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Jüdische Wochenschau · 1968-03-29 · 2261 (29.3.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2261 (29.3.1968)
Date
1968-03-29
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1’ izq. JúzJéMGH&JsAjCíelUci T. E. 83 - 26 1 3 An« XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 29 DE MARZO DE 1968 N" 2261 Die Risse im Monolithen Die folgenden Ausführungen sind als Fortsetzung des in der vorigen Woche erschienenen Ar tikels „Eine Welt aus den Fugen“ anzusehen. I. In der Zeit der national sozialistischen Herrschaft fanden sich nur wenige Stirn men. die an einen alsbaldi fen Sturz dieses brutalen lachtßvstems zu glauben und auf dessen Untergang zu hoffen wagten. Wir brau chen hierbei und in diesem Zusammenhang nicht di' Frage zu untersuchen, wie weit die damaligen Mächte am Aufstieg und an der Fe stigung des Dritten Reiches beteiligt waren, das ohne Zweifel von einigen wichtigen Regierungen gestützt •wurde, die darauf spekulier ten, auf diesem Umwege den Unruheherd im Herzen Europas beseitigen zu kön nen. Als aber im Verlauf weniger Jahre ein Machtkoloss entstanden war, der nichc nur die 80 Millionen Deut sehe vollkommen dominierte und zu gefügigen Werkzeugen eines Diktatur- und Unrechtsstaates gemacht hatte, dessen Armeen in wenigen Wochen oder Tagen die europäischen Nationen mR Ausnahme Grassbritanniens und der Sowjetunion überrannten, die beide keine eu ropäischen Mächte im engeren Sinn des Wortes waren, da verstärkte sich die Auffassung, dass dieses Dritte Reich nicht zu zertrümmern war. Wer damals die Ereignisse vom grossen deutschen Kerker au»s betrachtete, wer mitansehen musste, wie die braune Macht von Erfolg zu Erfolg wuchs und wie schwächlich die Reaktion der anderen Welt auf das ungeheuerliche Unrecht war, der konnte unschwer den Eindruck gewinnen, das? das Geschwätz vom tausendjährigen Reich keine leere Phrase ist. Und doch fiel es nach 13 Jahren in sich zusammen. Hierauf wird aufmerksam gemacht, um die Vergängvon JEHL7DA GOTTHEIMER lichkeit menschlicher und politischer Machtkolosse zu unterstreichen, ein Hinweit;, der für die Beurteilung der Situation nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wesentlich sein dürfte. Obwohl Grossbritannien, um nur ei- Hunger und Verzweiflung waren übrig geblieben. Die Probleme der Menschheit waren durch den Krieg nicht gelöst worden, wie sie niemals durch Waffen entschieden werden konnten. Die Allianz der Siegermächte hatsche Aktionen vornehmen und Kritik an den Amerika nern üben können, wodurch die westliche Position ständig gegenüber dem Ostblock benachteiligt war, jedenfalls nach aussen hin weniger kraftvoll erscheinen musste Von einer Geschlossenheit oder Einheit ttes Westens konnte man in keinem Au- Präsident Salman Shazar beqrüsst den Kadi, Scheich Amin el.Habash, bei einem Empfang. Zur Linken des Präsidenten stehen drei mohammedanische Würdenträger aus Haifa mit Suheil Shukri, einem Mitglied des mohamme. dänischen Verwaltungs.Comites. nes von mehreren Beispielen zu erwähnen, alß Mitsiegerstaat aus dieser furchtbaren Auseinandersetzung l ervorgegangen ist, und obwohl England in schwerster Schicksalsstunde der Menschheit mutig die Verantwortung für die Zukunft einer freien Welt übernahm und alß einziges Land dem vielfach überlegenen Feind** entgegentrat, hat es seine Rolle als Weltmacht ausgespielt; das einst stolze britische Imperium gehört der Geschichte an. II. Ein Zeitalter war zerbrochen. Trümmer und Schutt, te die Kraft entwickelt, einen grausamen, schwer gerüsteten Feind niederwerfen zu können, aber diese? Kriegsbiindnis reichte nicht aus, um den Frieden zu gewinnen und die offenen Fragen zu einer vernünftigen Entscheidung zu führen. So entstanden die „Welten“ de^ Westens und de« Ostens, der sich durch den .„Eisernen Vorhang“ abschirmte. Die Gegensätze der sich immer schärfer widerstreb Terroristen unter sich Leutnant Adnan Mansour vom palästinensischen Regiment 421 der irakischen Armee, der von seiner Einheit desertierte und sich an die Spitze einer Fatach-Gruppe stellte, konnte auf Grund des Verrats von Angehörigen der Konkurrenz-Terrororganisation Jataf festgenommen werden. Die beiden Organisationen sind miteinander verfeindet. Letztens vermehren sich zwar die Gerüchte über den Versuch, die Terrororganisationen zu vereinigen, aber die einzelnen militärischen Kommandanten nehmen davon keine Kenntnis. Im Dezember hat Fatach eine ganze Jataf Gruppe den transjordanischen Behörden verraten, nachdem es zwischen den beiden Organisationen zu einem Konflikt um Waffen und Munition gekommen war. Jataf revanchierte sich damit, dass sie Leutnant Mansour den israelischen Sicherheitsorganen in die Hände spielte. Die Rivalität zwischen den beiden Terrororganisationen hat bereits zur Verhaftung zahlreicher Funktionäre beider Gruppen geführt. In der letzten Zeit neigt auch die Bevölkerung von Jehuda und Schomron dazu, Terroristen den israelischen Sicherheitsorganen auszuliefern. Auf diese Wmse fiel Abdalla Raschad aus Majdal el Krum den Sicherheiteorganen in die Hände. Er hatte im November mit einer Gruppe anderer Jugendlicher die transjordanische Grenze überschritten und wurde bei seiner Rückkehr nach dem Westuferdistrikt von den örtlichen Einwohnern der israelischen Polizei ausgeliefert. Abdalla Raschad führte daraufhin die Polizei zu einem Waffen versteck bei Jenin,' wo eine Fülle von Waffen und Munition verschiedener Art gefunden wurde. genblick dieser Entwicklung sprechen. III. Demgegenüber .bildete die öst'iche Welt unter russischer Führung einen Monolithen, einen gewaltigen Block aus einem Stein, eine Einheit von Völkern unter einem einzigen Kommando, eine grosse Reihe von Nationen, die von dem Kreml geleitet, beherrscht und eingesetzt wurden, wie es den tenden Interessen auf wirf | Interessen und vermeintlischaftlichem, politischem ' chen Notwendigkeiten der und weltanschaulichem Ge- | kommunistischen Politik entbiet wurden durch eine hem- 1 sprach. Versuche, eigene mungslose Aufrüstung und j Wege zu beschreiten, wur die Aufstellung militärischer den mit brutaler Waffenge- Einheiten verschärft, wie man sie in Friedenszeiten selten gesehen hat. Die Kluft zwischen diesen beiden Blöcken vertiefte sich. Die Macht der Sowjetunion, die nach den Prinzipien einer rücksichtslosen Diktatur regiert wurde, war unerschütterlich ,der „Eiserner Vorhang“ undurchdringlich, das ständige Vordringen des Kommunismus erschien unaufhaltsam. walt unterdrückt. Nur Jugoslawien konnte sich der russischen Umklammerung entziehen, ohne das? es zu schweren Rückwirkun. gen gekommen wäre. Der Macht- und Prestigeverlus, des Kreml wurde aber da malts durch die Einverleibung des Roten Chinas ausgeglichen. Der kommunistische Monolith schloss diesen Riss schnell, der umso leichter überwunden werden Im Westen wurden die dekonnte, weil Jugoslawien ein Wie war das alles damals von SEM FRANKEN STEIN Das Problem der unbewältigten Vergangenheit wirft immer wieder Schatten auf den deutschen, aber nicht nur auf den deutschen Alltag. Die Tatsache, dass immer weitere Kriegsverbrecher oder SS-Mörder lokalisiert und zur Verantwortung gezogen werden, wirkt allein schon 'beunruhigend. Wer wird der nächste sein, von dem behauptet und bewiesen wird, dass auch er dabei war. Auch der Umstand, dass viele, deren Vergangenheit man jetzt „entdeckt“ und deren Schandtaten man heute entlarvt, sich wiederum in verantwortlichen Positionen, bei Gerichten, bei der Polizei, bei Staatsanwaltschaften und anderen Behörden in Amt und Würden befinden, obwohl gerade diese Amtsstellen dazu berufen sind, den demokratischen Staat zu schützen, ist durchaus alarmierend. So hat man „Ehemalige“ beim Verfassungsschutz, bei der Spionageabwehr, beim Sicherheitsdienst, und anderen Behörden gefunden. Einer der krassen Fälle, der im letzten Jahr Aufsehen erregt hat, war die notwendig gewordene Entlassung des Leiters der Fahndungs- und Ermittlungsstelle für die Kriegs- und NS-Verbrechen. Noch stärker als die hier zitierten Beispiele musste natürlich die Verdächtigung des Staatsoberhauptes, des Bundesprasidenen Dr.. h. c. Heinrich Lübke, wirken. W.e bei so manchen anderen Gelegenheiten unternahmen' interessierte Kreise in Ostdeutschland den Versuch, den Bundeispräsidenten zu verdächtigen. Der oberflächliche Beboachter glaubte die hinter solchen Unternehmungen stehenden Bemühungen, dem westdeutschen Staat Schwierigkeiten zu machen, um den Kredit Ostdeutschlands zu heben, unschwer erkennen zu können. Aber damit war der Wahrheit nicht entsprochen. Denn in sehr vielen Fällen war das Material, das man aus Ostdeutschland zur Verfügung stellte echt und zutreffend. Man kann also nicht einfach unter Behauptung politischer Absichten die Angelegenheit abtun und zur Tagesordnung übergehen. Eines war klar; Nicht nur die Bundesrepublik selbst hatte.ein ehrliches Interesse daran, die Unrichtigkeit, der vom Osten gegen den Bundespräsidenten erhobenen Behauptungen zu beweisen. Denn wenn es wahr wäre, dass Heinrich Lübke Baupläne für KZ-Lager entworfen und unterzeichnet hätte, dann würde nicht nur das Prestige der Bundesrepublik darunter leiden. Es wäre eine weitere Erschütterung einer westlichen Position, wenn sich eine seiner repräsentativen Persönlichkeiten einer sp schmutzigen Aufgabe unterzogen hätte, wie Pläne für KZ zu entwerfen. Lübke war gewiss schlecht beraten, mit seiner Antwort so lange gewartet zu haben. Das musste einen falschen Eindruck erwecken. Auch die Erklärung der Regierung und des Parlaments, mit der sich diese beiden Körperschaften vor oder hinter den Bunde.-- präsidenten stellten, sind nicht geeignet, eine sachliche Antwort zu ersetzen, und zeigten nur. dass man diese Angelegenheit als eine politische Kampagne der anderen Seite abdrehen wollte. Dass sich die (west-)deutsche Oeffentlichkeit mit solchen Deklarationen nicht zufrieden geben würde, hätten die Politiker voraussehen sollen. Mit Bedauern muss man feststellen, dass die Antwort Lübkes die er in einer Fernsehsendung gegeben hat. nicht stark und auch nicht überzeugend ist. Bundespräsident Lübke hat die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nicht kategorisch in Abrede gestellt; er sagt nur. er habe nicht gewusst, dass diese Pläne solchen Zwekken dienen würden. Wörtlich heisst es: „Selbstverständlich kann ich mich nach Ablauf von fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr an jedes Schriftstück erinnern, das ich unterzeichnet habe. Es gehörte nicht zu meinen Aufgaben, Zeichnungen für Baracken zu unterschreiben. Ich erinnere mich auch nicht, je solche Unterschriften geleistet zu haben.“ Auch wenh man diese Erklärung zweimal liest, wird sie nicht klarer und nicht überzeugender. Wenn man Pläne für KZ-Baracken unterschrieben hat oder anfertigte, vergisst man das nicht und erinnert sich dessen. Alle Möglichkeiten offen zu halten, muss den Verdacht erwecken, dass man vielleicht doch Dokumente dieser Art unterschrieben hat, jedoch nicht weiss, ob der andere, der Feind, der deutsche Bruder aus dem Osten diese Dokumente zurückhält, um den Bundespräsidenten nun ausserdem noch Lügen strafen zu können. Die Angelegenheit ist sehr peinlich und bedauerlich. mokratischen Grundsätze eines politischen Lebens beachtet. Obwohl die Führung des Westens durch die Ver einigten Staaten von Nordamerika nicht bestritten war, musste er in seiner Operationsfähigkeit und Politik auch die Schwächen und vermeintlichen Nachteile eines auf Freiheit und freiwilliger Entscheidung aller Partner bestehenden Bündnissystems in Rechnung nehmen, bei dem im Gegensatz zum Osten den einzelnen Blockstaaten da? Recht eigener Stellungnahme erhalten blieb. Im Gegensatz zu den Satelliten der Sowjetunion haben die west liehen Länder eigene politikommunistisch regiertes Land blieb. Im Laufe einer relativ kurzen Zeit löste sich die neue Weltmacht China aus der russischen Vormund schaft. Der meteorhafte Aufstieg Pekings erschütterte ohne Zweifel die russische Position. Dennoch verstand I es der Kreml, seine Machtposition im internationalen | Kräftespiel zu bewahren, 1 v enn auch eine unleugbare j Annäherung an den Westen erfolgte. Die Kluft zwischen j West und Ost wurde nicht! geschlossen, wohl aber unj auffällig gemindert. Man ak-! zeptierte von beiden Seiten die von den Russen propagierte Idee der Koexistenz, gegen die nur noch die Chinesen opponieren. Bei diesen Auseinandersetzungen, insbesondere zwischen Russland und China, ist es nicht leicht, Ursachen und Wirkungen zu erkennen, was einer späteren Zeit überlassen werden muss. Wir können heute nur die Tatsachen re gistrieren. Man muss z. B. den Ein druck gewinnen, dass die beharrliche Ablehnung de- Amerikaner, die Chinesen in die UN aufzunehmen, auf ein öffentlich nicht ausgesprochenen Uebereinkommen mit den Russen zurückgeführt werden muss. — Wiederum vergingen nur wenige Jahre, bis neue, nun mehr allen sichtbare Risser im russisch - kommunisti sehen Monolithen sichtbar werden, die eine völlig neue Situation vor bereiten können. Wenn es auch noch sein früh sein mag, Konsequen zen von bleibendem Wert hieraus zu ziehen, deuten doch verschiedene Tatsa chen darauf hin, dass auch die kommunistische Welt, nicht weniger als der We sten, von dem ständigen Umv'älzungsprozess unseres Jahrhunderts ergriffen wird, und dass selbst die rote Diktatur trotz ihrer inneren Machtfülle diesen Get;etzeo einer aufgewühlten Zeit unterworfen ist. Damit eröffnen sich ganz neue Perspek- (Schluss auf Seite 2» Argentinien und Mittelosten Der argentinische Aussenminister Dr. Nicanor Costa Mendez äussert sich nach seiner allwö chentlichen Aussprache mit dem Präsidenten de- Republik zur Lage im Mittelosten: „Wir verfolgen die Vorgänge mit natürlicher Besorgnis und Interes se“, führte er aus. „Wir glauben, dass die Bemii hungen. die zum Frieden führen können,noch nicht erschöpft sind. Wir hc gen die Hoffnung, dasdie Mission Erfolg haben kann.“

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