Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2205 (17.2.1967)
- Date
- 1967-02-17
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE UIOCMl PUEYRREDON 2190 — 1* izq. JkJemjcufeJsfaCielUcL Ano XXVIU. BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE FEBRERO DE 1967 83 - 26 1 3 T. E. N° 2205 Giftgase und giftige Pfeile Ministerin Die Spannung; zwischen Ae gypteu und Saudi Arabien hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Aegypten hat zugegeben, dass seine Luftwaffe die saudiarabische Stadt Nedjiran, an der Grenze mit dem Yemen gelegen, bombardiert hat. Der Privatbe sitz des sauditischen Königs Faisal ist beschlagnahmt worden. Diese Meldungen ergeben, dass der Krieg zwischen Nasser und seinen königlichen Gegnern, in diesem Fall Faisal von Saudi Arabien, in eine neues Stadium getreten ist, nachdem durch verschiedene umstände bedingt, eine Verschärfung der Situation eingetreten war. Für die Beschlagnahme des königlichen Eigentums wurden besondere Gründe angegeben. Man müsse hierin einen Gegenschlag erblicken hachdem König Faisal die Filialen zweier ägyptischer Banken in Saudi Arabien schliessen liess. Wie die Aegypter hierzu offiziell mitteilten, sind der Besitz und die Bankguthaben Faisals unter Kontrolle gestellt worden. Die Höhe der beschlagnahmten Werte wurde allerdings nicht angegeben. Bekanntlich gehört Faisal zu den reichsten Männern der Erde, dessen Einnahmen aus seinen Petroleumquellen dank der irrtümlichen amerikanischen Politik ins Unermessliche reichen, sodass die Beschlagnahme einiger Bankguthaben bedeutungslos sein dürfte. Dagegen muss man jn diesen Massnahmen der ägyptischen Regierung gegen den Araberkönig Faisal auf die Schwere des zwischen Aegypten und Saudi Arabien bestehenden Konflikts Rückschlüsse ziehen. — Die ägyptische Zeitung „Al Ahram“, die einen halboffiziellen Charakter besitzt, hat die Bombardierung der Oasen-Stadt Nedjiran zugegeben. Die Verwendung von Giftgasen, die von den yemenitischen Royalisten und den Sauditern behauptet wurde, ist bisher von Nasser in Abrede gestellt worden. Die Aegypter kündigten eine Verschärfung der kriegerischen Massnahmen an; sie erklärten, sie würden alle yemenitischen Stützpunkte auf sauditisehem Gebiet unter Feuer nehmen. Damit ist der bereits mehrfach als beendet verkündete Krieg Aegypten« gegen den Yemen in eine neue Phase getreten. Inzwischen ist vor einigen Wochen der frühere sauditische König Saud in Kairo eingetroffen, der infolge seiner. schweren Erkrankung den väterlichen Thron dem Bruder Faisal überlassen hatte. Dieser Thronwechsel ging trotz Formwahrung nicht so reibungslos vor sich, wie man annahm. Denn Bruder Faisal hatte bereits vor dem Rücktritt den Bruder hart bedrängt. Faisal galt als etar ker Mann, der nach der Macht über dieses grösste arabische Reich griff. Das ist die Vorgeschichte zu den jetzigen harten Worten Sauds in Kairo, die ge gen Faisal geschleudert wurden, aus der sicheren Entfernung allerdings, unter der Protektion Nassers, dem es gelegen käme, wenn Saud wirklich ernsthafte Schwie rigkeiten seinem Bruder, dem jetzigen König von Saudi Arabien machen würde der als der ernsteste Feind Nasser Aegyptens anzusehen ist. — von B. B. SAMUEL Während Aegypter, Yemeniten und Saudi Araber Bomben gegeneinander werfen und Giftgase schleudern, bemühen sich die im Augenblick den Aegyptern verbündeten Syrer darum, jeden Verdacht der Verständigung über eine Befriedung an der israelischen Grenze zu zerstören. Dass sie hiermit einverstanden waren, ergibt sich schon aus der einzigen Tat sache, dass der UN-Schlichter Odd Bull, Israel gegenüber durchaus nicht freundlich eingestellt, eine entsprechende Verlautbarung herausgegeben hatte. Das syrische Dementi klang nicht überzeugend und war offensichtlich nur für den inneren Gebrauch bestimmt. Die weiteren, vorgesehenen Besprechungen sind bisher nicht durchgeführt worden, nachdem die Syrer stets unter anderen Vorwänden die angesetzten Verhandlungen absagten. Ministerpräsident Levi Eshkol sah sich ange sichts einiger neuer Terrorakte veranlasst, neue Warnungen an die Syrer zu richten, die von Damaskus mit heftigen Wutausbrüchen beantwortet wurden. Giftpfeile über Giftpfeile werden auf drahtlosem Wege gegen Israel geschleudert, dazu bestimmt, die arabische Atmosphäre zu beeinflussen und dem unwissenden Volk einzureden, dass Israel die Syrer überfallen wolle. Gleichzeitig mit dieser giftigen Propaganda laufen die politischen Bestrebungen, die Verhandlungen der Waffenstillstands - Kommission hinauszuzögern, wobei sich die Syrer darauf beziehen, dass diese Verhandlungen von ihrer Seite noch nicht hinreichend vorbereitet seien Israel benutzte diese Gelegenheit, um vor den UN auf diese Haltung Syriens hinzu weisen, in welcher nur eine ständige Kriegsdrohung erblickt werden könnte. Aussenminister Abba Eban lenkte die Aufmerksamkeit, des UN-Generalsekretärs U Thant auf eine Rede des syrischen Präsidenten Al Attassi, der sich noch dessen gerühmt habe, dass von den Syrern fünf Landbomben auf israelischem Gebiet gelegt worden seien, nachdem die Verhandlungen der Kommission für den Waffenstillstand wieder aufgenommen worden waren... Jerusalem. — Die Abendzeitung „Jediot Achronotf* berichtete, dass israelische Funktionäre und Vertreter der westdeutschen Regierung mit den Vorbereitungen für eine Zusammenkunft zwischen Aussenminister Abba Eban und seinem deutschen Kollegen Willy Barnta beschäftigt sind. Die Zeitung beruft sich auf Quellen in der Israel-Botschaft in Bonn, die wissen wollen, dass das Treffen im Frühjahr nach Ebans Rückkehr von seiner Reise durch den Fernen Osten in Bonn stattfinden dürfte. Israelische Gewährsleute sollen der Ansicht sein, dass diese Unterhaltungen in Bonn nicht nur die Annäherung zwischen beiden Ländern sondern auch Is raels Bestreben, sich dem Europäischen Gemeinschaftsmarkt anzuschliessen, fördern könnten. Der Bericht will weiter wissen, dass deutsche politische Kreise eine solche Zusammenkunft befürworten. Die Sprecher des israelischen Aussenministeriums zeigten sich dagegen nicht geneigt, einen Kommentar hierzu abzugeben. (ITA) WIE ICH ES SEHE- Das Abendland geht unter von JEHUDA COTTHEMER Eine Deutung Einen sehr erheblichen Ein fluss hatte in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler auf die heranwachßende, vor allem akademische Jugend, auch auf die jüdische Seine Betrachtungsweise der verschiedenen Kulturen zeigte neue Aspekte und verband die Erscheinungen des modernen Lebens und des technischen Zeital - ters mit den Phänomenen früherer Formen gesellschaftlicher Schichtungen Spenglers Auffassungen stellten eine Mischung geschichtskritischer, technologischer, soziologischer und naturwissenschaftlicher Betrachtungen dar und zog damit eine durch einen blutigen Ersten Weltkrieg enttäuschte und ernüchterte Jugend an, die von den Ausläufern der ech ten Jugendbewegung der Vorkriegszeit die romantische Sehnsucht nach Erneuerung übernommen hatte. Die damalige Kultursituation während und kürz nach dem Krieg 1914—1918 deutete nach Spengler darauf hin. dass sich die westliche, von ihm faustisch genannte Kultur nach der Ueberschreitung ihres Höhepunktes im Untergang befindet. Aus dem Osten drohe der Aufbruch alt-neuer unverbrauchter Völker, drohe die Gelbe Gefahr, durch welche die in die Bequemlichkeiten und Lockungen fallende westliche Kultur ausradiert werden würde, wie Aegyptisches Verbot Washington. — Aegypten hat die USA informiert dass es die Erlaubnis zum Ueber fliegen ägyptischen Territoriums für ein nordamerikanisches Flug zeug „aufgehoben1' hat welches Waffen für Transjordanien transportierte. Eine hier eingelaufene Meldung besagte ferner, dass Aegypten die Landung englischer und amerikanischer Flugzeuge verboten hat. (ITA) auch die westliche Kultur die früheren Kulturen iiberwun den habe. Viele der von Spengler gebrauchten und geprägten FÖrmuiiönuYgen ’sind in die Sprache der Nationalisten vor allem der Nazis, eingedrungen, von denen übernommen und meist in ihrem Sinne nach Bedarf verändert worden. Sicherlich hat dii Spenglersohe Ideologie oder — wenn man es höflicher ausdriieken will — seine Betrachtungsweise der Weiter¬ Syrische Aggression Jerusalem. — Joseph Tekoa, Generaldirektor des israelischen Aussenmi nisteriums, erklärte, der Umstand, dass die Grossmächte der syrischen Aggression nicht entgegengetreten seien, habe zu einer Verschärfung der Spannungen im Mittelosten beigetragen. Er fügte hinzu, dass solange die Vereinten Nationen nicht die israelischen Rechte in Uebereinstimmung mit der Charter garantieren und arabische Angriffe verhindern können, das Völkertribunal weder ein moralisches noch juridisches Recht habe, Aktionen zu kritisieren, welche Israel zur Verteidigung seiner Unabhängigkeit und territorialen Unverletzlichkeit unternehmen würde — (ITA) seheinungen und sein grosser Einfluss auf die studentische Jugend dazu beigetragen, dass die nazistischen Parolen unschwer von den gehobenen Schichten absorbiert worden sind. Das Grundproblem der Spenglerschen Thesen vom Untergang des Abendlandes ist eine aktuelle Fragestellung geblieben. Der politische Hintergrund ist nach dem Zweiten Weltkrieg viel gegenwartsnaher geworden als er nach dem Ersten gewesen ist. — Der ewige Wechsel sei in einem Goethe-Wort festgehalten, das Spengler seinen langen Ausführungen voranstellte : Wenn im Unendlichen dasselbe sieh wieügMWrtmnl »mm1 fliesst. Das tausendfältige Gewölbe Sich kräftig ineinanderschliesst Strömt Lebenslust aus allen Dingen. Dem kleinsten wie dem grössten Stern, Und alles Drängen, alles Ringer Ist ewige Ruh in Gott dem Herrn, II. Durch deine Schuld Nach den schrecklichen Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges und durch die Leiden unserer Tage darf man mit Recht die Frage stellen, ob nicht die abendländische, die westliche Kultur in dem Meer von Blut und Tränen erstickt worden ist, in welches sich das Abendland durch seine Verbrechen verwandelt hatte. Gewiss gibt es auch heute noch kulturell-wertvolle Menschen, wenn man diesen Ausdruck einmal gebrauchet, darf, aber das kulturelle Gebäude Europas ist zusammengebrochen. Das „faustische" Zeitalter ist abgeschlossen. Was an seine Stelle tretet! wird, bleibt ungewiss. Spenglers grosser Irrtum bestand darin anzunehmen, dass äussere. Einflüsse oder das unaufhaltsame Vordringen neuer Kulturen die westliche beseitigen werden de ren Stern im Verblassen begriffen war. Es dürfte schwer zu übersehen und noch schwerer zu beurteilen sein ob die Gelbe Gefahr in absehbarer Zeit zu einem Zusatn menbrechen der westlichen Kultur füitrcn wird oder gar muss Dabei kann es tu diesem Zusammenhang dahingestellt sein, ob man berechtigt war und ist jemals von einer dominierenden Kultur zu sprechen, da du Kenntnis der westlicher Welt von der östlichen und ihren Werten •>iuvundrs*eiix in frti (Schluss auf Seite 2) NS - Doktorarbeiten von HORST WINCKLER Eine interessante Frage wurde kürzlich gestellt: Rolf Sfeeliger wirft in einer neu erschienenen Dokumentation „Doktorarbeiten im Ditten Reich" das Prbolem aut. ob nicht diejenigen Doktorarbeiten, die unter dem Finf'uss der nationalsozialistichen „Weltanschauung" geschrieben wurden, eine Aberkennung des akademischen Grades zur Folge haben müssten. Wenn man sich diese Fragestellung überlegt, wird man zu der Ueberzeugung neigen dass tatsächlich eine solche Konsequenz gezogen werden sollte. Rolf Seeliger schreibt hierzu folgendes: „Wer Dissertationen aus brauner Zeit unter die Lupe nimmt, wird erstaunt sein, mit welcher Selbstverständlichkeit heute Professoren. Juristen, Politiker, Journalisten «sw. den damals erworbenen Titel zur dekorativen Kennzeichnung ihrer Person benutzen. Zu bedenken ist lass ein solcher Doktorgrad, der nicht für .wissenschaftteh« Lauterkeit1, sondern für politischen Wahnwitz verhexe« wurde, heute wie gestern seinen Träger hervorheht ihm den Zugang zu Staats- und Vertrauenspos'tionen itn öffentlichen Leben erleichtert und zuweilen erst die Berechtigung zur Ausübung verantwortungsvoller Berufe gibt..." In dieser neuen Dokumentation wird aus charakteristischen Doktorarbeiten der Theater-, ZMtungs- und Sprachwissenschaften, der Wirtschafts-, Rechts- und Staatswissenschaften zitiert, die NS-Propagandathesen vertreten und die Autorität des Gewaltregimes geistig gestützt haben: U. a. finden sich hier die Doktorarbeiten von Professor Willi Geiger Senafspräsident am Bundesgerichts hof Karlsruhe, von Josef Kölble, Ministerialdirigent im Bundesinnenministerium, von Bundesminister a D Hans- Joachim von Merkatz sowie von Hermann F. G Stark-1, Chefredakteure der „Welt11, und dem Würzburger _Ot>ajv- *4bwt'getüwffpHei' TSMtniK yromrbw. - - In der Einleitung sagen Hochschullehrer ihre Meinung über „wissenschaftliche Jugendsünden“, über die Verantwortlichkeit der „Doktorväter" und äussern s!ch zur polit'schen moralischen und juristischen Seite des Problems, unter ihnen Professor Karl Bechert, Mitglied des Deutschen Bundestages: „In den Fällen, in welchen in der Dissertation gegen wehrlose und gefährdete Personen und Personengt uppen gehetzt wurde, die sich nicht nach rechtsstaatlichen Gesetzen wehren konnten..., da sollte der Doktorgrad anerkannt werden. Denn Menschenjagd verträgt sich n cht mit der Würde des Doktorgrades einer deutschen Hochschule..." Das hier angeschnittene Thema beweist einma mehr, wie schwierig es ist diese braune Vergangenheit zu über winden. Wie viele Aerzte, Richter, Lehrer. Verwaltung« |dristen, Regierungsbeamte oder sonstige Akad mikei heute noch oder wieder in einflussreichen Positionen sitzen die durch ihre „Doktorarbeit“ zur Festigung oder zum Ausbau des NS-Unrechtsstaates beigetragen haben ist Ziffernon issig schwer zu erfassen Ob diese Studie mit ihrer au gesprochenen und nicht ausgesprochenen Forderungen nur zur Klärung des Sachverhaltes beiträgt, was allein schon nützlich ist, oder gar zu ernsten Folgen führen kann, muss abgewartet werden. Hierfür sind die Chancen gewiss nicht allzu gross, heute nach so vielen Jahren und im Gedenken an den Fall Globke... EIN WAHRER FREUND Dar israelische Journalisfen-Verband bereitete in Tel Aviv einem Kollegen, dem argentinischen Botschafter in Israel, Rodoifo Baitierrez, einen wärmet Empfang. Verschiedene Redner begriissten den Repräsen tan ten Argentiniens, u. a. Dr Remboh, der in seine» Ansprache die glänzende Karriere des Ehrangates als Korrespondent und Kommentarist in seinem Lande her vorhob. Botschafter Baitierrez fand in se'ner Entgegnung lobende Worte für die jüdische Gemeinschaft Vrgeoti hiens. Er berichtete dass sich ihre Zahl auf ein< halbe Million beläuft. „Die argentinischen Juden“ so führte er aus, haben in entscheidendem Mass zum Fortschritt und zur Entwicklung Argentiniens beigetragen' Br versicherte hierauf, dass der argentinische Präsdent Ge »eralleutnant Juan Carlos Ongania, ein wahrer Freund Israel ist. Im weiteren bezog sich der Botschafter auf eine Unterhaltung welche er vor seiner Abreise mit dem argentinischen Aussenminister Dr. Nicanor Costa viendeÄ. geführt nabe. Bei dieser Gelegenheit betonte dieser, dass die baldige Einweihung der ,Casa Argentina ea Isra-T1 wichtig sei, um die freundschaftlichen Bezie httngen zwischen beiden Ländern zu fördern unr noch enger zu gestalten Schliesslich gab Dr Baitierrez seiner Erwartung Ausdruck, dass die Eröffnung am 9. Juli, dem argentinischen Nationalfeiertag stattfinden werde und zwar selbst in dem Fall das? bis zu diesem Datum nicht alle Räumlichkeiten fertig-gestellt seinen würden.