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Jüdische Wochenschau · 1967-04-21 · 2214 (21.4.1967) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2214 (21.4.1967)
Date
1967-04-21
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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sa jüdische iura) PUEYRREOON 2190 — 1» izq. JûïJkénxiH&jfcAjCLeiUci Ano XXVin, BUENOS AIRES, VIERNES 31 DE ABRIL DE MWJ T. E. 83 - 26 1 3 N« 3314 Das Wunder der Freiheit Die Hoffnung, als ein freie« Volk leben zu können, ist in Allen Nationen der Erde eine lebendige und gestaltende Kraft. In Völkern, die ihre Freiheit noch nicht erlangt haben, wird die Erwartung und die Forderung nach Freiheit zum gewaltigen Impuls aller nationalen Bemühungen Mehr als 1900 Jahre haben die Juden diese Hoffnung, eines Tages doch ihre verloren gegangene Freiheit wiederzuerhalten, mit sich durch Länder und Völker, durch Meere und Kontinente getragen- Aus dieser Hoffnung haben sie Mut und Zuversioht geschöpft, den weiteren, harten, meist äueserst bitteren Lebenskampf weitermiführen, von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation au Generation, von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Galut au Galut.. Nioht nur wir Juden, sondern auch die Historiker die Beobachter und die Kritiker anderer Völker sprechen vom Wunder des ,,jüdischen Ueberlebens “, jener denkwürdigen Tatsache, dass unser Volk trotz aller schrecklichen Verfolgungen, deren Opfer es au allen Zeiten der Geschichte gewesen ist, geistig und physisch besteht. Ist diese Tatsache auf die Kraft des Glaubens, auf die „Mystik des Blutes“, auf die religiösen Gesetze, auf die nationale Ueberzeugung oder worauf eigentlich ist diese überraschende und überwältigende Erscheinung, dieses beinahe in der Menschheitsgeschichte einzigartige Phänomen zurückzuführen? Trotz allem Konservativismus und der strengen Beibehaltung der religiösen Vorschriften und Gesetze ist es doch unleugbar, dass selbst die „schwärzeste“ Orthodoxie unter dem Zwang der geänderten Lebensverhältnisse, aber auch unter dem Eindruck neuer Erkenntnisse einen erheblichen Wandel durchgemacht hat, der unleugbar ist. Die in der Vorstellungswelt der „Alten“ wesentlichen Opfergesetze mit allem ihrem Ritual und Zeremonial sind in Wegfall geraten, um nur ein besonders einleuchtendes Beispiel für die vollzogene Aenderung der Umstände anzuführen. Wenn wir von der anderen extremen Seite wiederum ein Beispiel, diesmal aus unserer eigenen jüngeren Geschichte wählen, werden wir sehen, von JEHVOA GOTTHEMER dass auch hier sich grundlegende Umstellungen ergeben haben, dass aber die Tatsache der jüdischen Existenz unleugbar erkennbar blieb. Die Entwicklung des deutschen Judentums im 19. Jahrhundert brachte es mit sich, dass immer mehr und mehr der vielen Gebräuche und Gewohnheiten des jüdischen Lebens, die zu den Grundmauern unserer Existenz gehörten, im Zuge der Assimilation an die Umwelt aufgegeben worden sind, ohne dass die Mehrheit der Juden in Deutschland jemals ihr Judesein leugnete oder ihr Judentum aufgab, auch wenn sich diese Gedankenwelt von der anderer Teile des jüdischen Volkes weitgehend unterschied. Mag sich vieles geä ndert haben, das Grundgesetz un. seres Lebens ist geblieben. Der Willen zur Eihaltung des Judentums und des dieses Judentum tragenden Volkes ist so stark oder stärker wie stets und vorher. Denn in unseren Tagen geschah es, dass sich der lange Traum auf die Wiedererhaltung und Brkämpfung der Freiheit und der staatlichen Unabhängigkeit erfüllt hat. Fiir einen „modernen“ Menschen ist es vielleicht auch nicht einfach zu verstehen. warum eiu so weit zurückliegendes Ereignis wie die Befreiung des jüdischen Stammes aus Aegypten zu einem der zentralen Geschehnisse und einer der bewegenden Kräfte im gesamten Verlauf siner vieltausend jährigen Volksgeschichte geworden, gewesen und geblieben ist. Dass der Ewige, gepriesen sei Bi', unsere Väter aus Aeypten geführt hat, dass er das Volk befreite, dass er aus Sklaven freie Männer werden liess, das sollte eine lebendige Kraft ein im gegenwärtigen Leben wirkender Faktor, eine moralische Ermunterung, ein Anruf und Aufruf über Jahrtausende bleiben? — So war und so ist es. Auf die Frage nach den Gründen dieser denkwürdigen Tatsache mag man verschiedene Antworten suchen und geben. Aber sie alle können nur erklären deuten, interpretieren. Geändert wird die Tatsache hierdurch gewiss nicht. Diese Mahnung oder diese Forderung, die in der Pessach-Hagada niedergelegt ist jeder Jude solle sich in jeder Epoche als ein Mann, als eine Frau fühlen, als wäre er oder sie selbst aus Aegypten geführt worden, dürfte eine der wesentlichen Grundgedanken sein, von dem eine moralische Kraft ausstrahlt, die den einzelnen Menschen in ihren tiefen Bann schlägt. Du, gerade und auch Du. ja Du und nicht dein Nachbar oder Nebenmann, Du sollst dich als ein Befreiter betrachten, der damals dabei war, als deinem Volke das Wunder seiner Befreiung zu teil ward. Aber Du sollst dich auch als ein Mensch an- (Schluss auf Seite 2) Ich habe Damaskus gesehen Für Gabi Iftach handelte es sich nicht um eine Luftschlacht, „wie wir sie kennen“. Das lag daran, dass die syrischen Flugzeuge nicht einen einzigen Schuss abfeuerten. Sie trachteten nur, so schnell wie möglich zu verschwinden. Iftach ist Mitglied des Kibbuz Oiwut Brenner. Er ist 26 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Er befehligte eine Gruppe von israelischen Jagdflugzeugen. die an der Spitze der ganzen israelischen Luftwaffe flog, welche die syrischen Positionen bombardierte. Als die Mig-Maschinen auf seinem Radarschirm erschienen, war er nur noch 16 Kilometer von ihnen entfernt. Bei der Geschwindigkeit seines Flugzeuges wäre er in knapp 30 Sekunden mit ihnen zusammengeslossen. Als die Mig-Piloten sahen, dass sie angegriffen wurden, begannen sie zurückzufliegen. Eine Maschine wurde getroffen, doch die andere mussten sie — nach den erhaltenen Instruktionen — bis über die syrische Hauptstadt verfolgen. „Wir haben sie über Damaskus abgeschossen, in etwa 4.000 Meter Höhe; ich konnte di« Stadt sehen“, schloss er seinen Bericht, „ihre Konstruktion ähnelt der eines arabischen Dorfes ** Dr. Adenauer gestorben Dr. Konrad Adenauer, der erste deutsche Bun. deskanzler, ist, von aller Welt betrauert, in hohem Alter gestorben. Winston Churchill nannte ihn den grössten deutschen Staatsmann seit Bismarck. Adenauer war aber mehr: er gehört zu den zentralen Persönlichkeiten, die unsere Nachkriegswelt mitaufgebaut haben. Adenauer stand mit den führenden Männern des jüdischen Volkes, vor allem mit Ben Gurion und Nachum Goldmann, in einem freundschaftlichen Verhältnis. Durch Adenauer wurde der Versuch der Wiedergutmachung eingeleitet, unter seiner Kanzlerschaft der Vertrag mit Israel geschlossen. In hohem Alter besuchte der Altbundeskanzler den Staat Israel, eine Reise, durch welche die ganze Problematik der deutschisraelischen und deutschjüdischen Beziehungen in Erscheinung trat. Dr. Goldmann erklärte im Namen des Jüdischen Weltkongresses und der Zionistischen Weltorganisation: „Mit Bundeskanzler Konrad Adenauer hat d«u» jüdische Volk und Israel einen seiner grossen Freunde verloren.“ Premier - Minister Levi Bshkol sandte ein Bei leidste legramm dem deutschen Kanzler Kurt Kiesing-er. in dem er u.a. sagte, dass Dr. Adenauer die Uebernahme der Veranfc wortung für die N<S-Verbrechen gegen die Juden als eine der wichtigsten Aufgaben seines Lebens angesehen habe. von' ARIE ASHKENAS Propsf Gräber, über den auch in jüdischen Publikationen ausführlich gesprochen wurde, war einer der wenigen aktiven Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich, der sich mit grosser Energie, mit Mut und Selbstlosigkeit für Juden eingesetzt hat. Vor allem wurde über Propst Grüber berichtet, als er im Bichmann-Prozess wichtige und viel beachtete Aussagen machte. Der Propst war wiederholte Male Gast in Israel. Bei seinem letzten Aufenthalt hat Propst Grüber im Laufe einer Rede, die er in Tel Aviv hielt, dazu aufgerufen, die Israelis sollten nicht die ihnen entgegengestreckte Hand der Deutschen zurückweisen. „Ein kollektives Verurteilen und verallgemeinernde Vorurteile seien ein Beweis für Gottlosigkeit, denn nur Gott habe daa Recht, die Sünden der Väter heimzusuchen an den Kindern bis ins dritte und vierte Geschlecht“ Propst Grüber sagte dann weiter, er müsse den Begriff der „Kollektivschuld“ ablehnen, dagegen bejahte er eine „kollektive Mitschuld“. Man solle nicht übersehen, dass tausende junge Deutsche bereit sind, in Kibbuzim zu arbeiten, wenn diese sie aufnehmen würden. Mitglieder der Aktion Sühnezeichen und anderer Arbeitsgemeinschaften fänden aber in Israel nioht immer das rechte Verständnis. Eine ausgestreckte Hand zurückzuschlagen, ist niemals Sache der Juden gewesen Trotzdem müssen einige kritische Bemerkungen zu den Erklärungen des Propstes gemacht werden, durch welche der jüdische Standpunkt klar dargestellt werden soll. So einfach ist es nicht, eine Hand entgegenzustrecken, um dadurch vergessen zu machen, was geschehen ist. und was dem jüdischen Volk vom deutschen Volk angetan wurde. Das Entgegenstrecken der Hand ist nicht Sache der Deutschen, sondern nur Sache der Juden. Nicht derjenige, der das Unrecht tat, kann von sich aus so „grossmütig“ sein, um zu vergessen, sondern derjenige, der verfolgt wurde, dem Unrecht geschah, kann zur Versöhnung bereit sein, wenn und wann er will. Mit Genugtuung wird jeder verzeichnen, dass deutsche Jugend durch Menschlichkeit: gutzumachen versucht, was die Generation ihrer Eltern sündigte. Diesen guten Willen nicht anzuerkennen, wäre sicherlich ein Fehler, der nicht begangen werden sollte Aus dem guten Willen einiger Jugendlicher jedoch Rückschlüsse auf die Haltung eines Volkes ziehen zu wollen, ist gewagt und durch nichts gerechtfertigt. Mit der Vereinfachung von Tatsachen dient man nicht der Zukunft. Mit einer Handbewegung über die Verbrechen der Deutschen hinwegzugehen, ist fiir Mensclven mit Charakter nicht möglich. Dass der Propst an die Israelis appellierte, sie mögen dabei helfen, „einen neuen Baum der Freundschaft zwischen Deutschen und Israelis (gemeint wohl Juden), zwischen Christen und Juden“ zu pflanzen, klingt wunderbar, ist vielleicht auch für sentimentale Seelen ergreifend, aber wird ein Ruf ins Leere bleiben. Denn weder die Deutschen noch die Christen haben die Voraussetzungen geschaffen und den Boden vorbereitet, in den ein solcher Baum gepflanzt werden könnte. Denn hierfür genügen Worte nicht. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um das blutige Kapitel zu sch Hessen, das von den Deutschen in das Buch unserer Gesohichte eingetragen wurde. Das neue, das anders, das bessere Deutschland muss sich erst bewähren, damit wir die Hand ausstrecken können; denn nur wir haben das Recht hierzu. — i i#t ■ ■ "; ‘ :*•* -i- » »fxivi

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