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Jüdische Wochenschau · 1966-12-23 · 2199 (23.12.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2199 (23.12.1966)
Date
1966-12-23
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO O M 0.5 Concesión 908 £ c ¡i o S.~ < o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVIl BUENOS AIRES VIERNES 33 DE DICIEMBRE DE 1966 N» *199 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1“ ¡zq„ Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Ein Minister wird informiert Die sogenannten Kriegsverbrecher-Prozesse waren noch niemals beliebt. Niemand will gern an seine Schandtaten erinnert werden, erst recht nicht, wenn es sich um Verbrechen dieses Aus nasses handelt wie diejenigen, die in solchen Prozessen zur Aburteilung kommen. Wie schon häufig betont, ist die Bezeichnung Kriegsverbrecher- Prozesse nicht angebracht, denn bei der Ermordung von Millionen unschuldiger Menschen kann es sich niemals um Kriegsverbrechen, sondern muss es sich um Verbrechen gegen die Menschheit und die Menschlichkeit handeln. Es sind die berüchtigten NS-Verbrecher-Prozesse, deren Verschwunden bereits zu einer politischen Parole in Deutschland geworden ist. Mit dieser Forderung neben anderen der gleichen Kategorie hat die NDP, die National-Demokratische Partei, ihre Stimmen gefangen. Jetzt besteht nun die Gefahr, die vielleicht im Augenblick noch nicht aktuell sein mag. dass sich die grossen ,,ti aditionellen“, „demokratischen“ deutschen Parteien diesem Verlangen in der einen oder anderen Form anschlhssen um der NDR das Privilegium auf eine so popuvon JAKOB KATZ-ROGASEN läre Parole zu entreissen. Man weiss, dass auch die Reden des Bayern - Führers Strauss während des letzten Wahlkampfes bereits eine Reihe saftiger Formulierungen undemokratischer Natur enthielten, die erforderlich gewesen seien, um einen grösseren Wahlerfolg der NDPer zu verhindern. Man muss also gerade auf dem Gebiet der Vergangenheit und deren „Ueberwindung“ mit gewissen Ueberraschungen rechnen. Bisher wolte man — mehr oder weniger ehrlich — die Vergangenheit „überwinden", jetzt ward sie bereits langsam „entschärft“, um dann allmählich zu ihrer Heroisierung übergehen zu können. Dieser Weg zeichnet sich ab. Man wird ihn beschreiten, wenn man nicht im letzten Augenblick sich besinnt und umkehrt.,. zur Demokratie. Auch ohne den NDP-Erfolg stimmt etwas bei der demokratischen deutschen Rechnung nicht, jedenfalls nicht auf dem Gebiet der NS-Verbreehen und des dazu gehö rigen Strafvollzuges. Hierzu sei folgender Fall berichtet: Der in Hannover wegen NS-Verbrechen zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilte Versicherungskaufmann Di. Otto Bradfisch soll sich wochenlang in uneingeschränkter Freiheit bewegt haben. Das wurde im niedersächsischen Justizministerium in Hannover bekannt. Anlass für die Ermittlungen zur Aufklärung der rätselhaften Vorgänge sind nach den Worten von Staatssekretär Mannzen Hinweise, die der Sekretär Langbein vom Wiener Comité International des Camps — einer Organisation ehemaliger KZ-Opfer — dem Mini- Wann Bradfisch aus der Universitätsklinik entlassen wurde, weiss man im Justizministerium in Hannover nicht. „Vermutlich Ende Februar 1966“, teilte ein Sprecher mit. Langbein erklärte dazu: „UnsereNachforschungen haben ergeben, dass der Patient bereits am 25. Februar 1966 wegen Bettmangels nach Hause entlassen wurde.“ Offiziell erhielt das Ministerium in Hannover über den Aufenthalt von Bradfisch erst im Juli Kenntnis „Wir wissen, dass er seit dem 18. Juli wegen einer Verschlechterung seines Leidens erneut zur stationären Be- Blick in die Welt von HAROLD SCHWAftCZ EINE GRUPPE katholischer Priester in Spanien erklärte sich gegen den von Franco durchgeführten Volksentscheid — LIU CHAO CHI, Präsident Rotchinas, wurde von den Roten Garden beschuldigt, Opposition gegen Mao Tse Tung zu betreiben. — RASCHID KARAMI, Ministerpräsident des Libanon, bildete ein Kabinett aus Experten, da er eine parlamentarische Regierung nicht formieren konnte. — AMERIKANISCHE Flieger bombardierten irrtümlich die eigenen Stellungen in Vietnam. — SYRIEN beschlagnahmte das Eigentum der Irakischer. Fetroleumgesellschait, die sich hauptsächlich in englischer Hand csfindet. — DEAN RUSK, der amerikanische Aussenminister, besuchte Südvietnam. — DIE NATO-Mächte beschlossen in Paris, ihre Beziehungen zum Osten zu verbessern. — 18 NATIONEN nahmen bei den UN-Kommissionsberatungen über die Falklands Inseln (Malvinas) Stellung. EIN BRASILIANISCHES Kriegsschiff bombardierte irrtümlich Porto Aliegre... — NEUE SCHWERE Beschuldigungen wurden von Rot- China gegen die USA erhoben. — SEK ARNO wurde erneut von weiten Kreisen angegriffen, die jetzt eine Untersuchung seines Privatlebens forderten. — COSTA E SILVA, gewählter Präsident Brasliiens, besuchte Portugal. — DREI RUSSISCHE Journalisten wurden aus Rotchina ausgewiesen, weil sie Gerüchte und Beleidigungen verbreitet hätten. — GEGEN RHODESIEN wurden Zwangsmassnahmen in tien UN beschlossen deren erste eine Petroleumsperre ist. DIE AUTONOMIE der Universität wurde von der Re gierung in Venezuela aufgehoben. — GRAL RENE BARRIENTOS, Präsident Boliviens, stattete Argentinien einen Staatsbesuch ab. — NICOLAS GRUTNIZKY, Präsident des Kongo, enthob seinen Vizepräsidenten und Gegner Antoine Matchi des Amtes. — DER BEKANNTE peruanische Diplomat und Politiker Victor A. Eelaunde, eine der angesehensten Persönlichkeiten in den UN, verstarb plötzlich. — WILLY BRANDT, der neue deutsche Aussenminister, meinte, die Bundesrepublik müsse die Brücke zwischen den beider. Europas sein. — FRANCOS PLEBISZIT erhielt 95 Prozent der Stimmen. wobei allerdings vermerkt sei, dass Proteste gegen Wahlr-gulierungen bereits vorliegen. — SPANTEN lehnte den englischen Vorschlag ab, die Frage Gibraltar dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. — HEINRICH ALBERTZ wurde anstelle von Willy Brandt zum Regierenden Bürgermeister des Landes Berlin gewählt. — U THANT, Generalsekretär der UN, sprach sich für I Gebiuteukontrolle aus. — Abba Eban in New York New York. — Der israelische Aussenminister Abba Eban sprach in der vergangenen Woche vor 2.000 führenden Persönlichkeiten der nordamerikanischen Juden heit auf einer nationalen Konferenz des United Jewish Appeal. Eban erklärte, dass die israelische Regierung gegenüber dem Kleinkrieg auf dem Gebiet Israels nicht gleichgültig bleiben wird, sondern bemüht ist, eine wirksame Lösung zu finden. Dabei sei die Regierung bereit, jeden vernünftigen und konstruktiven Vorschlag zur Lösung der Frage zu überprüfen. Einen Vorsch.ag wird die israelische Regierung noch nicht einmal beraten: „Wir werden nicht gleichgültig und passiv verharren, wenn irgendjemand versucht, ein Stück unseres Landes zu usurpieren. Wir werden nicht gestatten, dass die Sicherheit unseres Landes, des Lebens seiner Bürger und deren Eigentum in Gefahr gebracht wird. Israel wird auf sein Recht der Selbstverteidigung nicht verzichten. Jede Anregung in dieser Richtung, käme sie von befreundeter oder feindlicher Seite, müssen wir zurückweisen.“ Aussenminister Abba Eban hatte auch eine Rücksprache mit hohen Beamten des Weissen Hauses und des State Department über die Lage im Mittleren Osten und über die politische Position Israels. Eban setzte die Probleme für Sicherheit auseinander, mit denen Israel konfrontiert ist. U. a. hatte Eban eine Besprechung mit dem neuen Unterstaatssekretär Katzenbach und mit W. W. Rostow, dem besonderen Berater des Präsidenten Johnson in Fragen der internationalen Sicherheit. sterium zukommen liess. Langbein informierte sich persönlich über den Stand der Ermittlungen. Bradfisch hatte 1941 in Russland ein Einsatzkommando geleitet. 1963 war er vom Schwurgericht Hannover wegen der Ermordung von Juden zu insgesamt 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Eh1 trat seine Strafe in München an. Zuständig für seinen Fall blieben jedoch die hannoverschen Justizbehörden, weil er in Hannover verurteilt worden war. Im Juli 1965 beantragte der den Verurteilten wegen einer Halswirbelerkrankung zur stationären Behandlung in der Münchner Universitätsklinik aus der Haft zu entlassen. Aufgrund zweier ärztlicher Gutachten gewährte der niedersächsische Justinminister dem Verurteilten eine sechsmonatige Unterbrechung der Strafvollstreckung. Bradfisch wurde daraufhin am 16. Oktober 1965 aus der Haft entlassen. Knapp zwei Monate später teilte die Münchner Universitätsklinik mit, dass er sich seit dem 8. Dezember in stationärer Behandlung befindet. Wo sich Bradfisch in der Zeit zwischen dem 16. Oktober und dem 8. Dezember aufgehalten hat, ist dem für den Strafvollzug an Bradfisch verantwortlichen Justizministerium in Hannover nicht bekannt. Nach Informationen, die Langbein im Auftrag des Comité International des Camps einzog, soll er in diesen Wochen unbehelligt in Freiheit gelebt haben. handlung in der Universitätsklinik liegt“, äusserte der Sprecher des Ministeriums -1 Nach Angaben des Sprechers hat Bradfisch, bevor er am 16. April wieder in Haft genommen werden konnte, beim Landgericht München erneut eine Haftunterbrechung beantragt. Dieser An trag sei jedoch am 28. Juni zurückgewiesen worden. Aus amtsärztlichen Gutachten gehe jedoch hervor, dass Bradfisch haftunfähig sei. „Das niedersächsische Justizministerium hat eine Ueberprüfung des Gesundheitszustandes von Bradfisch durch einen unabhängigen Gutachter angeordnet“, teilte der Sprecher mit. Nach seiner Unterredung mit Staatssekretär Mannzen berichtete Langbein, dass der Staatssekretär ihn gebeten habe, ihn über die Ergebnisse seiner künftigen Recherchen im Fall Bradfisch zu unterrichten. Langbein betonte, dass der Fall Bradfisch kein Einzelfall sei. Ihm seien mehr als 14 Fälle bekannt, in denen prominente NS-Verbrecher, die auch nach dem Kriege „beachtliche Positionen“ gehabt hätten, aus Gesundheitsgründen entlassen worden seien. Das sind recht merkwürdige Zustände. Das zuständige Ministerium weiss nichts über den Aufenthalt eines Verbrechers, der immerhin zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Das unwissende, aber zuständige Ministerium bittet einen Privatmann (!) — und der Sekretär eines Verfolgtenverbandes ist ein Privatmann —, ihn über sei-, Erklaerung Kiesingers Born. — Dr. Kurt Georg Kiesinger, der neue Bundeskanzler Deutschlands, gab Erklärungen einem Korrespondenten der ITA. Er sagte u. a., dass er niemals in seinem Leben eine antijüdische Haltung oder Handlung vorgenommen habe. Nachdem man ihm die Kanzlerschaft angebo'ren hat, habe er viel darüber nachgedacht, ob'^fr diese wegen seiner früheren Beziehungen zur Nrzipurtei akzeptieren dürfe. Er selbst habe für das Amt des Bundeskanzlers den Bundestag-Präsidenten Dr. Eugen Gerstenmaier in Vorschlag gebracht, aber seine Partei habe anders entschieden. Seine Mitgliedschaft zur Nazipartei habe ausschliesslich formalen Charakter getragen, in Wahrheit habe er niemals mit den Nazis sympathisiert und immer versucht, ihren Anweisungen auszuweichen. Kiesinger betonte, es sei für ihn nicht überraschend. sondern eine natürliche Sache gewesen, dass die Menschen ausserhalb Deutschlands durch das Anwachsen der Stimmen der Nationaldemokratischen Partei (NDP) beunruhigt sind. Man dürfe aber nicht übersehen, dass cie Voraussetzungen für einen Vergleich zwischen Deutschland heute und dem von Jahre 1933 keineswegs gegeben seien. Er betonte, dass die beiden Koalitionsparteien, die auch die beiden grossen Parteien Deutschlands sind, nämlich die CDU und die SPD, direkte Wahlen befürworten, um das alte Proportional-System zu beseitigen, durch welches Parteien wie die NDP einseitig begünstigt werden und erstmalig in Hessen und Bayern Abgeordnetensitze erringen konnte. Diese Umstellung des Wahlsystems würde nicht allein deswegen befürwortet, um eine Partei wie die NDP, die im übrigen gar keine Bedeutung hätte, auszuschalten. Forderung von Industrien Jerusalem. — Der israelische Handels- und Industrie- Minister Caim Zadok hat ein von Experten ausgearbeitetes Projekt gebilligt, das die Unterstützung der Regierung für Industrien vorsieht, welche der nationalen Wirtschaft wichtige Dienste leisten können. (IIZ) ne Recherchen auf dem Laufenden zu halten. Das ist doch nur möglich, wenn ein Ministerium entweder seine eigenen Aufgaben und Pflichten nicht ernst nimmt, oder wenn andere Kräfte stärker sind und die freie ministerielle Entscheidung behindern. So geschehen im Jahre 1966 vor den hessischen und bayerischen Wahlerfolgen der Neonazis, die übrigens bestreiten, Nazis zu sein. Israel auf der Messe in Nairobi Jerusalem. — Der israelische Pavillon auf der Internationalen Messe in Nairobi fand grosse Beachtung und trug viel zur Erweiterung des Warenaustausches zwischen Kenia und Israel bei. In seiner Eröffnungsrede erwähnte der Handelsminister von Kenia Israel als „leuchtendes Beispiel“ für die in Entwicklung befindlichen Nationen. E& fand ein „Israel-Tag“ statt, an dem vier Minister des Landes den Pavillon besuchten, der im übrigen für seine schönen architektonischen Linien den ersten Preis erhielt. (IIZ) Besuch in Israel Jerusalem. — Edne Gruppe von 56 Mitgliedern der Bne Israel aus Bombay besuchte Israel. Alle waren in indischer Kleidung. Londoner Tagung London, — Der engere Rat des Jüdischen Weltkongresses hat in der vergangenen Woche seine Beratungen abgeschlossen und einen Appell an die neue westdeutsche Regierung und an den Bundeskanzler Kiesinger gerichtet. In diesem Appell wird die Regierung aufgefordert, eine neue Bedrohung des Friedens in Europa und der Welt zu vermeiden, die durch das Vordringen der extremen Kräfte der äussersten Rechten heraufbeschworen worden ist. Der Jüdische Weltkongress sei — so heisst es in dieser Erklärung — aufs tiefste durch das Anwachsen der Einflüsse seitens früherer Nazis und Ultranationalisten in Deutschland beunruhigt. Ein Symptom hierfür sei der Versuch, die Verfolgung der Verantwortlichen an den Verbrechen der Hicler-Aera zu unterbinden, was eine Verpflichtung Deutschlands sich selbst gegenüber darstellt. Die Proteste die in Deutschland selbst gegen diese Strömung laut geworden sind, seien — so heisst es in dieser Erklärung weiter — als begründete Hoffnung anzusehen, dass die demokratischen Kräfte den Elementen der äussersten Rechten Widerstand entgegensetzen werden Die deutsche Regierung wird aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um die Bedrohung der deutschen Demokratie und des Friedens auszumerzen. Die jüdischen Gemeinden werden auf gef ordert, wachsam zu sein und dabei mitzuwirken, dass die öffentliche demokratische Meinung gegenüber den neuen Bedrohungen durch die Neonazis mobilisiert wird. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N» 909.491

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