Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2217 (12.5.1967)
- Date
- 1967-05-12
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PULYRREDON 2190 — 1® ¡zq. Lx JknuinaJsJuíeliUi T. E. 83 - 26 1 3 Ano XXVIII. BUENOS AIRES. VIERNES 12 OE MAYO DE 1967 N® 2217 Der 19. Jahrestagder Schaffung des Staates Israel bietet die stets willkommene Gelegenheit, einen Rückblick auf Geleistetes zu halten und sich der neuen Aufgaben zu besinnen, die vor uns stehen. 19 Jahre sind im Leben eines Volkes eine kurze Zeit, be sonders im Leben des jüdischen Volkes, das auf eine irvehrtausendjährige Geschichte zurückblicken kann. Auch 19 Jahre bildet» für das Bestehen eines Staates eine relativ kurze Epoche Während für das jüdische Volk 19 Jahre einen unbedeutenden Abschnitt darstellen mö gen, für den Staat Israel sind es die ersten seiner Existenz und deswegen allein schon von einer entscheidenden Wichtigkeit. Wir sind ein altes, ein sehr altes Volk. Aber der Staat Israel ist jung. Seine Probleme sind für uns neu, für die staatliche Organisation meist erstmalig; für die Zukunft hängt also ausserordentlich viel davon ab, auf welcher Grundlage der Staat sein Leben einrichtet, seine Institutionen aufbaut, seine Politik führt, seine Wirtschaft und alle sonstigen Zweige des politischen, sozialen, kulturellen Lebens organisiert. I. vor 70 Jahren Vor 70 Jahren wurde der ———Erste -Zionistische Kongress in Basel abgehalten. Als die- ~ ■Delegierten aus den Ländern der jüdischen Zerstreuung zu dieser denkwürdigen Tagung herbeieilten, wussten sie nicht, dass ihre unklaren Träume und Hoffnungen in einigen Jahrzehnten Wirklichkeit werden würden Die geschichtliche Entwicklung hatte, zumindesten seit den Tagen der Emanzipation, die Einheit und Einheitlichkeit dieses Volkes erschüttert oder gar zerstört. Nur der Willen zu gemeinsamer Zukunftsgestaltu ig und das Gefühl der Zusammengehörigkeit brachte die Vertreter der Judenheiten zusammen, wo sie durch die überragende Persönlichkeit des Visionärs Herzl zu einer in der Idee grossen, ihrer tatsächlichen Zahl kleinen Gemeinschaft zusammengeschmiedet wur- . den. unserer von JEHUDA GOTTHEMER Zukunft nationalen und des internationalen Lebens umzusefzeti. Herzl aber schrieb nach diesem Ersten Ziouißtenkongress m sein Tagebuch: , Passe ich den Basler Kongress in ein Wort zusammen — das ich mich hüten werde, öffentlich auszusoreoheu — so ist es dieses: ln Basel habe ich den Judentaat gegründet“. .. rr Vor 50 Jahren Mit dem Ersten Weltkrieg hat die grosse Krise unseres Jahrhunderts ihren ersten sichtbaren Ausdruck gefunden, Die alte Ordnung war des jüdischen Volkes auf seine Heimstätte von der zivilisierten Welt anerkannt Noch gab es viele Klauseln und Hindernisse. Aber aus dem Planen und Programmieren des 1. Kongresses war eine neue Wirklichkeit geschaffen worden: der von Herzl erstrebte Charter war durch die britische Regierung gegeben worden. Ihm folgte dann in den Friedens- Verhandlungen das Mandat. Die zionistischen Forderungen hatten in einem internationalen Abkommen ihren realen und juristischen Niederschlag gefunden. Die folgenden Jahre und Unhaltbarkeit ihrer Situation war allen erkennbar geworden. Die Reste des europäischen Judentums waren auch nach dieser entsetzlichen Katastrophe vom Untergang bedroht. Herzl hatte es vorausgesagt: ,,Der Judenstaat ist ein Weltbedürfnis, folglich wird er entstehen.“ IV. Vor 19 Jahren Vor 19 Jahren ist er entstanden, dieser Judenstaat, die Wiedererrichtung der jüdischen nationalen Selbständigkeit im alten Lande der Väter, von der jede Generation geträumt hatte, beinahe zweitausend Jahre hindurch, Israel teilt seine Erfahrungen und Kenntnisse mit zahlreichen jungen Nationen in Afrika und Asien und entsendet dorthin Nachal-Offiziere und Instruktoren, die Kurse für Jugendführer abhalten und Versuchsfarmen nach dem Vorbild der Kämpfenden Pionierjugend der Nachal einrichten. Vor 70 Jahren wurde für das über alle Länder zerstreu- <te Volk eine aktionsfähige Plattform geschaffen um aus den vielen Bestrebungen um die Lösung der aktuellen, brennenden Judenfrage eine politische Kraft zu schaffen, die geeignet war, das Ziel den Traum, die Hoffnung ungezählter Generationen nach beinahe zwei Jahrtausenden _ _ wieder in die Wirklichkeit des 1 der Moderne wurde das Recht mit der Französischen Revolution zusamimengebroehen. Nach den Napoleonischen Kriegen trat eine Stabilisierung ein. mit der eine neue Struktur Europas und demzufolge der zivilisierten Welt errichiet worden war Eine neue Zeit war hereingebroohen, die zu einer Revolution des politischen, sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auf der ganzen Erde führen sollte, und die bis heute nicht be. endet ist. Inmitten der Schrecken und Gefahren des Ersten Krieges erliess die englische Regierung im Einvernehmen mit ihren Alliierten eine Erklärung. die als Balfour-Deklaration (2. November 1917> in die Geschichte eingegangen ist. Zum ersten Mal in BERATUNGEN IM KABINETT Jerusalem. — Aussenminister Abba Eban eröffnete in der letzten Kabinettssitzung, dass Israel eine neue Beschwerde an den Sicherheitsrat zu richten plant die unter den Mitgliedern zur Verteilung gelangen und diese auf die letzten Sabotageakte der Syrer hinweiseu soll In diesem Schreiben werden die drei Zwischenfälle vom 4 und 6. Mai in allen Einzelheiten dargescellt Es handelt sich um die Explosion einer Mine auf einer Landstrasse, die Sprengung einer Wasserpumpe in einer Grenzsiedlung und den Beschuss einer Siedlung mit Kanonen. Brigadier Ozer Weizmann berichtete dem Kabinett über die neue Taktik der Sa bo teure, die sich bei dem Bombardement gegen den Kibbuz Manara allem Anschein naoh die Methoden der Vieteong zum Vorbild genommen haben. Ministerpräsident Levi Eshkol beleuchtete die ,pohtisohen Möglichkeiten zur Bekämpfung dieser neuen Taktik der Syrer. (ITA) Jahrzehnte waren mit schweren Kämpfen und Schwierig, keiten ausgefüllt. Zwischen dem Anerkenntnis der Heimstätte und der Schaffung des Staates lag eine tiefe Kluft Ein weiter, dorniger, blutige»- Weg musste noch von unserem Volk zurückgelegt werden, bis dann — genau 50 Jahre nach der Herzischen Tagebuch-Notiz die Hoffnungen unseres Volkes konkrete Gestalt annahmen. III. Vor 20 Jahren In diesem Jahr werden wir das 20. Jubiläum jenes berühmt gewordenen Beschlusses der Vereinten nNationen feierlichbegehen, mit welchem die Völker der Erde die Schaffung eines jüdischen Staates zustimmten. In dieser UN-Resolution vom Novem. her 1947 reichten sich die beiden grossen Antipoden unserer Zeit die Hand, stimmten die Nordamerikaner und die Russen gemeinsam dafür, dass die jüdische Weltfrage durch die Schaffung eines eigenen jüdischen Staates einer Lösung entgegengeführt werden soll. Ein schreckliches Schicksa hatte inzwischen das jüdische Volk stärker als alle anderen Nationen dieser Erde getroffen. Das Dritte Reich hatte zwar die ganze Welt an den Rand des Abgrundes getrieben, Europa in Trümmer gelegt und alle Länder mit Unterdrückung und Versklavung bedroht. Seohs Millionen Juden mussten sterben, nur weil sie Juden waren. Die seitdem die Römer Jerusalem zerstört hatten. Wir können nur die so oft ausgespro ■ chene Feststellungwiederholen: „Aus einem Traum ist Wirklichkeit geworden“. — Mit Blut, Schweiss und Tränen ist dieser Staat ge baut worden, da eine uns umgebende feindliche Welt bis heute dem Lande und dem Volke Israel den Frieden vorenthalten hat, nach welchem sich keine Nation so sehnt wie die jüdische, dessen Wohltaten von keinen Denkern und -Politikern so hoch gepriesen wurden wie von unseren Propheten und Staatsmännern, dessen Kommen von keinem Volk mit einer solchen Inbrunst als die Vollendung menschlichen Lebens vorausgesagt und erstrebt worden ist wie von uns Mit der Staatwerdung Israels mussten wir jedoch damit rechnen, dass dieser neue, dynamische Staat, nicht nach den Wunschvorstellungen gebaut und geführt werden kann, die uns alle erfüllen, sondern den Gesetzen unterliegt die im politischen und wirtschaftlichen Leben unserer harten und grausamen Gegenwart walten. Die grosse Revolution unseres Jahrhunderts ist noch nicht abgeschlossen. Der Kampf zwischen den Interessen und Vorstellungen der sich erbittert gegenüber stehenden feindlichen Blöcke oder Welten ist noch nicht ausgetragen. Wie in jeder Revolution ändert sich das Panorama mitunter langsam, mitunter (Schluss auf Seite 2>. des Staates Israel i Skandal in der Schweiz von KURT KAISER-BLUETH In de- Schweiz will die Diskussion um den ehern#» ligen Hitlergeneral Hasso von Manteuffel nicht abklingen- Dieser, einer der aggressivsten Generäle des Dritten Reich# war auch mit den Gerichten der Bundesrepublik in Kon* flikt geraten, von denen er zu einer Gefängnisstrafe verur* teilt wurde, weil er während des Krieges einen Soldat«-» seiner Division wegen „Feigheit vor dem Feind“ zu Unrecht erschiessen liess. Nun hatte die OffiziersgeselLschaft Thun den Nazigeneral zu einem Vortrag über militärische Fragen ei;.geladen. Schon das hatte grosses Befremden in den liberal gesinnten Kreisen der schweizer Bevölkerung ausgelöst. Weit schlimmer als die Einladung eines Offiziers, den ein deutsches Gericht wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, begangen an einem notorisch unschuldigen deutschen Soldaten, verurteilt hatte, war die unglaub® liehe Tatsache, dass alle Offiziere eines schweizerischen Regiments zum Vortrag von Manteuffels durch einen Befehl ihres Vorgesetzten abkommandiert wurden. Die Affäre, die fast einem Komplott gegen den Geist und die Tradition der Eidgenossenschaft gleichkam, wurde vor allem durch einen vehementen Artikel des „Israelitischen Wochenblattes“ in Zürich ins Rollen gebracht und in der gesamten schweizerischen Oeffentliehkeit mit Leidenschaft diskutiert. Inzwischen hat der Schweizer Bundesrat auf eine Anfrage des sozialistischen NationalratS Arnold (Zürich) hin die Abkommandierung der schweizerischen Offiziere zu diesem Vortrag als „unangebracht und falsch'“ bezeichnet und sich damit vom Verhalten des verantwortlichen Regimentskommandanten mit Deutlichkeit distanziert. VORVERHANDLUNG IN BRASILIEN Brasilien, — In diesen Tagen läuft die Frist für den j Entscheid ab, den der Präsident des brasilianischen Oberj gerichts, Luis Galotti, füllen i muss, um ,,in Kürze das gej eignete Datum“ für die Verhandlung über die Ausliefe-! rung des Kriegsverbrechers Franz Stangl festzusetzen. Der Fall Stangl geht auf das Jahr 1943 zurück, als Stangl Kommandant der Ausrottungslager Sobibor und Treblinka war. in denen 750.000 Menschen in den Gaskammern umkamen oder von den Nazis erschossen oder zu Tode gequält wurden. Der Fall gewann neuen Impuls als Stangl in den ersten Märztagen 1967 in Sau Paulo verhaftet wurde, wo er in den Volkswagen . Werken unter dem Namen Paul Stangl ar beitete. Der Termin, an dem sein gerichtlich bestellter Anwalt Xavier de Albuquerque die Verteidigungsschrift auf die von Westdeutschland, Oester reich und Polen gestellten Auslieferungsanträge vorzulegen hatte, ist inzwischen abgelaufen. Der Generalstaatsanwalt. Haroldo Valadao, ist gehalten, innerhalb von fünf Ta gen seinen Bericht zu erstat ten, wie die Advokaten des Justizministeriums auf die sen Fall das Gesetz zur Anwendungzu bringen beschliessen. Hierauf wird Richter Galotti das Datum für den Prozess ansetzen. Man nimmt an, dass die Verhandlung am 17. Mai eingeleitet werden dürfte, da an diesem Tag da# Gericht zusammentreten soll. Allerdings kann das Tribunal in wichtigen Fällen eine Sondersitzung beantragen. Wie man erwartet, wird Stangl seine Verteidigung auf die brasilianischen Gesetz» gründen, die eine Verjährung aller Verbrechen naoh 20 Jahren bestimmen. (ITA) Explosion einer Mino Tel Aviv. — Fünf Sied ler retteten sich vor Ver. wundungen .als der Lie ferwagen, in dem sie fuhren, zu nächtlicher Stunde gegen eine Mine stiess Das Auto »###de völlig zertrümmert Der Lieferwagen befand sich auf dem Wege nach dem Kibbuz Daram. als der Chauffeur auf der Landstrasse einen verdächtigen Gegenstand be m ikte. Sofort £>og er nach links ab. brachte je doch durch sein Manöver die Mine zur Explosion, wodurch der Wagen in die Luft geschleudert wurde. Die Insassen t-nigen einen Schock, aber keine Verletzungen davon Man fand die Spuren von vier Männern ln Richtung zur libanesisohen Grenz» __ (ITA)