Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2206 (24.2.1967)
- Date
- 1967-02-24
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISRAELITA FRANQUEO PAGADO Concesión 908 o OI r #• \ . *■ TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVIII. BUBNOS AIRES, VIERNES 24 DE FERREfRO DE IDE ÍSN 29*»6 r» i üv^&i irr EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1» Uq. Buenos Airee ES WAR GRA UENVOLL Kaum 7,u übersehen ist die Zahl der in diesen Monaten vor deutschen Gerichten ver handelten Strafprozesse gegen SS-, SD- und andere Verbrecher, die sich in den vielen Ladern Polens durch ihre Brutalität und Skrupel lOsigkeit „ausgezeichnet“ haben und nur all™ willfährig bei der Ausrottung von Millionen Menschen, vor allem Juden mitwirkten. Die deut sehen Zeitungen berichten nicht sehr ausführlich über diese Schande des Jahrhunderts. denn die Verfahren gegen die NS-Mörder sind im heutigen Deutschland nicht sonderlich beliebt Man sollte schon endlich mit diesen Prozessen Schluss machen, das ist die Meinung sehr vieler Bürger, die sich durch die Erinnerungen an diese Zeiten unbequem ange sprochen fühlen, und dies aus recht verschiedenen Gründen. ★ Im Kolomea - Prozess vor detn Schwurgericht Darmstadt berichtete ein Angeklagter, der des Mordes an mehr als 10.000 Menschen beschuldigt wird, er sei in die SS und nicht in die SA eingetreten, weil die SS „vornehmer“ war... Die Mordbilanz. der SS beweist überzeugender als viele Worte derer. „Vornehmheit“... Derselbe Angeklagte bevtfl JAKOB K richtete dem Gericht,, wie menschlich er gehandelt habe. Beweis: Er habe einem Mitglied der Sekte ..Neue Erde“ vor dem Gang in die Zelle gestattet, sich zu rasieren .., ★ Vor einem Bremer Schwurgericht steht Bäckergeselle und SS-Mann Phillip Mensinger, der seine „privaten“ Mordaktionen in verschiedenen Zwangsarbeitslagern in Galizien, in Drohobycz und in Borislaw, durchzuführeo pflegte. Er ersohoss Juden aus eigenem Antrieb und auf Befehl seines damaligen Vorgesetzten, des SS-Oberstrum bannfiihrers Fritz Hildebrandt, gegen den ein anderes Verfahren läuft. In diesem Verfahren war Bäckergeselle Mensinger von vielen Zeugen als die „Bestie von Galizien“ wiederkannt und bezeichnet worden, der „Menschen wie Vögel abgeschossen“ hat. Welche Menschen durch die von vielen Seiten geforderte Einstellung der NS- Verbrecher - Prozesse begünstigt werden würden ((und sollen?), zeigt dieser Fall des Bäckergesellen, der im Lager Drohobycz ein jüdisches Mädchen aufstöberte, das sich auf einem Dachboden vor ihren Verfolgern ver- ATZ-ROGASEN steckt hatte. Die Kleine, die etwa zehn Jahre alt gewesen sein soll, musste auf seinen Befehl auf die Strasse herunterspringen, wobei sie sich beide Beine brach. Das wehrlose Kind wurde dann vom Ss-Helden Mensinger kaltblütig erschossen... ★ Der Hinweis auf die Zustände in diesen Arbeitsla gern, die hier genannt wurden, sowie auf viele andere ähnliche Lager, in welchen solche Grausamkeiten und schwerere an der Tagesordnung gewesen sind, wirft eine ganz andere Frage auf. die im Zusammenhang mit der Wiedergutmachung von Interesse ist. Denn nach dem Entschäligungs - Schlussgesetz gilt die sogen. KZ-Vermutung. Wer mehr als ein Jahr in einem KZ gewesen ist, bei dem greift die Vermutung Platz, dass er durch diese Verfolgung um mindestens 25 Prozent in seiner Erwerbsfähigkeit fürs Leben gemindert ist. Die Einzelheiten was unter KZ zu verstehen ist, sollten durch eine Rechtsverordnung geregelt werden, die allerdings bis heute, rund ein und ein halb Jahr nach dem Erlass des Schlussgesetzes noch nicht herausgegeben wurde... Eis besteht die Tendenz, solche Arbeitslager wie Drohobycz u. .a nicht als KZ anzuselien, obwohl der Vernichtungsprozess gegen die Juden in diese» Lagern nach gleichen Prinzipien wie in den KZ vor sich ging. Im übrigen dürfte es für einen Verfolgten das selbe sein, ob er in einem KZ oder ZAL (Zwangsarbeitslager) geprügelt, geschunden, ausgehungert oder gar ermordet worden ist. So feine Unterschiede zwischen KZ und ZAL machen nur die heutigen Machthaber der Bundesrepublik, von den Mitgliedern der Regierung und des Parlaments bis zu den Richtern und Verwaltungsbeamten der Entschädigungsbehörden. ★ Polizeibataillon 316 war in Russland und Polen eingesetzt. Mitglieder dieses Polizeibataillons stehen für ihre Verbrechen jetzt vor dem Bo c-humer Schwurgericht. Sie sollen an Erschiessungen in Bialystik, Baranowicze, Mogilew und anderen lagern teilgenommen haben. Bei den Angeklagten handelt es sich um „feine“ Leute; hier stehen weder einfache Arbeiter noch Bauernburschen vor Gericht. Nein: ein suspendierter Dozent der Marburger Universität, zu deren Leuchten einst der Philosoph Hermann Cohen gehörte, Po Seltsames Schicksal eines Generals Man weiss, dass der General von Choltitz, der letzte Militär-Kommandant im besetzten Paris, der aus nicht sehr geklärten Motiven entgegen den Befehl Hitlers Paris nicht zerstörte, bis in die letzten Wochen der Beset zung von Paris alles andere als ein ,,Resistant“ gegen Hitler und sein „Blutregime“ gewesen ist. Im Gegenteil, er galt als ein entschlossener Anhänger des Diktaturegimes, hat erwiesenermassen betonte Sympathien für die polit'schen Ziele des 3. Reiches gehabt und auch seine barbarischen Praktiken ohne Skrupel und mit äusserster Grausamkeit angewandt. Vor Sebastopol hat er im Russlandfeldzug gegen jedes Kriegsrecht die sowjetischen Gefangenen in vorderster Linie zu Befestigungsarbeiten gezwungen, um die russischen Truppen abzuhalten, zu schiessen. Dieses eindeutige Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das tausende von Gefangenen mit ihrem von KURT KAISER-BLUETH Leben bezahlen mussten, hat veranlasst, dass ihn die Sowjets nach Kriegsende auf ihre Kriegsverbrecherlisten gesetzt haben, aber von Choltitz, der sich in französischer Haft befand, ist niemals an die Sowjet-Union ausgeliefert worden. Er stand aber auch ursprünglich, was bisher unbekannt war, auf dei französischen Kriegsverbrecherliste. weil er bei den Massendeportationen der Juden, den Erschiessungen von unschuldigen Geiseln und nicht zuletzt an dem fürchterlichen Massaker von 32 Pariser Stu denten, wenige Tage vor dem Volksaufstand in Paris und der Befreiung der Stadt, an der Cascade du bois in Boulogne bei Paris seine Hand im Spiele gehabt hat Das Verbrechen von Boulogne. wo das Tötungskommando die unglücklichen Studenten einen nach dem anderen beim Verlassen des Botschaft Johnsons Lakewood. — Präsident Johnson sandte eine Botschaft an die Rabbiner, die an einer religiösen Konvention teilnahmen, in der er zum Ausdruck brachte, dass die USA sich .entschlossen der Anwendung von Gewalt oder Drohungen eines Staates gegen den anderen im Mittelosten widersetzen“. Die Botschaft des Präsidenten wurde auf der Schlussitzung der dreitägigen Konvention des Rabbinerrates von Amerika verlesen. Darin heisst es: „Die Errungenschaften des israelischen Volkes in kaum zwei Jahrzehnten haben uns alle gelehrt, was guter Willen und Fieiss vollbringen können. Israel hat sich Freunde in aller Welt erworben und darf der Unterstützung anderer Völker gewiss sein. Mein Land ist stolz darauf zu diesen Nationen zu gehören.“ (ITA) Transportwagens mit Masehinengewehrsalven abschoss, ging sogar auf eine ausdrückliche Anordnung des Generals von Choltitz vor sich Was Choltitz allein gerette, hat und was ihm den Prozess ersparte, der sehr leicht mit einem Todesurteil hätte enden können, war seine Haltung in den Tagen des Kampfes um Paris und die Nichtbefolgung der Vernicntungsorder seines Führers. Paris, das Unversehrte, war sicherlich eine Messe wert und diese Messe war der stillschweigende Verzicht auf das Recht zur Aburteilung des Generals von Choltitz als Kriegsverbrecher. Da von Choltitz nicht mehr die Möglichkeit zum Rückzug hatte und ihm das ..Fiihrerhauptquartier“ auf jeden Fall befohlen hatte, in Paris bis zur letzten Patrone zu kämpfen, wusste er, das6 er auf jeden Fall lebend oder tot in die Hände der Franzosen fallen würde. Der Ungehorsam gegen HiLers Befehl und die Verweigerung der Zerstörung von Paris gab ihm auf jeden Fal; eine Chance, seine Haut zu retten. Er kannte den Preis von Paris für die Franzosen und er hat nicht falsch spekuliert. Mit der Rettung von Paris hat er vor allem sich selbst gerettet. Einem Mann von der makabren Vergangenheit des von Choltitz an dessen Händen, wie ein bekannter nichtkommunistischer Schriftsteller in einem bürgerlichen Blatt schrieb, „soviel Blut von Widerstandskä mpfern. Juden und Kommunisten klebt und dessen Verbrechen zu vergessen, die Familien der Füsilierten der Cascade du bois von Boulogne gewiss nicht bereit sind“, rein humanitäre, desinteressierte Motive für sein erstaunliches Nein an den rasenden Führer zu unterstellen, auch wenn dieses Nein zweifellos Paris vor der Vernichtung gerettet hat, scheint doch von einem sehr weltfremden Illusionismus zu sein und zeugt von grosser Naivität. Der Henker in Generalsuniform, der vier Jahre die Ausrottungsbefehle des .Führers“ auf den Buchstaben genau ausführte und selbst darüber hinaus Vernichtungsideen eigener Produktion der Kollektion seines obersten Kriegsherrn hinzufügte, (siehe Sebastopol), hat. als die Falle zufiel, einfach in eiskalter Berechnung va banque gespielt. Die Franzosen haben bei diesem va banque-Spiei einen sehr hohen Preis gezahlt den Preis der ignorierten Gerechtigkeit. Nur sollte man aus dem General, der Paris ungeschoren liess, weil er aPein auf diese Weise die Möglichkeit sah, in seiner Villa in Baden- Baden in Frieden seine hohe Generalspension zu verzehren, keinen Helden und gar ein Vorbild des wahren Gentleman im wüster Milieu der braunen Unmenschen machen. Schliesslich hat er sich sehr gut dafür bezahlen lassen, dass er von einem weiteren, ihm befohlenen Verbrechen Abstand nahm. So gesehen, ist er bestenfalls ein sehr guter Geschä ftsmann gewesen, der eine einmalige Chance glänzend zu nutzen verstand... Gefahr droht nicht von Atomwaffen Jerusalem. — Der wichtigste Faktor bei einer Abrüstung im Mitte losten sind nicht die Atomwaffen — die es in dieser Region nicht gibt — sondern die konventionellen Waffen, wie Israels Ministerpräsident in der Knesset erklärte. Eshkol äusserte sich au einer Sendung der British Broadcasting Company, in der von einem Interview mit Nasser berichtet wurde, in dem der Präsident Aegyptens sich gegen eine internationale Kontrolle der Atomreaktoren aussprach. Selbst wenn Nasser einer solchen Kontrolle zustimmen sollte, so führte Eshkol aus, bleibe weiter die Gefahr bestehen, die von den konventionellen Waffen droht, denn es diene keinem praktischen Zweck, über Waffen zu diskutieren, die es im Mittelosten gar nicht gibt. Dagegen sind konventionelle Waffen vorhanden, die den Luftraum bedrohen. Verhandlungen über die Ausschaltung von Atomwaffen könnten später geführt werden, fügte Eshkol hinzu, wenn erst einmal ein Abkommen über konventionelle Waffen getroffen worden sei. •— (ITA) liaeihauptleute, Polizei-Obermeister und Hauptwachtmeister, ein Bau-Ingenieur und andere. Zwei der heutigen Angeklagten sind ehemalige Majore. Einer war Kompa nieohef. Damit ist es klar, dass es sich hier um Angeklagte handelt, deren Vor- und Ausbildung gegen jeden Versuch stehen, sie hätten die Strafbarkeit der an sie ergangenen Befehle und der von ihnen begangenen Verbrechen nicht erkannt. Hier haben Intellektuelle selbst zur Waffe gegriffen, um zu morden und begnügten sich nicht mit der ihnen sonst zugefallenen Mission der Schreibtisehmörder, ★ Vor dem Schwurgericht Freiburg hat sieh ein Justiz- Obersekretär zu verantworten, der immerhin bis 1961 unbehelligt in der Freiburger Justizverwaltung beschäftigt worden ist. Der Angeklagte hatte seine Laufbahn bei der Kriminalpolizei begonnen, wo er es bis zum Kriminaloberassistenten gebracht hatte. Dann wurde er SS-Hauptscharf ührer und Dienststellenleiter eines Aussenpostens der Sicherheitspolizei in Mielec. Dort hat er selbst die Erschiessung von 114 Juden angeordnet. Aber er soll auch an anderen Elrschiessungen beteiligt gewesen sein. Dort wird ihm „nur“ Beihilfe zum Mord zur Last gelegt Auch soll er ein etwa 20jähriges jüdisches Mädchen, das seine Geliebte gewesen sein soll, ermordet haben. Angeklagter Justizobersekretär gab zu, der NS-Partei aus Karrieregründen im Jahre 1937 beigetreten zu sein. Er behauptete, 1944 wegen ,.zu engem Kontakt“ zu. einer Jüdin und wegen militärischen Ungehorsams einige Monate Gefängnis erhalten zu haben und in ein ,,SS-KZ‘‘ eingeliefert worden zu sein. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen und Geschehnisse bezeichnet er als furchtbar, die ihn sein ganzes Le ben hindurch verfolgen würden. E!r schilderte die Erschiessung von acht oder neun jüdischen Zwangsarbeitern, die angeblich arbeitsunwillig gewesen seien. Die Opfer mussten sich entkleiden, wurden dann in ein Wäldchen gebracht, wo sie vor einer Grube durch den Angeklagten und drei seiner Leute durch Genickschuss ermordet wurden. Angeklagter Justizobersekretär fügte seiner Schilderung hinzu: „Für uns war es grauenvoll. Wir haben die Arbeit nicht gern getan.“ Damit hat der Angeklagte nicht nur das Verbrechen zugegeben, sondern bestätigt, dase er die Rechtswidrigkeit seines Handelns erkannte hatte. Das Morden bezeichnete er als Arbeit. OffeneiohtUeh hat er weder in der Zeit etwas zugelernt, wo er in der Bundesrepublik ein Diener der Justiz sein durfte, noch während der Untersuchungshaft, in der er ausreichende Möglichkeiten gehabt haben dürfte, über seine Verbrechen und über das System nachzudenken. dem er gewissenlos gedient hat und mordete... aus Karrieregründen... ★ Vor dem Schwurgericht in Hagen ging vor wenigen Wochen der Sobibor-Prozess zuende. Sobibor war eines der übelsten Vernichtungslager ia Polen. Es gab Verurteilungen und einige Freisprüche. Die Verhandlungen haben mehr als 15 Monate gedauert. Wie in allen diesen Prozessen kamen Grauen und Greuel zur Sprache, die jede menschliche Phantasie bei weitem übersteigen. Hier zeigt sich eine der wesentlichen Bedeutungen, die allen diesen Prozessen beizumessen sind: die Feststellung der damaligen Ereignisse, die Abwicklung des Geschehens, der Umfang der von den Nazis begangenen Verbrechen. Die grosse Bedeutung der Auschwitz-Prozesse und vieler anderer Verfahren liegt vor allem auch darin, dass durch die gerichtliche Beweisaufnahme der Ermittlung der historischen Wahrheit gedient wird. Alle Versuche einzelner Personen, Gruppen oder Parteien, die Nazi-Verbrechen zu verkleinern, an den repräsentierten Zahlen über de« Umfang der Mordtaten und die unvorstellbaren Grausamkeiten zu zweifeln oder zu deuteln, mit denen die Fiih-; rer des Dritten Reiches und die Henker vorgegangen sind, müssen an den Ermittlungen scheitern, die in einer grossen Zahl von Prozessen zu übereinstimmenden Ergebnissen geführt haben. Daß Schwurgericht Hagen stellte bei der Urteilsverkündung im Prozess gegen die Mörder von Sobibor fest: Nach Auffassung des Gerichts ist erwiesen, dass vom April 1943 bis November 1943 in Sobibor auf Anordnung Hitlers mindestens 150.000, wahrscheinlich sogar 250.000 Menschen getötet worden sind... Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de ia Propiedad Intelectual N? 909.491