Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1968-05-31 · 2270 (31.5.1968) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2270 (31.5.1968)
Date
1968-05-31
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9616177-9616344--5221-9616345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

PUEYRREDON 2190 — 1* izq. Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 31 DE MAYO DE 1968 N? 0 Nach der Ueberlieferung fand am 6. Siwan die Offenbarung am Sinai statt. Drei Monate, nachdem das Volk seinen Weg aus der Knechtschaft Aegyptens angetreten hatte, stand es am Sinai. Im Laufe unserer Geschichte sind aus Mizrajim und Sinai feste Begriffe geworden, die nicht nur geographische Bezeichnungen darstellen. Beide sind Stationen aus der Frühgeschichte unseres Volkes, die jedoch bis in den heutigen Tag wirken und unseren Weg durch die Zeiten und Völker bestimmt haben. Dort am Sinai wurde der ewige Bund geschlossen. Hier erhielt das jüdische Volk seinen Auftrag, seine Aufgabe, seine Mission, Träger und Garant des Gesetzes zu sein, das Ihm am Sinai offenbart worden ist. Durch den Auszug aus Aegypten wurden die Juden zum Volk. Am Sinai wurde fas „heilige Volk“ geschaffen, hier wuchsen Volkstum und Religion zu einer unlösbaren Einheit zusammen. Damit wurde das jüdische Volk herausgehoben aus allen anderen Nationen, damit erhielt es seine Sonderstellung und hierin ist auch sein Sonderschicksal begründet. Wegen dieses Bundes hat Israel nicht nur die Aufgabe übernommen, das Gesetz in die Welt hinauszutragen, sondern auch für dieses Gesetz zu leben und zu leiden An diese Verpflichtungen gemahnt uns das Schawuotvon JEHUDA GOTTHEMER Fest in diesem Jahr vielleicht noch mehr ais in früheren Zeitabschnitten. Denn die allgemeine Situation, in der sich heute die Menschheit befindet, verlangt Beiinnung von allen, die sich für die 'Zukunft ihrer Familie, ihrer Gemeinschaft, nur für uns. Sie gilt für die ¿,anze Menschheit. Denn die Lehre des Sinai ist nicht auf nationale Grenzen 'beschränkt, sie ist nicht eine Weisung für ein Volk allein und sein nationales und religiöses Leben und Erleben iJie Lehre des Sinai ist uni- Dreifache Last für Israel Jerusalem. — Verteidigungsminister Mosche Dajan versicherte in einem Radio-Interview, dass Israel im Notfälle die dreifache Last eines neuen Krieges gegen die Araber, der Bekämpfung der Terroristen und der Verwaltung der besetzten Gebiete für die kommenden Jahre zu tragen imstande ist. Er fügte allerdings hin zu, dass die Israelis unter diesen Umständen ihre gegenwärtig aufstrebende Oekonomie opfern und sich mit weniger begnügen müssten, um den schweren Anforde rungen gerecht zu werden, trotz der vom Ausland und dem Keren Hajessod geleisteten Hilfe General Dajan äusserte ferner, dass die Ara'besich zur Wiederaufnahme des Krieges gegen Israel vor bereiten, aber ein solches Unternehmen nur riskieren würden, wenn sie der Unterstützung der Sowjetunion sicher wären. Auf die Frage, ob Israel mit den Terroristen fertig werden könne, entgegnete er, Israel habe wohl die Kraft dazu, doch sei der Terrorismus auf der anderen Seite der Grenzen derart tief eingewurzelt, dass er nur dann völlig ausgerottet werden könne, wenn die Araber sich mit der Existenz Israels aussöhnen würden. (ITA) ihres Volkes und damit alter Nationen verantwortlich fühlen Das ist der Sinn, wenn wir der Offenbarung am Sinai gedenken, heute wie ehedem, aber heute als eine ausserordentliche, zeitnahe Forderung. Die Mahnung gilt nicht Bemühungen um den Frieden NUR DIREKTE VERHANDLUNGEN Tel Aviv — Premierminister Levi Eshkol lehnte erneut jegliche Regelung des Mittelostkonflikts ab, die durch Garantien von den UN oder ausländischen Mächten oder durch irgendwelche „undurchsichtigen Machenschaften“ zustande käme Er erklärte vielmehr, dass es keinen Ersatz für einen Frieden gäbe, der offen in direkten Verhandlungen zwischen Israel und den Arabern geschlossen wird. Aus Hebron verlautete, dass der Bürgermeister Mohammed Jabari dem Herausgeber des Jewish Chronicle, William Frankel, in einem Interview folgende Erklärung abgab: „Ich bin bereit in direkte Verhandlungen mit Israel zu treten, um eine arabische Regierung im Westbezirk zu bilden, falls die Mission Jarrings scheitern sollte.“ TN WASHINGTON Washington — „Der arabisch - israelische Frieden muss von den direkt interessierten Parteien geschlossen werden und kann weder durch ein nordamerikanischsowjetisches Abkommen noch durch Druck von aussen zustande kommen“, versicherte Arthur Goldberg tn seiner Rede vor dem Staatlichen Presseklub, in dem er in seiner Eigenschaft als USA-Botschafter vor den UN auftrat. Goldberg betonte, dass eia „gerechter und dauerhafter Frieden nicht aufgezwungen werden kann“ und bezeichnte eine Einigung zwischen den direkt betroffenen Teilen als vital, weswegen es notwendig sei, den von vielen Seiten angeregten Gedanken fallen zu lassen, dass die USA und Sowjetrussland die Angelegenheit im Mittelosten regeln sollten. Nach Goldbergs Auffassung haben andere Weltprobleme dis Gefahren im Mittelosten verdunkelt, so dass eine Lockerung der dortigen Spannung von äusserstei Wichtigkeit sei. Als Erklärung dafür, warum sein Land sich aus der Abstimmung über die Resolution, die Israel wegen der „Annexion“ Ostjerusalem«- verurteilte, ferngehaiten hat, gab er an, dies sei aus der „tiefen Ueberzeugung“ der USA geschehen, dass der Mittelostkonflikt als Ganzes behandelt werden müsse und nicht „stückweise“ betrachtet werden dürfe. Er fügte hinzu, es handele sich um eine Frage von „elementarer Gerechtigkeit“, da die arabischen Staaten sich ungestraft über die Beschlüsse der UN hinwegsetzen. Trotzdem betonte Goldberg, dass seine Regierung „die einseitige israelische Position in Jerusalem nicht als gerecht ansieht.“ Auf Fragen stellte er in Abrede, von irgendeinem Plan Kenntnis zu haben, der eine Regelung im Mittelosten mit der Frage Jes Friedens in Vietnam in Verbindung bringen soll. Versal. Ihre Forderungen sind an alle gerichtet, unabhängig von nationalen, sozialen oder sonstigen Schranken. Die Menschen in ihrer Gesamtheit sind angesprochen. Nicht vom einzelnen allein, von allen Menschen wird ein Leben in den Bahnen des Gesetzes gefordert, das für alle im Sinai verkündet worden ist. Auf die Frage des Rabbi S: neon ben Jochai: „Wer lür wen wurde geschaffen?“ entgegnete er: Die Thora wurde für die Juden geschaffen oder umgekehrt? Er antwortete: „Die Juden v’urden nicht für die Thora geschaffen und auch nicht die Thora für die Juden. Sie wurde für die ganze Welt geschaffen. Aber weil die Juden sie angenommen haben, wird sie von Dauer sein, weil sie sie hüten werden, nicht nur predigen sondern auch im Leben verwirklichen.“ Diplomatischer Bericht Jerusalem. — Jizchak Rabin, Israel-Botschafter in den USA, erstattete dem Kabinett Bericht über die Beziehungen zwischen beiden Ländern wie ein Regierungs-Sprecher mitteilte. Rabin wurde zu diesem Zweck aus Washington nach Israel gerufen. Einzelheiten über diesen Bericht verlauteten nicht, doch hiess es aus sicheren Quellen, dass die Amerikaner Israel weiter unterstützen und unter den dortigen Politikern Zuversicht auf die Möglichkeit einer friedlichen Regelung des arabisch-israelischen Konflikts herrscht. Rabin soll allerdings bemerke haben, die Amerikaner seien über Israels Forderung nach direkten Verhandlungen nicht sehr glücklich. (ITA) Hier ist trotz der Universalität der sittlichen Gebote die national-religiöse Verpflichtung der Juden deutlich gemacht. Hier liegt unsere besondere Aufgabe, gerade in dieser unserer, vom Chaos 'bedrohten Gegenwart. Die Welt hat die Forderungen des Zehngebots in ihren Einzelheiten angenommen. Die dort gegebenen Gesetze sind zur Grundlage des nationalen wie internationalen Lebens der Menschheit geworden In allen Konstitutionen, in allen Grund - Gesetzen, bürgerlichen und strafrechtlichen Bestimmungen sind die Normen aufgenommen und ausgedrückt worden, die mit kristallklarer Schärfe vom Sinai hinaus in die Jahrtausende erklungen sind. Die Worte der Zehn Gebote haben sich niemals geändert. Sie sind allgemein gültig und in diesem Sinn ewig. Würden sie heute erstmalig ausgesprochen werden, sie könnten nicht anders und nicht besser gesagt werden oder gesagt sein. Sie sind die Quintessenz menschlichen Denkens und menschlicher Vorstellungen vom Leben und Aufbau der menschlichen Gesellschaft geblieben, in denen die Prinzipien des Rechtes, der Gerechtigkeit, der Freiheit und der friedlichen Ordnung de» Lebens formuliert worden sind. Hermann Cohen hat in seiner „Religion der Vernunft“ den allgemeinen Sinn der Offenbahrung (am Sinai) darin gesehen, dass „Gott in Verhältnis tritt zum Menschen“ Dieser allgemeinste Sinn sei auch der eigentliche. Denn die Meinung, dass Gott sich auch in der Welt offenbare, ist ein ungenauer Gedanke. Cohen kommt zu der abschliessenden Feststellung: „Die Oflenbarung ist die Schöpfung der Vernunft“. Wenn auch nie ganze Thora als Offenbarung bezeichnet wird, bleibe doch der Dekalog vom Sinai „als die eigentliche Offenbarung am Sinai in Sonderheit bestehen.“ Hiermit hat Cohen versucht, die Gesetze vom Sinai nicht nur vom emotionellen, national - religiösen Standpunkt zu verstehen, sondern als die Gesetze der Vernunft zu erklären, die sie auch sind, auch dann, wenn «»an von der glänzenden philosophischen. Begründung Hermann Cohens absehen wollte Wenn das Zehngebot aber ncht allein nur ein Befehl ist, der in der Form des ,Du sollst (nicht)“ zum Ausdruck kommt, wenn das jüdische Gesetz nicht allein ciem Glauben entspringt, wenn das jüdische Gesetz ^icht allem den nationalreligiösen Empfindungen Rechnung trägt, sondern durch die Offenbarung der jAPnnniii ® Jerusalem. — Ministerpräsident Levi Eshkol erklärte, dass Jerusalem für immer eine ungeteilte Stadt sein wird, und übte Kritik an den UN, die 20 Jahre hindurch geschwiegen ha'ben, während die jüdischen Teile der Altstadt geschändet und zerstört worden sind. Während die Israelis die Wiedervereinigung feierten, verlautete aus sicherer Quelle, dass die Regierung einen energischen Protest an England und andere Mitglieder des Sicherheitsrates richtete, die für die kürzliche Resolution stimmten und von Israel verlangten, die zur Wiedervereinigung der Hauptstadt verfügten Massnahmen rückgängig zu machen. (ITA) Com un islas y Judíos Londres. — “Los disturbios estudiantiles en Polonia y la campaña antijudía y antisionista“ es el título de un amplia estudio que acaba de publicar el Instituto de Asuntos Judíos, departamento de investigación del Congreso Judio Mundial, en esta ciudad y en Nueva York. Se trata de una compilación y análisis de 40 páginas. En la introducción se señala la repercusión mundial del hecho de que los judíos en Polonia, 20.000 supervivientes de una comunidad de tres y medio millones, hayan sido convertidos e,n víctimas propiciatorias de una situación que el Gobierno comunista no ha podido controlar. Esta táctica, indica el estudio, “no es ajena a esa oarte del mundo, pero en el pretérito solían emplearla solamente regímenes reaccionarios”. El estudio está ampliamente documentado y abunda en citas de la prensa universal, incluso de la prensa comunista de Polonia y sus infundadas acusaciones a los judíos y “polacos prosionistas“. De esta manera queda al desnudo todo el cuadro de la situación, sus orígenes y su desenvolvimiento a través de la prensa, los discursos de líderes, 1« radio y otros medios de comunicación. Uno de los capítulos del estudio demuestra, «tn dejar lugar a dudas, que se trata de una campaña antijudía, no sólo antisionista. Uno de sus aspectos más repugnantes es el intento de falisificar de la manera más cínica la historia de la exterminación de los judíos por los nazis en Polonia que, según la horrible calumnia de Varsovia, sería causada por los mismos líderes judíos. SHLOMO S. TANGER Kommunisten und Jaden London. — ,,Die Studentenunruhen in Polen und die antijüdische und antizionistische Kampagne“ 1st der Titel einer eingehenden Studie, welche das „Institut für Jüdische Fragen“, die Forschungsabteilung des Jüdischen Weltkongresses , in London und in New York kürzlich publiziert hat. Es handelt sich um eine 40 Seiten umfassende Kompilation und Analyse. In der Einleitung wird auf den weltweiten Widerhall der Tatsache hingewiesen, dass die Juden in Polen, 20 000 Ueberlebende einer Gemeinschaft von dreieinhalb Millionen, zum Sündenbock für eine Situation herhalten sollen, welche die kommunistische Regierung nicht konliollieren kann. Diese Taktik, so heisst es in der Studie, „ist in diesem Teil der Welt nichts Neues, aber in der Vergangenheit pflegten sie nur reaktionäre Regime anzuwenden“. Die Studie ist weitgehend dokumentiert und íeichlich mit Zitaten aus der Weltpresse vertreten, einr schliesslich der kommunistischen Presse Polens und ihren unbegründeten Beschuldigungen der Juden und „prozionistischen Polen“. Hieraus erhellt das ganze Bild der Lage, ihrer Ursprünge und ihres Verlaufes durch die Presse, die Reden der Führer, den polnischen Rundfunk y.nd andere Kommunikationsmittel. Eines der Kapitel der Studie zeigt ohne Zweifel, dass es sich um eine antijüdische und nicht nur um eine antizionistische Kampagne handelt. Einer ihrer abstossendsten Züge ist der Versuch, auf schamloseste Art und Weire die Geschichte der Ausrottung der Juden durch die Nazis in Polen zu verfälschen, die nach der furchtbaren Verleumdung Warschaus durch die jüdischen Führer selbst verursacht worden sei. SHLOMO S TANGER ernunft auch zum Verstände der Menschen spricht, dann müsste seine Wirksamkeit heute im Grunde genommen lebendiger als in den Zeiten sein, ia denen die rationel Betrachtung nicht in gleichem Umfang im Vordergrund stand, wie dies angeblich jetzt der Fa'f ■ st Die Zehn Gebote sind auch Forderungen der Vernunft. Diese Feststellung müsste für die Lösung der augenblicklichen Probleme der Menschheit von geradezu überragender Bedeutung sein. Wir stehen vor einem grossen Weitenbrand, der nicht auf Naturkatastrophen zurückzuführen ist, sondern von Menschenhand angelegt wurde. Krieg und Aufruhr beherrschen den Augenblick. Die bürgerliche und soziale Ordnung ist aus den Fugen gehoben worden Die Rebellion der Jugend hat alle Grenzen üblicher Revolten durchbrochen Der Staat mit allen seinen Attributen der Macht, der Verwaltung der Gesetzgebung, der ausiührenden Organe hat sich bisher nicht imstande erwiesen, diese Stürme des Protestes, der Widersprüche, des ungestümen Verlangens nach anderer, nach neuer Planung in normale Bahnen zu lenken. Es ist schon keine Redensart mehr, wenn man sagt, dass das Chaos droht. Das Chaos ist ¡bereits gegenwärtig. Nach einer Epoche, die den Unrechtsstaat in seiner furchtbarsten Form gedul« det hat, versuchten die Völker zu rechtsstaatliehen Prinzipien zurückzukehren. Aber es hat sich gezeigt, dass man mit den alten Vor* Stellungen nicht zu einer neue Weltplanung gelangen (Schluss auf Seite 2> Information aus Bonn Bonn — Wie aus gutunterrichteten Kreisen verlautete, soll der westdeutsche Botschafter in Israel, Dr. Rolf Pauls, in einigen Monaten nach Bonn zurückberufen werden und einen anderen diplomatischen Posten zugeteilt erhalten. Namen von Diplomaten, die als Nachfolger von Dr. Pauls in Frage kommen könnten, wurden bisher nicht genannt. (ITA)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.