Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2236 (22.9.1967)
- Date
- 1967-09-22
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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o ca o — _ î C « o ¿ 5 < o FRANQUEO PAGADO Concesión 903 TARIFA REDUCIDA Concesión 1«29 SEMANA EL EJEMPLAR en toda la República 20.- Año xxvin. BUENOS AIRES, VIERNES 82 DE SEPTIEMBRE DE 1931 PUEYRREDON 2190 1» bequ Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Des Teufels Chemiker von Dr. ROBERT M. W. KEMPNER Zehn Kisten mit mehr als 250 kg Sprengstoff s:anden in dem Bunker. Auf den Kisten sassen 25 Menschen. Dann gab der Chef der Reichskriminsipolize' das Zeichen: „Zünden“. Erdstücke. Baikenteile, Reste von menschlichen Körpern flogen dur"h die I.uft. Die Umstehenden erschraken; menschliches Stöhnen kam trotz der schweren Sprengstoffexplosion aus dem Bunker. „Noch 100 kg Sprengstoff explodieren lassen“, lautete der zweite Befehl. Dann herrschte Totenstille. Szene aus einem Schauerroman? — keineswegs' Dieser grausige Vorgang wurde vor dem Schwurge rieht in Stuttgart von dem angeklagten Chefchemiker der Reichskriminalpolizei. Dr. Albert WidTann im sogenannten Gaswagen-Prozess geschildert. Der jetzt 54jährige Chemiker — auf eine Kaution von 200.000 DM auf freiem Fuss — einst SS-Sturmbannfüh-er. hat sich wegen Probetötungen unter der Anklage der Mordbeteiligung zu verantworten. Man probte an angeblich Geisteskranken ob Vernichtung durch Exolosion oder Gas für die vorgenommenen Massenmorde an Juden am praktischsten sei. Arthur Nebe, der Chef der Reichskriminalpolizei, hatte seinem Chefchemiker Dr. Widman persönlich den Auftrag und den Befehl zum „Zünden“ am Tatort gegeben. Der zweideutige Chef der Reichskriminalpolizei, SS-Brigadefiihrer Arthur Nebe, nahm drei Jahre später am missglückten Komplott gegen Hitler teil und wurde damals selbst umgebracht. Jetzt wird Widmann vorgeworfen, entscheidend an der Entwicklung des gesamten NS-Systems der Morde durch Vergasung mitgewirkt zu haben. Der angeklagte „Sachverständige“ für Massenmorde berichtet über Blausäure - Handgranaten. Gasmunition, veigiftete Stuhlzäpfchen, Autoabgase, das Einschmelzen von Goldplomben. Natürlich handelte des Teufels Chemiker ..auf Refehl“. So sagt die Verteidigung, die von den Rechts anwälten Hans Laternser und Gerhard Klaiber geführt wird. DIE MiTTELOSTKRISE VOR DEN UN UN. — Die Ausserordentliche Sitzung der Generalversammlung, welche auf Verlangen Sow'etrusslands zusammet>berufen worden war. verwies das Mitte'ostproblem an die jährliche Ordentliche Generalversammlung. nicht ohne dass die Anwesenden eine neue heutige Attacke des russischen Delegierten gegen Israel mitanhören mussten Wie erinnerlich trat die Generalversammlung am 19. Juni zusammen, nachdem es dem Sicherheitsrat gelungen war, nach dem sechtägiger. Kriee zwischen Israel und den Arabern die Einstellung i.es Feuers durchzusetzen. Alle sowjetischen Forderungen, Israel als Angreifer zu verurteilen. hatten jedoch keinen Erfolg und die Beratungen wurden am 21. Juni vertagt. Der Afghane Abdul Rahman Pawhwak, Präsiden* der ausserordentlichen wie auch der vorjährigen ordentlichen Sitzungsperiode, erklärte diese Sitzungen des Weltparlaments, das am kommenden Tage seine regulären Zusimmenkünfe aufnahm, für beendet. Mit 93:0 Stimmen und 3 Stimmenthaltungen wurde ein von Oesterreich, Finnland und Schweden unterbreiteter Vorschlag angenommen der Ordentlichen Generalversammlung die Behandlung Die Aüssenpolitik Israels Nach den Beratungen, die das israelische Kabinett in einer seiner letzten Sitzungen über die heutige Aussen- Politik der Regierung nach der Niederlage der Araber pflegte, gab Aussenminister A'ba Eban der Presse zusätzliche Erklärungen ab. Er äusserte sich im besonderen über die kürzlich in Khartum abgehaltene arabische „Gipfelkonferenz“. Zu diesem Then.a führte er u. a. folgendes aus: „Wir haben vergeblich erwartet, dass die arabischen Staaten Mässigung beweisen werden. Doch dafür waren keine Anzeichen in Khartum vorhanden. Die Konferenz hat drei prinzipielle Beschlüsse gefasst: Keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel, kein Frieden mit Israel. Ausser diesen drei herausfordernden Prinzipien nahm sie Resolutionen über die Wiederaufri-htung der arabischen Herrschaft in ganz Palästina und die Fortsetzung der militä rischen Vorbereitungen an. Nun bil den aber die Anerkennung eines Staates, Verhandlngen und Frieden die drei Grundprinzipien des Systems der Vereinten Nationen, deren Charter nun in diesen drei Begriffen res ü mieten könnte. Die arabischen Staaten haben erklärt, dass diese Prinzipien auf ihre Beziehungen mit Israel nicht angewandt werden wo? aus logischerweise fo gen muss, dass sie die Anwendung die ser Prinzipien auf die Be- Ziehungen Israels mit ihnen nicht verlangen können. „Die erwähnten Bescbiüs se sind auch keinesfalls als gemässigt zu beurteilen. Es gibt kein anderes Beispiel in der modernen Geschichte, dass sich ein Staat geweigert hätte, die ’internationale Persönlichkeit und Souveränität eines anderen Staates anzuerkennen. Es ist auch noch niemals dagewesen, dass in einen Konflikt verwickelte Staaten sich geweigert hätten, über die Lösung dieses Konflikts zu verhandeln Auch existiert kein Fall in der internationalen Geschichte der Nationen, in dem die Weigerung, Frieden zu scbliessen, als nationale Politik und ein internat'anales Ideal verteidigt worden wäre. Wie Sit sich erinnern werden, trat auf einer kürzlichen Sitzung der Generalversammlung der UN zutage, dass die Mehrzahl der Regie un- Hotel Intercontinental Jerusalem. — Das Mini'terium für Tourismus gab die Eröffnung des Hotels Intercontinental, eines der gross ten Luxushotels im Mittelosten, bekannt. Hiermit stehen nunmehr i.800 Hotelzimmer in Ost Jerusa:em zur Verfügung. Die Verwaltung des Hotels, das an den Pan American- Konzern angeschlossen ist. ersuchte das jerusalemer Rabbinat um die Erlaubnis zur Einrichtung einer kosohe ren Küche mit dazugehöri gern Speisesaal. D>e Hotel-Ge Seilschaft zahlt der israelischen Regierung eine monatliche Miete von 17.000 Dollar für die Benutzung der InstaL iaiinru>n des Gebäude»; (ITA) gen der Ansicht ist. die arabischen Staaten könnten mit Fug nicht von Israel erwarten, dass es die zur Zeit der Feuereinstellung herrschende Situation ändere, wenn sie selbst nicht ihre Politik über die Anerkennung Israels und die Herstellung friedlicher, auf Koexistenz und gute Nachbar schaft gegründete Beziehungen wandeln. ,Die jetzige Position Is raels, die mit der Unterstützung der öffentlichen Weltmeinung zählt, 'st die, dass die Feuereinstellung nur von einem durch Verhandlungen geschlossenen Frieden, der die gegenseitige Anerkennung. gegenseitig vereinbarte Grenzen und Sicherhcitsabkommen beinhaltet, abgelöst werden kacn. Zu glauben, die verwirrte Lage im Mittelosten kön”e ohne Anerkennung. ohne Verhandlungen und ohne Frieden geändert werden, ist ein rech* exzentrischer Standpunkt. „Es wäre vielleicht zu optimistisch gewesen zu erwarten, dass sich in so kurzer Zeit ein fundamentaler Wandel in der arabischen Haltung vollziehen kör^e. Aber wir hoffen weiter, lass mit der Zeit ein giösserer Realismus in der Politik der Araberländer die Oberhand gewinnen wird. Bisher ist dies noch nicht geschehen, und wenn es auch Stimmen gibt, die unter den Arabern Mässigung anempfehlen, so haben sie sica bis heute noch nicht durchsetzen können. Wir haben aber noch nicht die Hoffnung verloren, das« dies eines Tages de* des dringlichen Problems der Mittelostkri.se anzuempfehlen. Das Programm der 22 Ordentlichen Generalversammlung enthält 95 Punkte. Zwischen 60 und 70 Aussenminister nehmen an den Beratungen teil. Der Konflikt im Mittelosten wird natürlich eines der umstrittensten Themen sein, doch es werden auch Probleme zur Sprache gelangen, über die schon seit Jahren debattiert wird. Zum ersten Mal in der Geschichte der Generalver Sammlung wird ein kommunistischer Delegierter die Debatte leiten, da man sich einig wurde, den rumänischen Aussenmmister Corneliu Manescu zum Präsidenten der Versammlung zu wählen, der ein entschiedener Verfechter freundschaftlicher Beziehungen mit dem Westen ist. ENTGEGNUNG AUF EINEN ANGRITF In der letzten Zusammen kunft der Ausserordentlichen Sitzungsperiode trat der sowjetische Delegierte Nikolai F. Federenko als Sprecher gegen Israel hervor, das er „als ein Instrument in den Händen mächtiger imperialistischer Staaten“ bezeichnete. Er gab den „Beschützern“ Israels wie den USA lind anderen Staaten des Atlantikpaktes die Schuld, dass Israel in weniger als zehn Jahren zwei Kriege gewinnen konnte. Die Vertreter des Irak und Tu nesiens unterstützten die Anklagen Federenkos. Hiergegen wandte sich Israelbotschafter Guideon Raphael und erklärte, dass „es keinen Ersatz für den Frieden gibt, ebenso wie kein Ersatz für direkte Verhandlungen existiert, um diesen Frieden herzustellen.“ „Wenn die Araber“, fügte er hinzu, „ihr erklärtes Ziel, Israel zu vernichten, erreicht hätten, so würde das Land der Juden heute ein Friedhof sein, und die Re Präsentanten der UN könnten nichts weiter tun, als ihr Beileid aaszudrücken und sieh zu erheben, um als Ausdruck ihres Mitgefühls eine Minute des Schweigens zu bewahren.“ Fall sein wird, und bis zu diesem Augenblick müssen wir die bestehende Situation aufrecht erhalten “ Auf eine Frage, wie er die kriegerische Erklärung des transjordanischen Königs Hussein verstehe, entgegnete Abba Eban: „Ich war von dieser in einer deutschen Zeitung publizierten Erklärung auch ziemlich er staunt. Wenn Tranr-Jordanien sagt, dass es Israel nicht anerkennt, ist es dann auch bereit, die umgekehrte Konsequenz zu akzeptieren, d. h. in diesem Falle, zuzu geben, dass Israel auch Transjordanien nicht anerkennen muss?“ Eban meinte jedoch, dass Husseins Aeusterungen zu einem Korrespondenten des „Der Spiegel“ in mancher Hinsicht recht interessant seien, z. B. weil Hussein darin zugab, dass sein Land den Krieg begonnen habe, Chinesen gegen Moslems von JOEL LIBMAN FRAMTZ Die einmütige Stellungnahme der kommunistisches Welt gegen Israel hat, wenn man von einigen Ausnah* men wie etwa die Haltung Rumäniens absieht, gross« Aufmerksamkeit, aber auch Beunruhigung in weiten Krei* sen ausgelöst. Man hat sich die Frage vorgelegt, au« welchen Gründen etwa die Chinesen zu einer feindselige« Position gegenüber Israel gelangt sind, da überhaupt kein Grund hierfür vorhanden ist. Zwischen den beide« — in ihren Ausmassen so ungleichen — Ländern beste« hen weder Interessengegensätze noch sonstige Reibung# flächen. Die allgemeinen Redensarten vom „zionistische« Imperialismus“ oder über ein Israel, das die Interesse« der anglo-amerikanischen Kapitalisten wahrnehmen, wir« ken jedenfalls aus chinesischer Sicht nicht überzeugend. Die Chinesen dürften sehr wohl wissen, dass die Ge« schichte des jüdischen Volkes ln den beiden letzten Jahrtausenden eine Leidensgeschichte inmitten der christlichen, also westlichen Welt gewesen ist. Nur durch die unglückliche Konstellation der intern nationalen politischen Gegebenheiten wird vom Rotea China ein Haltung eingenommen, die im Rahmen ihrer gesamtpolitischen Aktionen schon deswegen gegen Israel gerichtet ist, weil sie hinter ihren kommunistischen Konkurrenten, vor allem hinter dem Kreml, nicht Zurückbleiben kann. Der Kampf zwischen Russen und Chinesen um den politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Asien, in Afrika und vor allem auch in den arabischen Länder« veranlasste Peking, durch eine feindselige Position gegenüber Israel die russische Konkurrenz zumindestens in Schach zu halten. Auf diesem Umwege wurden die Chi* nesen Gegner Israels. In der Haltung Indiens gegenüber Israel kann man eine Parallele finden, wobei selbstverständlich dieser wip jeder andere Vergleich immer mit Vorsicht anzuwenden ist. Das jüdische Volk hat dem Freiheitskampf Indien# unter Ghandi und später unter Nehru stets grosse Sym-* pathien entgegengebracht, zumal der Haup*gegner beider Völker auch der gleiche gewesen ist, nämlich der britische Imperialismus und Kolonialismus. Trotzdem ba« ben die Inder sich bis heu te geweigert, Israel anzuerkennen. Auch hierfür sind internationale Beziehungen und Bindungen massgebend, die mit Israel nur indirekt zu tun haben. Die indische Aüssenpolitik spekulierte immer mit der Schaffung einer Dritten Position, die zusammen mit Jugoslawien, und Aegypten eingenommen werden sollte. Da aber für die Aegypter die anti-israelische Politik ihrer Partner eine Vorbedingung war und ist. folgten die Inder im Interesse ihrer vermeintliohne von Israel vorher angegriffen worden zu sein, was er vordem niemals zugestanden hatte. Er bedauerte die Auffassung Husseins, dass der Kampf der Araber gegen Israel unvermeidlich sei. Von einem Journalisten über Israels Entschluss, die Linien der Feuereinstellung aufrechtzuerhalten, befragt, führte der Aussenminister folgendes aus: „Ich nehme an dass die arabischen Regierungen bei ihrer Politik, den Friedensschluss auf unbestimmte Zeit hinauszuschieben, den stabilisierenden Einfluss des Faktors Zeit berücksichtigt haben. „Wir wären in jedem Augenblick bereit, über einen Friedens vertrag zu verhandeln, der anstelle der Feuereinstellung dajerhafte und annehmbare Grenzen und Abkommen über Sicherheit festsetzt. Aber ais der Frieden geschlossen ist, werden wir die Abmachungen über die Feuereinstellung einhalten. Dies ist die normale Praxis im internationalen Recht und in der internationalen Geschichte.“ chen „höheren“ Ziele dieser Linie. Jetzt hat sich die chinesische Kultur - Revolution in einem unerhört scharfen Aufruf gegen die Mohammedaner gewandt, die als die schärfsten Feinde der Chinesen bezeichnet werde«. Was werden die arabischen Mohammedaner dazu sagen, wenn sie lesen: „Rotgardisten! Wir dürfen nicht erlauben dass uns auch nur ein einziger Feind entkommt. Es ist an der Zeit, unsere Angriffe gegen den gefährlichsten versteckten Feind zu richten: gegen die Mohammedaner .. Die Moslems verstecken sich hinter der Maske der Religion in ihren Moscheen. Ihre Arbeit geschieht im Sin ne imperialistischer Direktiven. Ausländische Mächte stehen hinter ihrer Tätigkeit, die gegen unser Land, unser grosses Volk und gegen unseren grossen, hochverehrten Führer Mao gerichtet sind. Hört zu, ihr Moslems, von nun an wird es euch nicht erlaubt sein, euch hinter dem Mantel der Religion zu verstecken. Wir werden euch verjagen und vernichten... Ihr dürft auch nicht mehr in arabischer Sprache reden Zerstört die Moscheen, löst eure Vereinigungen auf, verbrennt den Koran!... Wir müssen die religiösen Mauselöcher dem Erdboden gleichmachen und mit ihnen auch euch vernichten.“ — Welche Entwicklung sich hier anbahnt ist gewiss noch nicht zu übersehen. Dass jedoch dieser Aufruf ein Alarmzeiehen ist, muss jedem klar sein, der die chinesische Revolution in den letzten Jahrzehnten beobachtet hat. impreso m la emprenta POLIGLOTA - Rivadavla 881 Realst ro de m dhbmIiS intelectual N* 909.49t