Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2227 (21.7.1967)
- Date
- 1967-07-21
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/9616703-9615794-9616033--4916-9616040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Viernes, 21 de Juli« de 1967 LA 8EMANA ISRAELITA Afic XXVIII. — N* 2227 AUS ALLER WELT Musik in Buenos Aires % •l i*n <u. * uH, Trauungen in England London. — Zum Unterschied von der Tendenz, di« ln den letzten Jahren vorgeherrscht hatte, — dass die Zahl der Eheschliessungen in den Synagogen Englands rückläufig war, ßetzte im letzten Jahr eine gewisse Aufwärtsbewegung ein. Im Jahre 1965 wurden von den Synagogcn-Gemeinden Englands 1766 Ehen geschlossen im Jahre 1966 waren es 1846 Davon waren 1506 in orthodoxen Synagogen, gegenüber 1427 im Jahre zuvor, und 340 in Reform- und Liberalen Synagogen gegenüber 338 irr. Vorjahr. Ueberführung nach Israel Tel Aviv. — Die Gebeine von Schalom Schwarzbart, der vor 41 Jahren den ukrainischen Pogrom'Ster, funre- Hetman Petljura in Paris getötet hatte, werden im Oktober aus Südafrika nach Israel überführt werden. V/ie au* einer Pressekonferenz in Tel Aviv mitgeteilt wurde, wer den die Gebeine in Owichajil beigesetzt werden. Gegen jüdische Reehtsanwaelte Casablanca. — Zwei jüdische Juristen wurden aus der Rechtsanwaltskamenc r von Tanger ausgeschlossen, weil sie ,,prozionistischer Gefühle“ beschuldigt wurden Eis handelt sich um Carlos de Neary, der auch ein Buch über die marokkanische Judenheit verfasst hat, und cen Advokaten Zaouni. (ITA) „ . . . COLON-OPERN- Verbrauch von Arzneien spielplan 1968 Tel Aviv. — Im Durchschnitt nimmt jeder Israeli jährlich 20 Heilmittelrezepte in Anspruch, während ein Italiener nur 11 Rezepte, ein Holländer 6.2, ein Engländer 6, ein Amerikaner 4.7 und ein Franzose 2,7 Rezepte benötigt. In Kanada Montreal. — Ueber 10.000 Juden aus Nordafrika und 8.000 französischsprechende Juden aus Belgien und anderen Ländern mit französischer Muttersprache leben jetzt in Kanada. Sie sind zumeist in Montreal, das einc französischsprechende Mehrheit hat. Der jüdische Verband in Montrea» dem alle jüdischen Organisationen angeschlossen 6ind, unternimmt Schritte zur Einordnung der Einwanderer. BabiJar-Prozess Darmstadt. — Hier wird die Untersuchung gegen die Kriegsverbrecher von Bab* Jar geführt. Zwischen Juni 1941 und FTrühjahr 1942 wurden in Babi Jar 80.000 Juden von Kiew erschossen. An geklagt sind vorerst 10 SS- Männer. sie werden beschuldigt, 34000 Personen umgebracht zu haben. Obwohl von den deutschen Behörden die Vorgänge an Orter., wo Juden massenweise erschossen wurden, systematisch untersucht worden sind, .st es jetzt das erste Mal, dass SS-Männer iden'ifizäert werden konnten, die in Babi Jar ihre Tätigkeit ausgeübt haben Bisher war bekannt, dass Zum Zeichen dafür, wie dynamisch das neue Direktorium arbeitet, wurde in einer Pressekonferenz schon jetzt die bereits feststehende Opernsaison für das kommende Jahr bekanntgegeben und gleichzeitig gesagt, dass man sehr aktiv mit der Vorbereitung der Saison 1969 beschäftigt sei. Als Herbstauftakt wird Jaromir Weinbergs , Scbwanda, der Dudelsackpfeifer“ geboten werden, und in der offiziellen Wintersaison wird das bonaerenser Opernpublikum folgende Werke darunter mehrere Erstauführungen, gemessen können: ..Catarina Ismailova“ (Shostakowitseh), ,,Katia Kabanova“ (Janacek), ,,Luisa Miller“ und ,,Aida“ (Verdi), ..Cavalleria Rusticana“ (Mascagni) zusammen mit „B Pagliacci“ (Leoncavallo), ..Carmen“, (Bizet). „Padmavati“ (Roussei), „I Quattro Rusteghi“ — die Aktion vom SS-General Paul Blobel durchgeführt worden war, der im Jahre 1951 von den alliierten Gerichten als Kriegsverbrecher hinge* jchtet wurde. Blobel war auch der Kommandant der Sondereinheit 1005, die auch in anderen Gegenden der von den Nazis besetzt gewesenen Teilen Europas tätig war. Blobel hatte /on Berlin aus den Befehl erhalten, alle Spuren der Verbrechen zu filgcn. Zum Prozess, der noch in diesem Jahre stattfinden wird, sind 120 Zeugen vorgeladen. HARDI SWARSENSKY: Walther (LEBEN, WERK UND WOLLEN) [, -jdie 4 Grobiane — (Wolf-Ferrai ), „Butterfly“ (Puccini), „Julius Cäsar“ (Händel), „Za über flöte“ (Mozart), „Die schweigsame F*rau“ (Richard Strauss) und — anlässlich ihres 100. Geburstages — „Meistersinger“ (Wagner). Voraussichtlich wird als argentirösche Oper Juan José Castros „La Za pater a Prodigio6a“ — die launische Schusterin — (Juan José Castro) wiedereinstudiert. Am Saisonende figuriert „Die Liebe zu den drei Orangen“ (Prokofieff), und die vorausgehende Sommerspielzeit besteht aus ,.I1 Matrimonio Segreto“ — d*e heimliche Ehe — (Cimarosa) und Mozarts „Die Gärtnerin aus Liebe“, hier auf italienisch als „La F*inta Giardiniera“ auf geführt. Fest engagiert wurden die Dirigenten F*rancesco Molinari-Pradelii, Georges Pretrs und Vaclav Smetacek, während Bruno Bartoletti. Ferdinand Leitner und Karl Richter ihre vorbereiteten Verträge noch nicht bestätigt haben. Von der Siingerschar haben bereits ihre Kontrakte unterschrieben: Grâce Bumbry < Die schwarze Venus von Bayreuth), Maureen Forrester, Luisa Maragliano, Ruth Margret Pütz, Jamiiia Rudolfoca, Grazieila Sciutti, Beverly Sills, Carlo Bergon. zi, Wladimiro Ganzarolli, Sandor Konya. Otakar Kraus, Comell MaoNeill, Robert Merrill, Gustav Neidlin. ger, Nicola Rossi-Lemeni und Jon Vickers. Eis stehen noch 2ur Unterschrift aus: Martina Arroyo, Joan Carlyle, Helen Donath Lyne Dourian, Renate Holm, Gabriella Tucci, Claire Wat- Komoedie am Napoleon Der Expressionist Georg Kaiser hat auch „Napoleon in New Orleans“ geschrieben, eine einfache handfeste Gauner- Komödie, die durch g legentlieh als Blitzlichter aufgesetzte weltanschauliche Sentenzen gewürzt ist. Einige Strolche spiegeln einem verstiegenen Napoleon-Verehrer vor, dass in St. Helena ein falscher Napoleon sitze, während der echte nach New Orleans gekommen sei. Der Erfolg des Abends ist in erster Reihe dem Regisseur Prof. Werner Kraut zu danken. Gestützt auf ein hübsches und stimmungsvolles Bühnenbild, von Monika Bauert geschaffen, wirbelt er seine paar Schauspieler ir„ ständiger Bewegung, stellt eindrucksvolle Gruppen zusammen, sorgt dafür, dass jedes Wort und jede Geste sitzt, und ist um wirkungsvolle Gags nie verlegen. Eine grosse Leist ung! F*eter Schlapp ist der heruntergekommene Mime, der Napoleon dastellt Schlapo ist einen Kopf grösser und son, Carlos Alexander, Renate Cesari, Carlos Cossutta. Fdanz Crass, Hermann Frey, Peter Schreier Norman Treigle, Gerhard Unger und — last but not least — Richard Tucker. Man ersieht aus den ausgesuchten Werken und aus den Namen der verpflichteten Künstler, dass die neue Colóndirektion ernsthaft bemüht ist, unser Opernpublikum zu erlesenem Geschmack zu erziehen, und dass sie unter den Interpreten vom Guten das Beste ausgesucht hat. Curt B. M. Weissstein schmaler als Napoleon. Auch sein Gesicht hat nur entfernte Aehnlichkeit mit dem des Kaisers. Trotzdem glaubt man ihm den Napoleon. Nicht nur der betrogene Baron tut es; auch die Zuschauer meinem. Napoleon könne mit so energischen Handbew gun. gen agiert, in so schneidendem Belehteton gesproenen und, vor allem, mit so raschem und hartem Schritt seine Umgebung überraent haben. Gekonnt und wirkungsvoll! Zwei in ihre Dirnen verliebte Tagediebe stellten seine Marschälle dar. Jörg Holm, der geistige Kopf des Gauner-Trios, raisonnierte so eindrucksvoll, dass er ■dem Baron jeden Schwindel erfolgreich einredete. Raimond Harmstoriin einer Rolle, die ihm besonders lag, war der wilde Haudegen und grosse Säufer und Liebhaber. Hannelore Schönfeld und Wiltrud Tschudi waren die Damen der Spelunke und ebenso auch die Damen der vornehmen Weit vom Hofe des Kaisers, sehr eindrucksvoll auch in den blitzschnellen Verwandlungen, Rudolf Geske war der reiche Baron, dessen Napoleon- Leidenschaft schnöde ausgebeutet wird Mit dem gläubigen Lächeln des schwärmerischen Narren und den trostlosen Augen, die den Spuk und ihren Irrtum kaum begreifen können. Katharina Herberg, diese feine Sprecherin mit dem gew.nnenden Lächeln war als Tochter des Barons und Gattin das falschen Napoleon die einzige Lichtgestalt. Die Aufführung gefiel gut. Es gab Beifall und Vorhänge Dr. Karl Kost (5. Fortsetzung) Rathenau wusste, dass seine frühen Auffassungen über den Weg der deutschen Juden von der Mehrheit nicht getei’t wurde. Er blieb isoliert auch wenn viele ihn auf such ten und stolz darauf waren, die Bekanntschaft mit dem seltsamen Mensehen gemacht zu haben, dessen glanzende geistige Gaben ihn aus dei breiten Masse der Intellektuellen hervorhoben. Dennoch war und blieb Walther Rathenau ein einsamer Mensch, einsam in seinem Suchen und Forschen, einsam in seinem Denken und Fühlen, einsam auf dei Höhe seiner äusseren Erfolge, deren Veigänglichkeit er wohl selbst besser als irgendein anderer erkannt hatte. Wenn?r au* h von den Ideen abrückte, die er nie Dreissigjähriger in „Höre Israel!!“ geäussert hatte, der Wunsch, ganz im Deutschse’n und nicht nur im Deutschtum aufzugehen, beherrschte ihn bis zu seinem finde In einem späteren Gespi i'.ch (April 192?), das er mit Einstein und Kurt Blumenfeid geführt hat, erklärte Rathenau auf einen Einwand seiner Gesprächspart’ er- , Irl durchbreche die Barrieren, mit deren die Antisemiten uns isolieren wollen“ Jedenfalls sprach er damals auch von „uns“; er betrachtete sich also 'als ein GVed de- Gemeinschaft, der er sich niemals hat ent ziehen können und ... wollen. Der Erfolgreiche Nach dem erfolgreichen Abs hlnss seiner Universitätsstudien verliess der 22iäh- •ige Doktor der Naturwissenschaften Ber in, arbeitete hart in einer kleinen Fabrik - itadt Mitteldeutschlands und gründete ei le Anzahl von Unternehmungen die nach längerer Anlaufzeit prosperierten Ratheaau fasste den Beschluss, sich von der Industrie zurückzuziehen und der Literatur zu widmen Damals schlug ihn aber die AEG vor, ins Direktorium einzu'jeten unr, dJe Abteilung für den Bau von Zentralst* tionen zu übernehmen. Rathenau nahm dieses Angebot an und baute Zentralen u. a ln Manchester, Amsterdam Baku und Buenos Aires. Die Aemter, Pusten und Aufgaben nahmen in schnell-r Fo’ge zu. 3c trat er neben anderen Funktionen, die w übernahm, in6 Direktorium einer der Li ross banken ein, der „Berliner Handels* itsellschaft“. Mit seiner Rückkeh nach Berlin setzte auch der gesellschaftliche Aufstieg Rathenaus ein, wo er in enge Verbindung mit den Bankiers, der Hofgesellschaft und mit dem Kaiser kan*. Von Rathenau schrieb man: „Wer W'alther Rathenau in diesen Jahren gekannt hat, wird sich eines schlanken, sehr grossen junser, Mannes erinnern, der durch seine anormale Kopfform, die mehr negerhaf*: als europäisch aussah, auffiel: tiefliegende, kühle, rehbraune, langsame Augen, gemessene Bewegungen eine tiefe St.n.me, ein*- Pastorale Sprechweise bildeten die etwas urerwartete, künstlich wirken le Fassung für eine blitzende G:dankenfü!le. Man stiess auf ihn in der Hofgesellschaft wo jeder jeden kannte, zunächst als Fremden, aber wenn man ihn einmal bemerkt ha^-te, vergass man nicht sein Aussehen und auch nicht den eigenartigen E* .’druck, der von ihm ausging: den einer massiver Kraft und zugleich irgendeine! Scivwiicr*e .. Er war interessant und etwas g». reimnisvoll Man konnte bei seinem Anblick an Stendhals Julien Sore.' mit seinem dunk*en Rock und bohrenden Augen denken, oder auch als Gegenbeispiel, an einen anderen jungen Juden der siebzig Jahre früher in einer anderen ..Gesellschaft“ mit einem ähnlich blitzenden Geist, aber in einer goldgestickten türkischer. Weste und mit Ohrringen, seinen Auftsieg begann: Benjamin Disraeli. Bei Rathenau glitzerte nur der Geist, der Ge’st und die Ueberfülle von Bildern und Vergleichen, wenn er plauderte. Gebärden und Haltung, ebenso die gepflegte, aber immer unauffällige Kleidung deuteten auf die wohldurchdachte Absicht, der militärisch einfachen Linie der preussischen Hofgesellschaft eine eigene, noch schlichtere entgegenzustellen.“ — Ob dieser Vergleich Rathenaus mit Disraeli zutreffend ist oder nicht mag hier dahingestellt bleiben. Immerhin gab es einen wesentlicher* Unterschied zwischen diesen beiden in ihrem Wesen so ungleichen Männern: Disraelis ,, Judenfrage war mit der Taufe gelöst, Rithenau ist ■ mmer Jude geblieben, so kritisch er selbst und so unzufrieden er selbst mit sieh und seinem Judesein gewesen sein mag Auch n der Hofgesellschaft biieb sich Rathenau , seines Judentums in jedem Augenblick gewusst Er verleugnete es nicht, senden uug es eher wie ein gewähltes Anderssein, eine Auszeichnung, die die Aufmerksamkeit auf ihn lenkte urvd ihm sonst verschlossene Türen öffnete.“ (wird fortgesetzt Äs Fifi Jte-, , WAS ZERSTOERT wurde, muss wieder aufgebaut werden. — Das war einst die Nationalbibliothek auf dem Skopus, die jetzt renoviert wird. AUFBAU - ARBEIT - FURTSCHRITT KEREN HÁJESS0D COMITE CENTR0EUR0PE0 DE LA CAMPANA UNIDA (Keren Hajossod^ SARMIENTO 2376. HL — T. E. 47-382C