Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2264 (19.4.1968)
- Date
- 1968-04-19
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Es würde mich nicht wundern, wenn sich dieser Vorgang gegenwärtig wiederholen würde und der Seher Samuel heute abermals aus dem Grabe stiege, um die etwas lärmenden Besucher sfeiner Ruhestätte zurechtzuweisen. Dieses Grab Samuels wird heute allgemein arabisch Nebi Samwil genannt und liegt auf einer Höhe von 895 Metern nordwestlich von Jerusalem. Dieser Ort müsste mit dem biblischen Rama identisch sein, denn wir lesen im 1. Buch Samuel 25,1: „Da starb Samuel. Und ganz Israel kam zusammen und hielt ihm die Totenklage, und sie begruben ihn in seinem Hause in Rama.“ Diese Notiz über Samuele Tod, auf die in Kap. 28, 3 noch einmal wörtlich zurückgegriffen wird, zeigt an, dass der Begräbnisplatz auch Schauplatz seines Lebens war. Dass jemand „in seinem Hause“ begraben wird, kommt auch sonst vor und ist literarisch und archäologisch bezeugt. Die Stelle des Grabes Samuels ist gewiss in alten Tagen genau so bekannt gewesen wie unser heutiges Nebi Samwil, das eine Moschee über dem Grabe Samuele zeigt, früher eine Klosterkirche und im 13. und 15. Jahrhundert auch eine Synagoge. Unser heutiges Nebi Samwil müsste also der zentrale Schauplatz von Samuels langer Wirksamkeit gewesen sein. Wohl durchzog er lehrend und richtend das ganze Land, kehrte aber immer wieder in seinen Wohnort Rama zurück, der auch sein Geburtsort war Die Gestalt Samuels und dieser Ort sind so unlösbar zusammengewachsen. Mit Recht bemerkt Elias Auerbach in seinem klassiechen Werk: „Wüste und Gelobtes Land“ (Band I, S. 171): „Die Rolle Samuels von SCHALOM BE1S CHORUS und seine Beziehungen zum Königtum geschichtlich zu erfassen, ist ausserordentlich schwierig, da wir eigentlich geschichtliche Berichte über ihn nicht haben. Aber ebenso wenig ist es bei der grossen Bedeutung dieser Gestalt in der Tradition möglich, sie für rein sagenhaft zu halten.“ Samuel ist — nach Moses — die überragendste Gestalt der hebräischen Bibel. In ihm sind die drei Elemente des Führertums zusammengefasst: Priester, Richte>- und Prophet. Nur Samuel verkörpert alle diese Eigenschaften und Funktionen in seiner charismatischen Persönlichkeit. Hinzu kommt, daes er noch, wie der Richter Simson, ein gottgeweihter Nasiräer vom Mutterleib an ist. Einzigartig aber ist die Rolle Samuels als Königsmacher in Israel. Er kürt Saul — und verwirft ihn und er erwählt und salbt den Widersacher Sauls, den jungen David. Samuel ist ganz Charismatiker. Er übt prieGterliche Funktionen aus, ohne Levite zu sein, er folgt dem Hohepriester Eli im Amt. da dessen Söhne Chophni und Pinchas als entartet geschildert werden. (Eg scheint mir daher geradezu taktlos, dass man neben dem Grabe Samuels in Nebi Samwil die Gräber der missratenen PritGters ohne Chophni und Pinchas zeigt, die ja nur mit ihrer Gabel in die Ewigkeit eingingen, jener Gabel, mit der sie zu Lebzeiten die besten Opferstücke aus dem Kessel spiessten. Allerdings sind diese appetitgesegneten Priester dann neben der Bundeslade in der Phiiisterschlacht von Aphek an einem Tage gefallen, wie es dem unglücklichen Vater Eli schon vorher durch einen unbekannten Gottesmann angekündigt worden war.) Der Prieeter nach dem Herzen Gottes aber war Samuel, dessen Söhne freilich wiederum, gleiches Erzählungsmotiv wie bei Eli. nicht in den Fusspuren ihres Vaters gingen, die priesterliche Erbfolge also nicht antreten konnten; und deshalb verlangte das Volk nach einem König. Die Bibel sagt auch nichts darüber, dass die Söhne Elis neben Samuel beigesetzt worden seien. Hier liegt offenbar eine Verwechslung vor. Betritt man die Moschee oder den Grabtempel Samuels, so wird man zunächst durch ein Schild des Militärrabbiners dahin belehrt, dase es sich um eine heilige Stätte handele, die täglich mit Ausnahme des Schabbat und der Feiertage geöffnet sei. Dieser Vermerk ist rein theoretisch, denn die Jerusalemer ziehen natürlich gerade am Schabbat in hellen Scharen zum alten Samuel und steigen auf den Minaret-Turm, von welchem stolz die Fahne Israels weht. Von dort oben schweif^ der Blick sozuGagen von Turm zu Turm: nicht nur die Türme Jerusalems erblickt man, sondern gen Westen sogar den Migdal Schalom, das neueste Wahrzeichen Tel Avivs Dieser ferne Turm hebt sich freilich nur in zarten Konturen vom Horizont ab. während mit äusGerster Deutlichkeit sich zu Füssen der Rama des Propheten Samuel ein Militärlager der Arabischen Legion hinzieht, das uns lange zu schaffen gemacht hat. Hier standen die Geschütze, die 1948 ihre Mörsergranaten auf Jerusalem abfeuerten und noch in der Nacht vom 5. auf 6. Juni 1967 donnerten die Geschütze der Legion von Nebi Samwil auf uns herab. Ich habe einen Granatsplitter aus Nebi Samwil vom Jahre 1948 treulich bewahrt. Er schlug unmittelbar vor meinem Fenster am Arbeitstisch ein. Jetzt, nach fast zwanzig Jahren, konnte ich mich bei Samuel bedanken, dass er sich abermals als der getreue Wächter Igraels bewährt hat. Ueber dem Kenotaph des Samuel-Grabes ist eine alte Decke oder Gardine gebreitet; nicht alt genug, um aus biblischen Zeiten zu stammen, aber 'bestimmt alt genug, um schleunigst erneuert zu werden. Es ist ein GrauG. Einige Psalmbücher und eine Bibel liegen darauf. An der Wand ist in schöner Thora-Schrift der 90. Psalm angebracht, in dessen Vers 6 es heisst: „Mose und Aaron sind unter Seinen Priestern, / Sa muel unter denen, die Seinen Namen anrufen. / Sie riefen zum Herrn, und Er antwortete ihnen.“ Der Kalligraph verabsäumte es nicht, seinen Namen anzugeben. Wichtiger wäre gewesen, Psalm 99 auch mit lateinischen Buchstaben zu vermerken, damit auch Touristen verstehen, um welchen Text es sich hier handelt. Nicht einmal der arabische Führer am Ort wusste, wae das ist und vermutete, es sei eine Stelle aus der Thora ... Man weiss zu wenig voneinander. Das erwies mir auch die gereizte Frage eines jüdischen Touristen; „Was haben die Araber mit Schmuei zu tun?“ Die Frage liesG mich nicht mehr los. Tatsächlich kommt Samuel in den Propheten- Katalogen des Koran nichr vor. Man sucht ihn natürlich zunächst in der 21. Sure „AI-Anbiye“, Die Propheten. Da wird von Noah bis David und Salomo eine stattliche Anzahl biblischer Personagen geboten; dem Propheten Jona, hier Yunu? genannt, gilt die ganze zehnte Sure, und. Noah, hier Nuh genannt, kann die 71. Sure für sich buchen, aber Samuel fehlt. Nun ist ee aber nicht so, daGs nur im Koran erwähnte biblische Persönlichkeiten für den Islam verehrungswürdig sind. Da unsere Bibel ja als eine Offenbarung Gottes für den Islam gilt, wurden grosezügig auch biblische Gestalten verehrt, die der Prophet Mohammed nicht ausdrücklich erwähnt. Der moslemische Geograph Al Mukaddasi (geb. Jerusalem 946), also vor den Kreuzzügen, erwähnt unseren Wallfahrtsort Nebi Samwil unter dem Namen „Dair Schamwil“ oder „Mai Schamwil“ als heilige Stätte. Es befand eich dort offenbar ein christliches Kloster. Auch der moslemische Geograph Yakut (griechischer Herkunft, gest. 1229 in Aleppo, also während der Kreuzzüge) nennt den Ort Mar oder Maran Samwil und bemerkt dazu, Mar bedeute im syrischen „Priester“, und jener Samwil sei ein Schriflgelehrter gewtGen. Hieraus ergibt sich also, dass schon vor über tausend Jahren die moslemischen Araber dem Ort ihre Beachtung und Ehrfurcht bezeugten. Das gilt auch für die christlichen Pilger des Mittelalters, die den Rama-Hügel Mone Gaudii, Berg der Freuden, nannten, da sie von dort Jerusalem zum erstenmal erblickten. Für König Richard Löwenherz sollte dieser Freudenberg aber sein Nebo werden; so wie Mose nur vom Nebo auf das Gelobte Land blicken konnte, so konnte Richard Löwenherz von hier aus die Stadt Jerusalem nur erblicken, ohne sie je zu betreten. Er soll sich seinen Schild vor die Augen gehalten haben, um die unerreichbare Heilige Stadt nicht zu sehen. Im 5. Jahrhundert wurde eine byzantinische Kirche über der traditionellen Gruft Samuels errichtet, und in der Kreuzfahrerzeit stand dort das Pramonstratenser- Kloster Sankt Samuel de Montjoie. Wie bereits erwähnt, war im 13. und 15. Jahrhundert eine Synagoge hier errichtet worden, aber seit dem 16. Jahrhundert ist die Gruft in moslemischem Beeitz und wurde im 18. Jahrhundert in eine Moschee verwandelt, wie der gelehrte Pater Eugene Hoode O.F.M. in seinem „Führer ins Heilige Land“ (S. 553 ff.) mitteilt. Diese Moschee ist im wesentlichen noch gut erhalten, nur der Turm hat im Sechstagekrieg einen Treffer abbekommen, der aber leicht zu reparieren ist. Niemand wird dadurch daran gehindert, den Turm zu besteigen. Jesaja Press bemerkte noch in seinem „Palästina Handbuch“ von 1934, dass man den Ausflug nach Nebi Samwil nur zu Fuss oder reitend machen könne. Inzwischen braust man aber auf neuer Strasse motorisiert zum Vater dee Vater landes: Schmuei. Er war das ja zu Lebzeiten gewohnt, dass sich das Volk Blick in die Welt v»n HAROLD SCHWARCZ SWARAN SINGH, Indiens Verteidigungsminister Destritt. dass Indien den Russen Flottenstützpunkte eingeräumt hätte. — DIE VERHANDLUNGEN über den Ort der Fühlungnahme der USA mit Nordvietr.am störten nicht die weitere' beiderseitige Mobilisierung . — DIE ARABER Geheuten s ch nicht, die absurde Behauptung autzustellen, 50 israelische Tanks, Hubschi anbei', Artillerie und Fallschirmjäger hätten ganze 7 arabische Freischärler angegriffen. — MARSCHALL MARIAN Spychalski, bisher Verteidigungsminister, wurde zum Präsidenten Polen« gewählt. GENERAL CREIGHTON W. Abrams wurde anstelle des Generals Westmoreland zum Oberkommandierenden in Vietnam bestimmt. — DIE SOWJETS kündigten die harte Linie an, um weitere Liberalisierungen im Stil der CSR zu verhindern. — JACOBUS FOUCHE iet der neue Präsident Südafri- DIE TSCHECHOSLOWAKEI wird ihre Grenzen mit DeutGchland öffnen. — DIE BEISETZUNG des ermordeten Nobelpreisträgers Dr. Martin Luther King wurde zu einer gewaltigen Demonstration gegen Unrecht und Gewalt. — ERNESTO „CHE“ Guevara sei ein Abenteurer gewesen, erklärte Radio Peking. — DER LEICHNAM des i948 unter mysteriösen Umständen gestorbenen Jan Masaryk soll auegegraben werden, um die Todesursachen jestzustellen. — KARDINAL-Erzbischof .1. de Barros Cämara, Rio de Janeiro, rief zum inneren Frieden und zur Eintracht auf, nachdem die Unruhen in Brasilien bedrohliche Formen angenommen haben. — NASSER konferierte erneut mit König Hussein — RUSSISCHE Wissenschaftler behaupten, dass Menschen auf dem Mond leben Können. — NELSON ROCKEFELLER will sich als Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen der USA aufstellen lassen. — U THANT verhandelte mit dem Delegierten Nordvietnams in Paris. — GOMULKA will in Polen die harte Linie durchsetzen. — EIN FRANZOESISCHES Fischerboot machte einen überraschenden „Fang“: ein amerikanisches U-Boot hatte sich in seinen Netzen verfangen und konnte nur unter grossen Schwierigkeiten befreit werden. — um ihn scharte, wenn auch nicht in Volkswagen und Fiats. Gerade hier aber liegt das Problem. Die Wagen verkeilen sich geradezu ineinander, da die Parkmöglichkeiten vor und um das Wallfahrtsziel nicht ausreichend sind. Organischer fügt sich in die Landschaft und die Geschichte das prächtige Kamel ein, das hier bunt gesattelt lagert. Ganze Familien nehmen auf dem Kamel Platz und lassen eich im Schatten Samuels auf dem Höcker des Kamels photographieren. Der Kamelbesitzer lebt davon. Bei steigender Auslands-Touristik und fallendem Pfund, beziehungsweise eteigendem Dollar, wird das Kamel zum Goldesel. Heute sind es vorwiegend Touristen, aus dem In- und Ausland, die Nebi Samwil besuchen, aber für den 28. Ijar (Sonntag, den 26. Mai 1968) ist mit einer Massenwallfahrt zu rechnen, denn dieser Tag gilt nach der Tradition als der Sterbetag des Safnuel, und seit dem Mittelalter pilgerten die Juden an diesem Tag nach Nebi Samwil, nicht anders als am Lag b'Omer nach Meron zum Grabe des Schimon Bar-Jochai. BASTA! NUNCA MAS EL NAZISMO...! ”nTRTeEL f ¡SS^S"yT 25° Aniversario del Levantamiento del Ghetto de Varsovia Hablaraán: ■ Dr. ISAAC GOLDENBERG - Presidente de la D.A.I.A. * JORGE GUBKIN — Confederación Juvenil Judeo Argentina ■ — Gran Rabino de la Comunidad de Buenos Aires ■ MOSHE ALON — EMBAJADOR DE ISRAEL y la heroína del Ghetto de Varsovia TZIVIA LUBETKIN Participara el Coro "Hazamir" de la AMIA, dirigido por David Feuer, y el Ober-Cautor del Gran Templo Paso. Aarón Gutman. MuendIiaian: Cnrffo i ~ AMIf - Organización Sionista Argentina - Congreso Judío Mundial — Confederación Juvenil Judeo Argentina — Asociación Israelita de Sobre y* la Persecución Nazi _ Unión Central Israelita Polaca - Unión Central biaelita de Galitzia — Umon Residentes de Varsovia y Praga — Unión Israelita de Besarabia — Unión Israelita de Lituania JUEVES 25 DE ABRIL A LAS 20.30 HORAS LUNA P A ENTRADA LIBRE Bouchard, entre Corrientes y Lava lie