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Jüdische Wochenschau · 1968-06-14 · 2272 (14.6.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2272 (14.6.1968)
Date
1968-06-14
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1* izq. J&iJénuiKCíD&i&eliicL T. E. 83 - 26 1 3 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 14 DE JUNIO DE 1968 N? 2SJJ2 Debatte vor dem Kongress von JEHUDA GOTTHEIMER stigen und politischen Gaben _ über die Beziehungen zu Dass sich der 27. Zionistenkongress zu Jerusalem mit der Frage der Zukunft, der weiteren Existenz und der weiteren Aufgaben zu beschäftigen hat, die der Zionistischen Organisation Zufällen, müssen wir als ein positives Zeichen der grossen Entwicklung aufnehmen, deren Zeugen wir mit der Staatwerdung Israels »nd damit der Verwirklichung des zionistischen Ziels selbst gewesen sind. Während sich der Erste Kongress (1897) mit der Aufstellung eines Ziels beschäftigte, das von der überwiegenden Mehrheit aller Juden und selbst der Delegierten als eine Utopie oder als ein fernes Ideal betrachtet wurde, stehen wir heute vor der Frage, öb und in welcher Form die damals geschaffene Zionistische Organisation weiterbestehen solle. Es wird sich zeigen, dass es trotz aller Schwierigkeiten leichter war, ein Programm aufzustellen, das den Gefühlen und Vorstellungen der jüdischen Massen entsprach, als heute den Weg durch eine harte Wirklichkeit zu bahnen. Damals kamen drei Delegierte aus Palästina nach Basel, W. Gross, Heinrich Löwe und A. S- Jehuda, heute findet der Kongress in Israel statt, und sei ne überwiegende Mehrheit wird aus israelischen Delegierten bestehen. Wir können beobachten, dass sich die Haltung der Juden, die in Israel leben, in den 20 Jahren des Bestehens der Medinat Jisrael geändert hat, was auch für die in Israel geborene Jugend gilt. Während im ersten Jahrzehnt unter den Juden in Israel eine Animosität gegen das Diaspora-Judentum bestanden hat, während vor allem die jüngeren Menschen nicht verstehen konnten und nicht verstehen wollten, warum die Juden der Galut nicht die einzig logische Konsequenz aus der Schaffung ihres Staates ziehen und nach Israel übersiedeln, machte sich in der letzten Zeit eine positive innere Beziehung zwischen Israel und den ausserhalb des Landes lebenden Judenheiten bei den Israelis bemerkbar. Während die Juden in der Welt vom ersten Tage an dife Schaffung des Staates Israel als das entscheidende Ereignis im Leben des jüdischen Volkes betrachteten und den jungen Staat als ihr Israel ansahen, fand diese Liebe des Volkes draussen in der Welt auf israelischer Seite eine kühle und nüchterne Haltung, und dies aus Gründen, für die wir vol les Verständnis haben müssen. Hierbei handelte es sich nicht um eine Reaktion des ersten Augenblicks, als das kleine Israel allein stand und immer wieder — täglich und stündlich — um seine Existenz und um das Leben seiner Bürger gegen unerbittliche und unversöhnliche Feinde kämpfen musste Mit dem Sechstagekrieg, der so viele Wandlungen im Leben Israels aber auch im Leben des jüdischen Volkes ausserhalb der israelischen Landesgrenzen herbeigeführt hat, änderte sich diese Haltung. Israels Volk begriff, dass es wirklich nur einen unbedingten Verbündeten in seinem Kampf hat: das jüdische Volk. Und das jüdische Volk begriff, dass es nicht nur Verbündeter rieht nur Alliierter ist und sein darf, dass es sich vielmehr vollkommen mit der Existenz des Staates identifizieren muss. Denn alle haben inzwischen gelernt, dass die Existenz und die Zukunft Israels mit der Existenz und der Zukunft des ganzen jü dischen Volkes in einem unlösbaren Zusammenhang steht. Die Debatte um das Weiterbestehen und den Aufgabenkreis der Zionistischen Organisation (Z. O) wurde des öfteren durch persönliche Auseinandersetzungen getrübt und erschwert, wobei es sich nicht um persönliche Debatten im landläufigen Sinn des Wortes handeit. Im Mittelpunkt dieser Polemitken stand der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Nachum Goldmann, der auf dem Stuhle Herzls seit Beginn des staatlichen Lebens Israels sitzt Dass die Auffassungen Goldmanns, der eine ebenso starke und überragende wie einzigartige Persönlichkeit ist, nicht immer mit denen der israelischen Staatsmänner übereinstimmten, ist bekannt. Der Gegensatz Ben Gurion—Goldmann ist kein persönlicher, wohl aber durch die verschiedenartigen Persönlichkeiten bedingter, der sich auch auf die Nachfolger Ben Gurions in Israel übertragen hat. Dass Goldmann in vielen Fragen Recht hatte, können auch seine Gegner nicht bestreiten. Der Beitrag Goldmanns und der von ihm geführten Zionistischen Organisation am Aufbau des Staates Israel in vielen Hinsichten war bedeutsam und ist unbestreitbar. Dass es bei der eigenwilligen Persönlichkeit Goldmanns und seinem grossen Einfluss in der internatio nalen Welt mitunter zu Konflikten kommen musste, is. unvermeidbar. Vielleicht ging Goldmann mit manchen seiner Erklärungen zu weit, die er nur deswegen besser unterlassen hätte, weil deren Abgabe nicht Sache des Präsidenten der Z. ö., sondern Angelegenheit der israelischen Regierung und ihres Aussenministers gewesen wäre. Damit kommt man jedoch auf die Kernfrage: Wo laufen die Grenzlinien zwischen der Zustän digkeit der Regierung Israels und der Z.O.? Welche Aufgaben fallen edr ZO heute noch zu? — Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, verlieren die „persönlichen" Debatten jegliche Bedeutung. Gewiss hat es eine grosse Bedeutung, wer zum Präsidenten der Z. O. ernannt wird. Man dürfte kaum einen zweiten Menschen finden, der — abgesehen von seinen grossen geianderen Staatsmännern verfügt wie Nachum Goldmann. Aber die Nachfolgefrage zu lösen, ist vernünftig. Bei allem Respekt vor Goldmann wäre ein Führungswechsel nach 20 oder mehr Jahren angebracht, wenn die Möglichkeit hierzu besteht und damit der Sache genützt wird. Ob es allerdings zweckmässig ist, einen Israeli an die Spitze einer Organisation zu stellen, deren Tätigkeitsgebiet im wesentlichen nicht in Israel liegt, wenn auch die Arbeit ausschliesslich für Israel geleistet wird muss dahingestellt und gut überlegt werden. Der Schicksalsweg unseres Volkes hat uns in der Gegenwart dazu geführt, dass dieses Volk aus zwei sich ergänzenden Teilen besteht aus Israel und der Galut Dass mit einer schnellen Li quidierung der Galut und mit der Uebersiedlung der überwiegenden Anzahl der Juden aus den verschiedenen Judenheiten nach Israel innerhalb einer begrenzten Zeit nicht gerechnet werden kann, ist eine Tatsache, an der sich faktisch und praktisch nichts ändern wird, ob man sie 'begrüsst oder bedauert. Dass die israelische Regierung weder die Verantwortung für die Juden in der Galut übernehmen kann noch soll, ist aus verschiedenen Gründen zu erklären. Denn dies würde zu unüber sehbaren Folgerungen führen und mit der Souveränität Israels ebenso wenig in Einklang zu bringen sein wie mit der Souveränität der Länder, in denen Juden leben. Allein aus dieser Tatsache ergibt sich die Notwendigkeit einer eigenen und spezifischen Organisation des Galutjudentums. Man könnte nun sagen, dass die lokalen oder territorialen Vereinigungen zu diesem Zweck ausreichen würden. Eine Z. O., wie sie bisher bestanden habe, sei deswegen nicht erforderlich. Soll die Repräsentanz jeder Judenheit in der Welt für sich die Vertretung der Juden gegen über Israel übernehmen, mit der die israelische Regierung ihrerseits Kontakt hat, soweit dies erforderlich er scheinen sollte? Diese Lösung ist aber nicht annehmbar. Denn sie würde zu einer völligen Dezentralisierung und damit zu einer Belastung des Staatsapparates in Israel führen. Damit hat sich die erste Aufgabe der Z O. für die Zukunft herauskristallisiert: Die Z. O. ist die Repräsentanz der Juden in aller Welt für sämtliche Aufgaben, die sich aus der Existenz des jüdischen Staates für die Zukunft des jüdischen Volkes ergeben. Wie jedes Rahmenprogramm kommt es jetzt darauf an, diesen Aufgabenkreis in grossen Zügen aufzuzeigen und gegenüber an deren Körperschaften oder Welt - Vereinigungen abzugrenzen. Zunächst einmal kommt es in Zukunft entscheidend darauf an, die Einheit des jüdischen Volkes in allen seinen Teilen, in Israel und der Galut aufrecht zu erhalten. Das ist im wesentlichen eine erzieherische Aufgabe, (Schluss auf Seite 2) Protest gegen einen Kommentar London. — A. L. Easterman, der Direktor für internationale Fragen des JWK, erhob energischen Protest vor Lord Hill of Luton, dem Präsidenten der BBC, gegen einen Kommentar des diplomatischen Korrespondenten der BBC, Christopher Serpell, über den Mord an Robert Kennedy. Serpell kommentierte die Lage im Mittelosten und sprach von den „Gefühlen des verhafteten Arabers aus Transjordanien“, die ihn dazu verleitet hätten, auf Senator Kennedy zu schiessen. „Es handelte sich um den Impuls eines Mannes, der gesehen hatte, wie die Israelis im Jahre 1957 die Araber in Jerusalem mordeten“, äusserte Serpell und erwähnte gleichzeitig die proisraelische Haltung des Ermordeten und seinen Appell an die 5 Millionen Juden in Amerika. Easterman betont in seinem Schreiben an Lord Hill, dass der Kommentar Serpells nicht nur „ein Misston in der Tragödie war, die die ganze Welt mit Schmerz und Schrecken erfüllt hat, sondern auch den toten Senator befleckte“. Ferner stellte er richtig, dass es im Jahre 1957 keine Kämpfe in Jerusalem gab und Sirhan, der damals kaum vier Jahre zählte, zu der (Zeit gar nicht in Jerusalem lebte, so dass er auch nichts von dem gesehen haben könne, was nach Serpells Behauptungen vor sich gegangen sei. (ITA) * _ Warschauer Denkmal für „Mila 18“, den Ort des letzten Bunkers der Ghettokämpfer. El Proceso de Beckerle Nueva York. — El erudito Dr. Jacob Robinson, quien fuera fundador y primer director del Instituto de Asuntos Judíos del Congreso Judío Mundial y más tarde un experto de la ONU en materia de derechos humanos, fué invitado por los tribunales alemanes para comparecer como testigo en el juicio de Adolf Heinz Beckerle, ex embajador nazi en Sofía, Bulgaria. El ex diplomático nazi fué acusado de responsable por la deportación en masa de 20000 judíos búlgaros a los mataderos nazis durante la guerra. El alegato de ta defensa de que la deportación había sido obra de los mismos búlgaros que odiaban a los judíos, fué objetado por el Dr. Robinson en su famoso libro “And the Crooked shall be Made Straight“ (“Y los Cojos serán. Enderezados”), en el cual demostró que el alegato pronazi de Hanna Arendt al respecto había sido falso. La defensa del diplomático se fundó en el libro de Arendt. El Dr. Robinson fué invitado como testigo por la Procuraduría de Justicia de Frankfurt, Alemania Occidental, y va a declarar ante un juez plenipotenciario en el Consulado General de Alemania en Nueva York. SHLOMO S. TANGER Der Prozess Beckerle New York. — Der gelehrte Dr. Jacob Robinson, der Gründer und erste Direktor des Instituts für jüdische Fragen des Jüdischen Weltkongresses und später Sachverständiger der UN für Menschenrechte, wurde von den deutschen Gerichten eingeladen, als Zeuge im Prozess des Adolf Heinz Beckerle, ehemaliger Nazibotschafter io Sofia, Bulgarien, zu erscheinen. Der einstige Nazidiplomat wurde angeklagt, für dio Massendeportation von 20.000 bulgarischen Juden in die nazistischen Todeslager während des Krieges verantwortlich zu sein. Die Behauptung der Verteidigung, dass die Deportation das Werk der Bulgaren selbst war, die die Juden hassten, wurde von Dr. Robinson in seinem berühmten Buch „And the Crooked shal be made straight“ („Und die Hinkenden sollen wieder gerade werden“) widerlegt, in dem er bewies, dass die pronazistische Verteidigung der Hannah Arendt hierzu falsch gewesen war. Die Verteidigung des Diplomaten stützte sieb auf das Buch von Frau Arendt. Dr. Robinson wurde von der westdeutschen Frankfurter Staatsanwaltschaft als Zeuge geladen und wird vor dem bevollmächtigten Richter im Deutschen Generalkonsulat in New York aussagen. SHLOMO S. TANGER „Echo im Mittelosten“ New York. — Im Zusammenhang mit der Ermordung Robert F. Kennedys publizierte die „New’ York Times“ einen Leitartikel unter dem Titel ,,Echo im Mittelosten“, in dem es u. a. heisst: „Der Sicherheitsrat hat. aus Respekt vor Senator Robert F. Kennedy in dieser Woche eine dringende Sitzung vertagt Der Sicherheitsrat könnte das Andenken Kennedys wirksamer ehren, wenn er sich beeilen würde die Fragen zu entscheiden, die ihm vorliegen, so z. B. die fortgesetzten kriegerischen Gewaltakte zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn... „Das Scheitern des Welttribunals und der Israelis und Araber, eine friedliche Lösung im Mittelosten herl eizuführen, scheint ein entscheidender Faktor bei der Ermordung des Senators gewesen zu sein. Wenn diese Untätigkeit der UN weiter anhält, so kann der Unfrieden in diesem Gebiet auf die ganze Welt übergreifen. Der Mann, der des Mordes an dem Senator, welcher verstärkte militärische Hilfe für Israel gefordert hatte, angeklagt wird, ist ein junger, verbitterter, in Transjordanien geborener Araber. Die todbringenden Schüsse fielen, während die Bemühungen zur Herstellung eines gerechten Friedens fehlschlugen und beide Teile sich auf einen neuen Kon l'likt vorbereiteten. „Transjordanien und Aeg.vpten begingen den ersten Jahrestag eines unvollkommenen Friedens mit kriegerischen Schwüren. Der israelische Aussenminister äusserte sich in harten Worten, die schwerlich dem UN- Schlichter Gunnar Jarring bei seiner geduldigen Suche einer friedlichen Lösung helfen dürften. Und Transjordanien und Israel fahren fort, über die schwer geprüfte Waffenstillstandslinie hinweg tödliche Schüsse zu wechseln. Inzwischen scheinen einige Mitglieder der UN mehr interessiert zu sein, die im Mittelosten herrschende Spannung für ihre eigenen Zweck auszunutzen, als eine Regelung zu fördern, die beiden Gegnern Gerechtigkeit widerfahren lässt und Perspektiven für einen dauerhaften Frieden bietet. „Die Ermorung Kennedys ist eine ernste Warnung, dass in der modernen Welt die Anwendung von Gewalt an irgendeinem Ort alle Menschen überall auf dieser Welt bedroht. In Erkenntnis dieser Tatsache wurden die Vereinten Nationen geschaffen, damit sie vernünftige Lösungen beschlossen sollen, um den Krieg zwischen den Völkern zu vermeiden Dies ist die Aufgabe, die in ihrem eigenen Interesse die Zusammenarbeit aller Nationen erfordert und im besonderen derjenigen, welche heute aktiv in das sich ausbreitende Netz der internationalen Gewalt verstrickt sind...“ (ITA) Empoerang in Jerusalem Jerusalem. — Die Regierung Israels ist über einen Leitartikel in der französischen Zeitung Le Monde ungehalten. Darin wurde Sirhan Sirhan, der Ara ber, der des Mordes an Senator Robert Kennedy angeklagt ist, in Schutz genommen, weil er „einer der hunderttausend Palästinenser ist, die aus ihren Heimen vertrieben wurden und Zuflucht in einem fremden Land suchen mussten“, so dass sie verständlicherweise durch die freundschaftliche Haltung des toten Senators zu Israel irritiert gewesen seien. Aussenminister Abba Eban bemerkte zu diesem Artikel, dies sei „abstossendste und betrüblichste Literatur“. Die Zeitung behauptete, der Mord an Kennedy durch einen nationalistischen Palästinenser „besitzt symbolischen Wert“ ein Jahr nachdem Sieg Israels und 20 Jahre nach seiner Gründung. (ITA)

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