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Jüdische Wochenschau · 1968-05-03 · 2266 (3.5.1968) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2266 (3.5.1968)
Date
1968-05-03
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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ic « o " S « I S < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 MANA ISRAELITA Añ» XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE MAYO DE 1968 N® 216‘> EL EJEMPLAR en toda la República 30.- PUEYRREDON 2190 1* Izq. Buenos Aires T.E. 83-2613 Die Macht vor zwanzig Jahren Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Davon haben sich viele Einwohner des jüdischen Jerusalem überzeugt, als sie zum erstenmal den östlichen arabischen Stadt teil betraten. Nicht allen war es gelungen, die „historische Stunde" zu gemessen, nichf alle hatten das Gefühl .„endlich wieder daheim zu sein“ Sie waren verwirrt und hatten ein schlechtes Gewissen: irgendwie wollten sie sich vom nationalen Enthusiasmus mittragen lassen, und es gelang ihnen nicht. Ihre eigene Strasse, lange nach dem Befreiungskrieg erbaut, ohne jeglichen Anspruch auf Historizität lag ihrem Herzen näher als der David- Turm am Jaffa-Tor, und sie begriffen nicht, weshalb. Sie hatten das Gefühl, dass sie ohne weiteres noch zwanzig Jahre leben könnten, ohne am David-Turn zu stehen, aber keine einzige Woche, ohne die Häuser in ihrer so unhistorischen Strasse, in der sie jeden Stein kennen, jedes Gesicht, jeden jungen Schreihals, der sie im Mittagsschlaf stört. Aber nicht nur den Einwohnern Westjerusalems erging und ergeht es so bis zum heutigen Tage (bei aller Anerkennung der Bedeutung der Wiedervereinigung der Stadt). Es mag merkwürdig klingen, aber es steht fest: den israelischen Arabern waren die Brüder von jenseits des Stacheldrahtes fast ebenso fremd wie uns Juden. Auch sie mussten plötzlich feststellen, dass 20 Jahre eine lange Zeit sind, so lang, dass sie die völlige Entfremdung zwischen Brüdern erwirken können. Allen Infiltrationen zum Trotz stellten die Araber von Um-el-Fachm wie diejenigen von Tulkarem fest, dass ihr Leben in unmittelbarer Nähe der Grenze nichts daran zu ändern vermochte, völlig falsche Vorstellungen darüber zu hegen, was sich jenseits der Grenze tut. Auf beiden Seiten sah man sich plötzlich genötigt, positive wie negative Urteile und Ansichten zu revidieren, die sich in zwanzig Jahren fest eingewurzelt haben. von ZEEV BARTH SCHULE UND BILDUNG Man kann sich noch erinnern, wie wenig begeistert die arabische Bevölkerung Feuer am Suezkanal Tel Aviv. — Zwei israelische Soldaten wurden verwundet, als die Aegypter über den Suezkanai hinweg das Feuer eröffneten. Laut Mitteilung eines Sprechers, schossen die Aegypter auf die beiden Soldaten, die auf der Firdan-Brük ke Posten standen Hieraus entwickelte sich ein Schusswechsel, der über eine Stunde dauerte. Im Jordantal beschossen die Transjordanier israelische Stellungen. Auf israelischer Seite waren keine Opfer zu beklagen. (ITA) des Landes bei der Einführung der Schulpflicht für Jungen und Mädchen bis zu 14 Jahren war. Das widerspreche der moslemischen Tradition, hie*s es einerseits während andererseits manche arabischen Eltern es vorgezogen hätten, ihre halbwüchsigen Töchter zur Arbeit im Haus oder auf dem Felde heranzuziehen, statt sie die „Zeit mit der Schule vergeuden zu lassen". Dann setzte sich aber die Schulpflicht durch, und später waren die israelischen Araber davon überzeugt, dass sie allen angeblichen Diskriminationen in Israel zum Trotz zumindest auf diesem Gebiet ihren Brüdern jenseits der Grenze kopfhoch überlegen sind. Als nun wiederum die Grenzen offenstanden und Familien Wiedersehen feierten, hiess es auch diesbezüglich manche Ansichten zu revidieren. Denn in den zwanzig Jahren hat sich auch jenseits der Grenze die Erkenntnis durchgesetzt, dass Schuljahre keine vergeudete Zeit sind, und wenn es auch in Transjordanien keine Schulpflicht gab, so wurden dennoch auch in kleinsten Dörfern Schulen eingerichtet, und der Volksschulbesuch war kostenlos. Und sogar analphabetische Eltern haben verstanden, dass heutzutage Schulbildung unumgänglich ist, kümmerten sich nicht um .Tradition“, verzichteten auf Mithilfe der Söhne und Töchter im Haus und auf dem Feld und schickten sie zur Schule. Zwar gab es bis vor drei Jahren keine Universität in Transjordanien, aber Tausende Abiturienten aus Cis- und Transjordanien genossen irgendwie Stipendien, um an den Universitäten nvo Kairo, Damaskus, Bagdad, Beirut oder Kuweit zu studieren, ja sogar an europäischen oder amei'ikanischen Hochschulen. PROBLEME DER GEBILDETEN Mussten die israelischen Araber also auf dem Gebiet der Erziehung ihr Ueberlegenheitsgefühl aufgeben, so sahen sie sich andererseits just auf einem anderen Gebiete beruhigt, nachdem sie zwanzig Jahre lang in der Ueberzeugung gelebt haben schwer benachteiligt zu werden. Zu den ernsteren Vorwürfen, die Israel seitens der arabischen Staatsbürger stets gemacht wurden, zählte die Aussichtslosigkeit der Abiturienten oder Absolventen der Universitäten. Es gab keine ausreichende Zahl entsprechender Posten für die arabische Intelligenz die sich deshalb zur Auswanderung genötigt sah oder aber in Verbitterung und , Fustration“ verfiel. Jetzt mussten die Abiturienten und Akademiker aus Haifa, Akko und Nazaret feststellen, dass es jenseits der einstigen Grenze nicht anders war. Auch Transjordanien hatte keine Verwendung für die Intellektuellen und diese wanderten deshalb meist nach Kuweit und in die Scheichtümer am Per slschen Golf ab, wo sie gute Positionen erhielten. Die jungen Intellektuellen benützten ihre Ersparnisse, um sich in der Heimat eine Frau zu kaufen und ein schönes Haus zu erbauen Dann Hessen sie die Frau im Haus walten und kehrten zurück nach Kuweit oder Bahrein, um dort Geld zu verdienen. Sie kamen nach Hause nur, „um Kinder zu machen“. Zahlreiche Dörfer hat es in Schromron und Jehuda gegeben — und es gibt sie noch heute —, deren Bevölkerung sich zu 90 Prozent aus Frauen, Kindern und alten Leuten rekrutiert, während die Männer zerstreut in den verschiedenen arabischen Ländern leben und arbeiten und ihre Gelder jetzt auf verschiedenen Schmuggelwegen oder über ausländische Banken an die Familien schicken. Ein Blick auf das jetzt wiedervereinigte Bet Zefala bei Jerusalem zeigt es am deutlichsten: im ehemals transjordanischen Teil sind die Häuser schöner, die Einrichtung ist reicher, aber nur von Frauen und Kindern bewohnt; im israelischen Teil sind die Häuser längst nicht so schön, aber die Männer sind allabendlich zu Hause und fahren morgens zur Arbeit nach Jerusalem. ARM UND REICH Die materiellen Verhältnisse und der soziale Status der zwanzig Jahre hindurch getrennten Brüder unterscheiden sich ebenfalls wesentlich voneinander. Mit geringen Ausnahmen haben die reichen Araber das israelische Staatsgebiet (bis zuh 5. Juni) in den Tagen des Befreiungskrieges verlassen, während die Armen zum Teil sitzenblieben. Heute sind die Differenzen nicht mehr so gross. Es gibt eine breite arabische Mittelstandsschichte im Lande und die Armen sind in keinem Fall ganz arm, während die Reichen auch nicht himmelschreiend reich sind. Anders entwickelten sich die Dinge in Schomron und Jehuda. Dort waren die Reichen in den zwanzig Jahren noch viel reicher. Ihnen gesellte sich eine Schicht des gehobenen Mittelstandes zu, bestehend aus hohen Staatsbeamten, Offizieren Schuldirektoren, Rechtsanwälten oder Aerzten. Einen unteren Mittelstand hat es kaum gegeben. Und die armen und bodenlosen Fellachen blieben ebenso arm und ebenso erbarmungswürdig, wie sie es vor zwanzig oder zweihundert Jahren waren. Der arabische Lehrer in Israel, der Bankbeamte oder der im Westuferdistrikt kaum bekannte Industriearbeiter werden jenseits der früheren Grenze beneidet, und ihre Söhne sind erwünschte Partien für die Töchter aus Nablus oder Jenin. Die Reichen in den Villen von Scheich Jerrah oder Ramalla sind hingegen Objekt des Neids ihrer arabischen Brüder in Haifa, Jaffa, Akko oder Nazaret. E NTTA E USCHUNG UEBER NASSER Den israelischen Arabern hat das Wiedersehen mit ihren Brüdern in den besetzten Gebieten geholfen, ihre Situation richtig einzuschätzen und ihre Komplexe loszuwerden. Sie sehen aber auch die arabische Welt mit anderen Augen als vor dem 5. Juni 1967. Ein Besuch in Gaza ging Hand in Hand mit einer Enttäuschung vom Nasser-Regime, während der Besuch in Ramalla Hussein aufzuwerten half, für den die israelischen Araber bislang nur Mitleid empfunden haben. Von nationalem Gesichtspunkt aus gesehen fühlten sich die israelischen Araber durch den schnellen Zusammenbruch der arabischen Staaten im Sechstagekrieg schwer getroffen; als Israelis festigte dies aber ihr Gefühl der Ueberlegenheif gegenüber der arabischen Bevölkerung der besetzten Gebiete. 44 Ein Brief an „Le Monde von KURT KAISER-BLUETH Ueber die Pariser Pressekonferenz des amerikanischen Rabbiners Eimer Berger, über die „Le Monde“ ausführlich berichtete, wäre mancherlei zu sagen. loh. möchte mich auf zwei Punkte beschränken. Die von Rabbiner Eimer Berger zitierte Ziffer über die Mitgliederzahl des „American Council for Judaism“, das Herr Berger mit anderen dirigiert stimmt nicht. Seine Organisation ist ebenso unwahrscheinlich minuskül wie ungewöhnlich lautstark. Sie hat nicht, wie der Rabbiner sagt. 20.000, sondern — die amerikanischen Statistiken sind formell — genau 10.797 Mitglieder. Doch das wäre nicht von unbedingter Bedeutung, — weshalb könnte nicht jemand, auch völlig isoliert, solidere Ansichten vertreten als alle anderen? Aber weit wesentlicher ist jedoch, dass Mister Berger und seine Freunde im Managerstab des „American Council for Judaism“ niemand mehr als seriös ansehen kann. Es ist sehr bedauerlich, dass auf besagter Pressekonferenz offenbar niemand auf den grotesken Tatbestand hingewiesen hat, dass Herr Berger, wie mehrere seiner Freunde im Führungsstab des Council, hochgeschätzte Mitarbeiter der antisemitischen, neonazistischen „National-Zeitung“ in München sind, die einer der eminentesten Politiker der Bundesrepublik, Herr Dr. Arndt, im Bundestag „das erbärmlichste antisemitische Hetzblatt der Stunde“ genannt hat. In diesem Blatt schreibt Rabbiner Eimer Berger, der in Paris eine Pressekonferenz gegen Israel hielt. Herr Rabbiner Berger mag ein Feind Israels und ein Wortsprecher der arabischen Nationalisten sein („man macht nicht den Frieden mit Kanonen und Eroberungen, wie der General Dayan“ — das sei ihm unbenommen. Selbst über seinen zweifelhaften Geschmack, dem arabischen Terror gegen israelische Frauen und Kinder in den Siedlungen indirekt Recht zu geben, weil er „ein Volk nicht verdammen kann", das „zur Verzweiflung“ getrieben, zu diesen Mitteln greift, kann man mit einem Achselzucken hinweggehen. Aber ein Rabbiner, der an einem eindeutigen Nachfolgeblatt der ehemaligen Hitlerpresse gegen die jüdischen Interessen leitartikelt, ist doch wohl kein Diskussionspartner mehr. Nicht für die Juden und selbst nicht für ihre Gegner, die Wert darauf legen, ernst genommen zu werden. Er ist, bestenfalls, nur noch eine pittoreske Figur der politischen Folklore. Englische Diplomaten für Israel London. — Der frühere britische Aussenminister Selwyn Lloyd erteilte Israel den Rat, in den besetzten arabischen Gebieten solange zu verbleiben, bis ein wirksamer Frieden im Mittelosten abgeschlossen ist Er fügte hinzu: „Es war tiefbewegend, die Wiedervereinigung Jerusalems zu erleben, und dieses Ereignis, das de facto geschaffen wurde, muss mit der Zeit de jure verankert werden.“ Selwyn Lloyd sprach auf einer Jom-Haazmaut-Feier in der Albert Hall als Repräsentant der konservativen Opposition. Die Labour- Partei war durch Ray Gunter, den Energie-Minister vertreten, und die Liberale Partei durch ihren Führer, Jeremy Thorpe. Der israelische Arbeitsminister Jigal Alon war Ehrengast der Veranstaltung, die unter dem Protektorat der britischen Zionistischen Föderation stattfand. Lloyd erklärte in seiner Rede, Israel habe bewiesen, dass es imstande ist, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten und die Sicherheit der heiligen Stätten zu gewährleisten. „Diese Situation darf nicht aufgegeben werden“, verlangte der Exminister, „und der Gazastreifen darf niemals wieder der Ausgangspunkt für Verbrechen, Aggression und Hass sein.“ Er sprach von der Einnahme der Golanhöhen, die Syrien gehört haben, als einem „der grössten Heidenstücke aller Zeiten“ und rief aus: „Wenn ich ein Israeli wäre, so würde ich diese Berge ohne eine Sicherheit der Entmilitarisierung, bei der Israel mitsprechen würde, nicht zurückgeben Ich würde dies nicht einer dritten Partei überlassen.“ General Alon erklärte, dass direkte Verhandlungen „für Aegypten oder irgendein anderes arabisches Land zu einem ehrenvollen Frieden führen und Israel einen Frieden mit Sicherheit bringen könnten.“ Er fügte hinzu, er hoffe, dass die jüngste Deklaration Nassers, er betrachte die Verhandlungen mit Israel für gleichbedeutend mit der Uebergabe, nicht als das letzte Wort Aegyptens, weil es „sonst für dieses Land keine andere Lösung geben wird.“ Er betonte, dass Israel keine Lösung annehmen wird, die nicht der vollständige Frieden ist, der von wirksamen beiderseitigen Sicherheiten begleitet sein muss.“ „Inzwischen“, so fuhr er fort, „wird Israel geneigt sein, ein Abkommen über die Wiedereröffnung des Suezkanals für die gesamte Schiffahrt, einschliesslich der Israels, in Betracht zu ziehen. Doch solange kein Friedensvertrag existiert, werden wir bleiben, wo wir sind, und wenn uns, was Gott verhüten möge, ein neuer Krieg aufgezwungen wird, so wird sein Ausgang der gleiche sein wie das letzte Mal.“ General Alon bezeichnete die Resolution des Sicherheitsrates, der gegen die Abhaltung der Jom-Haaz* maut-Parade in Jerusalem protestiert hat, als „einen Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten Israels einzumischen“. Er bemerkte, dass der Sicherheitsrat erhöhte Spannungen befürchte, und die Israelis „nur hoffen, dass dieser Beschluss nicht die Spannung schüren wird." Energie-Minister Gunter führte aus, dass Israel „eine einzigartige Rolle bei den Bemühungen um die Lösung der Probleme dieser gequälten Welt zufällt“. Er sprach die allgemeine Hoffnung aus, dass „Israel sich seinen Feinden gegenüber nicht hochmütig verhalten und den Weg zu einem Frieden leichter machen wird, indem es trotz des Bewusstseins seiner Stärke Toleranz zeigt.“ Der liberale Führer Jeremy Thorpe unterstrich, dass England nicht müde werden dürfe, den Arabern klar zu machen, dass „Israel eine unumstössliche Tatsache“ ist. „England, die USA und andere Länder müssen durch diplomatische und ökonomische Mittel einen Druck auf die Araber ausüben, damit sie sich zum Konferenztisch bequemen“, forderte er. — (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N* 947.226

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