Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2236 (22.9.1967)
- Date
- 1967-09-22
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREOON 2190 — 1* izq. T. E. 83 - 26 13 Año XXVIII. BUßNOS AIRES, VIERNES 22 I>E SEPTIEMBRE DE 1967 N* 2??6 Loesung noch nicht in Sicht Der Selbstmord des frühe- ( cen ägyptiscnen Maischalls I Abdul Hakim Amer hat schon deswegen grosses Auf sehen erregt, weil der Verstorbene der engste Mitarbeiter Nassers und dessen Schwager gewesen ist. Nach der vernichtenden Niederla «e, die Nasser 'rn Sechs-Tage-Krieg erlitten hat, wurde fler Marschall zur Zielscheibe heftigster Angriffe gemacht und ihm die Verantwortung für die Katastrophe zugeschoben. Die hierdurch beabsichtigte Entlastung Nassers dürfte jedoch damit kaum gelungen sein. In regelmässigen Abständen wurden seit den historischen Junitagen Gerüchte in Umlauf gesetzt, dass der ägyptische Diktator zurück treten wolle. Hierzu war Nasser unmittelbar nach dem Zusammenbruch Aegyptens bereit, wurde jedoch von diesem Schritt vor allem durch den Kreml .abgehalten. Auch manche arabischen Führer äusse.'ten sich gegen ein rolches Vorhaben. da Nasser für die breiten Massen in der arabischen Welt da« Symbol nationaler Unabhängigkeit und des Erfolges de>- arabischen Sache gewesen ist. VH B. B. SAMUEL Vakuum ein, das dann in der zweiten Phase dieser eigenartigen Entwicklung durch eine Reihe arabischer Konferenzen ausgefüllt werden sollte. Diese zweite Phase begann mit Konferenzen Nasser« in Kairo mit sämtlichen arabischen Ländern und endete über verschiedene ,.Gipfel“ - Konferenzen mit einer Zusammenkunft, an der bereits wichtige Staaten nicht mehr teilnahmen. Die wirtschaftlichen Massnahmen wurden im wesentlichen aufgehoben, durch wel che ein Druck auf den Westen ausgeübt werden sollte. Es trat ein neue« Vakuum ein, das bisher nicht ausgefiillt wurde. Durch die wiederholten Schiessereien an den Grenzen und durch einige vom Ausland organisierte Widerstandsaktionen sollten die auf israelischem Territorium lebenden Araber, die früher zu Tran«jordanien oder Aegypten gehörten, aufgestachelt und in ihrer Israel-Feindlichkeit bestärkt werden. Die wirkliche Gefahr. die Israel droht, besteht neben der allgemeinen politischen Aktien, die demnächst auf der UNGeneralversammlung wieder eingeleitet werden dürfte, in der grossen „Fünften Kolonne“ die von den nationalistischen Arabern innerhalb der israelischen Grenzen gebildet wird. Dass Israel diese erhebliche Minorität u1 gerecht oder schlecht behandeln würde, bildet den hauptsächlichen Gegenstand der anti-israelischen Propaganda, die von den Arabern und ihren Helfershelfern betrieben wird. Dass diese Behauptungen und Verleumdungen unzutreffend sind, wurde inzwischen des öfteren von objektiven Beobachtern richtig und klar gestellt. Trotz der erheblichen Schwierigkeiten, die der Wiederaufbau des Landes und die militärischen Lasten mit sich bringen, widmet Israel seine ganze Kraft der Lösung der neuen Probleme, die mit der Eingliederung der eroberten Gebiete aufgetreten sind. Der Versuch, eine zahlenmässig erhebliche Bevölkerung in einen normalen Arbeits- und Wirtschaftsprozess frotz der Widerstände dieser Kreise einzuordnen, hat bereits einige sichtbare Erfolge gezeitigt. Hierbei wird es sich aber um einen langen Prozess handeln, denn <n mancher Hinsicht sind die Riicksfände vieler Jahrhunderte aufzuholen. Immerhin bahnt sich eine Entwicklung an, die man heute schon beobachten kann, die einmal mehr das Unmögliche in ISj rael zur Realität werden wissen könnte. — WIE ICH ES SEHE- Die radikalen Tendenzen Die Gerüchte um Nasser wurden offiziell dementiert und Israel beschuldigt, diese Gerüchte aufgebracht und verbreitet zu haben. Diese Behauptungen ägyptischer und sonstiger arabischer Nachrichten-Agenturen sind verständlich und liegen auf der üblichen Linie. die öffentliche Meinung irrezuführen. Den Tod de« Marschalls Amei haben die Israelis jedoch nicht ,erfunden'. Der Mann ist tot, obwohl die Aegypter das Ableben ihres einstigen Oberkommandierenden aller arabischer Streitkräfte, nicht etwa nur der ägyptischen, mit einigen Tagen Verspätung meldeten, als er bereits begraben war, weil eie Unruhen befürchteten . Irgendwie erinnert der Tod des Marse ha 11s Amer an den Selbstmord des Marschalls Göring, der ebenfalls Gift nahm, um sich dem Arm der Gerechtigkeit zu entziehen. Amer wie Göring liebten mit Orden beladene, auffallende Uniformen, beide führten gross purige Reden, beide wollten ihre Gegner vernichten, zer malmen, auslöschen, und beide fanden einen rühmlosen Tod durch Selbstmord, indem sie heimlich Gift Einnahmen. — In den Monaten nach der arabischen Niederlage kann man bisher drei Phasen der Entwicklung unterscheiden. Die erste wurde durch das sowjetische Eingreifen gekennzeichnet und brachte Israel durch einen weltwei ten politischen Feldzug des Kreml in eine schwierige diplomatische Situation. Die durch russische Initiative veranlasste UN-Ceneralversanimlung brachte jedoch nicht den von den Kommunisten gewünschten politischen Erfolg, nachdem bereits vorher die Verhandlungen im Sicherheitsrat aus den gleichen Gründen ohne Ergebnis geblieben waren. Nachdem auch die arabischen Länder bei ihrer Wei gerung blieben, in direkte Besprechungen über einen Friede« einzutreten, trat ein von JBHUDA GOTTHEMER Die in München erscheinende Deutsche National-Zeitung und SolditenZeifiing hat durch ihre außergewöhnlichen und unüblichen Hetzartikel gegen Israel in den letzten Wochen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken verstanden. Form und Inhalt dieses Blattes bilden eine Mischung zwischen den unriihm ich bekannten Zeitungen „Der Angriff“, die der zum Reichs minister für Propaganda avanzierte ehemalige Berliner NS-Gauleitei Dr Joseph Goebbels herausgegeben hat, dem „Stürmer“ des NS- Frankengauleite’-s Streicher und der eigene l Note“, die den Zeitströmungen und Notwendigkeiten Rechnung trägt. Man könnte sieh auf den NASSER WIDERRUFT New York — Die „Times“ berichtete aus Washington, dass in diplomatischen Zirkeln verlautete, Nasser habe zu einigen seiner arabisenen Kollegen geüussert, die Vereinigten Staaten hätten während des Krieges Israel keine militärische Hilfe geleistet. Damit nahm Nasser seine frü her erhobenen Behauptungen zurück. Dieser Widerruf, so heisst es. geschah auf der Konferenz in Khartum bei einer geheimen Sitzung. Eine offizielle Bestätigung, dass Nasser s±ine Beschuldigungen Ameri kas widerrufen habe, lag nicht vor und ist nach Aussage von USA-Beaunten wohl auch nicht zu erwarten. Nassers gegen Amerika gerichtete Be hauptungen führten seinerzeit zum Abbruch der diplomatischen Beziehun gen zwischen Aegypten und anderen arabischen Ländern mit den Vereinigten Staaten und Grossbritannien. (ITA) Standpunkt stellen, dass die se Zeitung nicht weiter beachtet werden sollte da sie nur geringen Einfluss auf da« deutsche und einen noch geringeren Einfluss auf '’as ausserdeutsche Publikum habe würde. Ohne zu bestreiten, dass man verschiedene Argumente zur Rechtfertigung eines solchen Verhaltens vortragen könnte, is' damit nicht« geschehen, wenn man negative oder dem jeweiligen Beobachter unliebsame Erscheinungen einfach übersehen wollte. Das warnende Beispiel und die mahnende Lehre, die insbesondere den ehemals deutschen Juden auf diesem Gebiet erteilt worden sind, brennen noch zu schmerzhaft, um den gleichen Irrtum und Fehler in einer so kurzen Zeit zwe;mal zu begehen. Von diesem Standpunkt dürften auch die zuständigen deutschen Behörden aus gehen, die der Entwicklung der gesamten politisch-extremen Publizität ihre Aufmerksamkeit schenken, am Entwicklungen zu kontrol lieren, die man nur anfangs beeinflussen kann. Man denkt an das Wert des Ovid, der ausrief: „Principiis obsta!“, du sollst schon den Anfängen (einer unliebsamen Entwicklung) Wrierstand entgegensetzen. Zunächst fällt bei jeder Betrachtung der Situation auf, in welcher sich die Bundesrepublik Deutschland befindet, dass sich die Auflageziffern der rechtsextremen Zeitungen, Zeitschriften und Informationsdienste im Jahre 1966 „beacht'toh erhöht“ haben, wa« von den Experten des Üundesinr.enministeriums festgestellt worden ist, sodass wir hier nicht auf Vermutungen angewiesen sind, sondern auf offizielle Informationen und Untersuchungen zurückgreifen können. Während zum Jahreshe ginn 49 rechtsradikale Periodika mit einer Gesamtauflage von 227.000 Exemplaren erschienen, betrug die Gesamtauflage Fnde 1966 bereits 272.900 Stück. Die Zunahme um etwa 20 Prozent ist im wesentlichen auf die Auflagen - Steigerung der NPD-Wochenzeitong „Deutsche Nachrichten“ und der „Deutsche Nat.onal-Zeitung und Soldaten-Zeitung (DN- ZSZ) zurückzuführen. Auch der vierteljährlich erscheinende „Deutsche Studenten- Anzeiger“ hat seine Auf age bemerkenswert von 18 000 auf 25.000 gesteigert. Allerding« sind die Verkaufsauf-lagen der Blätter wesentlich niedriger. Von den „Deutschen Nachrichten“ werden (bei einer Gesamtauflage von 44.000) 22.000 Exemplare fest bezogen. Die Zahl der Abonnenten der DNZSZ, bei der die Schliessung eines Friedhofs London. — ln der Stodt Kowno in Litauen, das im Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion annektiert wurde, haben die Behörden angeordnet, den jtidichen Friedhof zu schliessen und dem Erdboden gleiehzumacnen. Die Juden der Stadt ha ben daraufhin ein Gesuch eingereicht, doch alle ihre Bemühungen, die Zurücknahme der Verfügung zu erwirken, waren erfolglos. Dieses unglaubliche Vor kommnis, van dem Touristen berienteten, soll im Zusammenhang mit der Verschärfung der antisemitischen Politik stehen, welche unter dem Einfluss gewissen Kreise der Regieru ig durchgeführt wird. Die Schliessung des jüdischen Friedhof« wu"de bezeichnenderweise während de«- kürzlichen arabisch israelischen Konflikts am 7. Juni befohlen. E Jerusalem — Der israelische VerteidigungsnMiuster Mosche Dajan erklärte, Israel werde eher die gegenwärtigen Grenzen nur verhandeln, um sie m permanente Landesgrenzen zu verwandeln. Die arunjcheri Länder müssten anerkennen, so betonte er dass sie Israel keinen Zoll breit von den Feuereinstellungslinien vertreiben könnten. Diese Warnung Dajans an die arabischen Staaten ist in einer Botschaft enthalten, die der Minister anlässlich des bevorstehenden jüdischen Neuiahrsfestes an die Armee richtete. Dajan sagte voraus, dass das Land wahrscheinlich noch ein Jahr der Prüfungen durchmachen müsse, „aber Ihr“, fügte er an die ooh daten gewandt hinzu, „habt bewiesen, dass Ihr solchen Prüfungen standhalten könnt, und ich zweifle nicht daran, dass Ihr diesen Beweis wieder lietorn Werdet, wenn es notwendig sein sollte.“ Generalversammlung uer UN von ARIE ASHKENAS Die alljährige Generalversammlung der Vereinten Nationen, die in dieser Woche programmgemäß zusammentrat, muss sich erneut mit dem Nahostkonflikt beschäftigen. Eigentlich hat die Diskussion über die Probleme des Mittleren Orient« noch niemals auf der Tagesordnung dieser Konferenzen gefehlt, die sich zeitweise in eine Rede- und Hetz-Tribiine für arabische Delegierte verwandelten, die in masslosen Auslassungen gegen Is rael, das jüdische Volk und die westlichen Länder zu Fejde zogen die Israel angeblich unterstützen würden. Nachdem sich die Araber seit ihrer neuesten Niederlage im wesentlichen darauf beschränkten, auf zahllosen Konferenzen Beschuldigungen und Verleumdungen gegen Israel zu erheben, ist die Welt eigentlich schon an diese durch nichts bewiesenen Behauptungen gewöhnt. Man muss da mit rechnen, dass die bevorstehenden Debatten zu einem guten Teil eine Wiederholung jener Auseinandersetzungen bringen, die im Sicherheitsrat und der späteren ausserordentlichen UN-Generalversammlung vor sich gingen und ergebnislos verlaufen sind. Die Hoffnung auf eine Lösung der bestehenden Probleme und Verringerung der gewiss teilweise künstlich gezüchteten Gegensätze ist gering. Möglichkeiten wä-ea vorhanden, denn jeder einsichtige Politiker und normale Bürger eines Landes wird ohne weiteres verstehen, dass durch neue Kämpfe und Schlachten, durch r»euo Boykotthandlungen und Drohungen die Lage der mittelöstlichen Länder und Völker weder stabilisiert noch gebessert werden kann. Nur ein dauerhafter Frieden kann ein weites Gebiet vor dem permanenten Elend retten. Die arabischen Länder haben keine Generallinie für ihr Vorgehen bei den UN festlegen können, da alle ihre Konferenzen ohne greifbare Ergebnisse ausgeganeen sind. Ohne konkrete, gemeinsame Vorschläge werden die Sprecher der verschiedenen Staaten lediglich Zwangsmassnahmen gegen Israel verlangen und die Herausga-* be der durch Israel besetzten Gebiete fordern, als ob nichts geschehen wäre. Zur Stimmungsmache gegen Israel wird seit Wochen eine heftige Lügenpropaganda verbreitet, die in ihren Grundzügen von der kommunistischen Zentrale festgelegt worden ist Die internationalen Drahtzieher glaubten, dabei auf jüdische Mitwirkung nicht verzichien zu können. So veröffentlichten die „jüdischen Bürger in der Deutschen Demokratischen Republik“ eine Erklärung, die genau so gut in der Deutschen Natioealzeitung und Soldatenzeitung wie in „Neues Deutschland** veröffentlicht werden konnte. („Neues Deutschland“ ist das offizielle Organ de« kommunistischen Ostdeutschlands). — Dort heisst es u. a.: „Es ist die Tragik der jüdischen Bevölkerung Israels, dass die Machthaber dieses Staates eine Politik betreiben, die sich in den Dienst der strategischen Interessen imperialistischer Grossmächte am Suezkanal und an den arabischen Oelquellen gestellt hat“... Diese Formel wird in der Generalversammlung der UN erneut präsentiert werden. Ob man dort allerdings die Stirn haben wird, „jüdische Bürger >n de; DDR“ als Erfinder oder Förderer solcher Thesen zu präsentieren, muss bezweifelt werden. — Druckauflage eine Höhe von etwa 125.000 Exemplaren erreicht. beträgt rund 26.200, im Zeitungshandel werien rund 55.800 Exemplare verkauft. Der grösste Teil der Auflage des „Deutschen Stu denten-Anzeiger“ wird kostenlos verteilt. Demgegenüber sind die Auflagen - Ziffern änderet rechtsextremer Veröffentlichungen gesunken. Das Gesamtergebnis zeigt aber die erwähnte ' Steigerung, die nicht unbedenklich ist. Wenn von Seiten des Ministeriums darauf hingewiesen wird, dass viele Pre:se- Erzeugnisse der Rechtsradikalen kostenlos verteilt werden, dann dürfte dieser Gesichtspunkt nicht we sentlich sein. Entscheidend allein ist die Tato„che, dass eine grosse Anzahl von rechtsradikalen Publikationen auf irgendwelchem Wege ins Publikum getragen wird. Eine Verleumdung wird nicht dadurch geringer. dass man sie gratis ins Haus geliefert erhält .. Interessant isl die offizielle Charakteris'erwng der Deutschen National Zeitung durch das Bundesministerium, die hier wörtlich wiedergegeben werden soll-, „Das Blatt bevorzugt reisserische Schlagzeilen, denen der Inhalt der Artikel häufig nicht entspricht. Von dieser Methode erhofft sich der Herausgeber eine erhöhte Werbewirkung. Ueber» schritten wie „Sind die Deut- (Sohluss aul Seite 2> Aegyptischer Angriff UN. — Odo Bull, der persönliche Repräsentant des Generalsekretärs U Thant für Fragen der Feuereinstellung informierte seinen Vorgesetz ten, dass die VAR .das Feuer gegen zwei israelische Mirage-Flugz* uge eröffnete, die längs des Westufers des Suezkanals aus nördlicher nach südlichter Richtung flogen“. Nach Buils Aussage be schossen die Aegypter die Flugzeuge mit Ma schiner.gewehren. Kanonen und Mördern Beobachterposten wurden bei dieser Gelegenheit von ägyptischen Schüssen getroffen (IT Al