Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2258 (8.3.1968)
- Date
- 1968-03-08
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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■ Nt ÎÜI) Viernes? 8 de Mar*« de 1968 SEMANA ISRAELITA Año XXIX. — N9 2258 — 5 P*" r~rs îQleia i>. Bei ‘tgen. orga. Comités, n musste Weltfr in Streiter Copy. 'essstellder Staa- PURIM IN Wie die meisten Feste des Jüdischen Jahres hat auch Purim, das Los-Fest des Esther-Buches der Bibel, in Israel andere Formen angenommen, als sie in der Diaspora bekannt sind. Rein haiachisch - religionsgesetzlich ist hier zunächst zu erwühnen, dass in der Hauptstadt Israels, in Jerusalem, das Fest einen Tag später, nämlich am 15. Adar, also als sogenanntes ,,Schuschan Purim“ gefeiert wird. Nach der talmudisehen Vorschrift ■wird zur Erinnerung an jenen zweiten Tag jüdischer Selbstwehr, der nur in der persischen Hauptstadt Schuschan den Juden gewährt wurde, in allen Städten, die in den Tagen Josua Bin- Nin’s mit Mauern umringt waren, der Fest-Tag am 15. Adar, statt wie sonst üblich am 14. Adar, begangen. Jerusalem hatte bestimmt zur Zeit der Landnahme unter Josua eine Mauer, und so wird also hier der 15. Adar begangen, während das übrige Land am 14. Adar feiert Die Megillat Esther gehört — neben der Pessach-Haggada — zu den ganz wenigen liturgischen Schriften der Synagoge, die immer und immer wieder illustriert wurden. Im Jerusalemer Israel-Bezalel-Museum ist eine besonders reichhaltige Sammlung von illuminierten und bebilderten Megilla- Handschriften alljährlich zu bewundern, da die rührige Leitung des Museums nicht verabsäumt, ihre Schätze zu Purim jeweils auszustellen, immer noch Unbekanntes von Jemen bis Süddeutschland bietend. Aber auch moderne Künstler des Landes haben die Megilla oft und oft illustriert, und israelische Verlage haben diese Kunstwerke in grossen Auflagen populär gemacht. Neben den Megillot fehlen natürlich nicht die ,.Raashanim“, die Lärm-Klappern, mit denen die Kinder den Namen des bösen Erzfeindes Haman bei Verlesung der Esther-Rolle in den Synagogen begleiten. Leider hat sich die Unsitte eingebürgert, auch mit Spielrevolern bei dieser Gelegenheit und etwa bereits zehn Tage vor dem Fest auf den Strassen zu schiessen, w'as immer wieder zu Verletzungen und Zwischenfällen geführt hat, sodass durch städtische Hilfsgesetze der Verkauf von Sprengstoff-Kapseln aller Art verboten wurde. Während sich das Purim- Fest in der Diaspora auf die Synagoge (Vorlesung der Megillat Esther), das Haus (fröhliches Festmahl am. Abend des Festes) und auf Vereine (Purim-Bälle und Veranstaltungen aller Art) beschränkt, ging Purim in Israel natürlich auf die Strasse. Munteres Maskentreiben, vor allem der Kinder und Jugendlichen, beherrscht das Bild der Städte und Siedlungen in den froh liehen Purim - Tagen. Berühmt wurden die Karneyalsumziige in Tel Aviv, die "äen Namen ,,Ad--lo-Jada“ führen, der von der alten Vorschrift kommt, dass man sich am Purim betrinken soll „ad lo jada“, bis man nicht mehr weiss, wer eigentlich der gerechte Mordechai und wer der böse Haman war. Die Umzüge tragen ein farbenprächtiges Gepränge. Neben Szenen aus dem Esther-Buch werden andere lebende Bilder aus der Bibel und der späteren jüdischen Geschichte in bunter Szevon SCHALOM REN CHORIN nenfolge dargestelll und na türlich fehlt auch nicht das aktuelle Element, das politisch-satirische, wobei die Führer des Staates humorvoll karikiert werden und die Welt-Politik nicht zu kurz kommt. Seit einigen Jahren ist — unter Aegide des verewigten Bürgermeisters Agron — in Jerusalem der Brauch der ,,Ad-lo-Jada suta“ populär geworden, der kleinen ,,Ad-lo-Jada“ oder der „Adlo-Jada“ der Kleinen, da man in Jerusalem einen Kinder-Karnevalszug bevorzugt, an dem sämtliche Schulen und Jugendbünde teilnehmen, in fröhlichem Wettbewerb um die Palme des Siegers ringend. Wochenlang kleben und basteln, schneidern und zeichnen die Schulklahsen für diese heiteren Umzüge. Die Presse Israels gibt zu Purim ausgesprochene Faschings-Zeitungen heraus: einmal im Jahre darf man bei dieser Gelegenheit die so ernsten Probleme der Innen- und Aussenpolitik, der Lokal-Politik und des gesamten öffentlichen Lebens in humoristischer Weise behandeln, meist in Anlehnung an Gestalten und Ereignisse des so populären Estherbuches, das siteher nicht zu den wichtigsten, aber zu den best bekannten Teilen der hebräischen Bibel gehört. Aber so populär das Esther- Buch ist: es ist nicht unumstritten. Schon vor 28 Jahren erschien in Jerusalem eine Broschüre „Kritik des Estherbuches“, in der gegen dieses typische Zeugnis der Galut Stellung genommen wurde, das nicht den Heldenmut der Hebräer verherrlicht, sondern die Rettung des Volkes nur durch die Protektion einer schönen Frau und die Klugheit ihres Onkels bewirkt wird, übrigens ohne dass der Name Gottes auch nur einmal in diesem Buch der Bibel genannt würde; eine Tatsache, die schon den ältesten Erklärern viel Kopfzerbrechen machte. Gegen diese Broschüre erschien eine flammende Antwortschrift, und die Diskussion kam eigentlich nie zur Ruhe, sodass z. B. zu Purim I960 im Radio „Kol Israel“ eine öffentliche Diskussion um das Estherbuch in seinem Programm sendete, wobei der Schreiber dieser Zeilen gegen das Estherbuch auftrat, während der bekannte Radio-Bibel-Kommentator Professor Feiwel Melzer als feuriger Anwalt für das Buch eintrat... Unabhängig von diesem theologischen Meinungsstreit aber ist Purim ein gesellschaftliches Ereignis in Israel geworden: glänzende Bälle, meist zu wohltätigen Zwecken, werden in den eleganten Hotels des Landes veranstaltet, wohei dann natürlich stets eine Esther- Schbnheits-Königin gewählt wirct; dies nun wirklich im Sinne des biblischen Buches, denn wenn die Historiker vielleicht auch daran zweifeln ob Esther - Hadassa wirklich eine Königin von Gross - Persien war. oder vielleicht doch nur eine Favoritin des Despoten Ahasvérus, so ist es unzweifelhaft, dass sie eine Schönheitskönigin war. Das Esther-Buch wurde bereits im Mittelalter zum Thema vieler Purim-Spiele, die die Grundlage des hebräischen und jiddischen Theaters darstellen. (Nur noch die Joseph-Geschichte der Genesis wurde ebenso oft mimisch dargestellt.) Goethe hat bekanntlich in seinem „.Jahrmarkt zu Plun dersweilern“ so ein Purim- Spiel nachgedichtet. Auch heute noch spielen die Kinder in Israel immer und immer wieder das ewige Thema vom bösen Haman und der schönen Esther, vom dummen König und dem weisen Mordechai, kaum ahnend, dass sie damit ein noch viel älteres Kult-Spiei von Marduk und Ischtar wiederbeleben. „Echad, schtajim, schalosch Ani Achaschwerosch Jesch li Makel bejadi Wekether al Harisch.“ Eins, zwei, drei: ich bin der König Ahasveros. Ich hab, ein Szepter in der Hand und eine Krone auf dem Kopf, so singen schon die Allerkleinsten im Kindergarten. Eine tief ins Ethische reichende Umdeutung des Esther-Stoffes hatte der in Tel Aviv lebende Dichter Max Brod in seinem Drama Das letzte Vatikanische Konzil hat sich auch mit dem Verhältnis der Kirche zu den Juden befasst und den religiösen Antisemitismus als unchristlich verworfen. Man fragt sich, ob ein derartiger Beschluss nur auf dem Papier stehen soll wenn die Ueberreste eines mittelalterlichen Judenhasses konserviert werden. Noch heute, 1967, wird in der Werner-Kapelle in Oberwesel am Rhein das Steinrelief eines Knaben Werner gezeigt, über den der legendäre Bericht gegeben wird, dass der Knabe 1287 von Juden ermordet worden sei. Die Darstellung verbindet zwei Motive, die Judenfeiid schaft hervorrufen sollen. Hostienschändung und Ritualmord. Hiernach sei der Knabe gefesselt und ermordet worden, weil er die Herbeibringung der Hostie ablehnte. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Werner- Kapelle einer der wichtigsten Wallfahrtsorte im Rheinland. Im 15. Jahrhundert strengte der Pfarrer von Bacharach einen Informationsprozess an, den er in den Jahren 1426 bis 1429 durchführte. Es gelang ihm aber nicht, die Heiligsprechung des Knaben in Rom durchzusetzen. (Einzelheiten bei Pater Williehad Paul Eckert in ..Monumenta Judaica“, Handbuch 1963, Seite 158). Der Gauleiter von Franken, Julius Streicher, benutzte die Legende in einer Ausgabe des „Stürmer“, Mai 1939, für seine Zw’ecke Noch heute wird den Besuchern der Kapelle diese Geschichte als real dargestellt. Es wird belichtet, dass bei einer Rheinfahrt, an der auch zwei Israelis teilnahmen, den Fahrgästen der mittelalterliche „Ritualmord“ erklärt wurde. Nachdem eine Ritualmordlegende aus dem Jahre „Eine Königin Esther“ gegeben, aber keine Bühne des Landes hat dieses einst in Königsberg von Leopold Jessner inszenierte Drama in Israel in hebräischer Version wiederholt, weil eine ernste Vertiefung dieses Themas nicht dem „Klima“ des Festes entsprechen würde, das in Israel mehr und mehr ein echter Karneval geworden ist, der für Bewohner des Landes und Touristen eine heitere Attraktion bildet. Vereinte Nationen — Dr Schabtai Rosenne. Delegierter Israels vor der UN-Kommission für Menschenrechte. verwies auf eine ..gefährliche Zun ahmt" einer nach dem Vorbild des Stürmer aufgezogenen antijüdischen Propaganda in einem Land, welches eine lange Tradition von Antisemitismus und Diskrimination besitzt“. Dies bezog sich auf die Ukraine. Die Propaganda wird, wie er betonte, „durch staatliche Informationswege, im besonderen durch die offizielle Presse' durchgeführi. Dr. Rosenne forderte die Kommission ebenfalls auf, eine Untersuchung der .kulturellen und religiösen Diskriminierungen“ gegen die Juden in der Sowjetunion zu veranlassen. Der israelische Delegierte wurde mehrmals durch Proteste der sowjetischen Delegierten unterbrochen, die ihn der „Verleumdung“ und „antisowjetischer Er findungen“ bezichtigten. (ITA) HÊÉgSft ifHtiÜ! * Í ARABISCHES FLUECHTLINGSLAGER IN JORDANIEN — Die Flüchtlinge erhalten Hilfe von mehreren internationalen Körperschaften, wie UNWRA, Rotes Kreuz und anderen sowie von den UN direkt ebenso aus deutschen und anderen Quellen sodass für sie hinreichend gesorgt ist. Viele arabische Ter* roristen und Heckenschützen halten sich in solchen Lagern, als Flüchtlinge getarnt, auf. . . Von der Kehilla Die Kehilla, deren Arbeitsfeld sich auf alle Kreise der jüdischen Gemeinschaft und durch den Vaad Hakehillot auf die ganze Judenheit in Argentinien erstreckt, unterstützt heute schon nicht mehr allein die Kultuarbeit. welche sich in jiddischer Sprache manifesiert, obwohl sie dieser ihre besondere Sorgfalt zuwendet. Sie lässt auch jeglicher jüdischen Kulturregung in der Landessprache ihre Hilfe angedeihen. So wurde nunmehr der „Biblioteca Alberto Gerschunoff“ der Hebraica ein monatlicher Zuschuss von 50.000 Pesos gewährt, der dem Erwerb von Werken jüdischer Thematik dienen soll. Der Sportklub „Hakoach“ erhielt eine Zuwendung von anderthalb Millionen Pesos für den Bau einer Brücke, die beide Ufer des Tigre-Flusses, an denen der Klub liegt, verbinden soll. Der Makkabi-Organisation, der schon früher 20 Millionen Pesos zugeflossen sind, wurde eine monatliche Subvention von 200.000 Pesos zu gesprochen, damit sie ihre Erziehungsarbeit unter der jüdischen Jugend fortsetzen kann. Auch die jüdischen Tagesschulen, die schon seit längerer Zeit die finanzielle Unterstützung Ende der Gemeinde von Aleppo Aleppo ist die zweitgrösste Sfadt Syriens. Die Synagoge gehört zu den ältesten der Welt. Der jüdische Weltreisende Benjamin von Tudela fand dort 1173 eine Gemeinde von 1.500 Juden vor. Sie wird im Mittelalter öfters erwähnt. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien liessen 1503 im Falle des „Benzhausener Kindermordes“ durch den Pfarrer von Hugstetten-Buchheim im April 1967 richtiggestellt wurde, scheint es an der Zeit zu sein, dass sich auch die kirchlichen Behörde», vor allem der Bischof von Trier, mit dem Steinrelief in Oberwesel im Geiste der Konzilserklärung befassen. der Kehilla gemessen, wer den weiterhin mit dieser Hilfe rechnen. Schon jetzt bereitet sich die Kehilla auf die Feiern zu hrem Diamantenen Jubliläum vor, das im nächsten Jahr festlich begangen werden soll. EINE NEUE BIBLIOTHEK Die „Casa Argentina en Israel Tierra Santa“, die seit ihrer Gründung für eine argentinisch - israelische kulturelle Annäherung wirbt plant die Schaffung einer Bibliothek, welche den Argentiniern ebenso wie Touristen die Möglichkeit bieten soll, ncht nur durch Bücher, Broschüren, Zeitungen usw., sondern auch durch Konferenzen und Ausstellungen das jüdische Leben in Argentinien kennen zu lernen. Das Exekutiv-Comite dieser Organisation hat beschlossen, dass der Lesesaal dieser Institution den Namen der AMIA tragen soll, um auf diese Weise die AMIA gelegentlich ihres bevorstehenden Diamantenen Jubiläums zu ehren. Zum Dank für dieses Vorhaben hat die AMIA beschlossen, der neuen Bibliothek eine beträchtliche Zahl von Büchern und Publikationen über argentinische und jüdische Themen zum Geschenk zu machen. rieh hier viele Juden nieder. Während den 400 Jahren, da Syrien dem türkischen Reich angehörte, hatte su h die jüdische Gemeinschaft nicht zu beklagen. Der Hauptrabbener der Gemeinde führte den Titel Chacham Baschi und genoss die damit verbundenen Privilegien. Schon gegen Ende des letzten Jahrhunderts bestand eine starke Auswanderung nach Nord- und Südamerika, später besonders nach Manchester, wo durch die Neuankömmlinge Textilunternehmen entstanden. 1948 verschlechterte sich die Lage der Juden mehr und mehr, nachdem 1947 die Synagoge angezündet worden war. Libanon, Südamerika und Israel waren die neuen Ziele der Auswanderung. Heute leben in Aleppo keine Juden mehr. In ganz Syrien wohnen noch etwa 3.500. Sie dürfen sich nicht mehr als fünf Kilometer von ihrer Wohnung entfernen, sofern sie keine Sonderbewilligung haben. Flugzeug-Mofore Tel Aviv. — Südlich von Bet Schemesch wurde kürzlich der Grundstein für eine Fabrik zur Erzeugung von Flugzeug-Diisenmotoren und -Turbinen gelegt. Es handelt sich um eine Koopera* tion des französische» Eluj^ zeug - Industriellen gchidtlowsky und der israelischen Regierung. In die Errichtung dieses Unternehmens werden in der ersten Phase etwa 32 Millionen iE Investiert werden. Es wird 600 Arbeiter beschäftigen. An der Feierlichkeit nahmen der französische Geschäftsträger und viele Industrielle des Landes teil