Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1967-03-10 · 2208 (10.3.1967) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2208 (10.3.1967)
Date
1967-03-10
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9615794-9615858--4735-9615859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

JÜDISCHE ioocuehscuiiu /¡zJem&täJsfoGüelUa PUEYRREDON 2190 — 1* izq. Año XXVIII. 83 - 26 1 3 T. E. BUENOS AIRES, VIERNES 10 I>E MARZO DE 1967 N" 3208 Kardinal Frings und Antisemitismus Der Präsident der amerikanischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses, Rabbiner EH’, Max Nussbaum, der kürzlich zu einer Vortragsreihe vor jüdischen Gemeinden ln die Bundesreupublik kam führte bei dieser Gelegenheit auch Gespräche mit prominenten politischen und kirchlichen Persönlichkeiten der Bundesrepublik. Unter anderem traf er mit dem evangelischen Bischof Scharf, dem katholischen Weihbischof Neuhäusler und dem Kölner Kardinal Frings zusammen. Bischof Scharf und Weihbischof Neuhäuser, der mehrere Jahre in Nazi-Konzentrationslagern verbracht hatte, äusserten Besorgnis über das rapide Anwachsen der NPD. Sie zeigten in ihren Gesprächen mit dem Rabbiner auch viel Verständnis für die Sorge, wie die Demokratie in Deutschland erhalten und gefestigt werden könne. Dagegen überraschte der Kölner Kirchenfürst den Rabbiner mit provokatorischen Redensarten antijüdischer Tendenz. Mit Erschütterung berichtet« mir Dr. Nussbaum von seiner Begegnung mit Kardinal Frings: „In meinem einstriidigen Gespräch mit dem Kardinal musste ich mit grosser Trauer von ihm Dinge hören, die sehr an die jüngste Nazivergangenheit erinnerten. Das zeigt, welchen Einfluss die Naziperiode — bewusst oder unbewusst — sogar auf die besten Vertreter Deutschlands haben kann. Kardinal Frings sieht keine grosse Gefahr in der NPD. Dann erklärte er mir die Gründe für den Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus Der Kardinal sagte mir zu meinem Entsetzen: .Die Juden in Deutschland vor Hitlers Machtantritt hatten viel zu grossen wirtschaftlichen politischen und kultureller Einfluss in diesem Lande. Die Juden jener Zeit hat en grossen Reichtum erworben und trugen diesen Reichtum zur Schau. Dies waren die Gründe, die psychologisch den Nationalsozialismus möglich machten. Heute gibt es nur eine k eine jüdische Gemeinde; deshalb besteht keine nationalsozialistische Gefahr. Ich bedaure die nationalsozialistischen Verbrechen, aber auch die Alliierten begingen viele Sünden, beispielsweise Bombardements von Dresden und der Kirchen!’“ von ALFRED WOLFMANN VORBEMERKUNG DER REDAKTION. Ueber die Rücksprache, die Rabbiner Dr. Max Nussbaum mit dem Kölner Kardinal Frings bei seinem letzten Besuch in Deutschland gehabt hat, sind bereits zahlreiche Veröffentlichungen in den Tages- und jüdischen Zeitungen erschienen. Bevor wir zu dem aufgeworfenen Problem Stellung nehmen, wollen wir erst über den Sachverhalt informieren und veröffentlichen daher zunächst einen Artikel unseres Mitarbeiters, Alfred Wolfmann, des ITA- Korrespondenten in Deutschland. Anschliessend an diesen Artikel finden unsere Leser eine Stellungnahme des Kardinals, bezw. seiner Beauftragten, wie sie von der Deutschen Presseagentur verbreitet worden ist. — Uns sind eine Reihe von Artikeln in dieser Frage zugegangen, deren Veröffentlichung wir uns Vorbehalten sind, hassen die Antisemiten uns — sondern erst hassen sie uns, und dann sind wir schlecht.“ Soweit mein Gespräch mit Rabbiner Dr. Max Nussbaum. Was die Aeusserungen des Kölner Kardinals Frings betrifft. so meinen wir, dass der Geist, der in ihnen zum Ausdruck kommt, keines weiteren Kommentars bedarf. Stellungnahme des Kardinals Köln. — Seine Zusage zu einem Vortrag zur ,Woche der Brüderlichkeit“ ln Köln hat der Kölner Erzbischof Kardinal Josef Frings zurückgezogen. Wie der Kölner Generalvikar, Prälat Hermann Jansen, mitteilte, will der Kardinal diesen Vortrag nur dann halten, „wenn die Judenschaft Kölns, die ihn ja am besten kennen muss, sich von der Erklärung der „Allgemeinen Unabhängigen Jüdischen Wochenzeitung“ (früher „Allgemeine Woebenzeitung der Juden in Deutschland“) öffentlich und in aller Form distanziert“ Die in Düsseldorf erscheinende jüdische Wochenzeitung hatte Kardinal Frings in einer ihrer letzten Ausgaben „provokatorische Redens- ' arten antijüdischer Tendenz’ vorgeworfen. Die Zeitung bezog sich dabei auf Aeusserungen gegenüber dem Pi äsidenten der amerikanischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses, Rabbiner Dr. Max Nussbaum. — Kardinal Frings hatte die Beschuldigungen Nussbaums zurückgewiesen. In dem Artikel der jüdischen Zeitunv fehlten wesentliche Purkt» der Darlegungen, und die wiedergegebenen Aeusserunr gen seien aus dem Zusam- ■ menhang gerissen, hatte der Kirchenfürst argumentiert Auch das Erzbischöfkche Generalvikariat in Köln hat inzwischen bedauert „dass aus einem Gespräch das der Kardinal einem fünrer.den Rabbiner aus Gefälligkeit gewährt hatte, in entstellender und tendenziöser Weise Sätze herausgewählt und ohne Rücksicht auf den Zusammenhang wiedergegeben wurden”. Das Erzbischöfliche Gene ralvikariat weist darauf hin. dass der Kardinal in dem in freundschaftlicher Atmosphäre geführten Gespräch seinem jüdischen Partner die Besorgnis habe nehmen wol len, es könne eine A”t neuer Nationalsozialismus in Deutschland Vorkommen. Deshalb habe er darauf hirgewiesen, wie ganz anders als heute die Situation in den Zwanziger Jahren gewesen sei. Der Kardinal habe aus seinem Abscheu vor den Taten Hitlers niemals einen Hehl gemacht. Auch seien unter anderem, während Kardinal Frings Erzbischof von Köln war, in seinem Erzbistum in kirchlichen Häusern trotz aller Gefährdung Juden verborgen una über den Zusammenbruch hinaus gerettet worden. — Beziehungen aufgenommen von B. B. SAMUEL Eine kurze Nachricht meldete aus Bonn, dass die Buadesrepublik Deutschland die Beziehungen mit Transjorda* nien wieder aufgenommen habe. Bekanntlich hatte avoto dieser arabische Staat seine diplomatischen Beziehungen zi Deutschland abgebrochen, als Bonn mit Israel sie aufnahm. Nun haben sich zwar die Begehungen zwischen Israel und Bonn nicht geändert, aber König Husse n hielt es doch für zweckmässig, das mit Deutschland durchschnittene Band wieder zu flicken. Alles ist also beim Alten, dec König eine persona gratissima in Bonn, und die deutsche» Gelder äusserst willkommen in Amman, des Königs Haupirstadt. Dass Hussein trotz der Annäherung an Bonn an seiner alten Israel-Feindschaft festhält, ist selbstverständlich Die Frage einer Aenderung seines Standpunktes, ein delikater Punkt, wurde nicht angeschnitten. Dass Hussein, seit langem die Zielscheibe der hasserfüllten Politik Nassers um seine Vorherrschaft, die Arabische Liga nicht befragte, bevor er seine Beziehungen m Deutschland wiederherstellte, hat selbstredend eine scharfe Reaktion Nassers und der Liga, die immer noch ein willfähriges, wenn auch stumpfes Instrument in seiner Hand ist, i.ervorgerufen. Mit einem Ausschluss Transjordaniens aus der Liga ist zu rechnen. Dieser Beschluss wird* allerdings an der bestehenden Lage nichts indem, da Transjordanien sich ohnehin nur in einem begrenzten Umfang an den Arbeiten der Liga — zumindestens in den letzten Monaten — beteiligt hat. Der Verfall der Liga die sich bereits mehrere Male in einem Zustand der Auflösvng befunden hat, dürfte nicht aufzuhalten sein. Denn auch andere arabische Länder, die zur Liga gehören, suchen einen Weg der Wiederverständigung mit Bonn und der Wieneraufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepunlik. Der Sudan, von inneren Kämpfen erschüttert, — and che» seit Jahrzehnten —, ist in Geldnöten und sucht d e Hüte aus Bonn, das trotz seiner angeblichen „Finanznöte“ immer noch grosszügig die weniger entwickelten Lanier unterstützt, wodurch das deutsche Ansehen ln der Welt ebenso wächst wie die deutschen Interessen. Dass sich auch das Königreich Saudi Arabien wieder in Bonn etablieren wird, ist mit Sicherheit anzunehmen Darüber irnaus spricht man davon, dass Algier einen Weg sucht, um nicht den Anschluss zu versäumen. Bedeutet pe reits die transjordanische Sonderaktion einen sichtbaren Bruch in der Arabischen Liga, so würde natürlich die Solidarität vollends aufgehoben sein, wenn Saudi Arab“en und Sudan auf dieser Linie folgen würden. Sollte aber auch Algier aus der „ägyptischen Reihe tanzen“, dann wäre .lies der ernsthafteste Schlag, der in den letzten Jahren der Liga versetzt worden ist. Denn Algier war immer einer der engster oder gar der engste Verbündete Aegyptens Wenn es auch sein mag, dass wir vor einem de facto- Zusammerbruch der Arabischen Liga stehen, so dürfteu sich hieraus noch keine unmittelbaren positiven Ergebnisse für Israel ergeben, das gut daran tun würde, mit Ruhe di© kommende Entwicklung abzuwarten. — WIE ICH ES SEHE ■ n Glauben-Wissen-Hoffen Rabbiner Dr. Nussbaum erzählte mir weiter: ,Ich erwiderte dem Kardinal, dass der Krieg zwar stets ein moralisches Uebel ist, dass man doch aber nicht die Kriegs bombardements mit dem kalten, systematischen Mord vor» sechs Millionen Juden vergleichen kann. Daiaufhin fragte mich der Kardinal. ,Sind sie sicher, dass es sechs Millionen Juden waren?’ “ Dr. Nussbaum macht« fassungslos eine kleine Pause. Dann fuhr er fort: ,Ich antwortete dem Kardinal, dass die Zahl von sechs M.llionen ermordeter Juden dokumentarisch erwiesen ist, und es vielleicht noch zweihunderttausend mehr waren. Ich fügte hinzu, dass die Existenz des Antisemitismus nichts mit der Existenz von Juden zu tun habe und dass es das Resultat des Nazismus auch gegeben hätte, wenn alle Juden Engel gewesen wären. Ich zitierte dem Kardinal den grossen Zionisten Max Nordau, der einmal gesagt hat- *©• Nicht weil wir schlecht Gegen Neonazismus Montevideo. — Die lateinamerikanische Executive des Jüdischen Weltkongresses, die am letzten Wochenende tagte nahm nach einer Kundgebung, auf der hervorragende Intellektuelle aus Argentinien, Brasilien und Chile sprachen, eine Resolution gegen die Wiedererstarkung des Nazismus in Deutschland und anderen Ländern an. Insbesondere wurde gefordert : 1. ) Das Verbot des Drukkes und der Verbreitung jeglichen nazistischen Materials auf dem Kontinent. — 2. ) Ueberprüfung der bestehenden Gesetzgebungen, um die Förderung und Verbreitung jeglicher Bewegungen unter Strafe zu stellen, die den Passen¬ oder religiösen Hass betreiben. — 3. ) Alle Bewegungen die sich mit dieser Zielen und Tendenzen btschifügen, sollen unterdrückt werden. — Die Annahme der Resolution erfolgte einstimmig. con JEHUDA GOTTHEIMER Ein Angeklagter Ein angeklagter NS-Verbrecher, der Mordes an 7.000 Menschen beschuldigt —, von Beruf Kriminalpolizei-Hauptsekretär, verteidigt sich mit der Behauptung, er habe erst 1941 gemerkt, was der Sicherheitsdienst, eine Spezialformation der Gestapo, mit den Juden vorhabe. Seine kriminalistischen Fähigkeiten scheinen nicht sehr ent wickelt gewesen zu sein, dafür seine kriminellen um so mehr. Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz, an dessen 250. Todestag im November des vergangenen Jahres in vielen Feiern erinnert wurde, gilt als der vielseitigste deutsche Denker, als das letzte Universalgenie. Ex war Rat und Bibliothekar eines deutschen Fürsten (des Herzogs von Hannover), Hofgeschichtsschreiber, bedeutender Mathematiker. Rechtsgelehrter, Politiker Theologe, Physiker-, Gcschiehns- und Sprachforscher. Als Philosoph hat Leibniz ein rationalistisch-idealist'- sches Gedankengebäude entworfen, das die mechanische Naturerklärung des Cartesius durch Einführung des Begriffes der Zweckursachen mit dem religiösen Glauben zu versöhnen suchte. Der die Welt bejahende Denker benutzt die Ansicht, dass diese Welt die vollkommenste unter allen denkbaren Welten ist, zux Rechtferügunf Gottes. Seine „Theodizee“ — das griechische Wort oedeutet Rechtfertigung Gottes — ist das Bemühen, den Glauben an die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes mit der Existenz des körperlichen und sittlicnen Uebels in 1er Welt in Einklang zu bringen Leibniz’ Bestreben war es. einen Ausgleich zwischen religiöser. Vorstellungen und Erfindungen mit philosophischen und naturwissenschaftlichen Er kenntnissen zu suchen. Schüler eines Gymnasiums, das den Namen dieses letzten Universalgenies trug, hat sich der Schreiber dieser Zel len (zwangsläufig) oft und viel mit dem Werke dieses seltsamen Mannes beschäf tigt, das trotz seiner Vieifal' überal. das Streben nach Ein heit, nach Ausgleich und Harmonie erkennen lässt Aus diesem unermüdlichen Streben nach Wissen und Erkenntnis erwuchs 'n Leibniz die Idee der Welt-Harmonie, wie aus seinem Bewusstsein der Notwendigkeit einer Theodizee der Drang zur Bereicherung seines Wissens erklärt werden muss. Die Frage dürfte heute nicht mehr unberechtigt sein, ob dieser Wille zur Harmonisierung unseres Wissens und Denkens um die Writ auch noch jetzt vorhanden ist, oder ob die ungeahnte Erweiterung unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungen, unseres technischen Apparates und unseres Einblicks in die physischen Zusammenhänge unseres Seins jede Systematisierung und Harmonisierung unmöglich machen. Bei aüeir Respekt vor der Fassungskraft mancher genialer Menschen dürften Zweite bestehen, ob noch jemals ein .Universalgenie’ auftreten kann, das einen so gewaltisen Wis sensstoff auf der Grundlage moderner Erkenntnisse erfassen könnte. Man gewinnt damit den Eindruck, dass die Feststellung, der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibin? sei da« letzte Universalgenie gewesen. der die langt ReUie von Aristoteles über Maimonides abschliesst. eh.e end gültige ist. Die immer weitei fort schreitende Spezia.'sierung unseres Wisens und damit die Ausbildung der Jugend auf vielen Einzelgebieten verhin dert geradezu, dass ein Genie auf seinem Fachgebiet zugleich alle Sparten menschlichen Wissens und Denkens zu ubersehen vermag Dabe. is+ ein solches Streben nach Er kennen eine wesentliche Voraussetzung für jene Harmo nie, die allein zum wirkL-1 chen Frieden führen kann. Theorien bleiben imm.-r dann wirkungslos, wenn nicht dev Versuch gemacht wird, sie zu einer praktischen Nutzanwendung überzuleiten. Die Intensität dieses geistigen Strebens nach Realisierung verleiht jedem Gedanken erst eine gestaltende Kraft. II. Theodizee Dass der Glaube eine bewegende Kraft in der Geschichte der Menschen ist, bedarf keiner langen Begründung. Unser Volk und seine Existenz legen hierfür einen überzeugenden Beweis ab. Aber selbst der einfache, wenn nicht schon der primitive Mansch, der über ein ge ringes Wissen verfügt und in den Naturgewalten Götter sieht, sucht nach einer „Rechtfertigung” Gottes, seiner Existenz, seines Wirkens. Dieses Suchen nach Theodizee ist selbst dort festzustelien, wo wir nicht einem Glauben, sondern deutlich einem „Aberglauben“ begegnen. Zu den kompliziertesten Problemen, mit denen wir uns auseinanderzusetzen ha ben, gehört das Phänomen des Aberglaubens, dessen Definition schon auf die grössten Schwierigkeiten stösst Aberglauben ist so definiert Brockhaus, der Glaube an das wahrnehmbare Wirken magischer Kräfte ... Demnach wäre auch der Aberglaube ein Glaube. Aberglauben ist aber nicht mit Irrglauben zu verwechseln obwohl Aberglauben stets ein Irrglauben sein dürfte Gewissen Naturerscheinungen, uns nicht bekannten Zusammenhängen zwischen Sternen und Menschen, „Zauberformeln“ u. ä. wird gö thehes Wirken zugrundegelegt, worj an viele Menschen „glauben“. Ihre Ueberzeug ing von der Richtigkeit dessen woran j sie glauben, ist so gross, dass j es nicht gelingt, sie durch i noch so treffende Argumente von ihren Ideen abzuarincen.; Daraus müssen wir den Schluss ziehen, dass die Kraft des Aberglaubens nicht geringer als die des Glaubens ist, was auch allgemeiner Auffassung entsprechen dürrte. Das Bestreben, die Existenz Gottes und seiner sittlichen Gebote zu beweisen, finden wir an vielen Stellen, vor allem in unserem Schrifttum. Das Buch Hiob sucht -ine Antwort auf die quälend© Frage nach der Existenz Gottes, an der Zweifel auftreten könnten, weil gerade ein so frommer und in Gottes Wegen wandelnder Mensch wie Hiob vom Unglück i.eimgesucht wird. Warum leiden die Frommen?, das ist d'e sin.ple Formulierung, die in hunderten und tausenden Gebeten immer wieder zum Himmel auf gestiegen ist, als M* Ilionen unschuldiger Menschen, eine Million unschuldiger Kinder, in der furchtbaren Judentragödie unserer Zelt zugrunde gehen mussten. Wo isf Gott, der solches duldet?, das fragten selbst die ergebensten Glaubenden und Gläubigen in ihrer Verzweiflung, in ihrem Schmerz in der Ausweglosigkeit ihres totgeweihten Daseins. Nur von den Stärksten unter ihnen wird berichtet, wie ihr Glauben di» anderen aufrecht erhielt. Auch im Buch Kohe'et wird die Frage nach der göttlichen Existenz gesteh, nach dem Gott, der Gerechtigkeit fordert und der selbst Gerechtigkeit anwenden muss Hier ist ein gewaltiges Aufbrausen des Menschen im Glauben an die Ricntigkeit des göttlichen Rechtes. Hier wird zum ersten Mal Jas gefordert und ausgesprochen, was in der späten Rechtsphilosophie als „richtiges Recht“ postuliert worden ist Auch im Kohelet ist die Rechtfertigung Gottes zu erblicken, die mehrere Jahrtausende später die Philosophen wie (Schluss auf Seite 2)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.