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Jüdische Wochenschau · 1968-03-08 · 2258 (8.3.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2258 (8.3.1968)
Date
1968-03-08
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE Him PUEYRREOON 2190 — 1* izq. Art« XXIX fa sJkwAJiàJsh&jdiia T. E. 83 •2613 BUENOS AIRES, VIERNES 8 DE MARZO DE 1968 NJ 2258 Das politische Panorama NASSER DROHTE Tel Aviv. — Hohe Beamte der israelischen Regierung erklärten, dass die ,,aggressive“ Rede Nassers in der dieser drohte, die Araber würden die von Israel besetzten Gebiete „Zoll um Zoll zurückerobern“, die Aussichten auf einen baldigen Frieden im Mittelosten schwer erschüttert haben. „in dieser Etappe der Mission des UN-Emissärs Jarring, wo die ganze Welt auf Israel und auf die Araber blickt und erwartet, dass sie den ersten Schritt zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Frieden tun, haben die Worte des ägyptischen Präsidenten Enttäuschung und Verwirrung hervorgerufen“, äusserten diese Kreise. Allerdings verlautete aus einigen vertrauenswürdigen Quellen die Ansicht, Nasser habe mit seinen wüsten Drohungen nur den Zweck verfolgt, die unzufriedenen Elemente in seinem Lande zu beschwichtigen und sein Prestige wieder herzustellen. LE t'I ESHKOL i BEANTWORTET FRAGEN j Jerusalem. — Zu der Frage. wie sich Sowjetrusslarid im Falle eines neuen arabisch - israelischen Krieges verhalten würde, erklärte Premierminister Levi Eshkol in einem Interview, er glaube nicht, dass Moskau direkt intervenieren und das Risiko auf sich nehmen würde, einen neuen Weltkrieg zu r ntt'esseln. „ich kann nur versichern“. führte Eshkol aus, „dass wir, sollten die Russen direkt eingreifen, bis zum letzten Israeli kämpfen werden. Wir wollen nicht, dass auch nur eine nordamerikanische oder eine andere Mutter aus dem Ausland um ihren in einem Mitleiostkrieg gefallenen Sohn weinen soll. Wir werden selbst unseren Krieg führen. Hier stehen wir, und hier werden wir kämpfen, um zu überleben“, waren seine Worte. „Wenn Russland viel tun wird, so wird es .Instrukteure“ schicken, doch ich vermute nicht, dass das russische Volk eine gegen Israel gerichtete Politik gutheissen würde“, fügte er hinzu. Au! andere Fragen in diesem ausgedehnten Interview antwortete Levi Eshkol: 1. Israel kann sich nicht vorstellen, dass es den Russen gelingen konnte, den König Hussein von seinen Beziehungen zum Westen abzubringen. Wenn Jordanien sich friedlich verhalten wird, so werden wir es auch tun. 2. Israel bleibt bei seiner Forderung, dass der Suezkanal allen Nationen, einschliesslich Israel, offen stehen muss. Wir sind bereit, über seine Wiedereröffnung augenblicklich zu verhandeln. 3. Die El-Fatach-Banden können keinen Guerillakrieg im Stil der Vietcongs führen, denn die Verhältnisse in Nahost liegen anders als in Vietnam. 4. Die Araber, die unter israelischer Oberhoheit stehen. werden alle von ihnen gewünschten Erleichterungen gemessen, um gute Beziehungen mit den arabischen Ländern im Mitteloster. zu unterhalten. 5. Wir würden es begrüssen, wenn der Repräsentant der Vereinten Nationen, Gunnar Jarring, bei der ersten Sitzung einer arabischisraelischen Friedenskonferenz in Zypern oder an irgendeinem anderen Ort den Vorsitz übernehmen würde 6. Israel wird Garantien fordern, zu denen die provisorische Okkupation gewisser Gebiete gehören wird, bevor es diese Zonen räumen wird, wenn einmal ein Friedensvertrag mit seinen Nachbarn zustande kommt. 7. Das französische Volk billigt die heutige Mittelost- Politik des Präsidenten de Gaulle nicht. Er, Eshkol. sei überzeugt dass Frankreich zu seiner traditionellen Freundschaft mit Israel zurückkehren wird. sehen Behörden verfügten, dass die auf besetztem transjordanischen Territorium gelegene Allenby-Brükke. welche über den Jorden führt, von jetzt ab als Ein gangspunkt nach Israel und nicht mehr als okkupierte Kriegszone zu betrachten ist. Hierzu schrieb „Al Ahram“ diese Massnahme sei als „ernste Verschlechterung der Lage“ anzusehen und gefährde die Mission des UN-Emissärs Gunnar Jarr.ng. Die Zeitung betont die Notwendigkeit, die militärische arabische Einheit zu stärken, um der Situation zu begegnen. Wie man annimmt, dürfte diese und ähnliche israelische Massnahmen in den besetzten Gebieten eines der ersten Themen sein die bei dem augenblicklichen Zusammentritt der Arabischen Jerusalem. — Die israeli- 1 Liga behandelt werden. WIE ICH ES SEHE Die Zukunft der Juden «OR JEHUDA GOTTHEIMER Jarring b«i U Tban! Vereinte Nationen. — UN-Emissär Gunnar Jarring traf in New York ein und führte eine einstündige Unterhaltung mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, U Thanf, den er von dem Stand seiner Bemühungen um den Frieden im Mittelosten unterrichtete. Ein Communiqué über den Inhalt dieses Gesprächs wurde nicht herausgegeben. Botschafter Jarring wird an diesem Wochenende erneut nach Zypern zurückkehren. — *TAJ Beim Durchblättern des Jüdischen Volkskalenders für das Jahre 5667, das war das Jahr 1906.07, der eine Reihe interessanter Beiträge und Gedichte enthält, fiel mir ein Artikel auf, der von Dr. W. Hanauer aus Frankfurt am Main mit dem Titel „Die Zukunft des Judentums“ überschrieben war. Wie präsentierte sich die Zukunft des Judentums vor rund 60 Jahren einem Manne, der sich mit dem jüdischen Problem in einer Zeit beschäftigte, die von unserer heutigen so grundlegend verschieden war, als seien nicht sechs Jahrzehnte, sondern sechs Jahrhunderte inzwischen vergangen. Der Autor schildert die Gefahren der Emanzipation, den Geburtenrückgang bei den Juden im europäischen Westen, der allerdings durch einen Geburtenüberschuss bei den Ostjuden ausgeglichen werde. Er geht auf das Problem der Taufe und der Mischehe ein, von der die osteuropäischen Juden genau so bedroht sein würden, wenn sie die Kulturen ihrer Wirtsvölker annehmen, wie die Juden im Westen. Mit einer auffallenden Unbefangenheit polemisiert Hanauer mit der „sozialwissenschaftlichen Studie des bekannten Statistikers Dr. Arthur Ruppin“ die ihm für seine Zukunftsanalyse brauchbar erscheint. Dieses, heute beinahe vergessene Buch „Die Juden der Gegenwart“, das 1904 erschienen war. dürfte auch jetzt noch als eine überaus nützliche Lektüre denen empfohlen werden, die an den Problemen der jüdischen Existenz interessiert sind. Bei aller Verschiedenheit der jüdischen Situation damals vor 60 Jahren und heute gibt es gewisse Erscheinungen, die auch für die Juden in der Zerstreuung wesentlich und problematisch geblieben sind. Bei jeder vergleichenden Betrachtung muss man aber von der Existenz des jüdischen Staates ausgehen, der in unserer Zeit, von allen Juden begriisst oder nicht, von allen verstanden oder nicht, der unsichtbare Mittelpunkt auch unserer politischen und damit unserer physischen Existenz geworden ist. Vor 60 Jahren war der Gedanke der Errichtung eines jüdischen Staates ein Phantom, ein nationaler oder religiöser Traum, eine Hoffnung, vielleicht nur eine Illusion. Wer über die Zukunft des Juden tums oder über die Zukunft der Juden gesprochen oder geschrieben hat, konnte diese Idee des Judenstaates nicht in seine Betrachtungen als Realität einbeziehen. Weit stärker als heute spielte damals die Frage der Taufe oder des Uebertritts zum Christentum eine Rolle. Hierfür gibt es viele Begründungen. Zunächst einmal standen materielle Erwägungen trotz polemischer Bemerkungen des Dr. Hanauer als Motiv für viele, sich taufen zu lassen, im Vordergrund. Im übrigen hat es Uebertritte von Juden zu anderen Religionen oder Kulturen zu allen Zeiten gegeben, ohne dass dadurch das Judentum in seinem Bestand gefährdet oder auch nur erschüttert worden wäre. Die drei engsten Begegnungen im Laufe unserer Geschichte zwischen Judentum und einer anderen Kultur dürften sich mit dem Hellenismus, mit der maurisch-arabischen und mit der deutschen Kultur vollzogen haben. Die Auseinandersetzungen vollzogen sich in verschiedener Form. Es ist interessant, hierauf näher einzugehen. Der totale Angriff des Hellenismus gegen das Judentum, der zugleich ein totaler Angriff gegen das jüdische Volk gewesen ist, wurde auf dem Boden des jüdischen Landes, in welchem das Volk damals verwurzelt war, geistig und physisch abgewehrt. Die Einzelheiten dieses Ringens um die jüdische Zukunft sind in den Büchern der Makkabäer nachzulesen, an deren Geschichte wir während der Tage des Chanukka erinnert werden. — Die beiden weiteren grossen Begegnungen des Judentums mit anderen, fremden Kulturen vollzogen sich ausserhalb des Landes Israel. Die jüdische Diaspora j konnte nicht in der gleichen Weise reagieren wie j das bodenständige Judentum der Makkabäerzeit. In der spanischen Epoche war die Verschmelzung der Kulturen eine überaus intime zumal die Grundlage dieser Kulturen zahlreiche Verbindungen aufwiesen. Jahrhunderte hindurch waren die Juden nicht als Ketzer oder als fremde Elemente angesehen worden. Der Angriff gegen das spanische Judentum erfolgte erst nach der Blütezeit der arabisch-jüdischen Kultur mit dem Vordringen und der Herrschaft der katholischen Könige, die dieser Entwicklung und damit einer ganzen Epoche mit i der Ausweisung der Juden aus der spanischen Halbinsel ein jähes und grausames Ende bereiteten Wie einst in Spanien haben auch die Juden in Deutschland — und niehd nur sie — eine enge Beziehung mit der deutschen Kultur aufgenommen, die u. a. von jüdischen Wissenschaftlern, Forschern, Dichtern, Denkern, Künstlern uud anderen Geistig - Schaffenden grosse Impulse erhalten hat Hier ging es allerdings nicht nur darum, Verbindungen mit der deutschen Kultur herzustellen oder in der deutschen Kultur aufzugehen, sondern um einen Prozess der totalen Einordnung oder Verschmelzung der Juden mit dem deutschen Volk. Vergangenheit und Gegenwart von KURT KAISER-BLUETH Der kieler Universitäts- und Theologieprofessor Karl Redeker von 1954 bis 1967 Landtagsabgeordneter der CDU io Schleswig-Holstein und 1962 Dekan der Theologischen Universität, war bis zum letzten Tag des Naziregimes ein fanatischer Aktivist der Diktatur. Er wa mit den „Deutschen Christen“ liiert, war „Wissenschaftlicher Mitarbeiter“ im „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das kirchliche Leben” und der „Arbeitsgemeinschaft gegen die Kriegs¬ und Greuelpropaganda unserer Feinde im Weltkrieg und Als bremer Rundfunkprediger betrieb Redeker eine wüste Hetze gegen Deutschlands „Erbfeind“, die Juden. So sagte er am Totensonntag von 1938: „Wir sind unserem Führer darum dankbar, dass er nach einer Zeit, des Materialismus und Egoismus den Sinn für dieses Leben des Opfers wieder in unserem Volk erweckt hat.“ In seiner Predigt vom 15. Januar 1939 erklärte er u. a.: „Derjenige. der zu uns durch unseren Text spricht, weiss. was Kampf und Streit bedeutet, aus eigener Erfahrung. Verfolgt von der grossen Organisation des Weltjudentwms seiner Zeit . “ Um dann, ein wenig später, zu erklären: „Wer das Leben unserer Zeit mit wachen Augen verfolgt, macht ähnliche Beobachtungen. Was im Weltjudentum und im Materialismus zu satanischer Kraft der Zersetzung sich zusammenballt, sehen wir allzu deutlich . Und in einem seiner Artikel schrieb Redeker wörtlich: „Das Problem Weltanschauung und Religion — Weltanschauung und Theologie bekommt aber ein ganz neues Gesicht, nachdem nun unter uns eine das Volksganze tragende Weltanschauung als Volksethos und Sinndeutung des völkischen Lebens entstanden ist. Dieser Nazi-Apostel der Unmenschlichkeit erhielt — Gipfel der Absurdität — 22 Jahre später das Grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik für „seine besonderen Verdienste um den Ausbau und die Festigung der Demokratie“ . . Die naziakitivistische Tätigkeit dieses braunen Theologieprofessors und republikanischen Ordensträgers wurde von der „Kieler Studentenzeitung“ enthüllt.. Fügen wir indessen hinzu, dass diese Einzelheiten feinen führenden Parteifreunden in Schleswig-Holstein schon seit vielen Jahren bekannt waren. Redekers hemmungslose antisemitische Radioansprache fand schliessl'ch in Bremen statt, ging also weit hinein in das Gebiet. das heute das Land Schleswig-Holstein darstellt. All c’.as hinderte die CDU nicht, den .alten Kämpfer“ überall in Spitzenstellungen zu präsentieren und Selbst ins schleswig-holsteinische Parlament zu entsenden, obwohl ciie Parteileitung Dutzende von Briefen erreichten, in deren Mitglieder warnend auf die schmähliche Vergangenneit dieses Mannes hinwiesen, der sich nicht scheut, das Hakenkreuz der Nazimörder mit dem Bundesverdienstkreuz der Republik auf seiner Brust zu vereinigen. Die Juden bemühten sich' in ihrer grossen Mehrheit darum, trotz dieses in allen oder beinahe allen Schichten vorhandenen Willens der völligen Assimilation ihr Judentum zu bewahren, wobei die überwiegende Mehrheit dazu bereit war, wichtige Wesenselemente des Judentums aufzugeben, um damit ihre Identifizierung mit dem deutschen Volk zu erreichen Diese Feststellungen werden hier als Tatsachen wiedergegeben, ohne irgendwelche Wertungen vorzunehmen Auch die „deutsche“' Orthodoxie, worunter natürlich die jüdische Orthodoxie in Deutschland gemeint jst. musste sich zu Konzessionen bereit finden und hat solche Zugeständnisse gemacht, möglicherweise weniger als andere Kreise Dies bedeutet aber keine prinzipielle Unterscheidung, sondern nur eine graduelle. Ein seinerzeit bekannter Kirchenrechtler äusserte die Ansicht: „Die Juden zu Genossen unserer Kultur zu machen, heisst ihnen den Weg zum Christentum zu öffnen.“ Dass diese These nur zu einem sehr geringen Teil richtig war, hat die Praxis erwiesen. Sehr viele angesehene jüdisch - deutsche Gelehrte aller Fakultäten haben diesen Schritt abgelehnt obwohl er für sie mit grossen Vorteilen, öffentlichen Anerkennungen und Ehrungen verbunden gewesen wäre. Jedenfalls darf man feststellen, dass das jüdische Volk weder vor 60 Jahren noch heute durch die Taufe oder durch Uebertritte in seinem Bestand ernstlich gefährdet wurde noch jetzt bedroht ist. Die totale Assimilation in Deutschland wurde aber schon deshalb unmöglich gemacht, weil das deutsche Volk dieses Aufgehen der Juden im deutschen Volkskörper ablehnte. Der Antisemitismus deutscher Prägung ist die Antwort auf den jüdischen Angleichungswilien. Zunächst wurde hierfür eine christliche Antwort und Motivation gesucht und gefunden. Der Antisemitsmus wurde in sei- (Schluss auf Seite 2) Terroristen wieder am Werk Jerusalem. — ln fünf arabischen Dörfern dicht an der Chaussee von Jerusalem nach Tel Aviv, die auf besetztem transjordanischem Gebiet liegen wurde Ausgehverbot verhängt. Dies geschah nach dem Ueberta l einer El-Fataeh-Bande auf ein 15 km von der Hauptstadt entfernt gelegenes Masehinendepof, wo der drusisebe Wächter getötet wuide , * Uhr morgens ermordeten die Marodeure den Wächter mit automatischen Waffen und drangen m das Depot der Firma Meto rot ein. Sie zerstörten die. Iraktoren und einen Br mnstofftank. Bevor sie abzogen, liessen sie zwei Expiosivladungen zurück die Maschinen und Rohrleitungen beschädigten Am Tat ort wurden Flugblätter der Terrororganisation geflm- Das überfallene Depot liegt in der Nähe des arabtschen Dorfes Abu Gosch auf israelischem Roden doch die Spuren führten über die frühere Waffenstillstandslmie zum Dorf Katana hin (ITA)

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