Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2220 (2.6.1967)
- Date
- 1967-06-02
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREOON 2190 — 1* izq. lo. <JkwiCín£í D&iaeljla T. E. 83 - 26 1 3 Año XXVIII. BUENOS AIRES, VIE KN HS 2 OE JUNIO DE 1967 N° 2220 Neue arabische Drohungen die trai Im folgenden geben wir einen weiteren kurzen Ueberblick Uber die wichtigsten Begebenheiten, die sich seit Bonnerstag. den 25. Mai, um ‘den schweren Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten abgespielt haben Zunächst einmal muss auch in diesem Zusammendarauf hingewiesen werden, dass zwar seit Jahr zehnten rcharte Spannungen Ä»«! *rael Und Sem HU Nachbarn vorhanden sind, dass "or allem Syrien zahl reiche Sabotageakte und andere Verletzungen des Wat fenstillstandes mit Israel vo genommen hat, dass a r di rekte i Anlass ■mx d‘eser se aus der r!eS“ersteilation dieser Geg‘*r soliaft nicht vorhanden ist SS« deutlicher sollte es S. im Verlauf der Kn« *1- «eii dass hier weltweite In fressen auf dem Spiel stehen, bei dem die Lander des Mittleren Orients nur Bolle der Akteure vor den Kulissen spielen. , Dass vor allem die Roten Chinesen versuchen, über _ih- »e Verbindungen zu Syrien grösseren Einfluss auf Ereignisse zu nehmen, immer klarer hervor. — Donnerstag, den 25. Mai Der auf Veranlassung von Dänemark und Kanada zusatnmenberufene Sicherheitsrat vertagte sich bereite am Mittwoch zuvor bis der Generalsekretär der UN, II Thant, ¡einen Bericht Uber «eine Friedensbemühungen abgeben könne. Ein Datum ihr eine neue Sitzung wurde jedoch nicht festgelegt. — U Thant kehrte am Donnerstag aus Kairo zuruck. Er hatte sich gegen die Zusammenberufung des Sicherheitsrates während seiner Abwesenheit ausgesprochen — Inzwischen hatte Frankreich, das den Vertreter des Nationalen China nicht als legitimes Mitglied des Sicherheitsrates anerkennen wollte, den Vorschlag gemacht, eine Konferenz der Vier Grossen“ zusammenzuruien, um einen kriegerischen Konflikt im Mittleren Osten zu vermeiden. England und die USA stimmten zu. Russland gab bisher keine Erklärung hierzu ab. — i Inzwischen wurden weitere | Truppenkonzentrationen gemeldet. Irakische Infanterie soll in syrisches Gebiet zur Verstärkung der syrischen Streitkräfte einmarschiert — Mobilisierungen wurden aus Saudi Arabien, Libanon und Israel gepieldet — Aegypten behauptete erneut, den Golf von Akaba durch Minen blockiert zu ha ben. Die Naohricht wurde später nicht bestätigt. — President Johnson bezeichnet« die Blockade des Roten Meeres als Kriegsgrund. Auch die Engländer erklärten ihre Bereitscnaft, die freie Schiffahrt durch den Golf von Akaba notwendigenfalls mit Gewalt zu sichern. Halboffiziell wurde aus Kairo gemeldet dass Nasser dem ÜN-Generalsegretär gegenüber seine Bereitschaft erklär; habe, bei dem Versuch der Entspannung dec Krise, mitzuwirken. — Freitag, den 26. Mai Russland lehnt den französischen Vorschlag zur Konferenz der Vier Grossen ab. fordert aber seinerseits alle beteiligten Länder zum Frie den auf. — Abba Eban in Washington, Aegyptens Verteidigungsminister in Moskau.., * Bin von den Aegyptern gemeldeter Grenzzwischenfall bei Gaza wird von Israel bestritten. Dagegen expodierte eine Bombe an der transiordanisohen Grenze, die von Terroristen gelegt worden war. — Präsident Shazar ist von seinem Besuch in Kanada nach Israel zurüokgekehrt. — Nasser erklärte, jeder Versuch, durch die Strasse von Akaba zu fahren, werde als Angriffshandlung gegen Aegypten betrachtet. — Die Sechste Flotte ist zu Uebungen im Mittelme-er ausgelaufen. — In einer Geheimsitzung des amerikanischen Kabinetts soll beschlossen worden sein, Í' '4 , , gy ISRAELISCHER TANK IM NEGEW I Israel anzuratin, den Golf von Akaba solange nicht zu befahren, bis eine Entspannung eingetreten ist... — Ministerpräsident Esbkol verhandelte mit der Opposition über eine Koalition der nationalen Einheit. Moshe Dajan, Shimon Peres, Arie Ben und Menachem Begin sollen zum Eintritt in die Regierung aufgefordert worden sein. — Russlandverlangt, die israelische Provokation solle aufhören... (J> — U Thant, nach New York zur fickgekehrt, wird am Sonnabend seinen Bericht erstatten. — Die sowjetische Haltung ermuntert die Araber in ihren Ansprüchen, die sich immer stärker gegen die West machte wenden. — Abba Eban hatte eine lange Aussprache mit dem Präsidenten Johnson. — Der ägyptische Botschafter vor den UN erklärte, sein Land sei zu jeder Mitarbeit mit den U'N und den Grossmäohten bereit, um den Frieden im Mittleren Osten aufrecht zu erhalten. — Makarios, der Präsident (Fortsetzung auf Seite 5) m km es sew Schwer zu verstehen ,99n JEHUDA GOTTHEIMER Die Vorgänge im Mittleren Osten werden immer unverstündlicher. Während diese Zeilen, geschrieben werden, muss man damit rechnen, dass sie in wenigen Stunden bereite überholt sein können. Deswegen wäre es falsch, Meinungen zu äussern oder Entwicklungen vorwegzunehmen, wozu wohl niemand unter den im Augenblick herrschenden Bedingungen in der Lage 1st, auch nicht die entscheidenden Männer selbst. Seit Tagen stehen die Hee re Aegyptens und anderer arabischer Länder der israelischen Verteidigungsarmee in Kriegsbereitschaft gegenüber. Die Mobilisierung wurde durchgeführt; wie weit sie noch gesteigert werden kann, muss dahingestellt bleiben. Es besteht die Gefahr, dass der kleinste Funken das Pulverfass entzünden wird, das von den grossen Mächten und Waffenlieferanten skrupellos seit Jahren bis zum Rande angefüllt wurde. Wenn man die sieh oftmals widersprechenden Nachrichten studiert, muss man den Eindruck gewinnen, dass noch immer „ein Tropfen Petroleum einen Tropfen Blut wert“ sei, ein Wort, mit! welchem George Clemenceau das Wesen der Orient-Politik schon vor Jahrzehnten charakterisierte. Die arabische Position in der Weltpolitik ruht auf den grossen Petroleumsehätzen, über die Länder wie Saudi Arabien, Irak, Kuwait u. a. verfügen. Die Angst, dass der Zugang zu dieser Reichtümern den westlichen Ländern verschlossen werden könnte ist einer der gravierenden Faktoren auf die Entscheidungen, die von den Grossmächten getroffen werden. Im Mittelpunkt der Diskus- Sion steht Aegypten mit seinem Diktator - Präsidenten Nasser an der Spitze. Ungestört darf Nasser seit Jahren immer wieder die furchtbar, sten Drohungen gegen Israel und die „imperialistischen Westmächte“ ausstossen, die ihm obendrein noch die wichtigsten Mittel, Geld, Waffen und Nahrung, zur Verfügung stellen, eine Hilfeleistung, ohne die Aegypten ohne Zweifel längst zusammengebrochen wäre. Auf kein Land lässt sich ein Ausspruch Friedrich des Grossen, den er auf Spanien prägte, mit einer so tiefen Berechtigung anwenden wie auf Aegypten: „Welches ist das reichste Land der Welt? — Es ist Spanien. Denn trotz der sehr sehlech- Brasilianische Juden protestieren Rio de Janeiro. — Eine Delegation der Föderation jüdischer Gemeinden erhob vor dem Aussenminister Protest gegen einen Angriff auf die jüdische Gemeinschaft des Landes durch den syrischen Geschäftsträger in der Hauptstadt Brasiliens Hassan Saka. Dieser hatte dem Präsidenten der zionistischen Weltorganisation. Dr- Nachum Goldmann, eine Erklärung zugeschrieben, die Goldmann niemals gemacht hat. Saka hatte behauptet, dass Dr. Goldmann die Juden in der Welt ermahnt habe, einzig Israel Treue zu beweisen. Den Delegierten, die diesen Protest im Aussenministerium über brach ten, wurde mitgeteilt, dass der Aussenminister dem syrischen Botschafter schon seinen Unwillen über die Erklärung mitgeteilt habe, jedoch jetzt nach Empfang des Protestes den Vorfall Damaskus zur Kenntnis bringen werde, (ITA) ten Könige, die dieses Land verwaltet haben, existiert es immer noch“... Als der Konflikt schärfere Formen angenommen hatte, intervenierte die UN durch ihren Generalsekretär U Thant, dessen Eingreifen auch von seinen Freunden als recht unglücklich bezeichnet worden ist. Er zog auf einseitiges Verlangen Nässere die UN- Truppen aus Gaza und Tiran, dem Schlüselpunkt am Ausgang des Golfes von Akaba, zurück, obwohl diese Schutztruppe seinerzeit durch einen Beschluss der Vollver Sammlung der Vereinten Nationen nach dem iinai-Feldzug stationiert worden war. Also hätte auch der Rückzug dieser UN-Soldateti nur durch die Vollversammlung oder den Sicherheitsrat vorgenom men werden können nicht aber durch eine Anweisung des Generalsekretärs. Die Massnahme U Thants musste Nasser als einen sicherlich nicht erwarteten Erfolg seiner aggressiven Politik betrachten. Die Grossmächte waren erstaunt und überrascht; sie reagierten zunächst mit einer Haltung, die Israel zu nützen schien. Selbstverständlich haben alle massgebenden Politiker gewusst, dass und aus welchen Gründen Nasser plötzlich den Konflikt mit Israel verschärfte. Die Hintergründe seiner Aktion liegen nicht in der Aenderung der Situation, in welcher sich Aegypten regen über Israel seit Jahren befunden hat. Obwohl die Feststellung dieser Hintergründe an den Tatsachen des Augenblicks nichts ändert, müssen sie dennoch festgehalten werden. Denn Aegypten befand (und befindet sich) in einer schwierigen Position verschiedenen seiner arabischen „Verbündeten* gegenüber. Die innere wirtschaftliche Lage des Landes ist schlecht. Die Unruhe unter einer notleidenden Bevölkerung wächst Der ägyptivon SEM FRANKEISSTEIN Welchen Umfang die Schändungen von Friedhöfen in und um die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland angenommen haben, ergibt sich aus *-inem Bericht, den wri der Jüdischen Zeitung iti Düsseldorf entnehmen. Dort heisst es: Die Friedhofschändungen in Südh'-Jland und im deutschen und belgischen Grenzgebiet greifen weiter um sich. Bisher wutden 40 Friedhöfe zum Teil verwüstet. 3.000 Gvabkreuze wutden mit Hakenkreuzen beschmiert oder zerstört. Auf einigen Grabkreuzen stand die Inschrift: „Heil Satan unser Gott“. Auf andere Kreuze hatten die bisher unbekannten Täter „Tod den Juden“ und „Tod für Wiesenthai“ geschrieben. Wiesenthal ist Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums in Wien. Nach Vermutungen der niederländischen Polizei kommen die unbekannten Täter auch für die Schändungen auf dem britischen Friedhof Hastings in Frage Wie jetzt verlautete soll nun auch die britische Polizei in die Suche nach den Friedhofschändern eingeschaltet werden. Auf dem jüdischen Friedhof in Frechen bei Köln ist vor einigen Tagen eine Grabschändung entdeckt worden: Unbekannte hatten den Grabstein umgestürzt und das Grab geöffnet. Die Gebeine des Toten waren verstreut worden. Am Grab und in der Nähe wurden Werkzeuge gefunden, die zu der Tat benutzt worden waren. Nach Ansicht der ermittelnden Polizei scheiden politische Gründe als Tatmotiv aus. Sie vermutet, dass die Grabschänder in dem Sarg Schmuck gesucht hatten. — Die Schändung des alten jüdischen Friedhofes In Glehn in der Nähe von Grevenbroich bei Düsseldorf, die vor kurzem entdeckt worden war. ist bereits aufgeklärt worden. Von 24 Grabsteinen waren 17 umgeworfen worden. Ais Täter wurden drei Jungen im Alter von zehn und elf Jahren ermittelt die auf dem Friedhof gespielt und nach „Rö.ner. sehätzen“ gesucht hatten. — Das Verbrechen der Friedhofschändungen hat also in. einer alarmierenden Weise um sich gegriffen. Wesentlich dürfte de» Hinweis sein, dass die Verbrecher nicht mehr die jüdischen Friedhöfe allein zum Gegenstand ihrer bostiaiischen Taten machen; denn bestialisch ist ein Verbrochen in jedem Fall, das sich gegen Tote richtet. Es dürft® angebracht sein, die Hintergründe dieser Straftaten einer genauen Analyse zu unterziehen Auf zwei Gesichtspunkt© muss hierbei zunächst verwiesen werden: Wieder einmal erhalten alle Unbelehrbaren eine Lektion, dass sich di© zunächst gegen Juden gerichteten Straftaten sehr bald auch auf alle anderen erstrecken. Der Antisemitismus war und ist nur der erste Schritt und der billige Vorwand zw weiterer verbrecherischer Tätigkeit. Zunächst wurden di© jüdischen Gotteshäuser in Brand gesetzt, am Ende brannten alle Stätten religiöser Verehrung. Zunächst wurdet „nur“ die Juden verfolgt, zum Schluss alle vermeintlichen Gegner. Judenfeindschaft ist nur die erste Phase des Kampfes, der von der Reaktion ge^en alle gläubigen und demokratischen Kräfte geführt wird. Das ist die erst© Lehre aus dieser Entwicklung der Friedhofschändungen. Man kann, wenn man will, aber noch ein weiteres hieraus leinen: Wenn man das Verbrechen nicht ernsthaft bekämpft, greift es um sich. Wer auch immer die Täter sind, di« Friedhofschändungen haben sich zu einer Epl* demie, zu einer geistig-seelischen Fehlentwicklung grosse, rer Kreise ausgewachsen, als dies nur die zufällig auf et« nem Friedhof „spielenden Kinder“ waren. Diese Erkenntnis hat sich aber noch nicht durchgesetzt, was man ebenfalls dem hier wiedergegebenen Be« rieht entnehmen kann. Denn wieder wird gemeldet, das* die auf einem jüdischen Friedhof verübten Schandtaten von Kindern im Alter von zehn oder elf Jahren verübt worden seien, die nach ,,Römerscnätzan“ gesucht hätten’. Wer soll das glauben? — Wäre es die Wahrheit so wiird© sie noch grausamer sein, als wenn man unbelehrbare Judenfeinde als die Täter ermittelt haben würde Haben di© drei deutschen Jungen keinen anderen Spielplatz als einen alten jüdischen Friedhof gefunden? — Was wissen sie von „Römerscr,ätzen“? — Und wenn sie etwas von diesen Römerschätzen gewusst haben, warum wussten sie nichts davon, dass man keine Grabsteine umwirft und dass man nicht stienlt? — Ist die Erziehung wirklich so mangelhaft, wie man uns das vormachen will? Die immer wieder aufgetischte „Erklärung“, es handele sich um spielende Kinder, ist auch einer der Gründe, dass Friedhofschändungen an der Tagesordnung sind... sehe Krieg gegen die „Royalisten“ im Yemen, der trotz grösster Anstrengungen und Aufwendungen zu keinem für Aegypten positiven Resultat geführt hat, verschlingt enorme Kosten. Die Angriffspolitik gegen Saudi Arabien und Transjordanien, die seit Jahren unternommenenen Versuche, den König Hussein zu stürzen, die Gegnerschaft Tunesiens und anderer Araberländer, die Nasser die Gefolgschaft aufgesagt hatten, diese und andere Faktoren Israel warnt Jerusaliem. — Israel warnte, dass es nicht länger mehr Zusehen werde dass sich immer stärkere Truppen - Konzentrationen an seinen Grenzen vollziehen. Neutrale Beobachter teilen mit, dass die israelische Armee vollkommen mobilisiert und einsatzbe. reit sei. Hohe Funktionäre erklärten, Israel habe das Recht mit Waffengewalt die Strasse von Akaba für seine Schiffahrt freizuhaiten, falls weder die UN noch die Grossmächte imstande sein sollten, die freie Schiffahrt zu garantieren. drängten ihn auf den Weg gegen Israel ln der nicht fals;hen Erwartung, dass durch die Drohung mit dem „heiligen“ Krieg, der in Wirklich« keit alles andere als heilig ist, noch einmal die Gefahr eines völligen Zusammenbrechens der konstruierten ara* bischen Einheitsfront z« überwinden. Wenn man heute die Ergebnisse dieser Bemühungen betrachtet, ist die» dem arabischen Diktator bis zu einem gewissen Grade gelungen. Wie weit, das können wir mit Sicherheit nicht sagen. Wir können nur hoffen, dass wir dies niemals durch eine Kraftprobe mit Israel erfahren werden. Dass Transjordanien Nasser gegenüber auch in diesem Augenblick skeptisch ist, kann nicht in Zweifel gezogen werden. Eis gibt aber politische Konstellationen, in denen den Akteuren da« Heft des Handelns entwunden wird. Diese Möglichkeit besteht bei allen noch so nüchternen Betrachtungen Den» in Krisenstimmungen entscheiden nicht immer die Vernunft, die politische Kalkulation und die sichere Planung der Zukunft Ursprünglich musste man den Eindruck gewinnen, dass die westlichen Grossmächte zu ihren Erklärungen und den 'rternationalen Abmac (Schluss auf Seite 2) ]