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Jüdische Wochenschau · 1967-04-28 · 2215 (28.4.1967) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2215 (28.4.1967)
Date
1967-04-28
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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Viernes, EMANA ISRAELITA PAGADO in *08 EL EJEMPLAR en toda (a República EDUCIDA PUEYRREDON 2190 1* ieq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 An» XXVICI. BUENOS AÍRES, VIERNES 38 DE ABRIL WE 19»! N* »ti Gegen die Schreibti sch - ”Taeter “ Eine Reihe neuer Verhaftungen verantwortlicher Nazi uihrer wurden in der letz- *e-i Zeit gemeldet, die nicht wni Kre»> der iintnitteUiac*. Täter wohl aber zum Kreis der sogenannten Schreibtisch, mbrder gehören, jener hohen Beamten und Fiihrungsmit glteder. die den Massenmord geplant haben, in Deutschland nennt man sie mit einer aufiailend entgegenkommenden Freundlichkeit .,Schreibtischtäter". .. Unter den jüngst gewelde. ten Schritten der verschiedenen Staatsanwaltschaften taucht wieder der Namen de* Dr Viaion auf. des früheren Staatssekretärs im Bundes- ■wirtschaftsministerium. dem — ähnlich wie Globke und anderen, zu hohen Funktionen emporgestiegenen Minisierialbeamten — ihre nazi. »tische Vergangenheit und Verantwortlichkeit seit beinahe zwei Jahrzehnten vorgehalten wird, ohne dass gerichtliche Schritte gegen sie v«n JAKOB KATZ-R06ASEN euigeleitef werden würden, j Aber Vi-Atm .♦»11 nicht wegen j seiner NS-Vergangenheit zur j Verantwortung gezogen wer- : den. sondern wegen Mein : eids... | Berliner Gestapo Chef Die im Jahre 1963 für die! seu Zweck gebildete Arbeits- I gruppe West-Berliner und i westdeutscher Staatsanwälte \ konnte jetzt bei ihren Ermitt- | lungen gegen die „Schreib-! tischtäter' des ehemaligen I Reichssicherheits - Hauptami tes <RSHAi der SS ihren er- 1 sten Erfolg erzielen: Seit eij niger Zeit befindet sich der | ehemalige Chef der Berliner ' Leitstelle der Gestapo. Otto | Bovensiepen, in West-Berlin [ in Untersuchungshaft. . Der frühere SS-Obersturm-! bannführer wurde iiberraj sehend in Mülheim an der . Ruhr verhaftet. Der vom Ber. ' liner GeneraIstaafcsanwalt Anerkennung als Vertriebener ,)r- W-: — Nach dem Ehitschäiigungsgesetz haben die s:iü-.nannten Vertriebenen in bestimmten Fällen Rechte, die anderen nicht zustehen. Aus welchen Gründen man zu di-ser Regelung geschritten is' bleibt aus vielen Gründen uihu iuiuncu. Auer Jas ist--niern oer einzige Fall gesetzlich-' Bestimmungen im Entschädigungsgesetz, der rätselhaft erscheint und offensichtlich nur dazu bestimmt ist, dem alter Unrecht neues hinzuzufügen. Hierbei leisten die richterlichen Gesetzesinterpreteil in der Mehrzahl aller Fälle bereitwillige Unterstützung, wie überhaupt die Justiz — ähnlich derjenigen der Weimarer Epoche — die Avantgarde reaktionärer Haltung und Gesinnung bildet. Die Verwaltungsorgane. die nicht der Justiz unterstellt sind, richten sich fcls die mit der Entschädigung in erster Instan? beauftrag1'en Behörden immer stärker nach der entschädigungsfeindlichen Rechtsprechung, wobei es zu unerhörten Exzessen kommt, wie jetzt in einem Berliner Fall, der bei nächster Gelegenheit hier näherer Betrachtung unterzogen werden soll. Die Vorteile der Vertriebenen-Bestimmungen kommen beinahe ausschliesslich... ehemaligen Nazis zugute. Das ist das Fazit, das man — keineswegs beruhigt — aus dieser Gesetzgebung und Rechtsprechung ziehen muss. Uns liegt ein Fall vor, der vor dem Kölner Verwaltungsgericht verhandelt wurde. Fünf Richter, drei Berufs- und zwei Laienrichter wurden bemüht, um zu dem Ergebnis zu gegangen, dass einer jüdischen Klägerin nicht der von ihr beantragte Vertnebenenausweis auszustellen sei. Hinter einem Wust von Paragraphen, allgemeinen Redensarten und Halbwahrheiten versteckt, begründeten die Richter ihren Spruch, von dem man nicht einmal sagen kann, er sei ,,juristisch" unhaltbar, denn die Rechtsprechung hat diese judenfeindliche Auslegung entwickelt und die Bestimmungen bieten die Möglichkeit solcher Deduktionen. Die ganze Sache hat auch eine Kehrseite. Um zu ihrem Recht zu gelangen, — ein vergebliches Bemühen, wie wir immer wieder sehen können, — versteigt sich die jüdische Klägerin zu Behauptungen, die wir von unserem — jüdisenen — Standpunkt aus nur als bedauerlich betrachten kö'v.en. Dass die Entschädigungsgesetze und Entschädigungsorgane, Gerichte wie EntschädigungsHmter, die Ver folgten zu Angaben verleiten oder gar zwingen, die sie selbst nicht machen wollen, ist bekannt genug. Hierher gehört das Verlangen, Zeugenaussagen über den Tod von Verwandten ¿U verlangen die aus dem Ghetto geschleppt und irgendwo ermordet worden sind. Dabei wissen natürlich die Behörden genau, dass es keine Zeugen geben kann, weil alle, die dabei waren, umgebracht worden sind. Um zu ihrem Recht zu gelangen, dass der klagenden Verfolgten auch dann zusteht, wenn sie die Voraussetzungen der /ertriebenenbestimmungen nicht erfüllen sollte versteigt?ie sich zu der Behauptung, sie sei aus Polen geflüchtet, -.veil sie Angst vor Vertreibung aus Polen nach Russland als Volksdeutsche gehabt habe. Die Verfolgte, die ln den schrecklichsten KZ wie Auschwitz und Ravensbrück war. gibt sich die Blosse, nun irgendjemandem in der Welt eimeden zu wollen, sie, die in Krakau geborene Jüdin hat te im kommunistischen Polen vor der Gefahr einer Deportation als Volksdeutsche gestanden. Die arme Frau hat übersehen, dass die Polen den Umweg über das ,,Volksdeutschem" bei ihr garnicht zu gehen brauchten, sondern sie als Jüdin hätten erschlagen kommen, wie sie dies ln zahlreichen Fällen nach denn Krieg getan habe». Wie die Klägerin ihren Fall auch dreht und wendet, sie entgeht ihrem Schicksal nicht; der Jude wird verbrannt,, # ausgestellte Haftbefehl laute ■e ruf Verdacht ier Beihilfe zum Massenmord wie der Erste Staatsanwalt bestätigte. Bovensiepen wird beschuldigt, in den Jahren 1941 bis 1944 für die Verschleppt ung von 50.900 Berliner Juden in die Vernichtungslager verantwortlich gewesen zu sein. Er gilt, wie Staatsanwalt Runge erklärte, als Hauptschuldiger dieser bisher unaufgeklärten Verbrechen, auf die die Arbeitsgruppe bei ihren Ermittlungen gegen die ,,Schreibtischtäter“ des RSHA stiess. Denn die Gestapo bildete das Amt IV des aus mehreren Hauptämtern bestehenden RBHA Ausser Bovensiepen wird noch nach mehr als einem Dutzend weiterer Mitarbeiter der Berliner Gestapo-Leitstelle gefahndet. Bovensiepen war bereits in Dänemark, wo er Gestapo- Chef im Anschluss an seine Berliner Tätigkeit war, bei Kriegsende festgenommen und wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt, dann jedoch zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt worden. 1953 wurde Bovensiepen freigelassen und in die BundestfiPÜÖlik abfjeschotjen, bisher unbehelligt als kaufmännischer Angestellter in Mühlheim lebte. Bei seiner Verurteilung in Dänemark waren die ihm jetzt zur Last gelegten Verbrechen nicht zur Sprache gekommen. Grüttemeier aufgespürt Nach jahrelanger Fahndung gelang es der Paderbor ner Staatsanwaltschaft, den ehemaligen SA-Standartenführer Fritz Grüttemeier aus Detmold aufzuspüren. Unter der Führung von Grüttemeier soll ein SA-Begleitkommando im August 1933 den Hauptschriftleiter des sozialdemokratischen ,,Volksblatts“ in Detmold, Felix Feehenbach. in der Nähe von Scherfede (Kreis Warburg) erschossen haben. Der heute 74jährige Grüttemeier lebte unter falschem Namen in Bad Godesberg. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft konnte der gegen Grüttemeier bestehende Haftbefehl wegen Haftunfähigkeit nicht vollstreckt werden. Der jüdische Redakteur Felix Feehenbach hatte sich durch seine NS-feindlichen Artikelserien den Hass der NSDAP zugezogen. Im Au. gust 1933 sollte er nach fünfmonatiger Schutzhaft in das KZ Dachau bei München gebracht werden. Auf dem Transport wurde er in einem Wald bei Scherfede (Kreis Warburg, von dem Begleitkommando erschossen. Anklage gegen Viaion Die Staatsanwaltschaft Koblenz erwägt, gegen den früheren Staatssekretär im Bundeswirtschafts - Ministerium, Dr. Karl Friedrich Viaion, wegen Meineids Anklage zu erheben. Die Ermittlungen sind, wie jetzt von der Staatsanwaltschaft mitgeteiit wurde. abgeschlossen. Dr. Viaion hatte im Ein satzgruppen - Prozess Heuser 1962 als Zeuge vor dem Koblenzer Schwurgericht behauptet. von Erschiessungen von Juden in Minsk nicht» bemerkt zu haben. Viaion war nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der fraglichen Zeit mehrere Monate in dieser Stadt und hatte mit höheren SS-Führem zusammen gewohnt. Verantwortlich für die Exekutionen in Weissruthenien war die sS. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat nach den Worten von Oberstaatsanwalt Karl Schäfer dem Beschuldigten und dessen Verteidigung mitgeteilt. dass noch weitere Beweiserhebungen beantragt oder Einwendungen gegen die beabsichtigte Einreichung der Anklageschrift vorgebracht werden können. Daraufhin habe die Verteidigung von Viaion um Einsicht in die sehr umfangreichen Ermittlungsakten gebeten, was gewährt worden sei. Die Frage, ob Anklage erhoben wird, ist nach Schäfers Angaben noch nicht endgültig entschieden. Das sind und das waren „feine Leute“, diese Ehemaligen. Ein Staatssekretär, der im Verdacht steht, einen Meineid geleistet zu haben, gereicht keinem Land zur Ehre. ., Erddamm in Iran Tel Aviv. — Eine Tochtergesellschaft der israelischen Wassergesellschaft Mekorot erhielt gegen starke nordamerikanische, französische und italienische Konkurrenz den Auftrag für den Bau eines 50 Meter hohen Erddammes im südlichen Iran. Es handelt sich um ein Objekt von 14 Millionen Dollar; die Bauzeit beträgt vier Jahre. Jüdisches Leben in Rumaenien Bukarest. — Die Delegation des Jüdischen Weltkongresses, die von Nachum Gold mann angeführt wird, beendete ihren fünftägigen Besuch in Rumänien mit einer Erklärung Dr Goldmanns der sich über das Be mühen der rumänischen Juden, ein jüdisches Leben zu führen, anerkennend äusserte. Er unterstrich im besonderen sein Vertrauen, dass die osteuropäische Judenheit weiterhin für den Fortbestand der jüdischen Gemeinschaft in der Welt eine aktive Rolle spielen werde. Sichtlich bewegt gab er seiner Befriedigung Ausdruck, naoh dreissig Jahren wieder Osteuropa besuchen zu können. Einen Höhepunkt bedeutete für die Besucher der Sehabbat-Gottesdienst in der grössten Synagoge von Bukarest, in der sich über 2.000 Menschen drängten, während viele keinen Einlass finden konnten. Die Predigt hielt Oberrabbiner Dr. Moses Rosen, der die Bedeutung des Besuches einer Delegation des Jüdisohea Weltkongresses hervorhob. (ITA) JUDEN BESUCHTEN AUSCHWITZ Auschwitz. — Tausende Juden aus aller Welt, denen sich 70 Israeli« zugesellten, besuchten da« einstm*- lige KZ Ausohwitz. sie veranstalteten Andachten und ehrten die drei Millionen Juden, die hier von den Nazis umgebi-aoht wurden, welche in diesem Lager insgesamt vier Millionen Menschen töteten. D e Gottesdienste landen am Tage nach der otii ziehen Einweihung des Denkmals statt, die mit grossem Pomp von der polnischen Regierung und dem Internationalen Ausohwitz-Coniife veranstaltet wurde. Nur einer der Redner, der französische Jude und Präsident de» A usch witz-Comites, Robert Weitz, gedachte der jüdi sehen Märtyrer. Keine Erwähnung der Juden tat in seiner langen Rede der polnische Premierminister Josef Cyratikiewicz, selbst ein Ueberlebender aus Auschwitz Die Ansprache von Weitz, die er auf französisch hielt, wurde nicht ins Polnische übersetzt. GTTA) Zum Tode Adenauers Mit den grössten Ehren und unter Anteilnahme der entscheidenden Persönlichkeiten der westlichen Welt, unter ihnen Präsident Johnson und General de Gaulle, wurde Dr. Konrad Adenauer, der Baumeister des neuen Deutschlands, zu Grabe getragen. Unter den Trauergästen befanden sich David Ben Gurion und Dr. Nachum Goldmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und des jüdischen Weltkongresses. Adenauer war der Mann, der es als eine deutsche Pflicht empfand, ein Bekenntnis der Schuld oder der Reue neu Juden hat Weit ge-, genüber abzulegen, um damit kundzutun, dass das ungeheuerliche Unrecht und die unvorstellbaren Verbrechen der Naziära eine moralische Tragische Folge einer Feindschaft Washington. — Angenörige der nordamerikanischen Luftwaffe äusserten, dass die Weigerung der Aegypter, Israel anzuerkennen, möglicherweise bei dem Absturz eines schweizer Touristenflugzeugs über Zypern, das bei schlechtem Wetter aus Kairo kam, eine Rolle spielte. Bei dieser Katastrophe fanden wenigstens 126 Menschen den Tod. Die logische Alternative für den Flughafen Kairo wäre gewesen, den Apparat nach Lud zu dirigieren, dessen Flughafen näher liegt und besser für Notfälle aus. gestattet ist als der kleine Flugplatz in Zypern. Der nordamerikanisehe Eixperte für Luf (Sicherheit, der das Unglück aus dieser Perspektive betrachtet, bat, seinen Namen nicht zu nennen, da er zur Kommentierung der Angelegenheiten fremder Nationen nicht autorisiert sei, Das Flugzeug prallte gegen einen Hügel, nachdem es zweimal vergeblich zu landen versucht hatte. Die Mehrzahl der Opfer war Schweizer und Deutsche, die von einem Besuch in Bangkok zurückkehrten. Der Absturz wäre nach Aussage des Amerikaners zu vermeiden gewesen, wenn der Kontrollturm des Flughafens in Kairo den Piloten der verunglückten Maschine angewiesen hätte, Lod anzufiiegen, und die notwendigen Kontakte mit dem israelischen Flughafen herge stellt haben würde. (ITA) und materielle Wiedergutmachung verlangen. Aus diesem Grunde nahm er der Gerechtigkeit willen die Verantwortung für die Reparationen auf 3ioh, die dem Staat Israel und den geretteten Juden geleistet worden sind. Auf diesem Wege führte er zugleich die Bundesrepublik als einen demokratischen Rechtsstaat in die Völkerfamilie zurück. Nachdem er in hohem Alter die Bundeskanzlerschaft niedergelegt hatte, nahm er die Anstrengungen einer Reise nach Israel auf sich, um damit seinem guten Willen für eine Normalisierung der Beziehen- und dem*jungen^ Staat * Israel sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Bereits in der Zeit der Weimarer Republik hat Adenauer eine bedeutsame Rolle gespielt. Im Jahre 1926 wurde er, damals Oberbürgermeister von Köln, nach Berlin berufen. um ein Reichskabitett zu bilden, was allerdings nicht gelang, immerhin aber die Bedeutung seiner Persönlichkeit widerspiegelt. Als Hitler zur Macht gekommen war, befand sich Adenauer unter den wenigen führenden Männern, die sich mit Energie und Unerschrockenheit offen gegen die Diktatur stellten. Seine grossen staatsmännischen Gaben konnte er erst im hohen Alter unter Beweis stellen, als er vom Vertrauen aller demokratischen Kräfte getragen, als Bundeskanzler auf den Trümmern seines Landes einen Staat aufbaute, der längst wieder zu einer Macht geworden ist, mag dies dem einzelnen Zeitkritiker gefallen oder nicht. Der Namen Adenauers wird als der eines aufrechten Demokraten und überragenden Staatsmannes in der Weltgeschichte weiterleben. Syrischtr Kri«g$r«f London. — Der Präsident Syriens Atassi vor kündete, dass sein Land „in jedem Augenblick" bereit stehe, um einen Krieg gegen Israel zu beginnen, wie aus Beirut gemeldet wurde. Atassi förderte alle Araber auf, naoh Syrien zu eilen, um sich in die Reihen seines aus Bauern und Arbeitern bestehenden „Volksheeres“ einzugliedern und am „Befreiungskrieg" teümnehmen. (ITA) Impreso w la Imprenta POLIGLOTA — RAvadaria IH Registro de ta Propiedad Intelectual K» *9*.491

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