Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2239 (13.10.1967)
- Date
- 1967-10-13
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O ÛÛ O c o Z — c « O b FRANQUEO PAGADO Concesión 908 SEMANA ISRAELITA EL EJEMPLAR Oí) en toda!a República O? c * O TARIFA REDUCIDA PUEYRREDON 2190 1* izq. Concesión 1629 Año XXVIII. BUENOS AIRES, VIERNES 13 DE OCTUBRE DE 1967 N* 2239 T.E. 83-2613 Diskussionen um NS-Prozesse Der Marsch nach rechts von JAKOB KATZ-ROGASEN f Die Diskussionen um die NS-Verbrecher-Prozes«e hallen in letzter Zeit an Hef tigkeit zugenommen. Die braune Internationale hat ihr Thema. Mit ihren Angriffen auf die deutsche Justiz. auf die bontier Regierung und die Zionisten, die bei allen diesen Prozessen die treibende Kraft seien, versuchen sie die öffentliche Meinung zu gewinnen, um die Aburteilung der furchtbarsten. bisher bekannten Verbrechen zu vereiteln. Inzwischen haben sie auch die Debatte um den Ablauf der Verjährungsfrist wieder eröffnet, um auf diesem Wege zu verhindern, dass noch weitere Schandtaten bekannt und weitere Schuldige ihrer Strafe zugeführt werden. ' Mit der Behauptung, die Israelis hätten während des letzten Blitzkrieges und in den folgenden Wochen ebenfalls Verbrechen begangen, die gegen die Menschlichkeit veivstossen würden, — eine Behauptung, die durch nichts erwiesen ist. — versuchen sie die eigene Schuld zu mindern, als ob die Verantwortlichkeit des NS-Regimes geringer würde, wenn andere Länder oder Völker ebenfalls das Recht der Menschlichkeit verletzten würden. In ihrer hasserfüllten Polemik, die sich vor allem ge gen Israel wendet, benutzen sie Formulierungen wie die israelischen Nazis'“, ohne die Schamlosigkeit solcher Vergleiche zu begreifen, was einen erstaunlichen Mangel an sittlichem Ernst erkenuen lässt, den man von jedem, auch vom Gegner, erwarten müsste. Dass unter diesem Titel ein angeblicher Jude, der Vater des Geigers Menuhin. Artikel schreibt, zeigt nur die völlige Verwirrung der Geister und den Missbrauch des jüdischen Namen«. Irgendeinen Eindruck machen aber solche Manöver nicht, denn auch wir haben Renegaten wie jedes andere Volk auch. Solange keiner der zahlreichen jüdischen Nobelpreisträger oder irgendwelche anderen verantwortlichen Persönlichkeiten in dieses Horn stossen. können wir für diese Fehlleistung eines Menuhim nur ein Achselzucken haben. Die grosse Bedeutung der NS - Verbrecher - Prozesse liegt keinesfalls darin, dass einige der schlimmsten Uebeltäter für ihre unvorstellbar grausamen Verbrechen abgeurteilt und einer, niemals gerechten Strafe zugeführt werden. Der Gedanke an solchen Elementen der Unterwelt Rache nehmen zu wollen, liegt einem Juder. fern. Denn die Rache ist nicht des Menschen Angelegenheit. Rachegefühle sind immer der Ausdruck einer moralischen Primitivität, so verständlich sie auch sein mögen. Das jüdische Volk weis« sich von solchen kollektiven Rachegefühlen fre“. Wenn wir verlangen, dass die Verantwortlichen ihrem Richter zugeführt werden, so liegt dieser Forderung die Ueberzeugung zugrunde, dass das mit Füssen getretene Recht wiederhergestellt werden muss. Zur Festigung eines Rechtsstaates gehört die Festigung des Rechts - Bewusstseins, das durch die Nazi« systematisch vernichtet worden ist Im übrigen bestreiten wir nicht, da«s auch deswegen die Prozesse eine Notwendigkeit sind, weil sie der Festlegung historischer Wahrheiten dienen. Man muss es den meisten deutschen Gerichten al« einen Verdienst anrechnen, mit grosser Sorgfalt die Vorgänge aufzuklären, Beweismaterial sicherzustellen und da mit eine zuverlässige Grundlage für eine spätere Geschiehts - Forschung und -Schreibung zu schaffen. Durch die Beweissicherung der Gerichte wird die Di« kussion über die NS-Verbre eben aus der Sphäre politischer Auseinandersetzungen und Interessen herausgehoben. An den gerichtlichen Feststellungen können Tagespolitiker aus durchsichtigen Gründen zweifeln, de" Historiker aber wird niemals solche Gesichtspunkte seiner Arbeit und Forschung zugrundelegen. Dass Gerichte wertvolles Material ermittelten und sicherstellten, hat der grosse Frankfurter Auschwitz-Prozess gezeigt, der nach Voruntersuchungen auf dem Ge biet der geschichtlichen Wahrheitsermittlung eingeleitet worden ist, die beispielhaft waren. Auf dieser festen Unterlage konnte das Gericht seine Prozessführung auf Tatsachen aufbauen, die in mühseliger, jahrelanger Arbeit festgestellt worden waren. Man war nicht auf Vermutungen oder auf Hörensagen angewiesen, sondern kannte genau und bis in alle Einzelheiten die Verhältnise und die Vorgänge, die sich in diesem tro«tlosen Lager abgespielt ha ben. dessen Aufgabe die Massenvernichtung von Juden und anderer „unliebsamer“ Gruppen gewesen ist Trotz aller Kenntnisse, die nach «o vielen und langen Prozessen vorliegen, wird das Bild des Grauens durch die noch anhängigen und durch weitere vorbereitete Verfahren und Ermittlungen immer noch ergänzt und abgerundet. Die Tatsache, die sich mit wachsender Deut- Synagoge in Gaza entdeckt Jerusalem. — Mitarbeiter der Fakultät für ältere »Jeschichte in Jerusalem haben Ueberreste einer aus dem 6. Jahrhundert stammenden Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Gaza aufgefunden. Die Historiker wurden von einem lokalen Polizisten auf ias Vorhandensein der Ueoerre«te auflichkeit herauskristallisiert, ist die durch Beweise erhär tete Erkenntni« von der umfassenden NS-Aktion, vor allem gegen Juden, aber keineswegs nur gegen Juden. Es kann heute keinem Zweifel unterliegen, dass es sich nicht nur um die Verbrechen vieler Einzelner handelt, sondern dass über all, wohin die Macht des NS- Sy«tems reichte, der Mord ein wichtiges Instrument seiner Herrschaft gewesen ist So viele Menschen, wie an diesen Verbrechen mitwirkten, zu Verbrechern, Mördern und Mordhelfern zu machen, wäre niemals ohne die langjährige Vorbereitung und Erziehung dieser Täter möglich gewesen, eine Schlussfolgerung, zu der ein späterer Historiker ebenfalls aufgrund objektiver Feststellungen gelangen muss. Auch in einer anderen Hinsicht sind die Prozesse selbst heute oder gerade heute von Wichtigkeit. Von verschiedenen interessierten Seiten wird immer wieder der Versuch gemacht, die Verbrechen zu bagatellisieren und vor allem die Anzahl der Opfer zu verkleinern. Der Hauptstoss dieser Polemik richtet sich gegen die allgemein angegebene Zahl von sechs Millionen ermordeter oder umgekomme ner Juden, die als überhöht gekennzeichnet wird, obwohl ein sachlicher Gegenbeweis nicht erbracht werden konnte. Gewiss wäre es ein nicht minder schweres und abzulehnendes Verbrechen, so sagen diese Leute, wenn es sich um die von ihnen angegebene Zahl von einer Million ums Leben gebrachter Juden handelt. Mit dieser Einschränkung wollen sie ihre eigene Behauptung annehmbarer machen. Dennoch ist es ein grosser Unterschied für die Ablehnung eines Mordsystems, wenn man die wirkliche Opferzah! festlegt. Leider waren es sechs Millionen und nicht „nur“ eine Million. Um für diese Fälle ein Beispiel zu geben, sei auf den sogen. Dritten Auechwitz - Prozess hingewiesen, der vor dem Frankfurter Schwurgericht geführt wird. Hier hat man es mit einer besonderen Klasse von Mördern zu tun, mit den so bezeichneten „Funktionshäftlingen“, meistens Berufsver brecher, die man in KZ «perrte und für geeignet hielt, Handlanger der NS Vernichtungspolitik zu wer den. Sie waren die Kapos und Blockältesten, die sich häufig durch besonder? Grausamkeiten „auszeiehneten“. Sie waren die geeigneten Elemente, um die Häftlinge einzuschüchtern und dadurch jeden Versuch An unsere Leser Wegen des allgemeiner Feiertages am 12. Oktober war der Redaktionsschluss dieser Nummer am Mittwoch, den 11. Oktober. um 16 Uhr. Späte» eingegangene Nachrichten konnten deswegen nicht mehr berücksichtigt werden. Hitlerbuch neu unulysiert VM ROBERT M. W. KEMPNER Werner Masers soeben veröffentlichte kritische Analyse: „Hitlers Mein Kampf“ (Bechtle Verlag, München) hat besonders aktuelle Bedeutung: Die während der letzten Monate vom ägyptischen Präsidenten Nasser ausgesprochenen Vernichtungsdrohungen gegen das jüdische Volk sind fast wörtlich von Hitlers „Mein Kampf ‘ übernommen. Es ist das Verdienst Masers, der schon ein Buch über die „Frühgeschichte der NSDAP“ veröffentlicht hat, Entstehung, Aufbau, Stil und Inhalt historisch und philologisch analysiert zu haben. Dabei zeigen sich viele interessante Eregbnisse. So war Hitler, wie Maser beweist, schon von seinem Elternhau« her ein ausgosprocher er Antisemit. Der Vater war Anhänger des berüchtigten österreichischen Antisemiten Schönerer, und der junge Adolf benahm sich schon auf der Schule in Linz antisemitisch. Hitlers eigene Erklärungen, er sei in einem weltbürgerlichen Hause erzogen und erst durch den Anblick ei nes „Kaftanjuden“ in Wien antisemitisch gew.-rden, werden, ebenso wie viele andere seiner Behauptungen in ..Mein Kampf“, Lügen gestraft. Maser fand übrigens auch heraus, dass Hitler seine eigenen, nicht allzu gelungenen Bilder während der Jahre 1909 und 1913 mehrfach bei österreichischen und ungarischen Juden abgesetzt hat. Diese sind nur einige Ergebnisse der sorgfältigen Forschungen Masers unter Benutzung früher unzugänglicher Archivquellen. Für den Autor besteht kein Zweifel, dass Hitler der Allein Verfasser von „Mein Kampf“ war und Rudolf Hess und dessen Frau Ilse lediglich stilistische Verbesserungen gemacht haben. Mit Recht wei«t Maser darauf hin, dass die Welt diesem unheimlichsten aller Bücher, das eine Auflage von mindestens 10 Millionen Exemplaren in 15 Sprachen hatte, viel zu wenig Bedeutung beigemes«en hat, zumal sein Inhalt auch heute noch politische Nachwirkungen hat. Die kluge und gediegene jetzt veröffentlichte Analyse ist deshalo nicht nur Von historischer, sondern auch aktueller politischer Bedeutung und höchst begriissenswert. Nur am Rande «ei noch vermerkt, dass l’e Zwangs Verbreitung von „Mein Kampf“ in Naz'deutschland r-h so wenig materialistisch denkenden HPler eingebracht hat, vou denen er tasSei^«^SS™^j|Ü|nhatDies hat der Ver- S i>p-Führers m gemacht. von SEM FRANKENSTEIN Im bundesdeutschen Staat Bremen, dem kleinsten der deutschen Länder, fanden Wahlen statt, die mit einem beachtlichen Wahlerfolg der Nationaldemokratischeil Partei Deutschlands (NPD) endeten. Damit sind die Nationaldemokraten in das sechste der zehn deutschen Länderparlamente eingezogen. Sie konnten in Bremen 8,9 % der angegebenen Stimmen erringen. Die Juden haben zu diesem Erfolg beigetragen, in einem passiven Sinn natürlich. Denn die NPD-Parolen standen im Zeichen antijüdischer Forderungen. Der Wahlsieg der Radikalen gibt aus mehreren Gründen zu Bedenken Anlass. Zunächst einmal dürfte die Tatsache als «olche bereits alarmierend wirken, dass es den Parteien und der Regierung der Bundesrepublik nicht gelungen ist, den Vormarsch der Rechtsextremen zu stoppen, obwohl man sich der Gefahren einer solchen Entwicklung durchaus bewusst ist. Erschwerend wirkt noch die Tatsache, dass die NPD in den letzten Monaten von einer schweren Krise in die andere fiel, dass sich die führenden Männer dieser Partei mit allen Mitteln gegeneinander bekämpften, da«s die Gerichte angerufen und Spaltungen nicht vermieden wurden. Aber alt diese negativen Erscheinungen vermochten nicht, den „Siegeszug“ dieser Partei aufzuhalten, die nunmehr in Bremen acht der einhundert Sitze im Parlament einnehmen wird. Der Sieg wurde im wesentlichen gegen die SPD errungen, der die Partnerschaft mit den Christlich-Sozialen offensichtlich nicht gut bekommen ist; überall fallen Wähler ab, weil sie diese Sozietät nicht verstehen wollen. Jedenfalls hatte die SPD bißher eine absolute Mehrheit von 54,6 % aller Stimmen, die nunmehr auf 46 Prozent zurückgegangen ist. Dieser Stimmenrückgang ist umso bedenklicher, weil nach allen gemachten Erfahrungen die SPD noch diejenige Partei ist, die am entschlossensten für die demokratischen Rechte eintritt und ln der Vergangenheit gestritten hat. Alle anderen waren noch leichter bereit,, die republikanisch-demokratischen Ideale gegen zündende absolutistisch-nationale Schlagwörter einzuhandeln. Dass es sich bei den Wahlen in Bremen um einen „Marsch nach rechts“ handelt, zeigt auch der Stimmenzuwachs aller anderen Parteien, der auf Kosten der SPD geschah: Christliche Demokraten gewannen 0,60 Prozent, die Freien Demokraten (FDP) 2,1 Prozent und die NPD 8,9 Prozent. Sogar die DFP, die bisher nur verlor, erholte sich in Bremen ein wenig. Zu den Parolen, die von der NPD ausgegeben worden waren, gehörte die Forderung nach Eineteilung der Reparationen zugunsten Israels und nach Beendigung der Wiedergutmachung an die von den Nazis geschädigten Juden. Selbstverständlich ist man in dieser Partei auch gegen die Prozesse gegen die NS-Verbreeher und ähnliche Aktionen, die dazu beitragen sollen, eine schändliche Vergangenheit zu überwinden. Da jedoch die NPD zu einem wesentlichen Teil aus Elementen zusammengesetzt ist, die aus den Kreisen der NS-Uebeltäter stammen, wird mit Leidenschaft gegen alles gekämpft, was auf der Linie einer Beseitigung dieser Kriegsschäden liegt. Obwohl erst wenig mehr als zwanzig Jahre verstrichen sind, können «ich die „alten Kämpfer“ oder ihre jugendlichen Nacheiferer wieder aus ihren Mauselöchern wagen und offen für Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher Partei nehmen. Man braucht sich nur auf die Analyse der Situation zu beziehen, die vor einigen Monaten vom Bundesinnenministerium publiziert worden ist, um den Ernst der Lage zu erkennen. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, wenn die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen durch aussen, politisches Geschehen von dieser Entwicklung abgelenkt werden würde, die auch von den jüdischen Instanzen mit weit grösserer Wachsamkeit zu beobachten ist, als dies bisher der Fall war. — eines Wiederstandes aus zu schalten. Der eine der Angeklagten soll allein mindestens 72 Menschen ermordet haben, 50 habe er mit einem über die Hälse der Häftli*- ge gelegten Stock erwürgt, 15 im Wasserbehälter der Wäscherei und einen in der Latrine ertränkt. Der andere Angeklagte soll sogar 117 Menschen ermordet haben, die meisten bei den Selektionen, indem er sie einfach mit dem Ochsenziemer totschlug. Das war die Tätig keit von Berufs ver brecherr in einem Regime, das sich selbst das Verbrechen zum Beruf gemacht hatte. — Vier ehemalige SS-Leute müssen sich in einem Pro zess in Hagen verantworten. Ihnen werden werden zahlreiche Mordfälie im KZ Mauthausen zur Last gelegt wo sie Häftlinge im tiefen Winter unter eiskalten Duschen zu Tode quälten öderer tränkten. . In Darmstadt müssen sich elf ehemalige SS-Offiziere und einfache SS-Männer ver antworten, die dem Sonder kommando 4 a der Einsatzgruppe C in der Ukraine angehörten. Sie sollen an der Ermordung von rund 80 000 Menschen, zu 90 Prozent Juden, beteiligt gewesen sein. Wir wiederholen: 80.000 Morde an Männern, Frauen und Kindern .. Wenn man sich diese Da ten vor Augen hält, wird die Forderung nach Verjährung dieser Schandtaten imme» unverständlicher. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavía 881 Registro de la Propiedad Intelectual N* 947 226