Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2257 (23.2.1968)
- Date
- 1968-02-23
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ViernM, 23 de Fetorer« de 1968 SEMANA ISRAELITA Año XXIX. — N® 2257 — 7 Exportartikel: Jordanwasser José Maria Eca de Quei- *qz, der Klassiker des portugiesischen Romans, beschreibt in seiner satirischen Erzählung ,,Die Reliquie“ die Zustände ir> Jerusalem von vor fast hundertzwanzig Jahren. Ein junger Portugiese, Theodorico, tritt auf Wunsch seiner bigotten alten Erbtante Donha Patrocinio eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande an. Zurückgekehrt ge rät er in eine falsche Situation. Statt eine wunderwirkende Reliquie mitzubringen die auf dem Hausaltar der alten Dame niedergelegt werden soll, hat der junge Pilger versehentlich das= Paket mit einem Liebesptand, dem parfümierten Spitzennachthemd einer Engländerin, die er auf der UeJberfahrt kennen gelernt hatte, der entsetzten Tante und »hrem Hauskaplan überreicht. Nun sitzt er, der missratene Neffe, mittellos in einem unbezahlten Hotelzimmer in Lissabon, aber da naht die Rettung in Form einer Flasche mit Jordanwasser. Hören wir wie José Maria Eca de Queiros die Begeisterung eines Besuchers beschreibt, der diese Kostbarkeit entdeckt: „Er drehte schweigend eine Flasche Jordanwasser in den dicken Händen mit den abgenagten Nägeln, roch daran, wog sie, schüttelte sie. Dann fragte er sehr ernst, mit geschwollenen Adern auf der breiten Stirn: „Halen Sie ein Zeugnis?“ Ich reichte ihm die Bescheinigung des Franziskanerpaters, der die Echtheit und Unvermischtheit dieses Wassers aus dem Taufstrom verbürgte. Voll Genuss las er das ehrfurchterregende Schriftstück. Und begeistert rief er: „Ich gebe zehn Taler für das Fläschchen!“ ,Es war für meinen armen Juristenverstand, als ob sich ein Fenster öffnete und die Sonne hineinschiene! In ihrem klaren Licht sah ich plötzlich die wirkliche Natur dieser Medaillen, Skapuliere, Wässer, Holzsplitter, Steinchen, Strohhalme, - die ich bisher für kirchlichen Plunder gehalten hatte, den der Kehrbesen der Philosophie noch übriggelassen habe. Die Reliquien waren Werte! Sie hatten die allmächtige Eigenschaft von Werten! Man gab einen Tonscherben — und bekam eine Rolle Goldstücke dafür’ Und auf solche Weise erleuchtet, begann ich unmerklich zu lächeln, stemmte die Hände auf den Tisch wie auf ein Ladebrett und sagte: „Zehn Taler für reines Jordanwasser! So gering veranschlagen Sie unseren St Johannes, den Täufer. Zehn Taler! Das ist ja fast eine Gotteslästerung! Bilden Sie sich vielleicht ein, dass das Jordanwasser wie unser Leitungswasser ist? Aber, aber!... Drei Milreis habe ich von einem Pater von Santa Justa heute nicht annehmen wollen, hier neben diesem Bett... “ Er liess das Fläschchen auf seiner fetten Hand tanzen, überlegte, rechnete. „Ich gebe vier Milreis!“ „Gut, weil wir Gefährten im Hotel „Taube“ sind'“ Der Held des Romans geht dann dazu über, Leitungswasser in seinem Zimmer in kleine Fläschchen abzufülvon SCHALOM BE1S CHORUS! len und als Jordanwasser meistbietend zu verkaufen. D ts war um 1853 im erzkatholischen Portugal. Aber das ist um 1967 nicht anders und nicht einmal nur bei den Katholiken. Da erblickte vor kurzem i in Hamburg ein Mädchen das Licht der Welt und sollte gut lutherisch-protestantisch getauft werden, aber nicht mit Wasser der Elbe j quiekt hatte, was zu der Befürchtung Anlass gab, dass das Jordanwasser in zartrötlicher Färbung erglänzen würde. Ich empfahl daher, die Thermosflasche vorher gründlich auszuspülen, um das Jordanwasser völlig unvermischt und rein auf das Haupt der jungen Hamburgerin zu sprengen. Aber es sollte gar nicht dazu kommen, dass wir selbst oder Alsterwasser; nein, 1 das Wasser aus dem Chri- I es ist trotzdem verbürgt echtes Jordanwasser. Ich bescheinige es hiermit. Ich war Uber drei Stunden unterwegs, und unsere siegreiche Armee musste eingesetzt werden, um dieses unvergleichliche Wasser zu schöpfen. Man sollte es bei dieser sporadischen Aktion nicht belassen. Jordanwasser, auch ohne Himbeergeschmack. ist gefragt. Es kann unser Exportartikel Nummer zw-ei w'erden; unmittelbar nach JERUSALEMS BUERGERMEISTER Teddy Eollek mit arabischen Würdenträ. gern, Stadträten, Schuldirektoren und Lehrern in der Jerusalemer Stadthalle. Jordanwasser sollte es sein. Die junge Tante des Kindes, eine evangelische Theologie-Studentin, begab sich nämlich auf eine Israelreise, und so war es der sehnliche Wunsch ihres Bruders und ihrer Schw'ägerin, echtes Jordanw'asser für die Kindstaufe mitzubringen. Bis zur Rückkehr der Tante mit dem kostbaren Nass blieb das Baby sozusagen ein Heide und ungetaufl. Die junge Dame (ich meine die Tante, nicht das Baby) vertraute mir den Herzenswunsch der Ihren an, und so fuhren wir an einem goldenen Herbsttag von Jerusalem nach Jericho, um im nahen Jordan Taufwasser zu tanken. In Jericho erhebt sich eine jener belehrenden transjordanischen Steii säulen mit arabischer und englischer Beschriftung und weist mit einem Pfeil nach der Stelle im Jordan, wo Johannes der Täufer persönlich getauft haben soll. Ich w’ollte schon in die angrpfeilte Richtung fahren aber die Tauftante winkte ab und meinte — verdorben durch die moderne Theologie, wie sie heute an den meisten Universitäten vertreten wird, — dass diese Stelle bestimmt unhistorisch sei und man lieber auf der geraden Chaussee bis zur Allenby-Brücke fahren solle, die ohnedies interessanter sei, da man dort etwas vom , Rücktransport der Flüchtlinge sehen könne. Wir fuhren also in Richtung der politisch bedeutsamen. wenn auch überaus brüchigen Brücke. Die Tauftantc hatte eine Thermosflasche mitgebracht, in der sich vorerst noch die Reste vom Himbeersaft befanden der uns auf dem Ausflug er- Nach kurzem Leiden entschlief im 90. Lebensjahr unsere liebe gute Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante, Frau CHARLOTTE RINTEL, gab. STRUVE Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; JUAN G. RINTEL und Frau MARGARET«), geb. E1SENSTAEOT La Luciia, 16. Februar 1968 sten und Juden heiligen Strom, bezw. Flüsschen, schöpften. Der Zugang zur Brücke und damit zum Jordanufer war militärisch gesperrt, denn das W asser des Jordans hatte sich kurz vorher in tragischer Weise rötlich gefärbt, keineswegs von Himbeersaft, sondern vom Blute durchschwimmender Infiltranten, die hier illegal und offenbar mit terroristischen Absichten denselben Jorden überschreiten wollten, den einst Josua hier überquert hat. Nach langer anstrengender Fahrt standen wir jetzt mit der Thermosflasche so nahe am Strome des Heils, aber der Zugang war verwehrt wie zum Paradies. Statt eines Engels mit dem Flammenschwert standen hier zwei israelische Fall schirmspringer mit Gewehren und liessen uns nicht durch. Ich versuchte es mTt der Pressekarte. Rückfrage per Feldtelephon bei der zuständigen Kommandostelle, ergab aber, dass auch Pressevertretern augenblicklich der Zugang verwehrt w-ar. greifen? Eine Anregung Tür Nun trat die junge Tauftan te in Aktion und erreichte, was keine Pressekarte zu erreichen vermag: sie rührte das Herz des harten Kriegers, der die Thermosflasche persönlich übernahm, um zum Strom hinabzusteigen. Eine Szene von wahrhaft ökumenischem Charakter spielte sich nun ab. Der bewaffnete Israeli, der zusätzlich zu seinem Gewehr' nun noch die Thermosflasche trug, holte wie einst die Recken Davids das kostbare Wasser. Der Jude schöpfte aiso das christliche Taufwasser, der Israeli für ein deutsches Baby. Die christlich jüdischen Beziehungen und die deutsch-israelischen Konnten gar nicht sinnfälliger demonstriert werden. Leider vergass der Krieger, die Thermosflasche vorher gründlich auszuspülen... Rosenrot also w ird das Taufwas»er aus dem Jordan «ein und von himmlischer Süsse. Es ist gleichsam eine Variante des berühmten Rosenwunders der Heiligen Elisabeth von Thüringen, aber den Zitrusfrüchten. An historischer oder pseudohistorischer Stelle geschöpft, ist es sicher noch begehrter, denn nicht überall ist man durch die kritische Theologie so angekränkelt wie in obigem Falle. Wir sollten also die Wellen des Jordanw’assers hochgehen lassen. Es ist schon etwas daran, übrigens nicht nur für die Christen, sondern auch für uns Juden. Das wird leider völlig vergessen. Im zweiten Buch der Könige im 5. Kapitel wird bekanntlich die Heilung eines syrischen Generals durch den Propheten Elischa berichtet. Der Prophet empfiehlt dem syrischen General ein Bad im Jordan General Naaman lehnt zuerst hochmütig ab und meint, dass das Wasser in Damaskus sicher mindestens so gut oder besser sei als die Gewisser in Israel. Schliesslich lässt sich der Syrer doch überzeugen (das W'aren Zeiten!), steigt hinab zum Jordan, badet und w'ird gesund. Sollte man diese Elischa- Tra lition nicht wneder auf- Dr. Cahane vom Religionsministerium. Wenn ein Bad im Jordan die Verstocktheit der Syrer heilen könnte, wäre das auch nicht zu verachten. Man sollte es versuchen Ein Bad zu nehmen schadet selten... Ungeschminkt London. — Der ukrainische Schriftsteller Trofim Kiscbko, dessen Buch „Juden*™ ohne Schminke“ seinerzeit einen derartigen internationalen Skandal verursachte, dass die sowjetische Preise ihn als Antisemiten desavouieren musste, wurde jetzt vom Obersten Sow.et der Ukrainischen Republik mit einem Ehrendiplom bedacht. (ITA) Ford-Stiftung Te» Aviv. — Dem Endokrinologischen Institut des Krankenhauses von Tel Haschomer wurde von der Ford-Stiftung ein Betrag von 325 000 Dollar für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestell.t 60. Geburtstag Am 28. Februar vollendet Rabb. Dr. Meir Rosenberg in Hadera (Israel) das 60 Lebensjahr. Es sind fast zwei und ein halb Jahre vergangen, seit Dr. Rosenberg Argentinien verliess urtd nach Israel zurückkehrte, wo er* von 1937 bis 1957 gewürkt hatte, um dort die Leitung eines Gymnasiums zu übernehmen, eine Aufgabe, die noch weit höhere Anforderungen »n ihn stellte als seine gewiss nicht unbedeutende Tätigkeit als Rabbiner in Buenos Aires. Doch ungern liess ihn unser Jischuw' von hier fortgehf n. Ganz besonders die von ihm mitbegründete und | ge formte Gemeinde „Bet Israel“ bedauerte tief seinen Rücktritt vom Amt. weil im Lauft von etwa sechs Jahren eine echte menschliche, jüdische Verbundenheit zwi sehen dem Rabbiner und seiner Familie auf der e’- nen und über den Kreis der Gemeindemitglieder hinaus, mit anderen Kreisen von Juden in dieser Stadt auf d anderen Seite entstanden W’ar. Hatte es doch Rabbiner Meir Rosenberg verstanden, als Prediger, Dezent, Leh - xer, Jugenderziener, Berater 'ieler Familien e;,ie um fassende religiöse Tätigkeit ausznüben und durch seinen nationalen Enthusiasmus jüngere und ältere Juden zu erfassen und mit;.ureissen Doch sein hier geschaffenes Hauptwerk, wen-i man so sagen darf, seine Gemeinde“, steht ”.nd bemi iit sich, die von ihm so erfe’ereich begjnnene Arbeit w'e.- terznführen. Und mit „Bet Israel“ gri’ssen ihn an s,ei- Gegen Aufreizung zum Hass Montreal. — Der lange Kampf des Kanadischen Jüdischen Kongresses um e » e Gesetzesreform, weide die Aufreizung zum Hass für strafbar erklären soll, trat nach der zweiten Verlesung der Novelle im Senat in eine neue Pb <e. Es wurde beschlossen, das Projekt einer besonderen Senatskommission zuzuieiten. In der Zwischenzeit haben der Jüdische Weltkongress und die Bne Bnt den Justizminister und oen Pestdirektor ersucht, aufgrund der bestehenden Gesetze die Zirkulation einer neuen antisemitischen Publikation zu verbieten, die cn Streichers „Stürmer“ erinnert und „den Hass gegen eine ethnische Gruope zu säen bemüht ist“. (OJ1) nem Geburtstag die vielen Freunde in den nstitutionc n unsties grossei Jischuw, insbesondere bei der AM1A, den nationalen Fonds, überall dort, wo dieser Rabbiner durch fast 8 Jahre menschliche und jüdische Kontakte herzustellen versuchte Den Wünschen der zahlreichen Gratulanten, dass der Jubilar noch viele gesunde Jahre im Kreise der Seinen in Israel zum Wohl seiner Mitbürger und zum Segen der von ihm betreuten Jugend wirken möge, schliesst sich auch die „Jüdische Wochenschau“, die Rabb. Dr. Rosenberg zu ihren Mitarbeitern zählen darf, aufrichtig an. BIBLIOTECA POPULAR JUDIA Publicaciones del Ejecutivo Sudamericano del Congreso Judío Mundial unter der Leitung von MARK TÜRK0W Colección: GRANDES FIGURAS DEL JUDAISMO 1. Samuel Rollansky: SCHOLEm ALE1JEM 2. Natan Gesang: YEHUDA HALEVI 3. Simja Sneh: SCHMUEL IOSEF AGNON 4. León Dujovne: MAIMONIDES 5. Nahum Goldmann. TEODORO HERZL (Die Hefte 1—5 sind vergriffen) 6. Sehalom Rósen berg: FILON DE ALEJANDRIA 7. Eugen Relgie: STEFAN ZWEIG 8. David Elnecavé JEREMIAS 9. León Dujovne: MOISES HESS 10. Jaime Baiylko: ISAIAS 11. Josef Fraenkel: NAHUM GOLDMANN 12. Heszel Klepfisz: BAAL SCHEM TOV 13. Mark Turkow: JANUSZ KORCZAK 14. Jaime Barylko: DAVID, Rey de Israel 15 Hardi Sw'arsensky; WALTHER RATHENAU 16 Heriberto Haber: JONAS 17 León Dujovne: HILEL ZEITLIN 18: Jaime Barylko: JOSUE 19. Sofia Erlich-Dubnow: SIMON DUBNOW IN VORBEREITUNG u. a. Jaime Finkelsztejn: BER BOROCHOTv Luis Karduner: MENDELE MOVER SFORIM Sion Cohen Imach: BEN GURION Itzhak Harkavi: MOSHE SHARETT Colección: HECHOS DE LA HISTORIA JUDIA 1 Menajem Boreisho: LA HISTORIA DEL IDISCH 2 Teodoro Herzl: EL PRiMEK CONGRESO SIONISTA (Diese beiden Hefte sind vergriffen) 3 Abraham Platkin: LA HISTORIA DEL HEBREO 4 Simja Sneh: HISTORIA DE UN EXTERMINIO 5 Shäiom Rosenberg: BREVE HISTORIA DE JERUSALEM 6 Chuim Weizmann: HISTORIA DE LA DECLA¬ RACION BALFOUR 7 PAUL WARSZ.4WSKI: HISTORIA DE LA PAR TICION DE PALESTINA IN VORBEREITUNG u. a. León Dujovne: LA CONCEPCION DE DIOS EN LA BIBLIA Miguel Smilg-Benario: LA LEYENDA DEL CRIMEN RITUAL Jaime Barylco: LOS SALMOS Bestellungen an das Büro des CONGRESO JUDIO MUNDIAL Avda. CORRIENTES 1979 — BUENOS AIRES