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Jüdische Wochenschau · 1968-03-15 · 2259 (15.3.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2259 (15.3.1968)
Date
1968-03-15
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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von PUEYfiREDON 2190 — 1» izq. fa JkmxtHj&yshcuzUiG, r. e. 83 - 2613 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 15 OE MARZO OE Ü»W N" 2259 Die Juden in Amerika Die Geschichte der Entdeckung und Erschliessung der amerikanischen Kontinente ist mit der Geschichte der Juden sehr eng verbun den. Diesem historischen Fakt wurde bisher in der Erforschung der geschichtlichen Zusammenhänge besonders innerhalb der südamerikanischen Judenheiten keineswegs in genügendem Umfang Rechnung getragen. Soweit wir das überblikken, war es ein ..Emigrant“ ein vor wenigen Jahrzehnten nach Argentinien eingewanderter Jude aus Polen. Professor Boleslao Lewin, der sich mit grossem wissenschaftlichen Ernst mit diesem Gebiet beschäftigte und wertvollste Tasachen ermittelte. den Spuren unserer Vergangenheit auf diesem Erdteil mit Eifer und Sachkenntnis nachging und vor allem die verschlungenen Pfade der blutigen Inquisition verfolgt hat, die in verschiedenen Ländern dieses Kontnents wütete. Die Geschichte Amerikas und ihrer-tiefen Verbindung mit dem jüdischen Schicksal beginnt bereits mit dem ,,Entdecker“ Cristobal Colon. in deutscher Version Kolumbus genannt. Um das Leben und die Ursprünge dieees Mannes ranken sich eine grosse Zahl von Legenden, Kombinationen und Vermutungen. Der grosse spanische Forscher und Geschichtsschreiber Salvador de Madariaga kommt in seinem grossen Werk über Colon zu dem Ergebnis, dass er jüdischer Abstammung gewesen ist und begründet seine These über viele Seiten mit zahlreichen wichtigen Argumenten. Wie bei anderen grossen Männern der Weltgeschichte viele Orte und Länder sich um die Ehre streiten, dass der gefeierte Held aus ihrer Mitte stammt, — berühmt ist das Beispiel und der Streit um den Geburtsort Homers —, so wurden auch als Ursprungsländer des Kolumbus Italien und Spanien genannt, wobei die Wissenschaft lange der Meinung von JEHUDA GOTTHEIMER war. Colón sei in Genua geboren. Vor einigen Jahren hat der Barcelonaér Univer sitätsprofessor Millas Vallicrosa eine neue Ansicht über Herkunft und Geburt des Colón geäussert, der nach seiner Meinung auf der Insel Majorka zur Welt gekommen sei und als Jude geboren wurde. Mit Rücksicht auf die Einstellung der aus Spanien vertrieb, die wahre Herkunft ihres späteren Admirals und Mehrers ihrer Macht gekannt haben. Jedenfalls muss es wohl einen Grund gehabt haben dass Kolumbus in seinen Aufzeichnungen schrieb: ,,In demselben Monat, in dem die spanischen Herrscher die Vertreibung der Juden aus dem gesamten Königreich Israels Präsident, Herr Salman Shazar, wurde in einer Sitzung der Knesset von allen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, für eine neu* Amtsperiode als Präsident wiedergewähtt. spanischen katholischen Könige, Ferdinand und Isabella, habe er seine rassische Herkunft durch die Annahme des Namnes Cristobal Colon verschleiert. Es ist dabei durchaus möglich, dass dieses merkwürdige Königspaar, das die Juden Ein Aufruf zum Frieden Washington. — Der Beratende Staatssekretär Lu cius Battle, dem die Abteilung für Nahost im State Department untersteht, forderte Israel und die ara bischen Staaten auf, in ihrer respektiven Einstellung zum Frieden ,,flexibel und gemäesigt“ zu sein und »•sich den legitimen Interessen und psychologischen Bedürfnissen der Besiegten anzupassen“. Der zweite Teil dieses Appells gilt anscheinend Israel und will die israelische Regierung bewegen, ihre Forderungen nach direkten Verhandlungen mit den Arabern ein zuschränken. Lucius Battle sprach auf der 9. Politischen. Konferenz des Comites für amerikanisch israelische öffentliche Angelegenheiten. Präsident Johnson wiederholte in einer Botschaft an die Konferenz sein Versprechen vom 19. Juni, dass die USA alles in ihrer Macht Stehende tun würden, um zur Wiederherstellung von ..Frieden und Gerechtigkeit“ im Mittelasien Hilfe zu leisten. Die Konferenz nahm allerdings eine politische Er klärung an, in der direkte Verhandlungen als einziges wirksames Mittel zum Abschluss eines arabisch-israelischen Friedens bezeichnet werden. Darin heisst es. dass der Frieden in erster Linie von der Anerkennung der Existenz Israels durch die arabischen Führer abhänge. Im weiteren werden die Nichtigkeit neuer Konflikte und die Vorteile einer beiderseitigen Zusammenarbeit in diesem Raum unterstrichen. (ITA) verfügten, gaben sie mir trag zu seiner kühnen Reise nach Indien zu unternehmen“. — Damit hat der Seefahrer Kolumbus den Auftrag zu sener kühnen Reise selbst ein anderes Ereignis mit seiner Mission in Beziehung gesetzt, von dem er nicht nur annahm, dass es von historischer Bedeutung sei, von dem er vielmehr selbst tief, beeindruckt gewesen sein muss. Anders ist es nicht zu verstehen, dass Kolumbus zu dieser Formulierung bei seiner Niederschrift gekommen ist. Dass auch eine Reine bekannter jüdischer Persönlichkeiten der damaligen Zeit gerade auf dem Gebiet der Seefahrt, der Kartenkunde, der Astronomie und anderer wissenschaftlicher Zweige, die für die Expedition des Kolumbus von Wichtigkeit gewesen sind, an den Vorbereitungen und der Durchführung der verschiedenen Expeditionen des Colón mitwirkten, ist ebenfals bekannt. Hier seien nur der bekannte Mathematiker und Astronom Abraham b Samuel Zacuto und Isaac Abravanel genannt, von dem man vermutet, dass er auch zu den Geldgebern für das kostspielge Unternehmen gehört habe. Der erste Europäer, der überhaupt amerikanischen Boden betreten hat, war ebenfalls ein Jude (Marrane), Luis de Torres, der als vielseitiger Sprachenkenner Dolmetscherdienste leisten sollte. Aber nicht nur bei der Entdeckung Amerikas haben Juden eine wichtige Rolle gespielt, auch die Entdeckten selbst wurden mit. dem jüdischen Volk in Verbindung gebracht. Jahrhunderte hindurch war die Meinung verbreitet, dass die in Amerika angetroffenen Indianer die verlorenen Zehn Stämme Israels seien. Selbst der berühmte Manasse ber> Israel war dieser Ansicht. Die erste jüdische Gemeinde befand sich in Pernambuco (Recife) in Nordbrasilien. 1642, also mehr als 150 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Colon, kamen zahlreiche jüdische Familien aus Holland nach Recife, unter ihnen der Gelehrte Isaac Aboab de Fonseca, der als der erste amerikanische Rabbiner angesehen werden muss. Als dann die Portugiesen dieses Gebiet zurückeroberten, vertrieben sie die Juden, obwohl sie den Holländern ausdrücklich das Gegenteil versprochen hatten. Die Vertriebenen, von denen wenige nach Holland zurückkehrten, wandten sich anderen Ländern zu, vor allem Surinam, Cayenne uud Curaçao; eine Gruppe von 27 Juden kam nach Neu Amsterdam, dem späteren New York . Sie waren so arm. dass man ihre Habseligkeiten öffentlich versteigerte, um die Reisekosten zu dek ken. Damit beginnt die Wechsel volle Geschchte der Juden in Nordamerika. Aus 27 Flüchtlingen wurde eine grosse Gemeinschaft von heute beinahe sechs Millionen Juden, von denen die überwiegende Mehrheit fest mit dem Land und seinem Schicksal verbunden ist. Am amerikanischen Befreiunskrieg haben Juden teilgenommen; 13 dienter als höhere Offiziere. Die etwa 2.000 Juden, die damals in den frei gewordenen ,,Kolonien“ lebten, erhielten mit allen Bürgern ihre vollständige Gleichberechtigung Damit waren die amerikanischen Juden überhaupt die ersten, die in der neueren Zeit ihre bürgerliche Gleichstellung erlangten, noch vor der Französschen Revolution. Auf den grossen Einfluss der Puritaner in der Entstehungsgeschichte der amerikanischen Freiheit ist es zurückzuführen, dass es damals durchaus üblich war, die junge amerikanische Republik als ..Gottes amerika- Der Mord an Jordai Aus Paris kommt d Nachricht, dass Charh Jordan, der Vizepräs dent des Joint, der vi einiger Zeit in Prag t< aufgefunden wurde, vc einem ägyptischen Dipl maten ermordet worde wäre Diese Behauptun wurde von der in Par erscheinenden Zeitun der emigrierten Tschi chen verbreitet. ARIE ASHKENAS Vergleiche aus unserer Vergangenheit mit aktuellen Ereignissen zu ziehen, ist immer nützlich und lehrreich, Lie Situation, der die Juden in Persien einst in den Tagen des Königs Asahveros begegneten, hat sich im Laute unserer an tragischen Geschehnissen überreichen Geschichte allzu oft wiederholt, allerdings ohne die erfreuliche Entwicklung zu nehmen, durch welche die Geiahr der völligen Vernichtung in einen Triumph verwandelt werden konnte. Dies war dem mutigen Auftreten des jüdischen Fürsprechers Mordeehai und seiner Nichte, der Königin Ester, zu verdanken. Mordeehai war ein Mann mit einer bewundernswerten Zivilcourage, der nicht vor Verantwortung zurückschreckte; er war aber auch ein makelloser Mann, der seine Pflichten als Mensch und als Bürger getreu erfüllte. Seine gehobene Position benutzte er nicht wie sein Gegenspieler und Feind Haman dazu — wie so viele andere es vor und nach Haman taten —, um sich persönliche Vorteile zu sichern, sondern um seinem 1 and und ebenfalls seiner engeren Gemeinschaft zu dienen. Mordeehai veranla.sste die zögernde Ester zum Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit, um den König zur Rettung der Juden zu gewinnen, die Haman vernichten wollte. Es war ein gerechter und ein kluger Herrscher der ohne Rassen- oder sonstige Vorurteile seine Entscheidung traf und den Verleumder preisgab. Aber alle diese Um- -tände sind 'bekannt, denn bereits seit mehr als zweitausend Jahren begehen die Juden dieses Purim-Fest und lesen das wundersame Schicksal ihrer Vorfahren in der Megilla Ester, der Rolle Ester, Jahr um Jahr. Und die Juden sind stolz auf Mordeehai und die Königin Ester, und aufrechte Freude erfüllt in diesen 1 -»gen ihre Herzen, wenn sie von der wundersamen Rettung hören auf die sie in langen Zeitläuften so oft und so vergeblich gewartet. haben. Im Buch Ester wird aber auch davon die Juden ,,schalteten" mit ihren Hassern, hofft hatten, mit den Judiiern zu schalten. So steht im 9. Kapitel, Vers 5, geschrieben: „Es schlugen die Judäer unter ihren Feinden mit dem Schwerte. sie brachten um und vertilgten und taten an ihren Feinden nach Herzenlust“. Es steht nichts Näheres darüber berichtet, ob diese Verluste, die von den Juden ihren Feinden zugefügt wurden, auf Sicherheitsmassnahmen oder Zwecke der Verteidigung oder der Vergeltung zurückzuführen waren. Eine Rechtfertigung dieses Vorgehens ist lediglich in der Ermächtigung zu erblicken, die dem Mordeehai vom König erteilt worden ist. Dem allgemeinen Empfinden de»- nisehes Israel“ und den Befreier Washington als „ame rikanischen Josua“ zu bezeichnen. Im Laufe der amerikanischen Geschichte haben viele amerikanische Präsidenten ein aufrechtes Interesse am Schicksal der in Europa verfolgten Judenheiten gezeigt. Hier sei nur John Adams, der 2. Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, erwähnt, de»- an Mordeehai Immanuel Noah. einen erfolgreichen amerikanisch-jüdischen Politiker und Philanthropen, die folgenden Zeilen richtete, nachdem Noah ihn für die Wiederherstellung der jüdischen Nation in Palästina zu gewinnen suchte: „Ich wünsche aufrichtig, die Juden, deren aufgeklärteste Männer am Fortschrtt. der Wissenschaft unserer Zeit so viel Anteil haben, wieder als eine unabhängige Nation in Judäa zu sehen. Unter eigener Herrschaft und nicht länger verfolgt, würden sie alsobald manche ihrer Besonderheiten ablegen. Ich wünsche, dass die Angehörigen Ihrer Nation alle staatsbürgerlichen Privilegien in allen Teilen der Welt erlangen. Dieses Land hat viel getan. Ich wünschte, es täte noch mehr und beseitigte jede engstirnige Vorstellung in Religion, öffentlicher Verwaltung und im Handel.“ — Diese wenn man es so ausdrücken will, proztonistische Einstellung haben die amerikanischen Präsidenten oftmals gezeigt. Man braucht nur an Woodrow Wilson und Harry Truman zu denken um wenigstens Namen aus [ (Schluss auf Seite 2) berichtet, dass wie diese ge- Völker — nicht nur in der damaligen Zeit — entsprach diese Reaktion der Judäer ihre Feinde zu vernichten, bevor sie von ihren Feinden „liquidiert“ wurden. Und der „klassische“ Judenhasser Haman zielte auf die t.taL Vernichtung der Juden und auf den Raub ihrer Habe, wie es die Judenfeinde zu allen Zeitabschnitten gemacht haben, die mordeten und plünderten. Aber von den Judäern in Persien wird ausdrücklich gesagt, dass sie ihre Gegner erschlugen, aber ihre Habe nicht anrührten Daraus darf man folgern dass es sich bei ihrer Reaktion um eine Verteidigungs massnahme gehandelt hat. Auch in den letzten beiden Jahrzehnten zielten die Judenfeinde unter der Führung des Haman-Nasser auf die totale Vernichtung des jüdischen Volkes in Israel hin. Reiche Beute wurde den verblendeten (arabischen) Völkern versprochen, wenn sie die Israelis ins Meer werfen würden. Mord und Plünderung waren die Kriegsziele. Aber Israel erhob sich, um diese furchtbaren Absichten seiner Gegner zu vereiteln. Keiner der Gegner wurde mutwillig erschlagen und Beute vom Feinde wurde nicht gemacht. Trotz einer vernichtenden Niederlage gab es aber diesmal keinen Frieden, und die Judenfeinde — unterstützt von mächtigen Reichen dieser Zeit — protestieren, dass Israel sich zur Wehr setzte und sieh verteidigte, bevor es zu spät war. Die angeblich so demokratische Welt, die in Notwehr oder Selbstverteidigung schreckliche Kriege führt, bei denen es unzählige unschuldige Opfer gibt beanstandet heute, wenn israelische Massnahmen zum Schutz und zur Vergeltung durchgeführt werden, um Terroristen und Kriegstreiber, Mörder und Plünderer zur Verantwortung vlt ziehen. Damit ist aber das Urteil der Geschichte noen nicht gefällt, das nicht durch gegenwartsgebundene Interessen, sondern unter Abwägung der wirklehen Umstände gebildet werden wird Nicht die Hamans und ihre Helfershelfer verdienen die Anerkennung und Sympathien der Nationen, sondern das kleine Volk das sich sein Lebensrecht heute wie damals durch Energie Tatkraft und Opfermut erkämpft.

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