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Jüdische Wochenschau · 1968-04-12 · 2263 (12.4.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2263 (12.4.1968)
Date
1968-04-12
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1* izq. Ha, jfe*ttoHa2&\jCielUcL T. E. 83 - 26 1 3 A3« XXIX BUENOS AIRES, SABADO 13 DE ABRIL DE 196S N° 2163 Das Fest unserer Befreiung von JEHUDA GOTTHEIMER Der politische Mord von ARIE ASHKENAS Mit grosser Empörung hat die Welt die Ermordung des amerikanischen Verteidigers der Rechte seiner schwarzen Mitbürger, des Dr. Martin Luther King, ausgenommen. Bestürzt, befremdet und konsterniert musste man diese neueste Schreckenstat und moralische Fehlleistung des Rassenhasses zur Kenntnis nehmen. Der Mann, der zur Ehre der Menschheit und zu seiner eigenen Auszeichnung mit der Dekoration des Nobelpreises für den Frieden zum Symbol der edelsten Menschheitsideale gemacht worden war, fiel einem feigen Attentat zum Opfer. Er, der gegen Gewaltanwendung gekämpft hat, wurde durch einen Gewaltakt lichtscheuen Gesindels und feiger Mörder aus seinem Leben gerissen, das dem Frieden, der Freiheit, dem Recht und dem Fortschritt geweiht war. Martin Luther King hatte eine brillante Laufbahn hinter sich. Als Sohn eines Geistlichen am 15. Januar 1929 geboren schlug er den gleichen Weg ein wie sein Vater und wurde Priester. Aber schon früh setzte er sich für die Integration der Neger und ihre vollen Rechte im den USA ein, wobei er im Gegensatz zu vielen anderen die Gewalt als Waffe ablehnte und nur friedliche Methoden zur Durchsetzung seiner Forderungen und Ziele anzuwenden wünschte. Luther King sprach und forderte als Amerikaner, der die Erfüllung der in der Verfassung verankerten Rechte aller Bürger verlangte. Er galt nicht nur als der anerkannte Führer der schwarzen Bevölkerung in den USA, sondern auch als ein Apostel des Friedens für die anderen Nationen. Deswegen sprach man ihm den Nobelpreis für den Frieden zu, und zwar einstimmig, was selten bisher geschehen ist. Gunnar Jahn, der damalige Vorsitzende des norwegischen Comites für den Nobelpreis lobte Luther King mit den Worten: „Luther King ist der erste Mann der westlichen Welt, der uns gezeigt hat. dass man einen Kampf auch ohne Gewalt führen kann.“ — Gewiss war Luther King eine nicht undiskutierte Persönlichkeit. Aber seine Lebens- und Kampfesführung dürfte vorbildlich gewesen sein. Er trat für gleiches Recht aller Menschen und vor allem für die Gleichberechtigung de facto der amerikanischen Neger ein, di® ihnen de jure längst zusteht. Der Kampf Luther Kings war aber nicht nur der Kampf für die Rechte einer bestimmten Bevölkerungsschicht in den USA, sondern galt allen Menschen, Gruppen und Völkern, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht ihr Recht erhalten haben und deswegen noch um ihre Freiheit kämpfen müssen. Der Kampf Luther Kings galt allen negativen Leidenschaften, die das normale Zusammenleben der Menschen und der Völker stören oder gar verhindern. Kampf dem Hass!, das war die Parole, nach der Martin Luther King lebte. Kampf dem Hass, wo er sich auch immer präsentieren mag und in welche Form er jeweils gekleidet ist. Vor allem aber Kampf dem Rassenhass, der in diesem Jahrhundert bereits zu wiederholten Malen furchtbares Grauen und Entsetzen erregende Schrecken über di® Menschheit gebracht hat. Diesen Kampf gegen den Hass, dem Luther King sein Leben weihte und zum Opfer fiel weiterzuführen, das ist eine Aufgabe, die nicht an Rassen oder politische Ueberzeugungen gebunden ist, sondern jeden betrifft, der sich für den Fortschritt det" Menschheit mitverantwortlich fühlt. — Wieder Gefechte am Jordan Dass die Freiheit ein unteilbares Gut der Menschheit ist, zu dieser Erkennt nis haben sich Menschen wie Völker erst sehr langsam durchgerungen. Aber von der Erkenntnis zur Verwirklichung ist ein weiter- Weg, auf dem die Nationen noch immer nicht zum Ziel gelangt sind. Kein Festtag unseres jüdischen Jahres gibt uns in so starkem Masse Veranlassung. den Gedanken der Freiheit neu zu erleben, unsere Lage und die unserer Umwelt zu überprüfen und unseren Standort zu analysieren wie die Woche des Pessach. Denn Pessach ist der Hymnus eines alten Volkes auf die Freiheit und die Erinnerung an seinen Weyarn der Knechtschaft. Vielleicht während keines anderen Festes wird die Vergangenheit uns Heutiger, so gegenwärtig wie an diesen Tagen. Vielleicht an keinem anderen Tag im Jahr berühren sich Gegenwart und Vergangenheit in einem so engen Bunde, wird das Gewesene zum Selbst-Er lebten, verschmelzen Jahrtausende und Jahrhunderte zu einem Tag, zu einer Nacht, zum Seder. Hierauf» erwächst jener Zauber, der uns fasziniert, der den „modernen“, technisierten und im Supertempo lebenden Gegenwai;tsjuden aus seiner gewohnten Eile herausreisst und traumverloren wenigstens einige kurze Stunden den Hauch der Ewigkeit spüren läisst, der Ewigkeit des Lebens von Geschlecht zu Geschlecht, der Ewigkeit des Glaubens und der nie erlöschenden Hoffnung auf Erlösung, auf wirkliche, echte, ungeteilte Freiheit. Die Macht der Erinnerung und damit die Macht der Vergangenheit ist wohl in keinem anderen Volk eine so lebendig wirkende Kraft wie im jüdischen. Allzu oft und allzulange haben sich Juden aus der Finsternis ihrer alltäglichen Gegenwart in bessere Tage und Zeiten versetzen müssen, um die Schwere des Lebenskampfes zu ertragen und neue Kräfte aus früheren Geschehnissen zu schöpfen. Es ist eine allgemeine, menschliche Erscheinung, sich Trost in schweren Stunden im Ge- Soeldner für die Araber Bonn. — Im deutschen Fernsehen wurde bekannt gegeben, dass eine sogenannte „Hilfsorganisation für die Araber“ Freiwillige sucht die in die arabischen Länder gehen wollen. Der Sprecher erwähnte eine Annonce in der neonazistischen „Deutsche National- und Soldatenzeitung“, in de'" „deutsche Patrioten“ aufgefordert werden den Ara bern zu helfen. Als ein nicht genannter Briefschreiber mitteilte, er wolle mit den Arabern gegen die Juden kämpfen, erhielt er eine Antwort, in der es hiess- „Sie sind der Mann, den wir brauchen.“ (ITA) denken an vergangene Zei ten und früherer erfreulichere Erlebnisse zu suchen. Damit steigen neue Hoffnungen auf, die etwa dem Satz entsprechen: Heute Knechte, morgen aber freie Männer. Obwohl Pessach das Fest zur Erinnerung an die Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft ist, wird niemand beobachten oder behaupten können, dass dieses befreite Volk in einen Taumel des Nationalismus ver fallen wäre, weder damals * noch heute. Liegt doch die Verbindung zwischen unserer geschichtlichen Vergangenheit mit unserer Gegenwart nahe; sie drängt sich förmlich auf. Und doch wird man nirgends feststellen können, dass dieses alte Volk Israel jetzt oder vor zwanzig Jahren, als es seinen Staat nach beinahe zweitausend Jahren wieder errichten konnte, in einen leeren Nationalismus verfallen wäre, eine Gefahr, die nicht zu verkennen ist. Die jüdische Freiheitsidee ist nicht auf nationale Unabhängigkeit und Souveränität des Landes begrenzt. Diese Freiheit umfasst den ganzen Bezirk des Lebens und der Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen und Völkern. Das beweist schon die Hagada, jenes Büchlein, das an den Sederabenden gelesen und gesungen wird, die c-in Volksbuch ist, dessen textliche Fassung sicherlich mehr als zweitausend Jahre zurückreicht und das im Laufe der Jahrhunderte ergänzt und ausgestaltet wurde. Der Grundgedanke dürfte kurz zusammengefasst werden können: jedes Geschlecht soll sich für alle Zeiten daran erinnern, dass unsere Väter einst Knechte in Aegypten gewesen sind. In einer leicht verständlichen Weise werden aus dieser historischen Grundtatsache Gedanken, Forderungen und Mahnungen abgeleitet, die auch von jedem Geschlecht und zu allen Zeiten beobachtet worden sind. Da in und als Folge dieser Knechtschaft in Aegypten das jüdische Volk entstanden und geschichtlich geworden ist, werden die Ju den aller Zeiten darau erinnert, dass .sie das Schicksal der Fremde, der Unfreiheit, der Knechtschaft, der Versklavung auch dann nicht vergessen dürfen, wenn ihre eigenen Ketten der Knechtschaft zerbrochen wurden. Daraus wird der soziale Gedanke, der zugleich ein religiöses Postulat i«st, wie selbstverständlich abgeleitet, dass ein Fremdling nicht unterdrückt werden dürfe. „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken; ihr wisst ja, wie dem Fremdling zumute »st, denn Fremdlinge wart ihr einst im Lande Aegypten.“ Damit führt uns die Hagada mitten in die Gegenwart mit ihren sozialen und politischen Problemen hinein. Denn der Staat Israel beherbergt eine grosse Zahl von „Fremdlingen“ d. h. von Nichtjuden, in seinen Grenzen. Die Feinde Israels behaupten, dass die israelische Regierung und vor al lern die israelische Militärverwaltung diese Fremdlinge schlecht behandeln. Die Lage dieser Fremdlinge, die man auch als Flüchtlinge zu bezeichnen beliebt, obwohl sie gar keine Flüchtling? sind, wird von antisemitischen und antiisraelischen Hetzern sogar als verzweifelt bezeichnet, wobei sie sogar soweit gehen, Kriegsgefangenenlager in Israel mit deutschen Konzentrationslagern zu vergleichen. Wir wissen, dass diese Verleumdungen zweckgebundene Stimmungsmache sind. Wohl nirgends und niemals in der langen Geschichte der Kriege, die von den verschiedensten Völkern ge fuhrt worden sind, hat ein Siegerstaat seine Gefangenen und seine Fremdlinge den Gesetzen der Menschlichkeit entsprechend behandelt wie Israel. Wo Fremdlinge sich in Saboteure, Bombenwerfer, Mörder und Terroristen verwandeln, müstsen sie in jedem geordneten Staatswesen mit der Schwere der angedrohten Strafbestimmungen rechnen. Dass Israel getreu der historischen Mahnung gehandelt hat, den Fremling nicht zu bedrücken, beweist auch der Schutz der auf seinem Territorium liegenden Heiligen Stätten anderer Glaubensbekenntnisse, Religionsgemeinschaften und Sekten, was von deren Autoritäten vor aller Oeffentlichkeit festgestellt worden ist. Trotzdem unsere eigene jüdische Galutgeschichte aus einer Vielzahl von traurigen und blutigen Begegnungen mit dem Christentum besteht, isc auch nicht ein einziger Fall religiöser Verfolgung in Israel vorgekommen. Der Staat Israel, der durch den ihm aufgezwungenen, bereits zwanzig Jahre geführten Krieg mit Sicherheits¬ und Aufbauproblemen überlastet war, fand dennoch Zeit und die Kraft, alles zu tun, was in seinem Bereich lag, um die christlichen und sonstigen Religionsgemeinschaften in ihrer Entfaltung zu schützen und darüber hinaus sogar zu fördern. Das ist die praktische Nutzanwendung jüdischer Vorstellungen über die Behandlung der Fremden, der Nichtjuden, der Andersgläubigen und der anderen Nationalitäten, wie sie sich aus der schlichten Mahnung der Hagada ergibt: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken“. — Das jüdische Gesetz is* nicht nur für das jüdische Volk geschrieben. Seine Wahrheit gilt für alle Menschen. Seine Forderungen überschreiten alle nationalen und territorialen Gren- (Schluss auf Seite 2) Amman. — Ein transjordanischer Armee-Sprecher teilte mit, dass eine israelische Panzerkolonne unter dem Schutz von Helikoptern und Jetflugzeugen südlich des Toten Meeres in transjordanisches Gebiet einfiel, wo sich transjordanische Einheiten sofort dem Vormarsch der Angreifer entgegengestellt hätten. Nach Aussage von Radio Amman habe die israelische Kolonne bei Al-Dahl, 45 Kilomete südlich des Toten Meeres die Grenze überschritten und sei 19 Kilometer tief in Transjordanien eingedrungen. Einer früheren Meldung des Sprechers zufolge, lieferten sich transjordanische und israelische Truppen 45 Mi nuten lang ein Artillerieduell über den Jordanfluss. MELDUNG AUS JERUSALEM Jerusalem. — Ein Zahal- Sprecher bestätigte, dass israelische Truppen, die teils mit Helikoptern transportiert wurden, die .Feuereinstellungslinie“ kreuzten, urr_ transjordanische .Saboteur? zu verfolgen“. Aus gutinformierten Quellen verlautete, dass diese Truppen später „ohne Verluste in das von Israel besetzte Gebiet zurückkehrten“, nachdem sie eine beträchtliche Menge Redaktionsschluss dieser Ausgabe DONNERSTAG, den 11. April, 15 Uhr von in der Sowjetunion fabrizierten Gewehre erbeutet hatten. „Nach wiederholten Operationen von Saboteuren durch das Jordantal in Richtung auf Elat am Golf von Akaba haben die Israelis ihre Patrouillentätigkeit verstärkt“, hiess es in dem israelischen Communiqué, das ferner besagte, dass mehrere Saboteure getötet und viele verwundet wurden. Ein Gebäude, welches den Guerillas als Stützpunkt diente, wurde zerstört und den Israelis fielen Waffen und Dokumente in die Hände. Is* raelischerseits waren keine Opfer zu beklagen. De Gaulles Haltung Paris. — „Mehr als je zuvor steht Frankreich zu seiner Freundschaft für die Araber und besonders seit ihr Land überfallen worden ist“, versicherte Frankreichs Präsident de Gaulle dem libyschen Ministerpräsidenten Achmed El Baccouche, der in Parits einen offiziellen Besuch abstattete. In einem gemeinsamen Communiqué das nach dem Empfang des Libyers durch de Gaulle herausgegeben wurde, heisst es: „Jegliche Lösung der Mittelost krise hängt von dem Rückzug der Israelis aus den Gebieten ab, welche sie im Juni des vergan genen Jahres besetzt haben.“ (ITA) EIGENARTIGE BEHAUPTUNGEN Vereinte Nationen. — Ein sowjetischer Journalist hat den Spionageabwehrdienst Israels beschuldigt, nicht nur in den arabischen Ländern zu spionieren „sondern auch in Russland und anderen sozialistischen Ländern, ja selbst bei seinen Alliierten und westlichen Herren“. In dem hier erscheinenden sowjetischen Pressedienst schreibt Victor Chernow, dass „dem Angriff Israels gegen die arabischen Länder irr Juni 1967 Spionageaktionen vorausgingen, bei denen die Geheimdienste der USA, Englands und West deutschlands die Israelis mit wichtigen militärischen und politischen Informationen über die Araberstaatea belieferten“. Wie Cherkow ausführt, hätten diese An gaben die Einzelheiten ergänzt, die „die israelischen, Spione entdeckt hatten und in grossem Masse zu dem militärischen Erfolg der im vergangenen Juni verübten Aggression beigetragen.“ Die angebliche israelische Spionage in Russland und anderen sozialistischen Ländern erklärt der Artikelschreiber mit dem Bestreben Israels „geheime militärische, politische und ökonomische Informationen zu erlangen“. Die sowjetische Zeitung „Trud“ behauptete kürzlich, dass „die USA sich Israels bedienen, um die fortschrittlichen Regierungen in den Araberländern zu bekämpfen und die Spannung im Nahen Osten zu schüren.“ Dies sei die wahre Erklärung für Israels Aggressivität nach Meinung dieser Zeitung. (ITA) Protest aus Jugoslawien Belgrad. — Das offizielle kommunistische Parteiblatt in Jugoslawien, die Wochenzeitung „Komunist“ kritisierte gewisse „kommunistische Kreise“ Polens wegen ihres Antisemitismus. Der Verfasser des Artikels, Oskar Davico, ein Jude, erklärte, er sei „über die Blindheit gewisser polnischer Kreise empört, die anstatt den Studentenunruhen in Polen auf den Grund zu geben, „einige wenige Juden beschuldigen, die Anstifter dieser Rebellion zu sein“. Tel Aviv. — Im Verlauf einer Protestkundgebung, die in Tel Aviv stattfand, wurde die antisemitisch? Kampagne in Polen gegeisselt. Die in Polen lebenden Juden wurden aufgefordert, nach Israel auszuwandern. Die Veranstaltung stand unter dem Protektorat der israelischen Exekutive des Jüdischen Weltkongresses. Unter den Rednern, die das Wort ergriffen, waren Israels früherer Vizeverteidigungsminister Shimon Peres und Prof. Arie Tartakower.

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