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Jüdische Wochenschau · 1967-06-16 · 2222 (16.6.1967) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2222 (16.6.1967)
Date
1967-06-16
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE WOCttCil) JûxJkmxuta^sAjaelUa PUEYRREDON 2190 — 1* izq. Ano XXVIII. BUENOS AIRES, VIERNES 16 DE JUNIO DE 1967 T. E. 83 - 26 1 3 N» 2222 Kampf für die Menschheit Israel hat in einer Woche ein besonderes Blatt in den Annalen der Menschheitsgeschichte geschrieben Was sich im Vorderen Orient in wenigen Tagen abgespielt hat, kann in seiner ganzen Bedeutung heute noch nicht abgeschätzt werden Sicherlich ist es auch zu früh, be reits jetzt zu endgültigen Schlussfolgerungen zu gelangen. Aber die Umrisse heben sich bereits ab, sodass es nicht zu gewagt erscheint, ei nige Gedanken und Auffassungen mit allen Vorbehalten zu äussern, die diese Stunde gebietet. I. Die erste Phase Wenn nicht alles täuscht ist die erste Phase der blutigen Auseinandersetzungen am Ausgang des letzten Schabbat beendet worden. Die Waffen haben gesprochen Die allgemeine Hoffnung darauf, dass keine Menschenleben mehr verloren gehen, dass der Krieg als solcher abgeschlossen ist, erfüllt nicht nur unser Volk. Die meisten Menschen stehen voller Bewunderung vor einem neuen „Wunder“. Das kleine Israel hat eine Welt überwunden, hat Länder besiegt, die an Territorium und Bevölkerung weit überlegen sind. Es gibt kaum eine Möglichkeit, die Grössenverhäitnisse gegenüberzustellen. Die folgende Tabelle mag das f deutlich machen: von JEHUDA GOTTHEIMER und Steinen, in Karst und Sümpfe verwandelt Aber nicht nur der Boden war verödet. Auch die Juden hattet sich durch ihre lange Wanderung über viele Länder zu einem heimatlosen Volk verwandelt ■ Aus den den zu hohen Preisen, wollte aber die Frucht dei gewaltigen Anstrengungen der jüdischen Pioniere durch Gewalt, durch Raub und Mord an sich reissen, während nie türkische Verwaltung nicht imstande und nicht nteress'ert Israelische Patrouillenboote im Golf von Akaba einstigen Ackerbauern wurden Händler, aus den freien Bürgern eines Staates, die den Boden bearbeiteten und ihn verteidigten, waren die „Träumer des Ghetto“ ge vor. den, aus den verängstigten Land Oberfläche in qkm Bevölkerun' Aegypten. l.OOO.UOO 30 000.000 Syrien ....... 185. (»00 5 500.000 Algier.. » 2.300.000 12.000.000 Transjordanien ... 97.350 2.000.000 Irak. " 444.400 7.200.000 Saudi Arabien . . . 2.253.000 8.000.000 Kuwait . ...» % 15.500 250.000 Sudan-, . . . .. . 2.500.000 £.100.000 8 795.250 74 050.000 Israel. . 20.700 Z 600.000 Wenn man diese Grössenverhältnisse betrachtet, ist man wirklich geneigt, von einem Wunder zu sprechen Aber mit dieser Erklärung allein dürften wir das Geschehene nur oberflächlich analysiert haben. II. Der Faktor „Mensch“ Das jüdische Volk ist in sein Land zurückgekehrt. Seit den Anfängen der modernen Kolonisation standen die neuen Einwanderer ungeheuren Schwierigkeiten gegenüber Das Land war beinahe 2 000 Jahre verwahrlos*' woroen. Misswirtschaften und die Entführung des natürlichen Reichtums des Bodens, der Rauboau am Baumbestand und der Ackererde, der Wasserquellen und der sonst’gen Bodenschä tze haben das Land, von dem es hiess, dass Milch und Honig dort /dessen, n eine Wüste von Sand Ghetto-Menschen hatte die Emanzipation Intellektuelle. Grosskaufleute und Industrielle gemacht, die ihre Verbindung mit dem Boden verloren .atten. Die W'edergeburi des Volres auf seinem Boden, die Erziehung der Händler und Tnteüekf> eilen zu Bauern und Arbe tern, das war eie langer und schwieriger Prozess, vor allem in einem Lande, das selbst erst wieder zu neuem Leben gerufen werden musste Das jüdische Volk brauchte lange Jahrzehnte, um diesen Prozess zu begreifen und die Rückkehr ins Land der Väter als eine eigene Sache zu betrachten Die ersten Pioniere waren nicht nur seelisch und geistig sie waren auch wirtschaftlich isoliert. Die Mittel waren begre* zt, die Hilfe von aussen, von 1er jüdisonen Welt w’ar gering Die Umwelt wai feindlich gesinnt. Sie verkaufte zwar den ausgetrockneten, leblosen bo¬ Keine USA-Flugzeuge Washington. — Laut Enthüllungen eine nordamerikanischen Zeitung revidiert das State Department gegenwärtig das USA-Programm für militärische Hi’fe und Waffen Verkäufe an die Mitteloststaaten ,,B ntimore Sun“ teilte mit, dass die Israel im vergangenen Jahr versprochenen leichten „Skyhawks“- Bomber „niemals geliefert worden sind während Transjordanien fünf Schulungsapparate vom Typ F-704 erhalten nat“. Transjordanien sollte auch 36 Ueberschall- .Starfighters“ bekommen. Die Lieferung dieser Flugzeuge sowie der für Israel gestimmten Skyhawks wird jetzt neuerlich „geprüft“, wie es heisst. iITA) war, den Siedlern Schutz zu gewähren. So mussten die ersten S ed ler wie die heutigen Bürger Israels in der einen Hand den Pflug in der anderen aber das Schwert halten Aus den Händlern und Zwischenhändlern, aus den europäischen Advokaten, Aerzten und sonstigen Intellektuellen waren Bauern, Arbeiter und Soldaten geworden Ein neues jüdisches Volk formierte sich langsam zum heutigen Israel. Jeder Bürger des Lardes wei--s, vofiir er arbeitet, wofür -t kä.npft. wofür er lebt, wofür er leidet Ein Volk mit einer hohen menschlichen Moral mit grossen geistigen und kulturellen Aspirationen, mit rinn unbeugsamen Willen in Freiheit und in Frieden auf seinem eigenen Boden zu leben, trotzte einer unfreundlichen Mandatarir.acht verteidigte seine Rechte gegen eine feindliche Umwelt, gründete seinen Staat und schützte ihn jetzt, als sich die gegnerischen Gewalten in einer „zwe ien Runde“, wie sie es nannten, er neut anschickten, der>. Staat, das Land und das Volk Israel zu zerstören. Aber die hohe menschliche Moral der Willen zum Leben und der Glauben an die Zukunft unseres Vo'kes, Laudes und Staates erfüllten jeden Bürger, jeden Soldaten, jede Frau, jedes Kind Sie alle gemeinsam ermöglichten das Wunder, dessen Zeugen wir gewesen sind III Jerusalem Unter grossen Opfern erkämpf ie sich die israelische Verteicigungs - Armee nach dem Angriff der Transo^danier die Altstadt von Jerusalem. hie Bezeichnungen „alte“ und .neue“ Stadt treffen den Tatbestand nicht genau Denn es gibt nur ein Jerusa lern, die alte Stad/ mit der Klagemauer dem Symbol des jüdischen Volkes die St«dt. in we.cher einst der Tempel Salomos stand dessen einziger, die Zeiten überlebender Bestandteil die Klagemauer ist Uns neue, aas modevne, das auf blühende Jerusa'em isf nicht das Jerusalem der Inbrunst und der Gebete, ¿er Geschichte und der Träume unseies Volkes gewesen Dass wir endlich in Jerusalem Einzug halten könren was uns im Befreiungskrieg verwehrt bleb. is/ ein überwältigendes Ereignis, dessen Grösse unter der, Eindruck dei kriegerischen fvrfolge end im Läim der Schlachten noch nicht ganz ins Bewusst ein getreten ist. Wei n nach der Befreiung Jerusalems der President Shazar, der frühere Premier Ben Gurion, der Verte* digungsminister Da van neben vielen frommen Männern und einfachen Soldaten zur Kla gemauer schritten um bort zu beten und zu verweilen, so darf man hierin eine weitere Erfüllung unserea Träume und Hoffnungen erblic' en. Das ist das Wunder des Glaubens eines Vo'kes an seine Sendung an seine Geschiehte. an seine Aufgabe, an sich selbst IV Die grosse Politik Der ägyptische Präsident Nasse’-, der Jahre hindurch immer wieder schreckliche Drohungen gegen Israel ausgestosseii hat, verlangte 'en Rückzug der UN-Trup;.en aus Gaza und Sharm el Scheich, (Schluss auf Seite 2) Araber Der 5. Kriegstag Freitag, den 9. Juni Kairo. — In der ägyptischen Hauptstadt ertönten die Sirenen und fielen Bomben, während ausländische Diplomaten und Korrespondenten, denen die Regierung das Land zu verlassen befohlen hatte, auf ihre Evakuie rung warteten. Eshkol: Israel stand allein Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol sprach vor den Mitgl'edern der Mapai über die Lage Israels vor der Krise, die zum Kriege f ihrte. „In den 21 Tagen, die dem Ausbruch der Feind Seligkeiten vorausginggn“, führte er aus, bat man uns zunächst «wei Tage zu warten, während die arabischen Heere schon an unseren Grenzen aufmarschiert wrren. Als nichts geschah, schickten wir unseren Aussenn inister Abba Eb»n in die USA. Dort bat man uns noch 14 Tage abzuwarten Man versprach uns, dass 40 bis 50 Seemä hte durch ihre Unterschrift die F'-ei heit der Schit fahrt im Golf von Akaba garantieren würden, der die VAR für Israel ges >errt hatte Im Wirklichst hätte es sich um ein Deutzend Na tionen gehandelt Schliesslich waren es nur noch zwei, und spätei wäres nur ein Land fewesen: Israel.“ Eshkol erk’ärte dass USA . Präsiden Johnson .grosse Dinge* versprochen hare, aber das* fsraei am Schluss in dem Kamp' gegen die irakischen Feinde allein stand. Gelenkter Faschismus von B. B. SAMUEL Zu den merkwürdigen und schwer zu erklärenden Erscheinungen unserer Gegenwar* gehört die vermeintliche Freundschaft der deutschen Rchtskreise, insbesondere 1er Nationalzeitung, zu den arabischen Landern, die mit Ausnahme der beiden arabischen Königreiche des L’bauon und des Emirats Kuwait sämtlii h mehr oder weniger abhängige Vasallen des Kreml sind Auf der einen Seite werden die Kommunisten h’ttig bekämpft, die e'nen leil Deutschlands die Deutsche D">nokratische Reuubiik besetzt halten auf der anderen Seite aber werden Alliierte*' vor allem die VAR und Syrien, mit äusserster Svm-; pathie behandelt und wohlwohend als gewicht-ge por'tii sehe Faktoren in das Konzept dei „neuen deutschen Rec-hten“ einbezogen. Dass sich die äusserste Rechte und die äusserste Lin«« irgendwo meffen, ist im politisenen Kräftespiel <eine neue Erscheinung. Der Hitler-Stalin-Pakt, der den Wee zum Zweiten Weltkrieg öffnete ist noch in wenig angenehmer Erinnerung Dass d.*-se beiden Alinerten. die Nazis und die Kommunisten auseinanderoperiert wurden ist nach der ne-esten faschistischen Interpretation auf /errat und Intrige dei demokratischen Kräfte zurückzuf ihren die also nach dieser Theorie die wirklich Schuld’pen daran sind, dass es Krieg gegben nat Es gibt bekanntoch keuie Behauptung, die abwegig genug wäre, um nicht doch als Argument oei solchen Auseinandersetzungen gebraucht zu weiden. Tatsachen werden vureehtgehogen, G“ hehmsse! umgedeutet. die Ereignisse in einer Weise aus«-legt, die weit von der Wahrheit entfern li-’gt alles nur mit dem einen Ziel die längst als unrichtig bewiesene Korweut’on der Dritten oder Vierten Position aufr:cht zu halten, die in der poetischen Realität nur Vortrupps oder Handlanger des Kcmir.unisiTius sind, komme dieser nun auf Moskau oder Peking. .. Die Juden, die von den Nazis immer als die Bannerträger des Kommunismus bezeichnet worden sind haben dem kommunistischen Totalangriff un Mittlerer, Osten Ein« halt geboten. Ohne den Sieg der israelischen W’Tfen wäre der Onent in die Hände der Herren in Moskau oder in Peking gefallen. Der Sieg der Araber wäre mider Umwandlung aller arabischen Länder in kommunisris« he Volksrepubliken identisch gewesen. Obwohl diese Entwicklung und Tatsacher jedem klar sein müssten und auch klar sind, wollen es die aiten und die Neonazis, woller es die Politiker der extremen Rechten nicht zugeben So tragisch diese Feststellung für uns Juden auch seir mag. es entspricht der Wirklichkeit: Israel 1 at den Kommunisten Einhalt geboten und damit auch den Rechtsfaschisten gute Dienste geleistet. Der stu-‘e und .unbelehrbare' Antisemitismus sollte schon endlich aufhören, damit wir alle unsere Kräfte dem Aufbau einer besseren Zukunft a'ler Völker zuwenden können. Nicht den Hass zu schüren, sollten alle , Kulturvölker“ als ihre Aufgabe ansehen sondern den Hs ss zu überwinden und den weniger fortgeschrittenen Nationen dabei behilflich sein nicht die negativen, sondern die positiven Werte und Werke zu fördern und zu unterstützen. wurden besiegt l Jerusalem — Israel kündigte offiziell die Einnahme der Altstadt von Jerusalem an. Kairo. — Ein militärisches Communiqué der VAR gab bekannt, dass die ägyptischen T; uppen die „erste Linie geräumt haben“ ur.d auf der „zweiten Linie“ an der Sinaifront aen Kampf fortsetsen. Tel Aviv. — Offiziell wurde mitgeteilt, dass die israelischen Truppen den Suezkanal erreicht haben und sharm El Scheich an der Meerenge von Tiran eroberten. Tel Aviv. — Nach heftigen Kämpren besetzten die Israelis die Irans jordanische Stadt Nablus. Jerusalem. — Israel richtete er reut einen Friedensappell a.n seine arabischen Gegner, gab jedoch bekannt, dass es die Altstadt von Jerusalem nicht wieder herausgeben wird. Amman. — Transjordanien unteirchtete als erstes arabisches Land den Sicherheitsrat, dass es dem Befehl zur Einstellung des Feuers zu folger bereit ist Jerusalem. — Das israeli sehe Verteidigungsheer errang einen grossen Sieg in seinem „Blitzkrieg' gegen die Araber und schlug einen 'etzter und verzweife’ten Gegenangriff der ägypt’seben Tuppen n der S'nai Wüste ab Kurz Hierauf teüte Israel len UN mit, dass es bereit sei der A ifforderung zur Feuer - einste lung Folge leisten UN. — Nasser dei noch wenige Stunden zuvor rkiärt hatte „bis zur Vernichtung Israels“ kämpfen zu wol'en. informierte den SicherhHts rat, dass er sich seinem Beschluss beugen wird wenn auch israei die Fehidseligkeiter abbricht. Kuwait dagegen weigerte sich, dem UN-Befe’l nachzukommen, und aucn die iibrigen sieben arabischen Staaten , welche sich in Krieg mit Israel befinden, beantwo~teten die Aufforderung des Sicherheitsrates nicht New York — Kurz vor seinem Rückflug via London nach israei erklärte Aussen, minister Abba Eban, dass die Bedingungen für den Frieden un Mittelosten „durch direkte Verhandlungen zwischen Israel und den Araoerlände n“ festgelegt werden müssten Kairo. — Aegyp^-n gab den Verlust von Sharm El Scheich zu, behauptete jedoch, sieben israelische Flugzeuge abgeschlossen zu haben. Kairo. — Nasser tibersandte dem sowjetischen Premierminister Kosygin eine Botschaft, über deren Inhalt nichts verlautete Kairo. — Aegypten wiederholte die Behauptung, dass amerikanische und englische Flugzeuge der israelischen Luftwaffe Hilfe geleistet hätten. Kairo. — Nasser sandte Botschaften a.r seine arabiseher Verbündeten, über deren Inhalt nieMs bekannt wurde Washington. — Zum ersten Mal wurde die im Jahre 1963 gelegte direkte Telefonlinie zwioenen Washington und Moskau benutzt Giei, h am Tage, an dem dei Krieg aus- (Foctsetzung auf Seite 5) Im Hadassa-Hospital New York — Wie die Präsidentin dei Hada.-sa enthüllte werden im Fadassa-Hospital in Jerusalem zahlreiche verwundete transjordanisohe Le^ionäit behandelt Das .'Jospitai wurden während des transjordanisehen Angriffs auf Isradreimal von Geschossen getroffen wobei eine Wand der Frauenklinik einstürzte und eines der zwölf von Marc Chagall gestifteten GKsfenster „leicht beschädigt“ wurde (TTAi

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