Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2231 (18.8.1967)
- Date
- 1967-08-18
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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’Viernes, 18 «le A*««to de 1967 LA A EMANA ISRAELITA Año XXVIII. — N? 2231 — 5 Die Flucht aus Ae HARDI SWARSENSKY: ln den ersten Tagen des Monate Mai lernte ich ein junges Ehepaar aus Heilbronn am Neckar kennen, welches mit dem Fahrrad in drei Jahren um d'e Welt rei. sen wollte — und über Syrien und Transjordanien nach Is- Tael, dem neunten Lande auf ithrer Welttour, kam. Wolf und Wilma Ahlborn reisten von hier nach Zypern weiter •— mit der Absicht, auf billige Art und Weise von dort nach Aegypten zu gelangen. Als nächste Postadresse verabredeten wir Addis Abeba... Denn die beiden wollten das Niltal aufwärts radeln... In den bewegten Wochen, die wir in Israel hinter uns hatten, fiel mir trotz eigener Sorgen immer wieder ein. dass die Ahlborns mitten in den Aufmarsch der ägyptischen Armee hineingeradelt Und hineingeraten sein mussten — wenn die Angriffsvorbereitungen Nassers ,,terminmassig ‘ von der Presse richtig dargestellt wurden. Ich wusste, dass der Journalist Ahlborn regelmässig seine Berichte an die „Heilbronner Stimme“ schickte. Die Redaktion dieses Blattes musste ja wissen, wo sich der radelnde Reporter befand. So schrieb ich aus journalistischer Neugier und aus echter Besorgnis an die Zeitung und an den Oberbürgermeister der Neckarstadt. Am 27. Mai fuhren die Ahlhorns in südlicher Richtung von Port Said los — und wollten unterwegs auch einmal den Suez Kanal aus der Nähe sehen. Sie stellten ihre Rider an der Strasse ab — und gingen zu Fuss. Da kein Schiff zu sehen war, kehrten sie gleich wieder um — und fuhren weiter. Eine Stunde später wurden sie von einer Militärpatrouille verhaftet^ Begrün, düng: Photographieren in der Kanalzone ist verboten, Schaft <die diplomatischen Beziehungen waren noch nicht abgebrochen) gerufen wurde, der dafür zu sorgen hatte, dass seine Landsleute innerhalb von 48 Stunden das Staatsgebiet verliessen. Sie waren ausgewiesen! — Als Fluchtweg blieb nur Alexandria offen. Trotz der Hilfe der Konsularbeamten gab es noch tausend Schwierigkeiten, ,,in einem Land ohne Gerechtigkeit“, in dem es nur ,,Diener und Herren gibt“, — wie der junge Jour- Walther Rathen.au (LEBEN, WERK UND WOLLEN) <9. Fortsetzung) Vor mir liegt der Bericht, «len Wolf Ahlborn am 5, Juni 1967 von der Türkei aus seinem Blatt sandte, und der die Ueberschrift trägt: „Wir fliehen auf Rädern, mit denen wir um die Welt wollten“. In Tagebuch - Form schildert der Journalist seine ¡Erlebnisse, Schon die Ueberiahrt von,Zypern nach Port Said auf dem 180 Tonnen grossen arabischen Boot ..El Haji Mohammed Bokoura“, das 1.100 leere Benzinfässer transportierte, die während der stürmischen Ueberfahrt in» Rutschen gerieten — muss eine abenteuerliche Sache gewesen sein. Die verwel gen aussehende Mannschaft — an ihrer Spitze „Kapitän Mohammed“ hatte von Navigation keine Ahnung, und Ahlborn schilderte die Besatzung so, dass man lebhaft an einen Piratenroman erinnert wird. — Tatsächlich fand die Polizei im Hafen von Port Said unter Planken versteckt auch Schmuggelware! — Aber im Vergleich zu den Er. lebnissen in Aegypten war diese Ueberfahrt eine harmlose Angelegenheit. Probleme im besetzten Gebiet Jerusalem. — Massnahmen zu einer energischen Bekämpfung der antiisraelischen Agitation unter den arabischen Bewohnern des westlichen Jordanufers wurden in einer Kabinettssitzung erwogen. Das Vorgehen soll sich gegen Personen richten, die antiisraelische Flugblätter drucken oder verteilen oder zu zivilem Ungehorsam aufreizen. Einige israelische Beobachter sind allerdings der Ansicht, dass diejenigen, die sich gegen die Zusammenarbeit mit Israel sträuben, nicht sehr zahlreich sind und man mit den Gegnern der israelischen Verwaltung nicht allzu streng verfahren solle. Wie es heisst, haben sich arabische Lehrer, die Schulbücher benutzten, in denen Feindschaft gegen Israel gepredigt wird, geweigert, sich des neuen Lehrmaterials zu bedienen, aus dem diese Hasspropaganda entfernt wurde. Arabische Rechtsanwälte in der Altstadt von Jerusalem haben es abgelehnt, vor israelischen Gerichten zu erscheinen, um nur einige Beispiele für den zivilen Widerstand der Araber anzuführen, (ITA) da dort grosse Truppenverbände zusammengezogen waren. Tatsächlich hatten sie ihre Kamera seit Port Said nicht mehr angerührt. Was nun folgte, kann nur in Stichworten beschrieben werden: Transport nach Kantara — von dort nach Ismalia. Noch in der Nacht weiter nach Kairo — ohne Rast — ohne Ruhe — ohne Essen und Trinken! — Dabei war einer der verhafteten eine junge Frau! — Bezeichnend für das, was die jungen Deutschen in Kairo erlebten, ist, dass dieses Kapitel überschrieben ist: „Im Sicherheitshauptamt in Kairo“, ein aus dem Dritten Reich übernommener Begriff, das die Ahlborns gar nicht aus eigener Anschauung kennen, das für sie aber der Inbegriff von Grausamkeit gewesen sein muss. So erwähnt Wolf in seinem Bericht, dass ihnen versichert wurde, dass Frauen bei Verhören nicht geschlagen würden! Da sich herausstellte, dass ihre Filme nichts von Spionage verrieten — willigten die Herren in dem riesigen Gebäude der „General Investigatiön“ ein, dass ein Vertreter der Deutschen Bot- CATECA S.A. Directorio 5555 Buenos Aires T. E. 68.1017/18 y 1264 S ü A V A N D A R el calzado legítimo de espuma de goma f nalist, der seine Frau in der j Sozialistischen Arbeiterjugend kennenlernte, wort- I wörtlich schrieb. Und dann kommt ein Satz und eine Erkenntnis, welche die Deutschen sicher für immer erworben haben: „Heute wissen wir, wie jene gefühlt und gelitten haben, die in Deutschlands dunkelster Zeit verfolgt wurden und fliehen mussten.“ Auf dem Schiff gab es noch Verhöre und Schikanen — Alexandria war voll von Kriegsgeschrei und Ansprachen gewesen. — In Beirut schwangen sie sich auf ihre Räder — und radelten — radelten trotz quälender Hitze' nach Norden — oft verhört und oft vernommen — von libanesischen und syrischen Polizisten und Soldaten — denen eine Frau auf einem Fahrrad eo ipso verdächtig war. Im wahrsten Sinne des Wortes erreichten die Ahl. borns nach grossen Strapazen und Mühen (oft fuhren sie bis tief in den Abend hinein) — im letzten Augenblick die syrisch-türkische Grenze. In der Türkei fühlten sie sich sicher und frei. Dann erhielt ich aus der Türkei eicen ausführlichen Brief, der als nächste Anschrift die Botschaft der Bundesrepublik in Teheran nannte. Die Ahlborns haben trotz allem nicht aufgegeben . . . Erich M. Lehmann DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER M lllenky R4, — TEL AVIV — P.O.B. 4444 UM WUAt* Df IfLGIANO DEBELGRANO COOPERATIVA OE CREDITO LTD A. DESDE 1932 MERECE SU CONFIANZA iCASA CENTRAL AMENABAR 2968 AGENCIA N 'CABILDO 3102 esq. IBERA AGENCIA N° 2 CORRIENTES 2294 P. F esq. PASTEU» Horario: de 12 3 16 H$- Inscripción «ft trámite en et Reg'Stto de fr.Uóades Financieras no bancanas del Banco Central CAPITAL RL¿t.I3D0 ACTUAL $ 200.000.000. Jedenfalls schätzte Wirth den abseits stehenden Rathenau sehr und nahm ihn zur Konferenz nach Spa mit, auf der über die deutschen Reparationen verhandelt werden sollte. Obwohl Rathenau nur als Berater Wirths auf der Konferenz erschienen W'ar, wurde er zum Gegen spie1 er des deutschen Grossindustriellen Hugo Stinnes. Der von Wirth vertretene Standpunkt einer Versöhnungs- und Erfüllungspolltik setzte sich durch das Eingreifen Rathenaus durch, der mit Erfolg der provozierenden Haltung eines Stinnes entgegen trat. Im Mai 1921 wurde Rathena i zum Wirtschaftsminister im ersten Kabinett Joseph Wirths ernannt. Rathenau war nicht der erste Jude, der Reichsminister wurde Von den mehr als 200 Reichsministern, die es im Laufe der Weimarer Repuoiik gegeben hatte, bekleideten insgesamt nur sechs Juden ein solches Amt: Hugo Prei ss und Otto Landsberg im Kabinett Scheidemann (1919), Eugen Schiffer in den Kabinetten Seheidemann. Bauer und Wirth; Walther Rathenau und Georg Gradnauer im ersten Kabinett Wirth, Rathenau dann auch im zweiten Kabinett Wirth als Aussenminister, und Rudolf Hilferding, der 18 Monate Finanzrr.inister im Kabinett Hermann Muelier gewesen ist. Er war der letzte Jude, der Reichsiriinister war. Hilferding schied Dezember 1929 aus der Regierung aus. Er wurde später von der Vichy-Regierung der Gestapo übergeben... Die Krönung der politischen Laufbahn Walther Rathenaus und zugleich ihr Ende war seine Ernennung zum Reichsaussenminister, ein Amt, das er knappe fünf Monate innegehabt hat. Seine Freunde, vor allem aber seine greise Mutter, hatten ihn hiervon gewarnt. Aber Rathenau schritt schicksalhaft seinen Weg. „Es muss sein“, diese Losung entsprach seiner Gesinnung, ln dieser Grundauffassung begegnete er sich mit seinem Reichskanzler, mit dem er in einem engen Verhältnis der Freundschaft stand. Der berühmte Rechtsgelehrte Dr. Gustav Rädbruch. Professor an der Universität Kiel, der mit beiden Männern im Reichskabinett zusammengesessen hatte, schrieb in seinen Lebenserinnerungen u. a.: „Man gewann aus der Zartheit, mit der Rathenau den Kanzler behandelte, den Ein- «Iruck, dass er sich sowohl des Wertes wie der Verletzlichkeit des Mannes, der mit dem Aussehen eines gesunden Bauernburschen weit unübersichtlicher war. als er schien, sehr bestimmt bewusst war, und dass er an ihm bewunderte, was ihm selbst fehlte. Rathenau war ein Mann der Kalkulation. Wenn Wirth dagegen kalkulierte, griff er mit seiner Entscheidung leicht fehl. Wirth war ganz ausgesprochen der Mann des Instinkts, eines bei uns seltenen starken politischen Instinkte. Und so sah jeder von beiden am anderen das, was ihm fehlte und ihn zu ergänzen geeignet war.‘‘ Die kurze Amtszeit Rathenaus war mit den Eemiihungen ausgefüllt, die Lasten der Reparationen zu mindern und die Alliierten davon zu überzeugen, dass dies nicht der Weg ist, der zu einer Demokratisierung Deutschlands führen könne. Rathenaus Auftreten auf den internationalen Tagun. gen und Besprechungen führte zu einer Besserung der Atmosphäre und flösste den Alliierten Vertrauen ein. Er begann den Weg aer Rückführung Deutschlands in die internationale Völkerfamilie, der dann auf den von Rathenau geschaffenen Grundlagen durch einen späteren Reicbsaussenminister, Dr. Gustav Stresemann, weiterbeschritten und mit dem Eintritt Deutschlands ln den Völkerbund zu einem Erfolg gebracht werden konnte. Am 10. April 1922 nahm di« erste Konferenz, an der Sieger und Besiegte nach dem Ersten Weltkrieg teilnahmen, in Genua ihren Anfang. Reichskanzler Wirth, Reichsaussenminister Rat’nenau und der Chef der Ostabteilung Freiherr von Maltzan waren die entscheidenden Mitglieder der deutschen Delegation. Auch Russland war erstmalig wieder auf einer solchen Tagung erschienen, vertreten durch den Kommissar für Auswärtiges Tsehitscherin, seinen Assistenten Joffe und den Spezialisten für die westlichen Demokratien Litwinow. (wird fortgesetzt) Este Ano en la Jerusalem Unificada 10 DE OCTUBRE: SALIDA DEL PRIMER VIAJE A ISRAEL, ' AUSPICIADO POR LOS DEPARTAMENTOS DEL INTERIOR Y DE LA SEGUNDA GENERACION DE CAMPANA CONDICIONES ESPECIALES - RESERVAS LIMITADAS ★ Infórmese en Sarmiento 2376, Capital ule 10 a 20 horas T. E.: 47-1661 - 3716 - 3820 - 6803 - 6774 - 6954 AGENCIA AV1RÖN S. C. A. Fiambres Finos “FRIGUINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD FRIGUINCIA 9