Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2240 (20.10.1967)
- Date
- 1967-10-20
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O OI O C FRANQUEO PAGADO Concesión 908 t C « o " — O? c < O TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVin. BUENOS AIRES, VIERNES 20 DE OCTUBRE DE 1967 N? 2240 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1» izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 t I NGLAND SCHALTET SICH EIN Widerstand und Verrat von JOEL LIBMAN FRANTZ Mehr als vier Monate sind Seit dem Blitzsieg Israelis über die angreifenden arabischen Länder vergangen, ohne dass sich bisher eine Lösung der seit Jahrzehnten bestehenden Probleme oder die Möglichkeiten eines Friedensschlusses abzeichnen würden. Die Beobachter sind sich nicht darüber ei nig, ob es sich um eine Ruhe nach dem Sturm oder vor einem neuen Angriff, von welcher Seite auch immer, handeln würde. Israel hat Konsequenzen aus dieser Situation gezogen und die Ablehnung der arabischen Regierungen, in direkte Verhandlungen einzutreten, zum Anlass genommen, die ervon B. B. SAMUEL sten Massnahmen zur Verwaltung der besetzten Gebie te oder zu ihrer Eingliederung in israelisches Territorium zu ergreifen. Nach einer kaum übersehbaren Anzahl arabische* Konferenzen, an der auch solche Staaten Anteil nahmen, die weder direkt noch indirekt mit dem Konflikt Z'i tun hatten, war es den ara bischen Staatsmännern nicht möglich, eine gemeinsame Linie für ihre künftige Politik festzulegen. Die diver gierenden Interessen und die Machtaspirationen auf eine Vorherrschaft über die arabisch-islamische Welt stievln tlies geht durcheinander p^Die „Allgemeine unabhängige Jüdische Wochenzelng“, die in Düsseldorf erscheint, veröffentlichte eine nformation, die vom „Jüdischen Pressedienst“ in Deutschland verbreitet worden ist. Dieser Stellungnahme ist zu entnehmen, mit welchen Mitteln gearbeitet' wird, und mit welcher Hemmungslosigkeit alle Begriffe willkürlich dureheinandergeworfen werden, wie es den jeweiligen Zwecken entspricht. Dort heisst es: Die „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“, die dem Zionismus so viele ihrer Spalten widmet, scheint nunmehr auch noch für sieh in Anspruch zu nehmen, ein zionistisches Organ zu sein. Es befasst sich mit der Frage, ob jüdische Politiker oder Publizisten genug für Israel, und zwar für den Keren Hajessod-Fonds, gezahlt haben. Hierbei stützt es eich auf ein Keren Hajessod- Handbuch. Seit einiger Zeit bereits ernennt diese Zeitung deutsch-jüdische Persönlichkeiten zu Zionisten-Führern oder auch zu Zionisten, ohne dass die betroffenen Organisationen oder Personen hierüber etwas wissen. Verwunderlich ist das im Grunde genommen nicht, da der verstorbene Gewährsmann und Freund des Herausgebers, der Grossrabbiner Dr. Goldstein, sich in dem von der Zeitung unablässig wiederholten Interview als eifriger Zionist bekannte. Es hiess damals in der „Deutschen National- und Soldaten-Zeitung“ von ihm: „Ich bin übrigens auch mit Leib und Seele Zionist, und wenn mir auch nicht alles im Staate Israel gefällt, so bedeutet er doch für mich die Erfüllung aller meiner Sehnsucht seit dem Tage, an dem ich zu denken begann.“ Als Leitartikel bringt die „Deutsche National und Soldaten-Zeitung“ sogar noch Ausführungen von einem Autor Martin Kohn, der nach Angabe der Zeitung ein nach Amerika emigrierter Zionist ist. Man fragt sich, was glaubwürdiger ist. der Zionismus oder der Antizionismus der „Deutschen National- und Soldaten-Zeitung“, oder sollte es auch schlicht Antisemitismus sein? Der Präsident des ägyptischen Friedensrates, Khaleb Mohieddin, ein Bruder des ägyptischen Vizepräsidenten, erklärte der Presse während der afroasiatischen Solidaritätskonferenz in Kairo vom 1. bis 3. Juli, dass er die „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“ in Unkenntnis ihrer faschistischen Grundhaltung zitiert hätte. Die Aegypter, so sagte er, wünschten keine Kontakte mit Faschisten irgendeiner Art. Es gäbe nur kleine Gruppen, hauptsächlich unter den Flüchtlingen, die ähnliche An sichten hätten. Die „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“ schreibt, dass eine zionistische Kampagne für die Wahl von Hamburg« Bürgermeister, Professor Dr. Herbert Weichmann, zum Bundespräsidenten eröffnet worden sei. Sie schliesst das daraus, dass der „Aufbau“ Professor Weichmann als geradezu idealen Kandidaten für dieses Amt bezeichnet habe. Wenn man den „Auf bau “-Artikel vom 28. Juli nachliest, so muss man allerdings feststellen, dass das amerikanische Blatt im wesentlichen einen Bericht über deutsche nicht-jüdische Stimmen zu einer Kandidatur Weichmanns gegeben hat. Bürgermeister Professor Dr. Herbert Weichmann hat, soweit uns bekannt ist, bei dem Besuch der Ausstellung in Kanada erklärt, dass er sich für da« Amt des Bundespräsidenten nicht zur Verfügung stellen werde. Ganz gewiss ist es kein jüdisches Anliegen, den Hamburger Bürgermeister für das repräsentativste Amt der Bundesrepublik zu nominieren. Es ist auch absurd, eine derartige Kandidatur mit „Vergangenheitsbewältigung“ in Zusammenhang zu bringen, und bedauerlich, dieses Argument überhaupt vorzutrageu. Wer aber von einer zionistischen Kampagne spricht wahrficlt das Gedankengut des Zionismus nicht ver ~gg und geü nach dein Prinzip „je paradoxer, de- Wte,, v V. ssen erneut mit aller Wucht aufeinander und verhinderten ein Einvernehmen, das einen Weg zu einem Aus gleich oder zur gemeinsamen Aktion gestattet hätte Die Vereinten Nationen, deren unglückliche Intervention vor dem Ausbruch des Krieges erst die Voraussetzungen für den offenen Konflikt geschaffen hatte, zeig ten sich nicht fähig, irgendeinen nennenswerten Beitrag zur Befriedung der Lage zu leisten. Sicherheitsrat und Generalversammlungen spiegelten nur die Zerrissenheit der Weltmeinungen wi der. Man konnte sich nocn nicht einmal darüber verständigen, wer als der An greifer anzusehen ist. Die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Interessen des kommunistischen Blockes waren Grund genug, die Wahrheiten zi. übersehen und sich in eine” einseitigen Aktion auf die arabische Seite zu stellen, lern nach Kairo und Damas ku« führte, auf der er sich einseitig auf die arabische Seite gestellt hat. — Die südamerikanischen Länder brachten ihre Sym pathien mit Israel immer wieder und vor allem vor den UN zum Ausdruck: sie hatten aber weder die Mög lichkeit noch die politische Gelegenheit, die Rolle eines Vermittlers zu spielen, für die sich jetzt offensichtlich die Engländer vorbereitten, obwohl sie im Mutterland wie in ihren letzten Besitzungen in der Welt grosse Schwierigkeiten zu überwinden haben. Verschiedene grosse englische Zeitungen behandel ten die Frage offen, ob unter den gegebenen Umständen eine aktivere Rolle Grossbritanniens bei der Schlichtung de« Orientkon flikts angebracht, erwünscht oder zweckmässig yväre. Nach dem augenblicklichen Status unterhält England keine diplomatischen Beziehungen zu Aegypten, ist Versoehnungstag in Jerusalem Jerusalem. — Ueber 10.000 Beter warteten am Ende des Jom Kippur an der Klagemauer auf den Klang des Schofars. der traditionsgemäss das Ende des Fastens ankündigt. Beim Neilah-Gebet waren viele Minister des Kabinett« anwesend, sowie der Bürgermeister der Stadt und zahlreiche Knesset-Mitglieder Bevor sich die Menge zerstreute, stimmte sie die Hatikwa und religiöse Lieder an. Der Gebrauch des Schofars an der Klagemauer war seit 1931 von den Engländern verboten worden, um die Mohammedaner nicht zu verärgern. Trotzdem blie« dort alljährlich bis zum Ablauf des Mandats ein Jude das Sehofar, der dafür zwischen drei bis acht Monate Gefängnis verbüssen musste. In diesem Jahr nun verkündete der Schofarklang nach 20jährigem Schweigen wieder den Ausgang des Vgrsöhnungstages. Es geschah auch zum ersten Mal seit dreissig Jahren, dass die Juden an diesem heiligen Tag ihre Gebete an der Klagemauer verrichten durften. Andere heilige Stätten de« Judentums, besonders am Jom Kippur, sind das Grab Rachels auf dem Weg nach Bethlehem, die Höhle von Machpela, das Grab der Patriarchen in Hebron, wo Andachten für die Soldaten stattfanden. obwohl auch die Sympathien weiter Volksschichten in ver schiedenen kommuni«tischen Staaten, wie etwa in der CSR, aber auch in Polen und Ungarn, auf der Seite Israels standen, das insbesondere von Nasser mit der totalen Vernichtung ganz of fen bedroht worden war. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika bemühten sich zwar bei verschiedenen Gelegenheiten, zu einer Verständigung mit Russland zu gelangen, wofür die Begegnung zwischen Johnson und Kosygin in Glasboro das sichtbare Zeichen gewesen ist. Zu einem Erfolg konnte aber auch die amerikani sehe Diplomatie wegen ihrer eigenen Interessengebundenheit nicht gelangen. Zu starke Rücksichten mussten auf die Petroleum-Verträge genommen werden, um eine Abwendung von Ländern wie Saudi Arabien, Kuwait und anderen zu verhindern. Dass der neutrale Block, soweit er überhaupt noch existent ist, nicht zu Ver mittlungen bereit und imstande war, bewies die lange Reise Titos, die ihn vor al | aber mehr al« andere Mach te hieran interessiert, da ihm an der Wiedereröffnung des Schiffsverkehrs durch den Suezkanal mehr als den meisten anderen Ländern gelegen ist. Man spricht ganz offen darüber, dass auf diesem Umwege vielleicht erreicht werden könnte, dass die Aegypter von einer weiteren Intervention auf der südlichen arabischen Halbinsel, vor allem in Aden, absehen könnten. Das wäre ein geeignetes Handelsobjekt, um mit einer Regelung der mittelöstlichen Frage zugleich zu einer Vereinbarung über Aden und zu einer Wahrung briti scher Interessen gelangen zu können. Weder die Araber noch Israel haben zu England grosses Vertrauen. Die britische Politik in den letzten Jahrzehnten hat niemals einen wirklichen Interessen ausgleich zwischen den streitenden Parteien, sondern ausschliesslich den eigenen Vorteil gesucht. Es war eine Politik des „divide et impera“, des Ausspielens des einen gegen den anderen feindlichen Partner, die Widerstand gegen einen Unrechtsstaat zu leisten kann niemals Hochverrat »ein Widerstand erner strafba^ ren Handlung entgegenzusetzen, ist niemals ein Verbrechen. sondern eine moralische NotwedigkeP. Dass das deutsche Volk keinen oder nur einen geringen Widerstand gegen den NS-Staat zu entwickeln den Mut gehabt hat, wird ihm von der demokratischen, der freien, der rechtestaatlichen Welt zum Vorwurf gemacht. Die Diskuss'on um den deutschen Widerstand gegen Hitler ist noch in vollem Gange. Man muss mit Enttäuschung beobachtenn, dass die Stimmen zahlreichem und lauter werden, die in diesem Widerstand eine Abweichung von der Rechtsnorm erblicken und d*e Mitglieder des Widerstandes verurteilen, post festum sozusagen. Dabei soll nicht von jener extremen Gruppe um die National-Zeitung gesprochen werden, deren Kampf gegen den deutschen Widerstand, Insbesondere gegen die Männer des 20. Juli 1944 zu einem Teil ihres ideologischen Programms gehört, mit dessen Hilfe die deutsche Demokratie erschüttert und eines Tages beseitigt werden soll. In einer der letzten Ausgaben dieser Zeitung finden wir das Bild des Obersten Graf Stauffenberg, der bekanntlich Hitler durch ein Bombenattentat beseitigen wollte, was scheiterte. Stauffenberg fand den Tod. Alle, die ihn kannten und bis heute geschildert haben, werden nicht müde, das Bild eine« über den Durchschnitt begabten Offiziers und einen lauteren Menschen ru zeichnen, den der Glaube an die Menschheit zu seiner Tat und zur Aktion getrieben hat. Dass sein Vorhaben scheiterte, stempelt ihn gewiss nicht zum Hochverräter Als solchen tituliert ihn die DNZ, um ihn dann al« einen Mann zu bezeichnen, dessen „Ehre unangetastet bleiben“ sollte. Man konzediert ihm also, ein ehrenvoller Hochverräter zu sein. Bi«her war Hochverrat aber ein gegen die Ehre eines Menschen verst^ssendes Delikt. Der Widerspruch ist aus dem Angriff gegen einen „im Zuchthaus hochgepäppelten Literaten“ Graetz zu erklären. An diese Zeitungsnotiz wurde ich erinnert, als Ich den ausführlichen Aufsatz des Bundestagspräsidenten D Eugen Gerstenmaier im 3. Heft 1967 der Vierteljähreshefte für Zeitgeschichte las, der sich mit dem „Kreisauer Kreis“ beschäftigte, einer bedeutenden Gruppe des deutschen Widerstandes, der auch Gerstenmaier angehört hat. Wenn man diese ernste Darstellung liest, aus der die innere Unruhe über das damals Geschehene mit unverminderter Kraft spricht, fragt man sich, wie es möglich sein kann, dass Menschen des Widerstandes m der Weise angegriffen werden können, wie dies nicht allein in der DNZ geschieht- Die Grenzen demokratischer Meinungs- und Pressefreiheit dürften nicht nur durch die Beschimpfungen des Staates Israel oder durch die Verunglimpfung amtierender Minister überschritten sein, sondern durch die Entstellung der Tatsachen und die Umwertung der Werte, die zu einer gefährlichen Fehlleitung der öffentlichen Meinung führen muss. Gerstenmaiers Ausführungen bilden eine umfassende Stel lungnahme und Kritik einer gründlichen Publikation des holländischen Historikers Gerrit van Roon. die unter dem Titel „Neuordnung im Widerstand“ erschienen ist, und in deren Mittelpunkt eine der führenden Persönlichkeiten des Kreisauer Kreises, der Graf Helmute. James von Moltke, steht. Aus den Ausführungen Gerstenmaiers gewinnt man ein plastisches Bild der Bemühungen. Beunmhigungen, Gedanken, Hoffnungen und Pläne der Kreisauer, Uber de ren Verbindung zu anderen Widerstandsgrupoen und vor allem auch zum Kreise Stauffenbergs, der selbst verhält nismässig spät das NS-System durchschaute, jedoch im Gegensatz zu anderen von der Notwendigkeit eines gewaltsamen Eingreifens überzeugt und ausserdem bereie war, sein Leben für die von ihm al« richtig erkannten Anschauungen einzusetzen. Wenn etwas zur Ehrenrettung Deutschlands gesagt werden kann, dann ist es dieser Widerstand, der von einigen Politikern wie Goerdeler, Sozialisten, Adligen, Geistlichen und hohen Offizieren, wie den Grafen Moltke und Yorck, Adam von Trott und Gerstenmaier, um nur einige zu nennen, ge'eistet worden ist. Derartiges Beginnen und Suchen, die^e--- Aufbiiumen gegen das Unrecht als Hochverrat zu bezeichnen, wirft nur neue schwere Schatten zwar nicht mehr auf die Vergangenheit, wohl aber auf eine deutsche Gegenwart. letztlich nicht nur England zum Gegner beider Parteien gemacht, sondern zum tota len Verlust aller englischen Positionen in diesem Gebiet geführt hat. Eine englische Intervention hätte nur dann einen Sinn, wenn sie die Anerkennung Israels durch Aegypten und die anderen kriegführenden Länder bezwecken will, die eine Voraussetzung für jede Art von Verhandlungen darstellt. Von einer einseitigen Festlegung auf arabische Forderungen dürfte England aus verschiedenen Gründen Abstand nehmen, zumal die öffentliche Meinung mit der Sache Isra eis sympathisiert. Jedenfaü> werden die britischen Bern” hungen von allen Seiten mit Interesse, aber auch mi! Vorsicht beobachtet. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83i Registro de la Propiedad Intelectual N* 947 226