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Jüdische Wochenschau · 1967-07-07 · 2225 (7.7.1967) · p. [Seite 7]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2225 (7.7.1967)
Date
1967-07-07
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Viernes, 7 de Juli« de 1967 LA SEMANA 18RAELITA Año XXVIII. — N" 2225 — 7 >Vk 'i «ti u.tlk Unter fSpSäÄ ïîiti* S^¡ Sr* JndeJ^nuit. •*t5f VG Afile. '«fe Si •*S5* 3851 51 " 72-2725 Í£R RRt'nPR, LA:n *■>«<■. »reits ftfhrer* *r Steile an». "¿£*1 un«» ddge-Tg an, >d« Verdi«, ®Uf Seit«?» Jul IA (Y eg zihwr HARDI SWARSENSKY: Walther Rathenau (LEBEN, WERK UND WOLLEN) (3. Fortsetzung) Es mag merkwürdig sein, dass der erfolgreiche Vater aul seinen Sohn Walther >ik»ht den grossen rinfluss gewonnen hat, den man häufig vermutet. Der Sohn stand in seinen Entwicklung«- und späteren Reiie.jahren n einem unverkennbaren Gegensatz zum Vater, von dem der ehrgeizige Walther nicht abhängig sein wollte Aber auch die Konzentrierung auf da.- eine geschäftlic-h-wirtschaf fliehe Ziel, das den Vater. Emil Rathenau, dem er sein Leben und sein Lebenswti k widmete, behagte dein Sohn Walther Keinesfalls Schon hierbei zeigte sich Irin» eine Zwiespältigkeit des Charakters, um dessen Formung der vielseitig begabte Walther Rathenau Zeit «eines Lebens gerungen hat und an siet selbst arbeitete. Einen weit grösseren Einfluss als der Vater hatte die Müder Mathilde, Tochter des Frankfurter Bankiers Nachmann. Sie war schöngeistig, sentimental romantisch, liebte Musik und verstand es, 5bren Sohn mit zielsicherer Kl »gheit an sich zu fesseln, während zwischen Vate, und Sohn häufig Reibungen und Verstimmungen vorkamen. Von der Mutte.' hatte Walther die Sehnsucht nach Schönheit, nach Kunst, nach Forschen über den Sinn und Inhalt des Lebens, Das Goethe-Wort: ,,Vom Vater hab’ ich die Statur Des Lebens ernstes Führen Vom Mütterchen die Frohnatur Und Lust zu fabulieren“ dürfte man mit Recht auch auf die Rothenaus an winden. Früh beginnt Walther Räthenau damit, si.ne Gedanken, Gefühle und Hoffnungen niederzuechreiben. Früh spielte die Tatsache dass er als Jude geboren wurde, ein erhebliche Rolle in seinen Gedanken und findet in seinen Schriften und Aufzeichnungen Niederschlag. Dem Dichter Hugo von Hoffmannsthal, der aus einer jüdischen Familie stammte, erklärte Rathenau einmal den Sinn der jüdischen Geschichte w;e er ihn deutete: -..Sehen Sie. das ist so: der hebe Gott hat es bei der Erschaffung der Welt gemacht wie ein guter französischer Koch, der eine Zutat, die er am Abend zum Diner braucht, ifhon am Morgen vorbereitet. Er hat sien den Luxus gestattet, «ine Portion reinen Geistes, eine bestimmte Masse Hirnsubstf-nz in einen Topf zu tun, zu versiegeln and zwei Jahrtausende sozusagen in die Tiefe des Meeres zu versenken. In ihren wasserdichten Topf hat er ihr nur ein Buch, ein einziges Buch mit gegeben und sie ,m übrigen hc rmetisclabgeschlossen gegen die übrige Welt unJ in sich fermentieren lassen. Was ist die Folge gewesen? Zweitausend Tahre bat d’ese Masse Geist immer wieder dieselben- Gedanken bis zur -iussersten Verfeinerung rnd Kompliziertheit durengedaeht Ma.i hat über jeden Satz der Bibel Kommentare geschrieben und Kommentare zu den Kommentaren, und Kommentare zu den Kommentaren der Kommentare Eine rie fige Wissensmenge häufte sieh um das eine Buch an. die nur wenige beherrschen konnten. Abe^ von ¿eit zu Zeit erstand so einer, und dann wallfahrte men zu ihm von Cordoba nach Krakau oder von Posen nach Lissabon Die Macht und das Ansehen des Geistes, dieses ganz unpraktischen, aber aufs höchste verfeinerten und komplizierten talmudischen Geistes, wuchs auf« höchste. So bildete sich eine intellektuelle Form, die dann am späten Abend d:r Zivilisation für unsere heutige Welt, unser heutiges internationales Wirtschaftsleben unentbehrlich wurde Ohne sie ist die mode' ne Weltwirtschaft undenkbar.. Die Juden sind das Salz de* Erde; aber sie wissen, was geschieht, wenn man zuviel Salz nimmt...“ — Trotz aller Versuche einer Distanzierung fühlte sich Rathenau irgendwo doch geistig als Glied dieser Gemei>'schaft, die das Salz der Erde nach seiner Meinung bildete. In seinem Aufsatz ..Staat und Judentum“ sagt er; ,,In den Jugendjahren eines jeden deutschen Juden gibt es einen schmerzlichen Augenblick, an den er sich zeitlebens erinnert: wenn ihm zum ersten Mal vollbewusst wird, dass er als Bürger zweiter Klasse in die Welt getreten ist, und dass keine Tüchtigkeit und kein Verdienst ihn aus dieser Lage befreien aarn.“ Hier hat Rathenau selbst jenen gewaltigen Konflikt mit schlichten Worten darge stellt, an dem sein eigenes Leben zerorochen ist. Kein Verdienst und keine Tüchtigkeit, selbst nicht diejenige eines Walther Rathenau, konnte über diese Kluft hinweghelfen, die ihn doch letztlich — ganz gegen seinen eigenen W’den — au der einfachen Tatsache scheitern Hess, dass er in Deutschland als Jude geboren wurde. — (wird fortgesetzt) Musik in Buenos Aires Juilliard-Streichquartett Das nordamerikanische Kammermusik-Ensemble, der gleichnamigen newyorker Musikhochschule dozentisch verbunden und aus künstlerisch gleichwertig hohen, dem Temporament .iedoch ausserordentlich verschiedenen Musikern zusammengesetzt, machte bei seinem hiesigen Deburt einen ungewöhnlich guten Eindruck. Das ,,Mozarteum“ zeichnete für die drei Rezitale verantwortlich, welche die Vereinigung im Museum Arte Decorativo“ und im Colón gaben Aus Platzmangel müssen wir uns leider begnügen, zusammenfassend festzustellen, dass die Klassiker zwar sehr respektvoll, nicht aber in der Auslegung und Ausdeutung vollendete Wiedergaben «•fuhren, wenngleich im Beethovenrez'ta! das Opus 130 b-dur. mit der als Abschluss gebotenen „Grossen Fuge“ hierin eine Ausnahme bildete. Während Schuberts posthumes Quartett d-moli „Der Tod und das Mädchen“ tonschön, wenn auch eigenwillig erk.ang, verdient als unstreitiger Höhepunkt aller Darbietungen die ausserordentlich schwierig zu inter pretierende, 1927 entstandene „lyrische Suite" von Alban Berg anerkannt zu werden, deren vollendetes Spiel für unsere Saison als musikalische Tat bezeichnet werden muss. Wiltok! Malcuzinski Der polnische einst der Meisterklasse angehörende Pianist treibt wieder in unseren Konzertsleän sein We- NEUE BUECHER Geschichte der Schweizer Juden von Augusta Weidner- Steinberg. iierausgegeben vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, bearbeitet und ergänzt von Florence Guggenheim-Grünberg. — Um es vorwegzunehmen, hier liegt ein Geschichtsbuch vor, das Anspruch auf weltweite Beachtung erheben kann, nicht nur weil die schweizerischen Juden sich stets für die Gesarr,taufgaben de6 Volkes eingesetzt haben, sondern weil dieses Buch von wissenschaftlichem Rang zugleich auch vom Schicksal der Juden in Europa über die engen Landesgrenzen hinaus aussagt. August Weidner- Steinberg, 1932 verstorben, hat dieses Manuskript als ihr Lebenswerk zurückgelassen, das dann von einer zweiten bedeutenden jüdisch-schweizerischen Historikerin, Florence Guggenheim-Grünberg überarbeitet und zuende geführt worden ist. Der Versen. Sein soigniert gepflegtes Haar, seine enorm elegante Kleidung verfehlen auch jetzt nicht hre Wirkung auf die hauptsächlich aus Damen bestehenden Auditorien,die beim blossen Erscheinen des Klavierspielers in ekstatis?hen Beifall ausbrechen Künstlerisch hat er zumindest seinen letzten Besuchen gegen, über rieht mehr an Niveau verloren. Die aus dem Publikum stammende Bemerkung, er habe für jeden der 3.500 Besucner des überfüllten Colön eine falsche Note gespielt, ist jedoch offenbar übertrieben. Cwt B. M. Weissstehl band der jüdischen Gemeinden in der Schweiz hat 6ich entschlossen, dieses Werk als ersten Band der Geschichte der Juden in der Schweiz vom 16. Jahrhundert bis nach der Emanzipation herauszugeben, während der 2. Band der Emanzipation bis in die neueste Zeit gewidmet sein soll Er wird voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinen. Leben und Leiden der Ju den bis zu ihren bitteren Kämpfen um Gleichberechtigung, die sie in der .liberalen Schweiz“ erst später als in den westlichen oder zentraleuropäischen Ländern, selbst im „finsteren“ Preussen erhalten sollten, das zeitweise sogar der Wortfiih rer der jüdischen Gleichberechtigung war, werden mit grosser Akten- und Sachkenntnis bis in alle Einzelheiten dargestellt. Die Geschichte der beiden ,, Judendörfer“ Endigen und Lengnau spiegeln das unermessliche Unrecht des tief eingewurzelten schweizerischen Judenhasses wider, durch welchen erst lange nach den anderen europäischen Staaten der schweizer Judenheit d'e Gleichberechtiung gegeben wurde. Geschichtsbücher sind meistens Nachschlagewerke, in denen man Information. Belehrung und Orientierung sucht. Dieses Buch aber ist in einer so lebendigen Fhrm geschrieben, dass es sich „wie ein Roman“ liest, ein nicht immer erfreulicher, aber er schildert das Leben der Ju den in der Schweiz, ihre Hoffnungen, Kämpfe und Enttäuschungen mit vielen wissenswerten Einzelheiten. Gemeinden und Vereine (Fortsetzung der Vereinsnachrichten von Seite 6) Sonnabend, den 22 Juli, in unserem Heim statt. Wie im vorigen Jahr wird ausser dem Café-Gedeck ab 16 Uhr gegen 20 Uhr ein kaltes Aoendbrot gereicht und kann das Spiel dann auch am Abend fortgesetzt werden. Wir hoffen, dass auch in diesem Jahr diese Neuerung be< unseren Mitgliedern und Freunden Anklang finden wird. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen und wir bit ten unsere Mitgheder und Freunde, diese bei unseren Vorstandsmitgliedern, den Herren und Damen der Bruder- und Schwesternschaft i und ln unserem Sekretariat anzuf »rdern. Tischreservierungen werden bereite in unserem Sekretariat entgegengenommen und wir oitten. die Bestellungen hierfür umgehend vornehmen zu wollen VORTRAG Dr. HARDI SWARSENSKY Ueber das Thema „Israel nach dem Krieg“ spricht Dr. Hardi Swarsensky am Montag, den 17. Juli, imi 20 Uhr 30 auf einer Veranstaltung der Einheitskampagne die in unserem Heim stattfinden wird. Dr. Swarsensky befindet sieh gegenwärtig noch in Israel. OEKONOM1E: Unser Oekonom empfiehlt sich zur Ausrichtung vor Festlichkeiten sowohl in unserem Heim als auch in Ihrer Wohnung. Lieferung von Torten, Kuchen und Canapés und kalten Platten Ebenfalls jeden Sonntag Mittagstisch von 12—14 Uhr. L I. F. A. ARAOZ 2854 — Buenos Aires Meisterschaft 1967 Die erste Runde der diesjährigen Spielzeit orachte gleich einige überraschende Ergebnisse: NCI — SIJA 1:1 Macabí Hazair — Bar Kochba 1:0 Bet Israel — J. N Bialik 1:1 Aciba — Oriente 1:1 Macabí — CASA 1:1 J. Weizmann — Bet Am, Lands 2:0 Die Spiele werden am 16 Juli fortgesetzt. I: J :*m * ' ( i Das kürzlich errichtete Monument zur Erinnerung an die Opfer im Konzentrationslager Auschwitz. , K£R£n K£yem£T| CEtSRJieC pp InxD P, "iKIiW*« COMITE CENTROEURortu Corrientes 2294 — VI. Stock — 1. E. 48-3695, 48 5683 Gemeinsame Kulturveranstaltung mit B>et Israel Wir laden alle unsere Freunde zu den» hochinteressanten Bild-Vortrag unseres geschätzten Vizepräsidenten, Chawer Werner Rosenberg ein, welcher gemeinsam mit „Bet Israel““ in deren Saal, Cramer 2070 am kommende»'. Mittwoch, den 12. Juli urr 20.30 Uhr unter dem Titel: Israels letzte Tage vor Kriegsausbruch in Wort und Bild — Tage der Krisis in New York — Briefe dieser Tage aus Israel veranstaltet wird. Wir erwarten die Beteiligung aller unserer Freunde zu diesem interessanten, von wunderbaren Aufnahmen begleiteten Vortrag unseres Chawer Rosenberg, der vor kurzem von seinem Israel-Besuch zariiekgekehrt ist. AUS UNSERER ARBEIT BESTE BUECHSEN IM MONAT JUNI: Max Böniger, Susy Chauol, Alfredo und Monica Goldsehläger, Rodolfo Haas, Enrique Heine mann, Norberto Korn, Juan Levi, Juan Oppenheimer, Horst Spangenthai, Adele Suess. Colegio „Tarbut“, Wolf Wartelsky Siegfried Weinstein, Cariota Katz de Zwass. Wir danken allen unseren Freunden. Pflanzt Bäume bei jeder Gelegenheit aus Solidarität mit Israel im „Bosque Inder pendencia Argentina“! Blumenabioesung in Form von Glückwunsch« sowie Trauer - Telegrammen und Baumdiplomen bei jeder Gelegenheit bitten wir unter folgenden Telefon-Nummern aufzugeben: 70-4696 Sra. Blumenthal 11—13 Uhr 64-2963 Sra. Lubascher 54-3209 Fr). Wertheimer 48-5683 Sekretariat 48 3095 Nach dem KRIEG muss der FRIEDEN gewonnen werden Vergesst das nicht!! COMITE CENTR0EUR0PE0 DE LA CAMPANA UNIDA (Kcr«n Hajessod) SARMIENTO 2376. DL — T. E. 47-382C

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