Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2227 (21.7.1967)
- Date
- 1967-07-21
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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S' ■' «S. O m O c «* «M — h c « FRANQUEO PAGADO Concesión 908 SEMANA ISRAELITA EL EJEMPLAR AA en toda la República o ä ~ O “ e <o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 PUEYRREDON 2190 1* Uq. Buenos Aires Año XXVin. BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE JULIO DE 1967 N* 2*27 T.E. 83 - 2613 t Verleumdete Generation 1 Blutrichter ohne Reue BERICHT OHNE KOMMENTAR Di« „Espresso-Generation" nannte man sie: angeblich <“'ü sie*« .len Espressos herumsassen, scatt dumpfe trokken zu legen. Als die Espressos den Diskotheken Platz machen mussten waren sie Kur , .Diskothek -Generation“ avanciert. Was hat man diesen Jungen und Mädchen nicht zum Vorwurf gemacht? Sie seien unerzogen, tragen diese furchtbaren Beatles-Frisuren, Hosenbeine in Blei- Stiftbreite, sie haben nur Autos im Kopf und denken nur an sich oder daran, „was sich lohnt“. Von dem Pioniergeist der Grossväter sei nichts mehr vorhanden, für den Zionismus der Väter brächten sie nur ein mitleidvolles Lächeln auf. Politik langweilt sie, Parteien und Funktionärtum verursachen ihnen Brechreiz. Die einen denken nur an Karrieren, die anderen an „Charaka“, wilde Autojagden und Motorradlärm. Sind es tatsächlich nur wenige Wochen her, dass alle diese Burschen und Mädchen unsere Sorgenkinder waren? Ist es wirklich möglich, dass wir uns noch unlängst Sorgen darüber gemacht haben, wie diese Generation einst ohne die Väter und Grossväter auskomrrü Wie dieser Staat von ihnen erhalten, entwickelt und geführt werden kann, von diesen unerzogenen Bengeln und Unverbesserlichen Materialisten? Und siehe: plötzlich waren es die Gross Väter und Väter, die heldenhaften Pioniere und braven Zionisten, die uneigennützigen Idealisten und wohlerzogenen Staatsbürger, die sich mit dtm Gefühl der Sicherheit und des Siegesbewusstseins unter den Schutz der „Bspresso“- Und „Diskothek-Generation" gestellt hatten. Und diese Burschen mit den langen Haaren und engen Hosen er- Wiesen sich als Männer, diese materialistischen Kerle verwandelten sich über Nacht in heldenmütige Patrioten, sie fragten nicht mehr danach, was „sich lohnt", sondern taten das, was getan werden musste. Ohne Wimperzucken verliessen sie die bequemen väterlichen Wohnungen, die schützenden und von ZEEV BARTH pflegenden Hände der Mütter, verliessen ihre jungen Frauen und Freundinnen, und statt des roten Chevrolets bedienten sich sich plötzlich so unbequemer Fahrzeuge, wie es zwangsläufig nun Tanks und Raupenschlepper sind, tauschten ihren bequemen Bürostuhl in Papas Fabrik, ihre karriereversprechenden Universitätsbänke und — erwies - wenn es sich nötig - starben sie für ihn Aber auch die Väter zeigten sich plötzlich solcher Söhne würdig. In jedem Augenblick,, in dem inehr auf dem Spiel stand als die guten Geschäfte, der bequeme Posten, die fetten Pfründe, als sich die Welt zu ändern drohte, Verluste am Suezkanal Jerusalem. — Aus israelischen Quellen verlautete, dass die Israelis bei den letzten Gefechten am Suezkanal 5 Mig-Flugzeuge und einen Suchol-7-Apparat abgeschossen haben. Die von den Aegyptem erlittenen Verluste wurden auf 80 Tote und Dutzende von Verwundeten geschätzt, die in ihrer Mehrzahl zu den Mannschaften der Kanonen und Mörser auf dem Westufer des Kanals gehörten, die von israelischen Flugzeugen bombardiert und vernichtet wurden. Israel gab den Verlust eines Mirage-Flugzeugs zu, und Botschafter Gideon Raphael teilte UN-Generalsekretär U Thant mit, dass 7 israelische Soldaten getötet, 22 verwundet wurden und 22 vermisst werden. Einer der Gründe für die Heftigkeit der Kämpfe, die sich vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt des Kanals fortpflanzten, dürfte die Tatsache sein, dass israelische Schiffe von Port Tewfic aus den Kanal durchfuhren und die israelische Flagge über den Wasserp wehte, welche die Aegypter seit 1948 den Israels versperrt haben. Sowohl für Israel wie für Aegypten bedeutet die blau-weisse Fahne auf dem Suezkanal mehr als eine Prestigefrage. (ITA) für so unsichere Sitzgelegenheiten, wie sie die „Mirages“, „Mysteres“ und all diese furchtbaren, gefährlichen Dinger haben, an die kein ohaluzischer Grossvater und kein idealistischer Vater ohne Herzklopfen auch nur zu denken vermag. Sie sind also doch besser als ihr Ruf. Die langen Haare und die engen Hosen, ihre verrückten Tanzgewohnheiten und ihre Neigung zu weltlichen Gütern, all das hat sie nicht verdorben. Es stimmt, sie redeten weniger von ihrem Patriotismus, sie fanden „Lolita" als Lektüre interessanter als die Schriften Borochows und Berl Katznelsons; sie rühmten sich ihrer ehaluzischen Taten nicht, sie predigten den Zionismus nicht, dafür lebten sie ihn Rückkehr arabischer Familien Jerusalem. — Verteidigungsminister Mosche Dajan besuchte in Begleitung des Chefs der Delegation des Internationalen Roten Kreuzes, Loran Martin, die Stadt Jerusalem. Das Rote Kreuz hat sich damit einverstanden erklärt, bei der Rückkehr der Bewohner der westlich des Jordan gelegenen Gebiete, welche nach Transjordanien geflohen sind, aktive Mitarbeit zu leisten. Zur Durchführung der geplanten Aktion wurden die letzten Einzelheiten ausgearbeitet. Möglicherweise werden die Beamten des Roten Kreuzes in aller Kürze an die zur Rückkehr in ihre Wohnstätten interessierten Araber die für diesen Zweck vorbereiteten Formulare verteilen. Der Verteidigungsminister und der Vize-Generaldirektor des Innenministeriums teilten Einzelheiten über die Beschaffenheit dieser Formulare mit. Die Formulare sind nicht persönlich sondern stets für einen Familienkreis bestimmt. Folgende Angaben werden verlangt: Namen, jetziger Wohnort in Transjordanien, ständiger Wohnort in der westlichen Jordanzone, Namen der Frau und Kinder sowie deren Alter. Ferner wird verlangt, dass die Rückkehrer ihre Identität durch einen Pass oder Personalausweis beweisen. Bei der oben erwähnten Gelegenheit wurde auch die Möglichkeit erörtert, den Austausch von Gefangenen zu intensivieren. Der Vertreter des Roten Kreuzes berichtete über die Fortschritte der Verhandlungen seiner Institution mit den arabischen Ländern, in denen sich noch einige israelische Gefangene befinden.! in der sie bisher gelebt hatten, änderte sich auch die Weltanschauung. Begriffe wie „Mitun", „Krise" und „Katastrophe“ waren aus dem Vokabular verschwunden. Wer dachte noch an Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenunterstützungen? Wo blieben die Statistiken der „Unbeschäftigten“ und der „Arbeitssuchenden“? Was war mit den Handelsbilanzen, den drückenden Steuern geworden? Plötzlich schimpfte man nicht mehr, zahlte willig seine Steuern, mehr sogar als man musste, schneller als es Pflicht war, nahm Entbehrungen in Kauf, schwieg, wenn kein Kunde ins Geschäft kam und Wechsel und Schecks unbezahlt zurückkamen. Man jammerte nicht mehr über Geschäftsmoral, sondern beklebte gelassen die Fensterscheiben mit Klebestreifen, füllte Sandsäcke auf und harrte an den Transistoren des Kommenden, Der eine nahm die Einberufung entgegen, verstaute das Notwendige in die alte Reisetasche, nahm von Frau und Kindern Abschied und ging; der andere arbeitete zehn, zwölf oder auch sechzehn Stunden, ohne Zulagen zu fordern, ohne nach der Histadruth zu schreien und ohne Eshkol oder Sapir zu verfluchen. Menschen, die man gestern noch nicht ausstehen konnte, wurden plötzlich Schicksalsgenossen und Freunde Nachbarinnen, die seit Jahr und Tag kein Wort mitein. ander wechselten, sahen einander mit verlegenem Gesicht und bangem Herzen an, wenn der Postträger vorbeikam halfen einander, die Kinder schnell und ruhig in den Luftschutzkeller zu befördern, sobald die Sirenen ertöten. Waten es die Tage des Messias? Vielleicht, aber wenn sie auch nicht in alle Ewigkeit andauern werden, und wenn man demnächst wiedeT zu schimpfen und sich zu zanken beginnt, man wird es nicht mehr tragisch nehmen, vielleicht sogar liebevoll als Zeichen akzeptieren, dass die „Zeiten wieder normal sind" Denn von nun an wissen wir, dass wenn Ben Gurion und Begin einander mit wütenden Blicken durchbohren und sich die gröbsten Schimpfworte an den Kopf werfen, sie — wenn es darauf ankommt — auch einander umarmen und miteinander reden können. Was dieser Tage geschehen war, wie sie brüderlich um den Regierungstisch sassen. Eshkol und Dajan, Alon und Begin, wie sie dem Volk der Transistor-Hörer und Sandsäcke-Füller das angenehme Gefühl vermittelten, dass wir doch zueinander stehen kön nen, — all das darf nicht vergessen sein, sobald die Sandsäcke wieder verschwun den sind und man nach dem Transistor greifen wird, um die Resultate der Spiele in der Nationalliga. die Verlosung des Migal Hapajis oder das morgige Wetter zu erfahren. ★ Die Söhne, die Väter und die Grossväter — sie alle haben ihre Prüfung bestanden Gewiss, es wird wieder Reibungen geben, es werden wieder Tage kommen, in denen man unter Steuerlast stöhnen und über schlechte Geschäfte klagen wird, und die Nachbarinnen werden sich wieder zanken. Aber wir werden kaum noch lange Haare und modische Tänze als Beweis dafür erblicken, dass die „heutige Generation nichts wert ist“. Wir werden aber auch unsere Ansichten über das Ausmass der Assimilation der Juden in der Diaspora einer Revision unterziehen müssen. All die „Assimilanten", die Halb- und Vierteljuden, auch sie haben bewiesen, dass ihr jüdisches Herz an der richtigen Stelle schlägt, dass sie über alle bestehenden und eingebildeten Barrieren hinweg mit offenen Augen und offener Brieftasche, in brüderlicher Liebe und persönlicher Opferbereitschaft vorhanden waren, sobald man auf ihre Hilfe angewiesen war. Weder die Freude über den Sieg, noch die Trauer über die schmerzlichen Verluste, oder auch die spannungsvollen Tage des politischen Kampfes sollten uns diese Randerscheinungen vergessen lassen, Erscheinungen, auf die wir ebenso stolz sein können wie auf die Bravourleistung der israelischen Armee. Wohndichte in Israel Tel Aviv. — Nach einer Untersuchung des Statistischen Zentralamtes beträgt die Wohndichte in Is^ae’ im Landesdurchseh.iitt zwei Personen pro Zimmer Impreso en i* Imprenta POLIGLOTA — Rivadavta 831 Registro de i* Propiedad Intelectual N? 009.491 von HORST WINCKLER Eihatte in sieben Jahren, von I960 bis 1097, bereit* über 100.000 DM Ruhegehalt kassiert — Hitlers Kammer, geriohtsrat Hans- Joachim Rehse, als man ihn im Februar dieses Jahres plötzlich verhaftete. Jetzt steht er als Freiste re engster Mitarbeiter am NS-Volksgerichtsfiof, bei dem er in knapp vier Kriegsjahren an 231 Todesuurteilen mitwirkte, wegen juristischen Mords vor dem Westberliner Schwurgericht und meint nach 22jähriger Bedenkzeit immer noch: „loh habe mir nichts vorzuwerfen, auch heut« nicht..." Zum Volksgerichtshof kam Retv-e, um seine „eigene Vielseitigkeit“ zu erproben. Er brachte es fertig. Todesurteile in wenigen Minuten zu fällen. Er liess im wahrsten Sinne des Wortes „die Köpfe rollen". Denn: „Wir mussten den Zusammenbruch verhindern.“ Richter Geus wirft ein; „Das war doch nicht Ihre Aufgabe als Richter.“ Darauf Rehse schnodderig: „Doch, beim Volksgerichtshof.“ Aber er hatte keine Stunde das Gefühl, an einer Terrorjustiz mitzuwirken. „Ich habe niemals den Eindruck gehabt, dass das, was von mir verlangt wurde, nicht mit Recht und Gesetz zu vereinbaren war.“ Im Brusttöne der Ueberzeugung tönt er: „Ich bin kein willfähriges Werzeug der politischen Führung gewesen, kein unselbständiger Gefolgsmann Freislers.“ Oh ja, er hätte die Urteile mildem können, sagt er und gibt zu: „Es wäre mir vermutlich nichts weiter passiert, auch wenn ich nicht unterschrieben hätte.“ Er unterschrieb an einem Tage gleich eine ganze An« zahl von Bluturteilen. „Haben Sie sich dabei wohlgefühlt“, will der Richter wissen. Rehse lässt eine menschliche An- Wandlung einfliessen; Ich stand unter einer seelischen Belastung. Damals merkte man nichts davon. Er unterschrieb die Todesstrafe für einen 16jährigen Jungen, der sich in einem Brief unvorsichtig über die Staatsführung äusserte. Das Todesurteil gegen den Recnuianittaii,,uu-iui uägi.. seine Unterschrift. Von Godin war das Verfahren gegen einen Freund vor dem Volksgerichtshof wie ein „Theater- Prozess“ erschienen und er teilte diese Ansicht brieflich seiner Schwester mit. Für Rehse war das bereits eine „öffentlich« Aeusserung“, die der „Kriegskraft an die Wurzel ging.“ Aber da sei doch nicht der geringste Vorsatz naohzuweisen gewesen, meint Staatsanwalt Zippel und fragt den juristischen Fachmann Rehse: „Wenn zwei Eheleute sich im Bett in politisch abfälliger Weise über den Staat unterhalten, ist das Ihrer Ansicht nach öffentlich gesprochen?“ Rehse zögert nicht mit der Antwort: „Es kommt auf die Stärke des Vertrauens zwischen den Ehepartnern an. Haben sie sich vielleicht schon auseinandergelebt, und ist das absolute gegenseitige Vertrauen nicht mehr gewährleistet, dann muss die Aussage als öffentlich gelten." In diesem Sinne sprach Rehse bis zum bitteren Ende „Recht“, bis zu jener Zeit, als, wie er sich ausdrückt, „die' Geschäfte langsam einsohliefen“. Dann verdrückte sich der Sonderrlchter wie alle anderen und verschwieg seine Vergangenheit. 22 Jahre hatte er damit Erfolg. jetzt hofft er, als Angeklagter im gleichen Saal, in dem er 231 Mal an einem Todesurteil mitwirkte, dass ihm „Rechtsblindheit“ zuerkannt wird. Denn dann hat er nicht mit Vorsatz Un» lecht gesprochen und darf weiter eine hohe Pension kassieren, statt ins Zuchthaus zu wandern. — Erfolgreicher als die anderen haben sich Hitlers Blutrichter nach dem Kriege vor der Verantwortung drücken können. Das Urteil ln diesem Prozess wird entscheidend dafür sein, ob das auch weiterhin möglich ist. MASSENGRAEBER IN SCHLESIEN ENTDECKT Wien. — In Schlesien sind in einem Gebiet nahe der tschechoslowakischen Grenze die Leichen von rund 30 000 Männern entdeckt worden, die offenbar in deutscher Kriegsgefangenschaft umgekommen sind. Einzelheiten über die Massengräber wurden jetzt in Warschau bekannt, nachdem die polnische Kommission zur Ausklärung von NS-Verbrechen drei Jahre lang Nachforschungen angestellt hatte D e Leichen wurden in einem gewalt‘gen System unterirdischer Stollen und Gräben in der Nähe von Waldenburg entdeckt — (AWZ) Sowjetpresse heizt gegen Juden London. •— Seit Ausbruch des Konflikts zwischen den Arabern und Israel betreibt die sowjetische Presse eine wilde Hetze gegen die Juden, die in vielen Städten des Landesinnern zu physischer Gewaltanwendung ausgeartet ist. Die Juden in der Ukraine, in Georgien und im Kaukasus waren Opfer von Verfolgungen. In Georgien, so wurde berichtet, ist der Rabbiner von Schum auf seiner Rückkehr von der Synagoge von Rowdies überfallen und erschlagen worden. Die Juden in den ukrainischen Kleinstädten bemühen sich verzweifelt, Arbeit und Unterkunft in Kiew und anderen grossen Städten zu finden, weil sie sich in den kleineren Orten gefährdet fühlen. (ITA)