Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2212 (7.4.1967)
- Date
- 1967-04-07
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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T O •O O « 5 ° ü 5 FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XXVHI. BlfUNlkS AIRES, VIERNES 'I DE ABRIL DE 1967 N“ z-í\i EL EJEMPLAR en toda la República 20.- PUEYRREOON 2190 1» íkj. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Die “Struma - Tragoedie 99 Am 24. Februar jährte sich ( 7,um 25. Male der tragische*j Tag. an dem das ..illegale I Itumigrantenschiff „Struma'; mit einer lebenden Fracht von 429 Männern, 250 Frauen und 90 Kindern, die nach Erez Israel wollten, unweit des Nordufers des Bosporus unterging. Nur ein Ueberlebender konnte sich retten. Im Herbst 1941 verschlechterte sich die Lage der Juden Rumäniens zusehends. Sie wurden aus Dörfern und kleinen Städten vertrieben und in eine Region der besetzten Südwestukraine — als Transnisirien bekannt — deportiert. In ihrer Verzweiflung und vom Willen durchdrungen. den Klauen der Na zis und deren rumänischen Helfershelfern zu entrinnen, registrierten sich viele für eine Fahrt nach Palästina mit einem bulgarischen Schiff das urpsünglich „Macedonia“ hiess und spater in „Strumaumbenannt wurde. Es wurde behauptet, dass dieses Fahrzeug seetüchtig und mit neuen Dieselmotoren versehen sei. Es verliess Constanza am 12. Dezember 1942 unter der Flagge Panamas, nachdem die rumänischen Zollbeamten die Passagiere um den grössten Teil ihrer Wertgegenstände. Kleidung und sogar Leben.suiiUeJ, gebräunt hatten. Kaum war dar Schiff unvoA S. SCHECHARYA terwegs, als er klar wurde dass die Maschinen alt und ausgeleiert waren und dass der Maschinist keineswegs seiner Aufgabe gewachsen war. Am 14. Dezember anker. te die „Struma ' im Bosporus", aber weder den Passagieren noch der Mannschaft wurde von den türkischen Behörden gestattet, irgend einen Kontakt mit dem Ufer aufzunehmen. Das Schiff musste acht Tage warben, bis es Proviant für zwei Tage fassen durfte. Nach der kurzen Reise hatte es sich ge. zeigt, dass die Maschinen einer Generalreparatur bedurften, aber es war zweifelhaft, ob sie selbst dann einen starken Sturm aushalten würden. Die Beschaffung von Brennstoff für den Rest der Reise bereitete fast unüberwindliche Schwierigkeiten und zu all dem kamen noch politische Komplikationen; Italien und Deutschland hatten inzwischen Panama den Krieg erklärt und der bulgarische Kapitän zeigte sich absolut abgeneigt, in See zu stechen, da er vor der britischen Blokkade Befürchtungen hegte D:e Flüchtlinge wiederum ängstigten sich, dass er sie auf einer der ägäischen In. aeiu aussetzen würde welche damals von den Deutschen Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ und Italienern besetzt waren. Sie bemühten sich darum, einen türkischen Kapitän anzuwerben, welcher sie nach Palästina bringen sollte und hofften, dass man ihnen die Landung gestatten würde. Die Exekutive der Jewish Agency machte bei der Mandatsregierung dringende Vor Stellungen und ersuchte sie den Flüchtlingen die Eänreise nach Palästina zu gestatten. Der Joint gab bekannt, dass er alle für die Einordnung dieser Flüchtlinge in Erez Israel notwendigen Mittel zur Verfügung stellen wer de. Die Exekutive der Jewish Agency hielt auch die Palästina-Regierung über die zahlreichen telegrafischen Anfragen auf dem Laufenden, welche aus Nord- und Südamerika in grosser Zahl eingingen und das Schicksal der Flüchtlinge zum Gegen stand hatten. Am 20. Februar erklärte die Exekutive der Jewish Agency in einer weiteren dringenden Eirigaoe an die Regierung dass sie zwar deren Vorschlag, den auf der „Struma" befindlichen Kindern die Landungserlaubnis zu erteilen, sehr schätzte, sich aber keineswegs, damit afetiudeu könne, dass man die übrigen Passagiere ihrem Schicksal überlasse. Sie widerlegte auch das an den Haaren herbeigezogene Argument, dass die Einreise von 750 Flüchtlingen die Versorgungslage Paläst.i. nas ernstlich beeinträchtigen würde und fügte hinzu, dass. wen« infolge dieses Bevölkerungszuwachses dennoch eine Verkleinerung der Nahrungsmittelracionen erforderlich sein sollte, der Jisohuw gern dieses Opfer bringen würde. Auf diesen Brief kam schon keine Antwort mehr, da am 24. Februar die erschüttern, d« Nachricht eintraf, dass die „Struma“ am gleichen Tage um 10 Uhr vormittags die Fahrt wieder angetreten habe und kurze Zeit später in einer Entfernung von etwa 4 Meilen vom Bosporus gesunken sei. Der einzige Ueberlebende, David Staliar. wurde von einem türkischen Rettungsboot aufgefisoht, in Spitalbehandlungen genom men, später interniert und am 23. April gegen Bürgschaft, welche die jüdische Gemeinde von Stambul stell te, freigelassen. Der Präsident der Zionisti-! sehen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, sagte folgendes zur Katastrophe der „Struma": Die Palästina-Administration hätte die Flüchtlinge aus der Nazihölle ins jüdische Nationalheim einj warndern lassen können, oh- ne ein einziges Zertifikat au- | sserhalb der für das laufen- 1 de Jahr bereits festgesetzten Quote zu bewilligen. Sie > machte alle Bemühungen zunichte. welche die Jewish Agency unternommen hatte, um die Flüchtling« zu retten.! Selbst die einzige Ausnahme, ' weiche die Regierung zugunsten der Kinder unter 16 I Jahren zügestanden hatte, i kam zu spät, um ihr Leben! zu retten. Es ist etwas ge- JOSIP BROZ (genannt Ti toi, Präsident Jugoslawiens, verteidigte gegen Angriffe aus Moskau seinen „liberalen Kommunismus". — DIE ENCYKLIKA des Papstes „Populorum progressio“. die sich gegen die Armut wendet und die Berechtigung eines absoluten Kapitalismus bestreitet, hat über all grosses Interesse ausgelöst. — GUERILLA-Krieger operieren in vielen südamerikanischen Ländern und verursachten in der letzten Woche starke Beunruhigung in Bolivien. — U THANT, der Generalsekretär der UN, legte einen neuen Friedensplan für Vietnam vor. — PARASKEVOPOULOS. Premierminister Griechenlands, ist zuiiickgetreten; in seine Stelle trat Panajioti Canneaopoulos. — DIE UNTERSUCHUNGEN über den Kennedy-Mord nehmen immer geheimnisvollere Formen an. — BLUTIGE Zwischenfälle mit vielen Toten und nunderten Verletzten werden aus Kalkutta und anderen indischen Städten gemeldet. — GERUECHTE werden verbreitet. Mao Tse-Tung sei gestorben. — H. H. HUMPHREY. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. besuchte verschiedene europäische Länder. — DIE UN setzen ihre Versuche fort, im Aden-Konflikt zu vermitteln. — CHOL EN LAI. chinesischer Premier, lobte die Aktionen der „Roten Garden“. — DAS SOWJEITSCHE Spionagenetz, das in Italien aufgedeckt wurde, zieht immer weitere Kreise. — INDIEN gab bekannt, zum Bau einer Atombombe imstande zu sein, hiervor aber Abstand nehmen zu wollen. — MAURETANIEN und Algerien kritisierten die Englän der wegen ihres Vorgehen« gegen Rhodesien. — AUCH ISRAEL hat inzwischen die Auslieferung Paul Stangls von Brasilien verlangt. — VON SICH REDEN machte die Tochter Stalins, die Asyl im Westen gesucht haben soll. — NIGERIA ist nach den letzten Meldungen von der Gefahr eines Bürgerkrieges bedroht — FRANKREICH feierte den Stapellauf seines ersten Atom-IJbootes. — EINE ZEITUNG in Djakarta warnte die Sowjetunion davor, sich in die inneren Verhältnisse Indonesiens einzumischen. — DAS FRANZOESISCBE Kabinett war vor der Bröff nung des neuen Parlaments zurückgetreten, das den Gaullisten Chaban-Delmag erneut zu seinem Präsidenten wählte. MARSCHALL RODION J. Maltnowsky, einer der „Helden“ der Sowjet-Union, Sieger von Stalingrad, zuletzt russischer Verteidigungsminister, verstarb im Alter von 69 Jahren, — Jean Paul Sartre in Israel Tel Aviv. — Der französische Schriftsteller und Philosoph Jean Paul Sartre. Nobelpreisträger und Begründer des Existenzialismus, berichtete in einer Pressekonferenz über die Eindrücke, die er auf seiner vierwöchigen Reise durch den Mittelosten sammeln konnte. Sartre erklärte, er habe in Israel einen weitverbreiteten und echten Wunsch nach Frieden mit den Arabern feststellen können. Er vermied, auf Fragen der Journalisten Antwort zu erteilen, wie er die Einstellung der Aegypter in dieser Hinsicht beurteile. Sartre, der von Minister Präsident Levi Bshkol empfangen worden war, äusserte, seiner Meinung nach sei eine Lösung des arabisch-israelischen Konflikts nur dann möglich, wenn „die Aus Asien zurück Jerusalem — Aussen minister Abba Eban kehrte von einer ausgedehnten Reise in asiatische Länder zurück. In Japan Australien und Neuseeland wurden ihm Konkrete Vorschläge gemacht, die sich aui die Ausgestaltung der israelischen Pläne für Entwicklungshilfe an einige Länder Asiens beziehen Nach Ebans Aussage sind auch andere asiatische Länder an einer Zusammenarbeit mit Israel lebhaft interessiert. (FTA> Vorbedingungen beider Teile akzeptiert werden“. Diese „Vorbedingungen“ seien die israelische Forderung dass die Araber die Existenz Israels und dessen Souveränität anerkennen müssen, und das arabische Verlangen, dass alle arabischen Palästina- Flüchtlinge das Recht haben sollen, in ihre alten, jetzt in Israel liegenden Heime zurückzukehren. Er fügte hinzu, er glaube nicht an die Möglichkeit einer Lösung, solange beide Forderungen nicht voll erfüllt werden. Die ablehnende Haltung beider Parteien, von denen keine bereit ist, di4 Vorbedingung der anderen anzunehmen sei der Grund für die Spannung und .die Angst vor dem Krieg, führte er aus. Er gab allerdings zu, dass er einen Fortschritt in den Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten bemerkt hät te, doch noch sähe er „keine günstigen Anzeichen für einen Frieden“. (ITA) Türken pflanzen Wald Eine Gruppe des türkischen Gewerkschaftsbundes „Türk Is“. die vor kurzem als Gast der Histadrut Israel besuchte, nahm an einer Feier teil, wo sie die Pflanzung eines Wal des begann, der den Nameu ihrer Organisation tragen soll. Der neue Hain liegt auf dem Karmelhang nahe dem Atatürkwald und dem Moschaw Geva Karmel, dessen Siedler aus der Türkei stammen. Holland begehrt Auslieferung Den Haag. — Der Aussenminister Hollands. Dr. Jo seph Luns, unterrichtete das holländische Parlament das« 3eme Regierung von Brasilien die Auslieferung de» Franz stangl an Oesterreich begehrt hat In den Todes lagern von Treblinka und Sobibor, deren Kommandant Stangl während des Zweiten Weltkrieges gewesen ist, wurden auch 80.000 holländische Juden• ermoedet, Stangl wurde am 2. März in Sao Paulo festgenom men. E: ist seither in einem Gefängnis in Brasilia in Haft. Zu seiner Ueberwachung sind die schärfsten Sicherheit. smassnahmen getroffen worden. Stangl erwartet dort den Ausgang des österreichischen Auslieferungsantrages, um sich vor Gericht für seine Kriegsverbrechen zu verantworten. Auch Westdeutschland und Polen haben seiue Auslieferung begehrt. Nach brasilianischem Gesetz müssen Auslieferungsbegehren innerhalb von 60 Tagen entschieden werden, d. h. in diesem Fall muss der Bescheid bis zum 1 Mai gefällt sein. (ITA) schehen, das so schrecklich j ist, dass es jeder Beschreibung spottet. Wie reagierte die öffentliche türkische Meinung auf diese Tragödie? Der türkische Ministerpräsident erklärte: „Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, sowohl vom materiellen als auch vom moralischen Gesichtspunkt. Wir tragen keine Verantwortung dafür, was geschehen ist. Die Türkei rann nicht als Zufluchtsort oder Unterkunftsstätte für diejenigen dienen, die anderswo unerwünscht sind. Nach diesem Grundsatz haben wir gehandelt; darum naben. 4$u JTjj&WiUiöaL nicht gestattet, m Istanbul tu landen. Es ist sehr zu bedauern, dass sie infolge eines Unglücksfalles dann umgakommen sind.“ Lady McMichael, die Ehe Trau des britischen Hochkommissars in Palästina, befand sich zufällig unter den Zuschauern im Eden Kino in Jerusalem, als die Nachricht;om Schiffsunglück eintraf und das Publikum zum Zei- Jhen der Trauer und des Protestes den Saal zu verlassen begann. Sie wollte sich licht damit abfinden, dass die Vorstellung abgesagt vur de, obwohl sie genau wu I \;vas geschehen war. Ihre Begleiter drohten sogar dem Kinobesitzer, dass man ihm die Lizenz entziehen würde, wenn die Vorstellung unterarochen würde. erschüttert.. In einer grossen Protest-Kundgebung in Jo« hannesburg sprach A. L. Pincus, heut« Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency: „England“, so sagte er, „bemüht sich die unterjochten Völker Europas zum Aufstand aufzurütteln und ver« spricht ihnen Freiheit. Können diese unterjochten Völker glauben dass es England mit der Freiheit ernst meint, wenn es solche Tragödien zu, lässt?“ Die Frage, warum die jüdischen Flüchtlinge aui Bord der „Struma" sterben mussten, ist bis zum heutigen Tage unbeantwortet geblieben die damals geschlagene Wunde noch nicht verheilt. In aller Kürze Jerusalem. — Die Regierung Israels richtete eine scharfe Warnung an Damaskus, die Syrer sollten nicht glauben, dass sie eine Formel für einen einseitigen Krieg gefunden hätten. Israel sei entschlossen, seine Sicherheit mit allen Mitteln zu verteidigen. — Budapest. — Eine Delegation des Jüdischen Weltkongresses unter Führung von Dr. Nachum Goldmann befindet sich jetzt in Ungarn, nachdem sie bereits die CSR besucht hat. Die Delegation wird auch Rumänien und Jugoslawien besuchen. Neue syrische Sabotageakte Jerusalem. — Premierminister Levi Eshkol erklärte in der letzten Kabinettssitzung, dass die Regierung die neuen Sabotageakte, welche die Syrer in jüngster 2!eit verübten, als „sehr ernst“ betrachtet, da sie Versuche darstellen, in Israel Unruhe zu säen. In der vergangenen Woche wurden von arabischen Infiltranten wieder zwei Ueberfälle verübt. Eine Pumpstation wurde gesprengt die zum Kibbuz Misgaw Am gehört, welcher etwa vier Kilometer von der Grenze zwischen Syrien. Israel und Libanon liegt. Die Arbeiter des Kibbuz mussten feststellen, dass ihre Pumpstation zerstört war, als sie die Anlage kontrollieren wodten. Die Sprengung war anscheinend schon einige Tag« zuvor geschehen. In der Nähe des Tatortes lagen Flugblätter, die die gleichen Parolen wie jene trugen. welche einige Wochen vorher von den Terroristen de El-Fatach-Organisation im Landessüden in der Gegend von Lachisih zurückgelassen worden waren Daraus schlossen die Israelis, die den Fall untersuchten dass es sich um die gleichen Attentäter handelte, die aus Syrien oder Libanon eindringen. Auf den Schienen einer Eisenbahnlinie in der Nähe von Kfar Sabe in hundert Meter Entfernung von der transjordanischen Grenze fanden Eisenbahnbeamte eine Handgranate, die sie entschärfen konnten, bevor eine Explosion grösseres Unheil anrichtete (ITA» Impreso m la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de xa Propiedad Intelectual N? 909.491