Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2260 (22.3.1968)
- Date
- 1968-03-22
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Vier«««, 22 de Mar*® de Ï968 JMilDIfCHE WOCHENSCHAU AR* XXIX. — «Mt; (Schluss von Seite 1) ©egen eine 6ewallmassnahme London. — Drei sowjetische jüdische Mathematiker befinden sich unter den 92 Trägern des Leninpreises, die sich ihr£n Kollegen angeschloßsen haben, um bei der Regierung wegen der Internierung eines jüdischen Mathematikprofessors in einer Nervenheilan st alt zu protestieren. Es handelt sich um Alekßander Jesenin Volpin, der sich aktiv an den Protesten der sowjetischen Intellektuellen beteiligt hatte. Volpin ent stammt einer jüdischen Familie, doch bisher wusßte man nicht, dass er von Geburt Jude ist. Die jüdischen Mathematiker, die den Protest gegen Volpins Internierung ,,ohne vorherige Untersuchung und ohne Zustimmung der Famlie“ unterzeich net haben, sind Israel M. Gelbfranch, Wardim Arnold und Juli Manin. (ITA) auf anderen Kontinenten, erschüttern das Leben aller, auch der nicht; unmittelbar beteiligten Völker. Die Folgen treffen die ganze Menschheit, selbst dann, V/enn sie nichts davon wissen ©der erfahren will. Die Einheit und Einheit licbkeit der menschlich unmenschlichen Welt tritt immer stärker hervor, obwohl wir wie selbstverständlich von zwei oder drei Welten sprechen, vom Osten un© vom Westen und von der vermeintlichen „Dritten Po sition“. So tief die gedankliche, wirtschaftliche, gesell schaftliche Zerklüftung zwischen den verschiedenen Mächten auch sein mag, sie alle bilden, immer deutscher werdend, eine untrennbare Einheit. Das Gesche hen in einem Teil der Welt zeigt seine Rückwirkungen sofort in dem anderen. Die geographischen Grenzen haben längst ihre alte Bedeu tung der Trennung zwischen Völkern verloren, aber auch die ideologischen oder sonstigen Schranken bieten ke* ren Schutz vor den unmit telbar spürbar werdenden Jfoneequenzen der Begebenheiten, die eich — wo immer — auf der Erde abspie len. Deswegen ist es gegenstandslos geworden, den Versuch zu unternehmen, sich von dem Geschehen ausserhalb de»s eigenen Landes oder Kreises abkapseln zu wollen, wenn man sich nicht eines Tages völlig isoliert und damit dem Abster ben preisg^geben findet will. entwicklung einzuschliessen und alle jene Kräfte zu be rücksichtigen, die nicht nur unser Leben oder das unserer Gemeinschaft unmittel bar berühren. Die unter historisch völlig anderen und grundlegend verschiedenen Umständen einet prokla mierte und bewusst mit allen ihren Folgen durchge führte Isolierung der jüdv sehen Gemeinschaft von ih rer normalen Umwelt, der , Zaun um die Lehre“, auf die zu einem guten Teil dai jüdische Ueberleben aller Epochen zurückgeführt wird, dürfte heute nicht mehr der Schlüssel zur Lösung unserer Probleme sein. Wie weit jedoch die Anpassung une damit die zwangsweise Assimilation der jüdischen Ge meinschaft an ihre Umwel ten gehen soll, kann, darf und muss Gegenstand ernstester Prüfungen sein, wo bei ein gemeinsames Verhalten Voraussetzung für das weitere Bestehen der Juden als Gemeinschaft und Volk ist. III. Nicht erst heute, seit vielen Jahrzehnten wird immer wieder der jüdischen Gemeinschaft oder „den Juden“ der Vorwurf der Starrheit gemacht, der Starrheit in ihren Anschauungen, in ihrem Leben, in ihren reli g Ösen Vorschriften und ihren Vorstellungen. Der Vor wurf ist gewiss nicht uhbe rechtigt. Aber der Triumph dieser Starrheit ist das Ueberleben unseres Volkes, das alle Stürme der Zeiten überdauerte, das lebt und schafft und baut, trotzdem es mindestens zwei Jahrtausende den grausamsten Verzum anderen Teil bewusst her bei geführte Isolierung der jüdischen Gemeinschaft im Staat selbst gegenstands los geworden ist, und da viele Gesetze, vor Jahrtaußenden gegeben und berechtig i, dem Leben der Gegenwart nicht mehr gerecht werden kennen, wäre eine Neuregelung mancher Vorschriften nach Auffassung vieleicht der meisten Juden - angebracht und ratsam. Aber auch eine solche „Aktualisierung“ des Geset zes muss organisch gesche hen und kann nicht willkürlich von Gruppen oder gar einzelnen Juden vorgenommen werden. Hierzu gehört eine grosse moralische Kraft, deren Wirken schon deshalb wünschenswert er scheint,' damit die Wirklichkeit in Uebereinstimmung mit alten Vorstellungen ge setzt wird, und umgekehrt Wird nicht der Mut zu solchem Beginnen aufgebracht, besteht die Gefahr, dass die schon vorhandene Kluft in nerhalb der innerjüdischen Vorstellungen grösser wird, und dass — ähnlich der ge: stigen Position anderer Welt anßchauungen und Glaubens Vorstellungen — unser altes jüdisches Weltbild zu einem „Anachronismus“ herabsinkt, mit anderen Worten von der Zeit und den Ereignissen überholt wird. Um Missverständnisse soweit wie möglich auszuschliessen, sei noch erwähnt, dass hier keineswegs dao Wort der jüdischen Reform bewegung gesprochen wird die nur eine Tendenz verkörpert und in deren Reihen es auch recht verschiedenartige Interpretationen und Verhaltungsweisen gibt. Hier geht es nicht um Fragen der Auslegung, sondern um neue, grundsätzliche Entscheidungen, die von den höchsten — vorhandenen oder dringlich zu schaffen den — Autoritäten getroffen werden sollten. Hier geht e? darum, mit Nachdruck die Beseitigung eines „Tabu“ zu fordern und die Entscheidung von Fragen zu verlangen, die man heute als „heisses Eisen“ nicht anrührt, deren Nicht-Lösung jedoch zu unabsehbaren negativen Konsequenzen führen kann. IV. Die Erörterung dieser Fragen steht keineswegs im luftleeren Raum. Hier han I delt es sich nicht um die Diskussion über Theorien oder etwa nur uns Juden angehende Streitfragen. Es geht um Entscheidungen, die weit über unsere Gemeinschaft hinaus wirken können, zumal die Anzie hungskraff der jüdischen Gedankenwelt auf weit*1 JACOB LAPIDUS Jipi. M«b*l NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4* B T. E. 46-5473 MOHELN. PLAKSJN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78.4784 nichtjüdische Kreise grösser wird, was auf die Unsicherheit der allgemeinen Vor Stellungen über den Sinn des Lebens ebenso wie auf das von vielen als Wunder empfundene Wiederauferstehen eines jüdischen Staates ne ben anderen Gründen zurückgeführt werden kann. Obwohl die schweren und unser Jahrhundert erschütternden Ereignisse, Tendenzen, Ideen und Bewegungen ebenso wenig wie die Machtkämpfe zwischen den alten und den neuen Grossmäch ten mit der jüdischen Frage zu tun haben, spielen doe.n die Juden als Volk, als Glaubensgemeinschaft, als zu neuem Leben erweckte Nation eine erhebliche Rolle bei diesen Auseinanderset zungen. Hierbei sind keineswegs nur politische Schlag Wörter und billige — meist antijüdische — Parolen von Bedeutung. Dieses Phänomen ist umso auffallender, als die Juden selbst nur in geringem Umfang eine aktive Rolle ir_ der Revolution dieses Jahrhunderts spielen. Um nur einige Beispisle herauszu greifen: Gewiss gab es auch Juden in der russischen Revolution, aber die führende" Köpfe waren Lenin, Stalin und dessen Nachfolger, die (seit Stalin)., die Juden eliminiert und bekämpft haben. Bei der Auseinanderse* zung mit dem Nazismus waren die Juden die Opfer, be: der Ueberwindung der braunen Gefahr haben Juden kei ne entßcheidende Rolle ein genommen. Auch in den Nachkriegs - Auseinandersetzungen zwischen den „bei den Welten“ waren Juden nicht führend beteiligt. Dage gen halben sc zum wissen¬ Die Administration der Jüdischen Wochenschau bittet Frau BLÄSER früher Canning 401 um Aufgabe ihrer neuen Adresse zwecks weiterer Zustellung der Zeitung unter T. E 83 2613. Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELE F. VORANMELDUNG schaftlichen und technischer. Fortschritt durchaus beachflich beigetragen. Dass die jüdische Frage, die Juden, der Staat Israel jedoch von den anderen wi derstreitenden Kräften immer wieder ins Blickfeld der Debatten und der widerstreitenden Interessen gezogen wurden, wirft ein Problem auf, dessen Analyse wichtig und für unsere eigene Stellungnahme und Zukunft von weittragender Konsequenz ißt. Hierüber soll in einem weiteren Artikel berichtet werden, jedenfalls „Wie ich es sehe“. — LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltúa. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredön 2190, 1® izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien; $ 1.200.— pro Jahr Ausl. $ 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d N a chba r- Republiken 10 Dollar jährlich Sprachwissenschaft Jerusalem. — In Jerusa lern wurde ein Institut für angewandte Sprachwissenschaft gegründet. Das Ziel des Instituts ist die Ausbildung von Studenten für wissenschaftliche Uebersetzungen und Arbeiten am Elektronengehirn. Die Teilneh mer müssen mindestens zwei Weltsprachen beherrschen. Aus dem gleichen Grunde wird ee immer notwendiger, ir. die Betrachtungen über die eigene Lage die Gesamt- Dr. FREY ABOBADO PUEYRREDÖN 2190 1® izq. nach. 10—19 Uhr Tel. 80 6930 Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 REAL PEN PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 folgungen ausgesetzt war Mit der Wiedererrichtung des Staates Israel, die im Zuge der grundlegenden und umwälzenden Veränderung der Lebensverhältnisße der Völker vor sich ging und damit als eine der Ausdrucksformen der Revolution unseres Jahrhunderts betrachtet werden muss, wurde von uns selbst, d. h. aus dem jüdi sehen Volk heraus, die Frage aufgeworfen, ob nicht ge wisse Aenderungen unseres national-religiösen Gesetzes den Notwendigkeiten einer völlig neuen Zeit entspre chen wüirden, die im staatlichen Alltagsleben Ieraels immer drängender und dringender werden. Da die zu einem guten Teil diktierte, Ihr Friseur ERICH JACOB&OMN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76.5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI Schabbosdecken - Tallisbeutel - Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. 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