Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2251 (12.1.1968)
- Date
- 1968-01-12
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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getan? PUEYRREDON 2190 — 1» izq. I&J&nattaJ&LCielita T. E. 83 - 26 1 3 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 12 DE ENERO DE 1968 N“ 2251 Der Weltfriedenstag Die Menschheit sehnt sich nach Frieden. Auf allen nur möglichen Wegen und mit allen Mitteln sollten die verantwortlichen Regierungen den Versuch immer von neuem unternehmen, den Frieden auf Erden herzustellea. Keiner, auch wenn er nur eine geringe Hoffnung hegen kann, dass seine Anstrengungen Aussicht auf Erfolg bieten, sollte müde werden, wenn es darum geht, über den Frieden zu sprechen, für der. Frieden einzutreten und um einen Frieden zu kämpfen. Wie oft sind schon Demonstrationen durch alle Hauptstrassen der Welt mit dem Ruf nach Frieden und mit Parolen wie „Nieder mit den Waffen“ oder „Nie wieder Krieg“ gezogen. Wie oft sind Gebete zum Himmel gestiegen, um von dort Hilfe für eine Aufgabe und ein Ziel zu erbitten, das zu erfüllen und zu erreichen, die Menschheit sich ausserstande gezeigt hat. Immer noch haben die Leidenschaften über die Vernunft, der Impuls über den Verstand, der Hass über die Liebe triumphiert, Die grosse Erziehungsaufgabe. die von Kultur, Zivilisation und Fortschritt geleistet werden sollte. ausgleiehende Methoden und friedliche Maximen zu den entscheidenden Normen des Lebens zu machen, konnte in Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht befriedigend gelöst werden. Das Ergebnis ist die heutige Situation aller Nationen auf der weiten Erde, die von Krieg und totaler Vernichtung bedroht sind, die unter een Folgen früherer und anhaltender Kriege leiden, die unter Bomben auch heute ' noch sterben, und die mit Angst und Grauen einer trüben und unsicheren Zukunft entgegenzittern. Immer dann, wenn menschliches Versagen und Verzagen deutlich hervortritt, wendet sich der Blick zu Gott, zum Himmel, zu metaphysischen Kräften, an deren Wirksamkeit gedacht wird oder an deren Existenz sich der „hilflose“ Mensch plötzlich erinnert und appelliert. Auch in der heutigen Situation der Schwierigkeiten ohne Ende und der Konflikte ohne Lösungen hat diesmal der Papst einen Appell an die Menschheit von JE HU DA GOTTHEIMER gerichtet, am Weltfriedens tag, zu dem der vergangene 1. Januar deklariert wurde, im gemeinsamen Gebet Gott anzurufen, damit Frieden auf Erden herrsche Alle Menschen und alle Gläubigen der verschiedenen Religionen stollten sich zusammenfinden, um die Hilfe ne .. Aber das Wunder geschah nicht, denn solche Wunder, in denen die Menschen dem Himmel oder Gott die Entscheidungen und die Verantwortung überlassen, die von ihnen selbst zu tragen ist, treten niemals ein. Wenn der Past im jetzigen Für die Menschenrechte London. — Anregungen zur Stärkung der internationalen Organisation zum Schutz der Menschenrechte wurden von Dr. Nachum Goldmann, Präsident’ des Jüdischen Weltkongresses, auf einer Sitzung des JWK in Vorschlag gebracht Goldmann setzte sich für den Anschluss der Juden in aller Welt an die Feiern der UN-Deklaration der Menschenrechte ein und forderte in erster Reihe die staatliche Anerkennung des Rechtes von Gruppen und Einzelpersonen, im Falle .von Verweigerung oder Einschränkung der Menschenrechte Eingaben an eine internationale Behörde zu richten. Zweitens schlug er die Errichtung regionaler Gerichtshöfe vor, die dem Europäischen Tribunal in Strassburg zürn Schutz der Menschenrechte-ähnlich sein sollen, sowie drittens die Schaffung des Amtes eines UN-Hochkommissärs für Menschenrechte. Goldmann erklärte, der JWK sei zutiefst besorgt angesichts der Diskriminierung und Restriktionen, welche einige jüdische Gemeinschaften erleiden. Er bekannte sich jedoch zu der Ansicht, dass die Lösung dieser Probleme ein integrales Element im Kampf für die Rechte aller Menschen darstellt. (ITA), vom Himmel zu erflehen, die den Menschen auf Erden nicht zuteil wird. — Steht die Menschheit wirklich schon wieder an jenem tragischen Kreuzweg, an welchem sich Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg befand, als seine Armeen aus verschiedenen Gründen zusammengebrochen waren, und der damalige französische Ministerpräsident Paul Reynaud an das Wunder . appellierte, das nur noch die Grosse Nation retten kön- Augenblick alle Menschen und nicht nur die Schar seiner Gläubigen zum gemeinsamen Gebet aufforderte, so wollte er damit verschiede ne Ziele erreichen. Zunächst einmal sollte die Schwierigkeit, die Ernsthaftigkeit und die Kompliziertheit der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage auf der Welt unterstrichen werden, die von allen und nicht nur von bestimmten Kreisen das Höchstmass ihres Einsatzes erfordert. Nicht mehr von Jarring in Israel Jerusalem. — Der UN- Emissär Gunnar Jarring kam zum vierten Mal nach Israel, wo er Gast von Aussenminister A'bba Eban war. der ihm zu Ehren ein Frühstück gab. Später reiste Jarring nach Amman weiter. Ueber das Gespräch mit Jarring wurde nichts verlautbart, doch nimmt man an, dass das Thema die Frage der im Suezkanal liegenden Schiffe betraf. Im Kabinett berichtete Abba Eban über seine Zusammenkunft mit Jarring, während der Minister für Verteidigung über die Sicherheit Auskunft erstattete. Den Vorsitz im Ministerrat führte Finanzminister Pinchas Sapir. (ITA) Luftschlacht an der Westgrenze Tel Aviv. — Israelis?he Flugzeuge traten am Wochenende in Aktion und griffen transjordanische Artillerie-Positionen an, die Kfar Ruppin und Maoz Chaim im Beisan - Tal bombardierten. Die Schlacht nahm ihren Anfang, als die Transjordauier Arbeiter des KKL im südlichen Teil des Tals beschossen. Israelische Tanks und Kanonen erwiderten das Feuer. Der Feuerwechsel dauerte zwei Stunden. Eine halbe Stunde später bombardierten die Transjordanier dann die Kolonien Kfar Ruppin und Maoz Chaim und nahmen noch andere Punkte dieser Gegend unter Beschuss. Hierauf griffen erneut israelische Tank- und Artillerieformationen ein, bis schliesslich die Luftwaffe den- Befehl erhielt, die transjordanischen Kanonen zum Schweigen zu bringen. Ueber die vou den Siedlungen erlittenen Schäden wurden keine Informationen erteilt, doch glauben die Militärbehörden, dass der Angriff von dem transjordanischen Oberkommando geplant wurde, da der Einsatz der schweren Artillerie nur von dem Divisionskommando befohlen werden kann und der Hauptsitz der Arabischen Liga somit Kenntnis von der Attacke haben musste. Wie man annimmt, wollten die Transjordanier anscheinend den übrigen arabischen Staaten beweisen, dass die Gerüchte ürer ein mögliches Abkommen zwischen Amman und Jerusalem falsch sind. MELDUNG AUS AMMAN Amman. — Aus der transjordanischen Hauptstadt wurde gemeldet, dass israelische Jagdflugzeuge militärische Positionen der Transjordanier längs des Jordanufers bombardierten, während eine Schlacht mit Kanonen, Tanks und Maschinengewehren im Gange war, die viele Stunden dauerte. Wie das Communiqué berichtete, bombardierten drei israelische Jets die Gegend von Kufe Assada am fordan. Vor Beginn der Schlacht sei ein israelischer Soldat getötet und vier seiner Kameraden verwundet worden als der Jeep einer Grenzpatrouille in der Nähe von Gescher auf eine Mine auffuhr Von transjordanischen Verlusten spricht die Bekanntmachung nicht. Ebenfalls aus Amman verlautete, dass ein israelisches Militärauto im Gazastreifen von einer Mine beschädigt j wurde. I einzelnen Faktoren, von einzelnen Staatsmännern oder einzelnen Ländern hängt die letzte Entscheidung über den Weg a'b den die Menschheit einzuschlagen hat, sondern von allen gemeinsam, die sämtlich an der Beilegung der bestehenden Konflikte und an der Lösung der offenen Fragen mitzuarbeiten haben. Die Friedensbotschaft als eine besondere und wesent- ’iche Mission des Christentums zu unterstreichen watgewiss eine weitere Absicht in der Planung einer gemeinsamen Aktion oder Demonstration mit allen anderen Glaubensbekenntnissen, die ausnahmslos den gl®i' chen Friedensgedanken lehren und als eines der wichtigsten Fundamente ihrer Lehre und Anschauungen betrachten. In dieser ge meinsamen Friedenskundgebung sollte auch em Bekenntnis der gesamten „gläubigen“ Welt gegen die Ungläubigen zum Ausdruck gebracht werden, denn die Trennungslinie der Volker verläuft nicht allein an den Grenzen politischer oder wirtschaftlicher, sozialer ooer gesellschaftswissenschaftlicher Theorien und Weltanschauungen, sondern auch quer zwischen Konfessionen und „Religionslosen Nicht erst in den letzten Jahren, sondern bereits m den vergangenen fünf Jahrzehnten herrscht eine tiefe Kluft, an derem Rande sich der organisierte Glauben in Form der verschiedenen Kirchen und der organisierte Unglauben der Kommunisten gegenüberstehen. — Bef den ständigen Expansionsbemühungen der Kommunisten, die sich keines' wegs auf politische Eroberungen beschränken, sah sich bereits Papst Johannes XXIII. veranlasst, seine Wirksamkeit Uber den eigenen Kreis der Katholischen Kirche auszudehnen und seine brüderliche Hand anderen christlichen Kirchen, Sekten und Bewegungen ebenso wie den Juden und Moslems darzubieten. Obwohl der jetzige Papst Paul VI. nicht in allen wesentlichen Fragen seinem Vorgänger folgt, hat er dessen Initiative gegenüber den anderen Religionen bei verschiedenen Gelegenheiten aufgegriffen, so auch heute bei der Veranstaltung des Weltfriedenstages. Dass die verantwortlichen jüdischen Persönlichkeiten (oder Gremien) die ausgestreckte Hand ergriffen haben, war richtig und eigentlich selbstverständlich. Denn wo um Frieden gebetet wird, darf und kann die Stimme des jüdischen Volkes nicht fehlen. Dies gilt umso mehr in einer Zeit, wo gewisse polnische Faktoren sich aus durch sichtigen Gründen zusammengefunden haben, um gegen Juden, gegen Israel sowie gegen die jüdische Friedensidee und Friedensbereitschaft einen lebhaften Feldzug zu organisieren Mit grosser Geschicklichkeit haben die Herren des Kreml die plötzliche und völlig unmotivierte Bereitschaft des Generals de Gaulle, Israel anzugreifen, um dadurch die amerikanische Politik zu: schädigen-, für ihre eigenen j "Betrachtungen zu einem Buch Dr. W.: In der ausgezeienneten Schriftenreihe „Biblioteca Populär Judia“, die vom Jüdischen Weltkongress in Buenos Aires herausgegeben wird, ist jetzt ein Büchlein erschienen, das trotz seiner Kürze einen meisterhaften Ueberbiick über Leben und Werk des grossen jüdischen Historikers Simon Dubnow vermittelt. Das Buch wurde von seiner ältesten Tochter geschrieben. Frau Sofia Erlich-Dubnöw, die selbst auf ein bedeutsames kulturelles und literarisches Lebenswerk zurückblicken kann. Vor unserem geistigen Auge wird das Lebensbild ernes Mannes lebendig, der nur der Wissenschaft und den edlen Interessen seines Volkes gedient hat, eines Mannes, der aus der Enge des Cheder in die Weite der jüdische« Welt strebte, der Vergangenes mit Künftigem i» einer Form zu verbinden verstand, die jeden seiner Schüler, Verehrer und späten Leser in ihren Bann zieht und verstehen liess, dass Geschichte und Geschichtswissenschaft nicht tote Materie, sondern lebensnahe Aufgabe ist. Das Leben Simon Dulmows, dessen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ in zehn Bänden, von Dr 'Aron Steinberg in vollendeter Form ins Deutsche übertragen, zum festen Bestandteil auch der jüdischen Literatur in deutscher Sprache geworden ist, verkörpert in sich das Schicksal der Galut, mit ihren Verfolgungen, Wanderungen, Entbehrungen, Enttäuschungen, aber auch mit ihren geistigen Höhepunkten, zu denen sich der Verfolgte, der Gehetzte, der Herum gejagte erheben konnte, weil er nicht nur in der Welt der Wirklichkeiten und Scheussliehkeiten, sondern auch in seiner ihm eigenen geistigen Welt zu leben verstand Von diesem Reichtum des Gedankens und des Erlebens zeugt auch Dubnows „Geschichte des Chassidismus“ (in zwei Bänden, ebenfalls von Steinberg übersetzt) wie alle die zahlreichen Schriften und Zeitschriften, die dieser Mann des Geistes, der Feder und des Wortes hiüterlassen hat. Dubnow (1860 geboren) war ein ständiger Emigrant, der ruhelos vor den Härten eines Lebens zunächst im zaristischen, dann im kommunistischen Russland flüchtete, der auf Umwegen schliesslich in Berlin wie so viele andere russisch-jüdische Emigranten einen kurzen Ruheplatz fand, und dann vor den Horden Hitlers im Jahre 1933 wiederum schon als Mann von 73 Jahre« und gefeierter Historiker nach Riga auswandern musste, wo er weiter lehrte, arbeitete, schrieb und auf ein Erwachen der freien Welt gegen die Geissei des Nationalsozialismus hoffte. Schon über 30 Jahre alt musste der Greis ins Ghetto übersiedeln, wo er von der Gestapo „vernommen“ wurde, die das Versteck seiner wissenschaftlichen Ma- Zwecke ausgenutzt. Trotzdem der General und Präsident Frankreichs bei mehreren Anlässen versicherte, seine Worte seien unrientig interpretiert worden, kann wohl kein Zweifel daran herrschen, dass er aus Gründen der französischen Aussenpolitik und seiner fanatischen Amerika-FeindschaL eigenartige Wege beschritten hat, durch welche der gesamten westlichen Front in ihrer Auseinandersetzung mit den kommunistischen Ländern ein Schaden" zugefügt wurde. Man rechnet allgemein damit, dass dieses französische Intermezzi demnächst abgeschlossen wird. Wenn solche gemeinsame Aktionen wie der letzte Weltfriedenstag ernsthafte Erfolge zeitigen sollen, dann genügt es natürlich nicht wenn sich einige Repräsentanten der grossen Religionen für wenige Minuten im Gebet vereinigen und Bibelstellen oder Deklarationen vortragen. Darüber sind sich alle Beteiligten mit Sicherheit klar. Wenn dieser erste Schritt getan wurde, muss ,mau jetzt auf den , zweiten warten. Denn ohne Zweifel haben solche Manifestationen des guten Willens und der edlen Absicht nur dann einen Sinn und bleibende Wirkung, wenn ihnen der Versuch der Realisierung der Friedensabsichten und -hoffnungen folgt. Bisher wurde dieser zweit«? Schritt allerdings nicht getan. Steht die Menschheit wieder einmal vor der Gef ihr. dass man sich mit seiner ei- (Schluss auf Seite 2) nuskripte erfahren wollte. Dann ereilte auch ihn das „Schicksal“: die Juden des Ghetto wurden „liquidiert“. Die Alten und die Kranken wurden an den Hinrichtungsplatz gefahren. Dubnow aber war. von Fieber geschüttelt, nicht mehr transportfähig und „ein Gendarm erschoss ihn einfach“ . .. Auf seinem Wege in den Tod rief der alte Mann seinen Leidensgenossen zu, sie sollen nicht vergessen, sie sollen alles berichten und aufschreiben! Und Sofia Erlich-Du'onow schliesst ihr Buch, das dem Andenken ihres Vaters gewidmet ist, mit den Worlen: „Von denen, an die diese Worte gerichtet waren, hat niemand überlebt. Es bleibt lediglich die Legende, die aber nicht weniger wirklich als das Leben ist.“ — Aufgewühlt und erregt Über dieses Ende eines der Grossen unserer Zeit, über das dramatische Leben eines Mannes, der sich aus den einfachen Schichten seines Volkes zu den Höhen edelster Geistigkeit emporgearbeitet hatte, dessen Sterben in der grossen Tragödie unseres Volkes unterging, richten wir die Frage an alle, die es angeht: Was habt Ihr getan?, eine Frage, die im Leeren verhallt und auf die es keine Antwort geben kann... Erklaerung Dajans Tel Aviv. — Aegypten, der mächtigste der Araberstaaten, ist das einzige Land, das einen neuen Krieg versuchen kann, „doch wird es sich niemals ohne die Erlaubnis Moskaus hervorwagen“. Dies erklärte Israels Verteidigung« ■ Minister Mosche Dajan. Allerdings hofft der General, dass es im Gebiet des westlichen Jordanufers keinen neuen Krieg geben wird, da seine Bewohner dies nicht wünschen und Amman dahingehend beeinflussen könnten. Er gab jedoch zu. dass Israel die Sabotageakte schwerlich unterbinden könne, weil die „Terroristen vom Ausland her unterstützt werden“. Immerhin, so versicherte Dajan. „sind wir imstande, das Ziel dieser Banden, das auf die Störung des normalen Lebens in Israel hinausgeht, zunichte zu machen“. (ITA)