elektrotechnischen und mechanischen Betrieoen, in geologischen und landwirtschaftlichen Institutionen, andere sind auf der grössten polnischen Schiffswerft in Danzig tätig oder als Praktikanten im Fischerei-Institut in Gdingen oder in der „Bierut-Hütte“ in Tschenstochau. Die sprachliche Ausbildung erhalten sie am Spracheninstitut in Lodz, wo sie im „Lumumba-Studentenviertel“ wohnen. Das grösste Kontingent ägyptischer Studenten weist Breslau auf. Hier sind auch Praktikanten in der polnischen Rüstungsindustrie tätig. Mit den Aufgaben, die polnische wirtschaftlich-technische Expansion in den arabischen Ländern zu koordinieren, wurde der neuernannte Botschafter der Volksrepublik Polen in Tunis, Jerzy Wiechecki, betraut. Wiechekki hat gleichzeitig die strikte Order mit auf den Weg bekommen, nicht nur die „fortschrittlichen“ arabischen Länder im Auge zu behalten, sondern auch die „reaktionären und feudalen“. Ob sich jedoch all diese Bemühungen im arabischen Raum rentieren werden, bleibt abzuwarten. Schon jetzt werden neben „Vietnamhilfen“ dem polnischen Arbeitnehmer „Spenden“ für die „notleidende, von den Israelis terrorisierte arabische Bevölkerung“ abgenommen. Ausserdem ist es nicht nur in Warschau ein offenes Geheimnis, dass Nasser bankrott ist. Wer soll das bezahlen’ Wahrscheinlich der polnische Steuerzahler. Beim Suchen in der Bubli.othek fiel mir ein Aktenstück in die Hand: es enthä.t die Berichte und Pressemitteilungen, die U Thani und das Sekretariat der Vereinten Nationen in den spannungsreichen Wochen im Mai 1967 über die Zuspit zung der Situation und über den Abzug der UNEF-Truppen veröffentlichten. Auch nach einem Jahr war es eine spannende Lektüre — trotz des trockenen und betont vorsichtigen Amtsstils des UN-Sekretariats, und die Dokumente belehren auch heute noch den Leser, wie die Organisation der Völker und ihr Generalsekretär damals den Frieden im Mittleren Osten verloren. Die Reihe der Veröffentlichungen wird mit einem zusammenfassenden Bericht abgeschlossen, der vom 26 Juni 1987 datiert ist und in dem U Thant sich gegen die zahlreichen Vorwürfe zur Wehr setzt, die gegen ihn wegen des Abzuges der UN- Schutztruppe (UNEF) erhoben worden waren. In einem Vorwort erk ürt U Thant dass es zur Erklärung der Situation notwendig ist, die Ereignisse nicht nach Tagen. sondern nach Stunden, zu verfolgen. Der Bericht des UN - Generalsekretärs gibt auch eine nach Stunden fortschreitende Darstellung der Krise im Mittleren Osten. Das Ganze begann am 16 Mai, als der Stabschef der ägyptischen Armee, General Fawzi, den Chef der UNEF. den indischen General Rikhye. zur sofortigen Zurückziehung seiner Truppen aufforderte. Der General spürte, dass er nicht ohne seinen Herrn und Meister vorgehen konnte, und er wandte sich daher sofort ans UN-Generalsekretariat- Wenige Stunden nach Eingehen der Meldungen Rikhyes bat U Thant den ägyptischen UN - Botschafter zu sich und erörterte mit ihm die Situation. Im Bericht wird nicht gesagt, was er mi ihm besprach — dies geht erst aus späteren Erklärungen hervor. Sicher ist jedoch, dass U Thant in dieser ersten Unterredung noch am 16. Mai den entscheidenden Fehler beging, er erklärte dem Aegypter' nämlich. Kairo sei durchaus berechtigt, den Abzug der UN-Truppen zu verlangen und das ÜN-Sekretariat werde nachgeben, wenn eine offizielle Forderung seitens der Regierung Aegyptens eintreffen werde. Damit hatte er Kairo Appetit gemacht und Nasser klargelegt, dass es seitens der UN keine Schwierigkeiten geben würde. Die Ereignisse entwickelten sich dann in atemberaubendem Tempo: noch vor Eingehen einer offizieller ägyptischen Note über den Abzug, zwangen die Truppen Nassers die UNEF-Einheiten, ihre Positionen zu räumen. Sie waren ja sicher, dass man nachgeben würde. Noch vor Ueberreichung der offiziellen Note im UN-Sekretariat tzi.ten die Aegypter in Kairo denjenigen Staaten mit, die Kontingente in der Zone von Gaza oder Scharm el Scheich stationiert hatten, dass sie verschwinden müssten. Aegypten konnte ja seiner Sache sicher sein! Inzwischen hielt U Thant mit den Vertretern der Länder, die Truppen für die UNEF geschickt hatten, zwei Besprechungen ab, eine informelle am 17. und eine zweite am 18. Mai. Schon in der ersten wies er auf die Zwangslage der UNEF-Einheiten hin und vertrat die Auffassung, es bleibe gar kein anderer Ausweg als schneller und kompletter Rückzug. Ob er den Teilnehmern der Besprechungen gesagt hat, dass er sich schon einen Tag vorher festgelegt und dem Rückzug der Trupgen zugestimmt und sich selbst zugleich den Rückzug abgeschnitten hatte, darüber schweigt der Bericht U Thants, der auch in anderen Punkten schweigsam ist oder unangenehme Fragen mit sehr vorsichtigen Andeutungen umgeht. Die zweite — offizielle — Besprechung mit den Staaten fand am 19. Mai statt — dieses Mal schon nach Vorliegen einer offiziellen Mitteilung der ägyptischen Regierung, in der schleuniger Abzug der UNEF-Soldaten gefordert wird. Ueber den ' Verlauf der Sitzungen äussert sich U Thants Bericht recht zurückhaltend. Er erwähnt verschiedene Auffas-, sungen. die geäussert wurden, sagt jedoch nicht, dass einige Staaten (darunter Kanada) ausgesprochen gegen Rückzug waren, während natürlich Jugoslawien und Indien (die heute so um den Frieden und das Schicksal der Araber besorgt sind) für sofortige Befolgung der Wünsche der Aegypter eintraten. Die Abstimmung endete ohne Ergebnis — d. h. die Mitglieder des Ausschusses machten von. ihrem Recht auf Appell an die UN- Vollversammlung keinen Gebrauch. Diese Tatsache führt U Thant zu seiner Rechtfertigung an. Die hier gebrauchte Argumentation ist für seine Taktik typisch: zuerst hatte er durch seine Erklärungen den Mitgliedern des Ausschusses praktisch die Handlungsfreiheit genommen, nachher macht er ihnen versteckte Vorwürfe, dass sie nichts mehr getan haben. Kanada wurde übrigens später für sein Verhalten von den Aegyptern „bestraft“. U Thant erklärte in einem seiner Berichte, dass der Abzug der UNEF-Soldaten in ruhiger und würdiger Weise vor sich gehen werde, tatsächlich mussten die kanadischen Soldaten wegen des „feindseligen“ Verhaltens ihrer Regierung Hals über Kopf abtransportiert werden. So reagierte Kairo auf das Entgegenkommen des UN-Generalsekretärs. U Thant wurde aber auch weiterhin von Nasser und dessen Ministern alles andere als gut behandelt. U THANT BESUCHT KAIRO Nachdem der UN-Generalsekretär in einer Note Kairo offiziell mitgeteilt hatte, dass er Weisung zum Abzug der UNEF-Truppen gegeben habe, begann er zu spüren, dass hier eine Krise grossen Umfangs im Anzug begriffen sei. Schon in seiner Note hatte er gesagt, dass er gegen das Vorgehen Aegyptens ernste Bedenken habe. Er bat den Botschafter Aegyptens nachzufragen ob Nasser vielleicht bereit sei, seine Entscheidung zu revidieren und ob er an den ägyptischen Präsidenten eine entsprechende Bitte richten solle. Einige Stunden später überreichte der verängstigte ägyptische Diplomat die Antwort: U Thant solle ja nicht versuchen. Nasser um Aenderung seiner Politik zu bitten, er habe nur mit einer entschiedenen Zurückweisung zu rechnen. Der in Angst geratene UN - Generalsekretär verlegte sich daraufhni aufs Bitten; ob er nicht vielleicht wenigstens nach Kairo zu einer persönlichen Aussprache kommen könne. Dieser stimmte Nasser gnädigst zu, und am 22. Mai begab sich U Thant nach Kairo. Der Bericht über diesen Besuch ist sehr interes sant, weil er nämlich zeigt, dass die Furcht vor Nasser, die den ägyptischen Botschafter, einen Untergebenen des allmächtigen Nasser beherrschte, auch den Sekretär der Volker-Organisation ergriffen hatte. Schon auf dem- Wege nach Aegypten — nämlich in Paris — erlebte U Thant eine unangenehme Ueberraschüng. Er erfuhr dort’, dass Nasser die Meerenge von Tiran gesperrt hatte, ohne auf U Thants Ankunft zu warten. Der Bericht U Thants über seinen Aufenthalt in Kairo ist sehr unbestimm* gefasst. Dort wird nicht er wähnt, dass er am Flugplatz von tobenden Jugendlichen mit Schreien empfangen wurde: „Krieg mit Israel“. Ueber die Unterredungen mit Nasser sagt U Thant nichts Näheres, er bemerkt nur, dass Nasser und Riad ihm die „Haltung Aegyptens klar gelegt hätten, wie sie in der Rede des Präsidenten am 22. Mai vor einem Flieger - Kommando zum Ausdruck gekommen sei. Die sowjetische Agentur TASS hatte die Rede in vollem Umfang widergegeben.“ Der Leser wird also auf TASS verwiesen, weil es U Thant unangenehm war, selbst -die Worte Nassers zu zitieren. Was hatte nun Nasser in der Rede am 22. Mai ge sagt? Er hatte erklärt, dass die ägyptischen Truppen im Sinai und der Zone von Gaza im Zustand „voller Mobilisierung“ seien. „Möglicherweise wird der Krieg eine Gelegenheit für Israel und General Rabin sein, die Stärke ihrer Truppen zu prüfen. Sie werden sich dann überzeugen, dass alles, was Israel über die Kam pagne von 1956 und über die Sinai-Kampagne sagte, blosse Lüge war.“ Am 22. Ma: hatte also Nasser berichtet, dass seine Truppen „vollmobilisiert seien“, während U Thant, der sich nach aussen noch ‘bemühte, die Gefahr zu unterschätzen, noch am 19. Mai geschrieben hatte: „die Truppen _ Bewegungen auf beiden Seiten haben keinen alarmierenden Umfang erreicht.“ Ueber die Frage Tiran sagt U Thant in seinem Bericht vom 26. Mai nur, dass er Aegypten vor übereilten Konsequenzen gewarnt habe, da Israel die Sperre der Strasse als casus belli be trachte. Ueber die ihm widerfahrene Behandlung äussert er sich erst in seinem Abschluss-Bericht von En de Juni: „Nasser erklärte, die Regierung von Aegypten habe schon gewisse Zeit vorher Verhängung der Sperre beschlossen, und sie hielt es für zweckmässig, die Ankündigung vor mei ner Ankunft zu veröffentlichen.“ U Thant sollte vor vollendete Tatsachen gestellt werden, es sollte keine Möglichkeit zum Debattie ren mehr geben. Dieses Vorgehen wirft ein deutliches Licht auf Nassers Taktik. Unter diesen Umständen wirkt es naiv, wenn U Thant in seinem Bericht vom 26. Mai mitteilt, Nasser hätte ihm versichert, es gehe ihm nur um Rückkehr zum Zustand vor 1956 und „Aegypten würde keine of fensive Aktion gegen Israel starten“. Wie ernst Nassers Versprechen zu nehmen war, ergibt sich aus seiner Rede vom 29. Mai in der er sagte, er wolle nicht nur zur Situation vor 1956 zurückkehren, „sondern zum Zustand vor 1948“ — was praktisch Auslöschung Israels bedeutet hätte. Angesichts aller dieser Tatsachen wirkt es erst recht naiv, dass U Thant „alle beteiligten Seiten“ zu grösster Zurückhaltung aufrief und Wiederbelebung der der Waffenstillstands-Kommissionen zur Sicherung des Friedens im Mittleren Osten empfahl. Ich legte das „Aktenstück U Thant“ aus der Hand und erinnerte mich an das Tempo der folgenden Ereignisse. In Israel wurde am 1. Redaktionsschluss dieser Ausgabe. Mittwoch, den 19. Juni, um 15 Uhr. Flugplatz Haifa. — Der Flugplatz in Haifa wird mit einem Kostenaufwand von mehr als einer Million IL vergrössert. Juni die Regierung der na tionalen Einheit gebildet die der Bevölkerung neue Zuversicht und Entschlossenheit verlieh. Am 3. Juni abends war ich in einer privaten Gesellschaft, in der jemand scherzhaft bemerkte: „Ich habe gehört, dass unsere Regierung schon Mi litärgouverneure für die besetzten Gebiete ausbildet“ Alle Anwesenden lachten —, aber der Scherz wurde in einer Weise zum Ernst, wie es sich niemand vorgestellt hatte. Bereits fünf Tage später war der erste Militärgouverneur, Aluf Chaim Herzog, in Jerusalem im Amt. Die Waffen hatten die Geschichte schnell korrigiert nachdem die Vereinten Nationen mit dem Generalsekretär an der Spitze den Frieden verloren hatten. Zusammenstoss am Suezkanal Jerusalem. — Eine ägyptische Division kreuzte den Suezkanal und drang über 30 Meter in die Sinaiwüste vor, wo sie nach heftigem Kampf von den Israelis unter schweren Verlusten zurückgeworfen wurde. Dei israelische Sprecher teilte mit, dass das ägyptische Kommando israelische Positionen nordwest, lieh von Romani angegriffen habe. Die Israelis infor mierten die an der Feuereinstellungslinie postierten UN-Beobachter von dem Zwischenfall und übergaben später durch Vermittlung des Roten Kreuses die Lei chen der getöteten Aegypter, darunter die eines Offiziers, zurück. Am Jordan kam es zu Artilleriegefechten zwi sehen israelischen und tra ns jordanischen Truppen Israel verfügte die Alarmbereitschaft seiner Einhei ten und verschiedene Sicherheitsmassnahmen, da diese Zwischenfälle den Auftakt zu einer Aktion grösseren Ausmasses bedeuten könnten. Ein Sprecher aus Kairo behauptete, Israel habe an den Grenzen mit Aegypten, Libanon und Trans Jordanien Truppen mobilisiert. Ueber die von Israel gemeldete Operation am Suezkanal verweigerte das ägyptische Oberkommando nähere Informationen. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83’ Registro de la Propiedad Intelectual N* 947 226