Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1967-10-04 · 2238 (4.10.1967) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2238 (4.10.1967)
Date
1967-10-04
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9615794-9616132--5009-9616133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

PUEYRREDON 2190 — 1* izq. JfaJ&tojGH&Dkhaelila T. E. 83 - 26 1 3 Afio XXVIII. BUENOS AIRES MIKROOLES 4 OE OCTUBRE OE 1967 N* 2218 Am Beginn des Jahres 5728 levi Esitiikiiil an das Wieder stehen wir am Beginn eines neuen Jah-es und erwarten die Jamiin nor».im. die Ehrfurcht gebietenden Tage, die am Rosch Haschana ihren Anfai g nehmen- und am Jom Hakipurim enden. Die schlichte Weisung „Und im siebenten Monat am einten des vlonets .oll euch Heilige Berufung seiukeine Dienstarbeit sollt ihr verrichten, ein Tag des Posauuenschalls s >!1 es euch sein“, die wir im IV. Buch Moses 23, 1 finden genügte, um von Generation zu Generation über die Jahrtausende hinweg diesen Feiertag des Rosch Haschana zu begehen, (vgl. auch III. Buch Moses 23,?4 25). — Rosch Haschai a ist der Tag des Posaunenschalls (Jom teruai, der Tag der Erinnerung (Jom Hanikaron), der Tag des Gerichts (Jom Hadin). Es ist das einzige Fest unseres Volkes, das keine unmittelbare Beziehung zum Boden oder zu einem historischen Ereignis beisitzt. Merkwürdig genug ist es, dass dieser Neubeginu der Zeit zeitlos ist. Darin darf man einen Reflex zum Gedanken der Ewigkeit, der Unendlichkeit, der Ganzheit im jüdischen Weltbild erblicken. Der Ju- , de löst sich an diesem Rosch Haschana von der Alltäglichkeit de« Daseins und erhebt sich zu jener Weite, zu welcher die Fortschritte der Wissenschaft und der Erkenntnis, der Technik und der Forschung den ,.modernen“ Menschen in unseren Tagen gebracht hat, dem nunmehr nicht allein ein metaphysischer Einblick in das AU, den Kosmos, die Grösse des Raumes and die Unendlichkeit der uns um gev*>n J EH VDA VOTTHEMER benden Welt gestattet ist, der vielmehr durch seine Entdeckungen a.i? allen Gebieten der Naturerkenntnis und Naturwissen, chaften einen gegenständlichen Blick auf das Gegenstandslose werfen konnte. Dass ein Volk, das bereits vielen sonstigen Faktoren zu seinem wunder--amen Ueberleben durch seine leiegefüllte Geschichte bei. Dir Verbindung the^ogirch-philosophischer Betrachtungen die für das ganze Volk und darüber hinaus für die Menschheit gehen, mitden Israel-Fahnen wehen an der Klagemauer in der frühesten Zeit seiner Geschichte die Unendlich keit göttlichen Wirkens in den Bereich seines Erdendaseins einschioss, diesen Tag des Neubeginns in anderer Weise als die anderen Völker beging, trug neben Neujahrsgruss des Botschafters Am Vorabend des neuen jüdischen Jahres 5728 entbiete ich der jüdischen Kollektivität Argeonniens mei ne herzlichsten Glückwünsche für ihr Wohlergehen im Schosse dieser edlen Nation, mit deren Geschick sie zutiefst verbunden ist und an deren grossen Zielen, der konstruktiven Arbeit, den Schöpfungen des Geistes und dem zum allgemeinen Wohl und Fortschritt unternommenen Werk sie» an der Seite aller Bürger mitarbeitet. Dieses Rosch Haschana-Fest, das von so tiefer Bedeutung für das jüdische Volk ist, erweckt in diesem Jahr einen besonderen Widerhall. Der Staat Israel hat eine schwere Prüfung bestanden, welche an die Heldentaten der Bibel erinnert. Wieder einmal hat unser Verteidigungisheer, durchdrungen von einem bewundernswerten Geist, die höchste Gefahr abgewandt und mit unerschütterlicher Kraft und Mut die Heere unserer Gegner bezwungen, die ihm an Zahl und Waffen überlegen waren. Dieser Krieg, den Israel mit allen Mitteln zu vermeiden versuchte, brachte jedoch aufschlussreiche u-nd tröstende Beweise. Er bewies die unzerstörbare Einheit seines Volkes, die bewundernswerte Zusam menarbeit, die Opferfähigkeit, den nicht wankenden Glauben, Er bewies auch, dass Israel der tiefen und brüderlichen Liebe aller Juden in der Welt gewiss int. Und dies war für Israel und seine Bewohner eine Quel le unendlicher Kraft und Inspiration. Als Botschafter Israels möchte ich hie.- noch einmal meinem tiefempfundenen Dank an das argentinische Volk für das freundschaftliche und solidarische Verständnis Ausdruck geben, mit dem es den Lauf des Konfliktes verfolgt hat. Wir beginnen jetzt ein neues Jahr, in dem Israel seinen 20. Geburtstag mit Jerusalem, unserer ewigen, wiedervereinigten und freien Hauptstadt begehen kann. Es wird ein Jahr sein, das der Förderung des Friedens gewidmet sein wird. Wir wollen für den Aufbau des Landes in allen seinen Bezirken wirken. Wir wollen im Geist der Regierungen aller uns befreundeten Lander die Erkenntnis erwecken, dass es notwendig ist, die erlebten Ereignisse und ihre scu Herzlichen Konsequenzen in den Ausgangspunkt für einen endgültigen Frieden zu verwandeln. Wir fühlen uns von der ehrlichen Freundschaft der Nationen in der Welt begleitet, die den Frieden, die Freiheit und die Gerechtigkeit lieben. Und von unseren Brüdern, für die ich unsere wärmsten Wün sehe für Wohlergehen und Glück wiederhole konkreten Verpflichtungen und Bindungen des einzel nen Juden als Glied seiner Gemeinschaft macht dieses Fest wie alle jüdischen Fei ertage gegenwartsnah. Man mag es als einen merkwür digen Kontakt Petrachten. dass der Beginn der Zeit mit der Idee der Zeitlosigkeit verwoben ist, so wie Leben und Tod, Werden und Vergehen nur die Unendlichkeit der Generationen widerspiegelt. Trotz der gebotenen Verpflichtungen des einzelnen Juden vor Gott und seinem Volk sind die jüdische Gedankenwelt und das tägliche Leben des Juden auf die Verantwortung des Einzelnen für sich und die Gesamtheit aufgebaut. Der Ge danke der Freiheit des menschlichen Willens ist die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt von einer individuellen Verantwortung sprechen kann. Wären die Lehren des historischen Materialismus zu reffend, so könnte ein sitt'iches Gebot niemals zur Lebensmaxime eines Menschen oder eines Volkes werden. Denn die materialistische Geschichtsauffassung hebt die persönlichen Verantwortungen auf Das Judentum hat als erstes grandioses Gedankergebäude in der Geschichte der Menschheit die Lehre der menschlichen Willenstreiheit begründet und damit den Menschen in seiner ge.stigen und sittlichen Position aus der Masse aller Lebewe sen herausgehoben und ihm seine ethische Funktion zu gesprochen. So ist Rosch Haschana auch der Tag der Verantwortung, der Tag des Gerichts, an dem sich der einzelne Jude wie die ganze Gemeinschaft davon Rechenschaft geben so-ien. ob sie den hohen Anforderungen gerecht gewordei sind, die an sie gestellt werden, und ob sie die Voraussetzungen zu erfüllen bereit sind, um in Zukunft diese Yerantworttung zu tragen Dabei müssen wir uns alle darüber im klaren sein, dass es sich hierbei nicht nur um religiöse oder metaphysische Gedanken und Gebote handelt, sondern um rea'e und harte Forderungen, die an uns als Einzelne wie "Hs Volk gestellt werden. Die jüdische Lehre ist kei neswegs abstrak*. Senr deutlich wird gesagt, was der Menschen zu tun hat und was er nicht tun soll. Denn im Zehnwort wi'd mit einer apodiktischen Bestimmtheit ausgesprochen, „du solls* n>cht”, sodass nicht der geringste Zweifel vorhanden ist, in welchen Grenzen das menschliche Leben zu verlaufen hat. Die kristallklaren, harten und nicht a.,.szulegenden Formulierungen sind in ihrer scn.'chten und gebieterischen Form unübertroffen. Jede? auch der einfachste, auch der ungebildete, auch d=ir p>iniii:ve Mensch kann verstehen, was un ihm verlang1 wird. Hier ist ein Gesetz erlassen worden, das nicht nur seine Gültigkeit als ethisches Postulat an den einzelnen wie an alle Menschen bis heute he halten hat, sondern das auch als Norm Im täglichen Leben — fern aller philosophischen und sonstigen weltanschaulichen Betrachtun gen — gegenwartsnah und kraftvoll wirkend geblieben ist. Das vergangene Jahr auf des wir nun zurückschai.en. -Aird in manche - Hinsicht in unserer Geschiente unvergessen bleiben. Die Tatsache, dass Jerusalem sich wieder in jüdischer Hand befindet, dass Juden wiederum die Möglichkeit haben, an der Klagemauer, dem Svmbol ihrer re igiösen Inbrunst und ihrer nationalen Träume zu beten, diese Tat sache allein bedeutet für uns nicht in vorderster Reihe die Durchsetzung poüticher Ziele, sondern zunächst und vor allem die äu sserlich sichtbare, konkrete und lebensnahe Wiederaufnahme einer lange unterbrochenen historischen Kette, durch welche unser Volk mit SEINER heüigep Stadt durch Jahrtausende verounden war und ist. Wer Jerusalem aus der Erinnerung und der Wirklichkeit des jüdischen Volkes löschen woll-_ te, entzieht dem geistigen, religiösen wie dem nationalen Körper unseres Volkes das Blut, lässt vom jüdischen Sein nur das Skelett zurück und degradiert das lebensvolle Judentum zu einem Abstraktum, das keinen Bestand haben kann So dürfte der tatsächliche Besitz des geistigen wie des wirklichen Jerusalem ein historisches Ereignis im Le ben unseres Volkes s-in ■ dessen wahre Grösse nur Ein gutes Neues Jahr! Wir und das Volk der Diaspora erleben dieses Jahr, das ein vom Schick»,al gezeichnetes fahr ist. Der Staat Israel, das Herz des jüdischen Volkes, sah seine Existenz in einem noch nie dagewesener. Masse bedroht. Die arabischen Staaten schlossen «ich zusammen, um Israel anzugreifen und zu verruchten Wir taten unser Möglichstes, um diesen K^tej? zu vermeiden und mit friedlichen Mitteln di» Bedrohung unserer Existenz auszuschalten; aber al« es uns Klar wurde, dass die Umkr»isung des Feindes uns erstickte und wir angegriffen wurden, schickte sich darf Heer Israels an, das Vaterland zu verteidigen In einem Feldzug voller Heldentum und Ruhm, der in der Geschichte unseres Volkes ohnegleichen ist sot.lug es den Feind und rettete Israel vor der angeürohlen A'i* rottung. In diesem Krieg kämpfte Israel allein Es ha.te einen einzigen Alliierten: das jüdische Volk Als ganz Israel zur Verteidigung des Vaterlandes auleeru.en wurde, hat das jüdische Volk von allen Enden der Welt ihm nach Masisgabe seiner Möglichkeiten gehol fen. Da waren jüdische Gemeinden, die uns auf politischem und materiellem Gebiet grosse U uerst itz.uog liehen. Tausende von jungen Leuten kamen in b.i Land, um zu arbeiten und die Lücken auszufüllen, die die .Soldaten zurückgelassen hatten, welche ins Feld zogen. E« gab grosse jüdische Gemeinden die uns mit ganzer Seele zu helfen wünschten, aber denen es verboten war. ja denen sogar die Freiheit vurerithalterr wurde, ihr&r schweren Besorgnis und ihrem Stolz Ausdruck zu verleihen. Wir wissen, dass sie sich untrer in ihren Gedanken und ihren Gebeten, erinnern ebenso wie wir ihrer gedenken. Der Krieg ist zuende, doch viele und grosse Hin dernisse erwarten uns auf u ree rem Weg. Unsere Fein de weigern sich noch immer, dem Gedanken Raum zu geben, dass es ihnen unmöglich sein wird, Israel aus seinem Boden zu entwurzeln. Immer roch ve-suchen sie mit verschiedenen Ausflüchten, unsere Exi stenz zu gefährden und bereiten sich für neue Aggressionen mit der Hilfe mächtiger Verbündeter vor. Aber auch diese Pläne sind zum Scheitern beGimmt. In Zukunft werden wir weiter der Hilfe unseres Alliierten, des jüdischen Volkes bedürfen Gemeinsam, liegt es uns ob, den Sieg Zahals in eine Basis für ei nen ständigen Frieden zwischen Israel und seiner Nachbarn zu verwandeln Gemeinsam müssen wir Is rael aufbauen und stärken. Gemeinsam müssen wir in Israel ein grosses Zentrum der Schöpfung und des jüdischen Lebens errichten. Im vergangenen Jahr wurde das jüdische Volk aufgerufen, die Existenz Israels zu beschütm--n. In den kommenden Tagen müssen wir am Aufbau Israels fiir# die Zukunft arbeiten. Hierzu sind wir von der jüdischen Hingabe an die Religion, die Wissenschaft, die Kultur abhängig. Und von den Reichtümern de« jüdischen Volkes. Doch vor allem gebrauchen wir eine grössere Zahl von Juden, die ihre Geschicke mit den unseren hier in Israel verbinden. Aus dem wiedervereinigten Jerusalem, der ewi gen Hauptstadt Israels, von der Klagern mer. dem Ueberrest unseres heiligen Tempels, erreicht Euch der Segen Israels, seines Volkes und seine- Regierung. Möge dieses Jahr, das zwanzigste, das von höchster Bedeutung für da« jüdische Volk ist. ein Jahr der Freiheit für unser ganzes Volk sein, ein Jahr der Blüte unserer Kultur, ein Jahr der Erfüllung, der geistigen Erhebung und der Alija. den wenigsten uewusst geworden ist. Aoer allen ist gleichermassen damit e-ne Verantwortung zugefallen, über die wir uns am Neubeginn des Jahres volle Rechenschaft abzugeben ha ben. An dieser Klagemauer, kotel ma‘arawi, dem einzig übrig gebliebenen Rest des alten Tempels, vollzog sich in unseren Tagen das jüdische Wunder, Hier wurde vor aller Welt, auch vor der jüdischen, sichtbar, dass es trotz aller Differenzierungen, die durch unser Schicksal und unseren Weg über alle Länder und Kontinent« geworden sind, nur ela ein ziges Judentum gibt: Als die israelischen Qoldaten an die Klagemauer kamen, wurden sie von der Wucht der Jahrtausende und der Sehnsucht ungezählter jüdischer Geschlechier überwäl tigt und beteten alle, di« „religiösen“, die „nationa len“, die frommen und di» „weltlichen“ Juden, sie all» gemeinsam und ausnahmslos. Und als dam der greis» (Schluss aui Seite 2) Ein Vorschlag Argentiniens UN. — Argentiniens Aussenminister Dr. Nicanor Costa Mendez. erklärte zu Beginn der allgemeinen Debatte in der UN-Generalversammlung. dass „der Frie den im Mittelosten mit dem Rückzug der f-uppen aus den besetzten Gebieten und mit der Einstellung der Kriegßhandlungen eingeleitet werden mu s“. Er forderte die Versammlung auf. das Problem erreur zu prüfen, um wirksame Beschlüsse zu fassen, die die entgegengesetzten Interessen in Einklang bringen und eine Grundlage für einen dauerhaften Frieden bilden können“. „Die von der lateinamerikanischen Gruppe einge nommene Position i«st sowohl moralisch wie iuch le gal untermauert. Unsere tjmder haben mit Ruhe und Objektivität gehandelt und von keiner dei Parte;er» ungerecht«ertigte Konzessionen verlangt.* Er gab erneut seinem Glauben an die Richtigkeit der -ateinam«* rikanischen Stellungnahme Ausdruck und wiederholte dass „diese Position die beiderseitige millt-iriscne und geistige Abrüstung herbeizuführen sucht lie unserer Meinung nach allein die wahre Basis für ein zuk >nftiges Einverständnis darstellt“ (ITA) Rosch Haschaiiah-Ausgabe 5728 :> ■ -'K-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.