Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2192 (4.11.1966)
- Date
- 1966-11-04
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o m FRANQUEO PAGADO o E «> e-» “Z Im J“ £ Concesión 908 o ° “v TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE NOVIEMBRE DE 1966 N"? 219» el ejemplar <*> toda ht República 15,- PUEYRREDON 2190 1* izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Der junge Mann und das Meer Ein arabisches Raetsel _.. I Auf dem weiten Gelände, zwischen Dünenland, Gartenanlagen und Meer liegt ein Gebäudekomplex mit seinen langgestreckten, fast villenartigen Wohn- und Schulhäusern idyllisch in der Frühlingssonne. Hier und dort sieht man Gruppen von Jungen in hellblauen Arbeitsuniformen. Am Schabbat werden sie die schneeweisse Parademontur anziehen und damit zur Fahnenhissung antreter. oder sonst herumstolzieren. .Die Uniform erleichtert das /Zusammenleben“, meinen / die Erzieher von Mewoot- > Jam, obwohl es sich keines- ' wegs um eine militärische, sondern um eine durchaus zivile Anstalt handelt. Wir befinden uns in der Fischerei- und Seemannsschule, die 1951 gegründet wurde und seit 1953/54 am jetzigen Or; — beim Moschaw Michmoret j ■— untergebracht ist. „Me- ■woot Jam“ ist eine höhere Gewerbeschule mit Internat und eine der erfolgreichster Anstalten des Landes auf dem Gebiet der Erziehung 1 von See-Nachwuchs. ,,Es“ begann eigentlich im Jugenddorf Ben Schemen. , das wegen des Befreiungskrieges von der Gegend bei Lod nach Klar Wittkin übersiedelte. Hier wurde — mir insgesamt zehn (!) an See-; fahrt und Fischfang interessierten Schülern — im Jahre 1951 eine ,,See-Klasse“ aufgemacht. Rafi Ruppin, der Sohn von Arthur Ruppin I s. A., war der erste Leiter | dieses damals höchst „gewagten“ Experiments. „Die ersten Zehn sahen wie Beatniks aus“, erzählt der heutige Direktor, der bald darauf die Leitung der neuen Schule übernahm. Der Anfang war schwer, doch der Wille war gut. Bald strömten neue Zöglinge (von der Jugendalija) in die Anstalt. Heute hat Mewoot Jam nicht weniger als 415 Zöglinge im Internat. Dazu kommen noch hundert, die derzeit auf Frachtschiffen ihr einjähriges Seepraktikum abdienen und gleichfalls noch als Schüler gelten. Vielleicht liegt es an diesem See-Praktikum, dass — im Gegensatz zu manch anderen ähnlichen Lehranstalten — Mewoot. Jam auf einen ungewöhnlich hohen Erfolgs - Prozentsatz hinweisen kann. Der Direktor schätzt die Zahl der Zöglinge, die wirklich dem Meer treu bleiben, auf wenigstens 65 bis 70 Prozent! Unmittelbaren Anlass zu diesem Bericht lieferte ein Gespräch mit dem Literatur- Professor von Mewoot Jam und die gewaltige Heiterkeit, die „der Literaturunterlicht für die Fischer und Seebären“ bei Ausländern auslöste. „Fischer mit Literaturkenntnissen? So etwas!" In Laienkreisen bezieht sich der Zusammenhang zwischen Fischern und Literatur wohl Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ DER TAG der Vereinten Nationen wurde in der °an- 2en Welt feierlich begangen. — GOLDBERG, USA-Delegierter vor den UN, erklärte, die Amerikaner werden zu direkten Verhandlungen mit den Chinesen gelangen. — PRAESTDENT LLERAS RESTREPO (Kolumbien) wurde von Studenten angegriffen und bedroht. — DER SPIONAGE-Fal] Blake hat in England grosses Aufsehen erregt. — SPANIEN hat erneut seine Grenze mit Gibraltar geschlossen. — PRAESIDENT BARRIENTOS (Bolivien) besuchte seinen brasilianischen Kollegen Castello Branco in Brasilia DER CHILENISCHE Senat approbierte mit grosser Stimmenmehrheit das Projekt für die Agrarreform, das von der Regierung vorgelegt worden ist. — PRINZ SOUVANNA Phouma, Ministerpräsident von laos, kehrte in sein Land zurück, in welchem eine Rebellion während seiner Abwesenheit niedergeschlagen werden konnte. — DIE KONFERENZ zwischep Indira Gandhi (Indien), Nasser (Aegypten) und Tito (Jugoslawien), die sich mit Vietnam beschäftigte, wurde ohne wesentliches Ergebnis abgeschlossen. — Dr. HEWLETT JOHNSON, der „rote Dean von Canterberry“, einer der entschiedensten Gegner Hitlers, starb im Alter von 92 Jahren. — AMERIKANISCHE Astronauten machten verschiedenen südamerikanischen Ländern einen Freundschaftsbesuch und wurden überall begeistert empfangen. — IN BOLIVIEN kam es zu blutigen Zwischenfällen in den Minen. — LYNDON B. JOHNSON besuchte überraschend Süd Vietnam. — JOSE A. MORA, Generalsekretär der Organisation amerikanischer Staaten, lobte bei seinem Besuch in Jerusalem Israel, das er als einen „Teil der amerikanischen Familie“ bezeichnete, — SIEBEN SOWJETISCHEN Diplomaten versagte Uruguay den Eintritt ins Land. — DIE VIER Minister der FDP. die seit Jahren die Koalition mit der CDU, der Partei Adenauers und Erhards bildete, traten zurück. — 41 CHINESISCHE Studenten sind aus der Sowjetunion ausgewiesen worden. — CHILE bestritt, eine Aufrüstungspolitik zu ber,reiben. DIE UN ENTZOGEN der Südafrikanischen Union das Mandat über Südwestafrika. — EIN ANARCHISTISCHES Komplott wurde m Spanien zum Scheitern gebracht. — DER DEUTSCHE Bundesrat lehnte den EtaWorschlag der Regierung Erhard ab. —; nur auf Hemingways „Der alte Mann und das Meer“. Aber auch „der junge Mann ■ und das Meer“ bleibt in Israel ebensowenig „von der j Literatur unbeleckt“ wie etwa der „Bauer“ im Kibbuz:; eine gute Allgemeinbildung I für beide ist längst selbstverständlich! So findet man im Stundenplan von Mewoot Jam auch Fächer wüe Tenach, Iwrit und Englisch, Geschichte, Mathematik, Geographie und Physik. Die 150 Zöglinge, die Fischer werden wollen, haben sich ausserdem besonders mit Biologie, aber auch mit Navigation, Meteorologie ua.m. anzufreunden. Die Schüler der rein nautischen Abteilung können zwischen „Deck“ und „Maschinenraum“ wählen Selbstverständlich gehören zu ihrer Ausbildung auch Metallkunde und-Elektromechanik, Hydrologie und Thermodynamik u.a.m. Die Anforderungen sind nicht gering. In Russland wird „Hochseefischerei sogar an Universitäten gelehrt“, erinnert der Schuldirektor. Andererseits hat Mewoot Jam nicht den Ehrgeiz, die Zöglinge durch das Abitur „hochschulreif“ zu machen. Erfahrungsgemäss gehen sie dann nur zu leicht dem Seemannsberuf verloren und schlagen eine Land-Laufbahn ein. Die Erfahrung lehrt weiterhin, dass dem Absolventen der „nautischen Gewerbeschule“ i durchaus der Aufstieg in die höchsten Offiziersränge der Handels- und Fischereiflotte offensteht. I Man rennt wohl offene Türen ein, wenn man heute noch die Wichtigkeit des :! Seemannsberufes für Israel mit seiner „Insel-Situation“. ’! betont. Schliesslich versi- : cherte kürzlich auch der Verkehrsminister, dass die j Handelsflotte — trotz der augenblicklichen Krise in j der Passagier-Schiffahrt —! weiter ausgebaut werden l muss. Israels Hochsee - F:! scherei-Flotte wächst gleichj j falls. Moderne Fischkutter, j j wie die „Asgad“ 2 und 3, die! „Hiram“ und „Dagit“ fi- 1 sehen im Atlantischen Ozean ■ und bis hinauf nach Spitz-! j bergen. Diese neue israelische! „Industrie“ benötigt selbst- I verständlich ganz erstklassi-; ge Fachleute. j Aber nationale Notwendig- | keiten decken sich leider nicht mit den realen Tatsa- ■ chen. Wenn sich in Mewoot Jam daher alljährlich viel Prozess in Bremen j Bremen. — Unter Cer Anklage des Mordes in 15 Ein- , zelfällen und der Beihilfe j zum Morde in sechs Fällen von Massentötungen in Gai lizien muss sich der 63 Jah I re alte ehemalige SS-Ober- . Sturmführer Fritz Hildej brand aus Syke (Niedersachsen) jetzt vor dem Bremer I Schwurgericht verantworten! Zu dem Mordprozess, der; neun Monate dauern soll I sind 360 Zeugen aus aller Welt geladen, zum Teil Ueberlebende der galizischen Zwangsarbeiterlager. Hildebrand gehörte vom Juli 1942 bis zum Sommer 1943 in Lemberg (Polen) dem Stab des SS- und Polizeiführers von Galizien, des nach dem Krieg gestorbenen SS- Gruppenführers Katzmann, an. (AWZ) mehr als die 250 Kandidaten melden, die neu aufgenommen werden können, so ist das ein gutes Zeichen. Es spricht ebenso für die veränderte Einstellung von Eltern und Schülern wie für die Schule und ihren guten Namen. Geboten werden vier- und dreijährige Ausbildungslehrgänge (davon ein Jahr zur See für 14- bis 15 Jährige (nach einer psychotechnischen und medizinischen Untersuchung und Aufnahmeprüfung). Ausserdem gibt es für Sechzehnjährige auch einen zweijährigen Ausbildungskurs. Alle Zöglinge erhalten eine gründliche theoretische und praktische Schulung. Auch die körperliche Ertüchtigung ’ wird nicht vergessen. | Von den 415 Zöglingen sind, so verrät die Statistik, die meisten — nämlich 269 — Sabres. Von ihnen stammen wieder 176 von europäi- * sehen oder amerikanischen, 63 von „asiatischen oder afrikanischen“, und 30 von 1 israelischen Eltern. Von den Nicht-Sabres sind 79 in Asien oder Amerika geboren. Vertreten sind dabei aller Herren Länder, von Algier. Oesterreich und Italien bis — zum Kongo und der Türkei. Die meisten Zöglinge haben ' Facharbeiter zum Vater (83); aber auch die freien Berufe j (36>, einfache Arbeiter (44), 1 Beamte (53) und Kleinkauf-; leute i24) sind neben vielen; anderen Berufen vertreten. 15 Kinder sind Vaterwaisen, manche stammen aus bedürftigen Familien. Nur ein; Teil kann das volle Inter- I nats- und Schulgeld von 1350 IL im Jahr entrichten. Viele sind ganz oder teilweise vom Schulgeld befreit. Die „Sonderfälle“ erschweren übri-!; gens nicht nur das finanzielle, sondern auch das erziehe- . rische Problem. Und doch ' können die Erzieher auf viele Erfolge hinweisen. Mewoot Jam ist sehr schön gelegen. Es hat einen besonders weissen Strand an einem besonders klaren, märchenhaft blauen Meer. Der j kleine „Hafen“ mit den bunten Segelbooten erinnert I fast an Portofino. 'Eine groj sse Stille liegt über der Bucht mit dem ölglatt schimmernden Wasser. Die Zöglinge wirken diszipliniert und doch zufrieden, ob sie nun in der Werkstatt schweissen oder auf dem Rasen mit Sextanten hantieren ob sie Netze flicken oder in der Sonne Segel nähen — oder gar für eine „Vorstellung“ im modernen „Ami-Assaf-Auditorium Lieder zur Gitarre ein üben. van JOEL LIE8MAN FRANTZ In der letzten 2ait wird viel davon gesprochen, dass es im arabischen Lag«*.' zu „Blockbildungen“ kommen werde, nachdem sich die Gegensätze zwischen den verschiedenen Rivalen immer mehr zuspitzen. Mit den Schwierigkeiten, die in der Vereinigten Arabischen Republik (Aegypten—Sylen—Yemen) vor einigen Jahren auftauchten, begannen sich deutlich Differenzen abzuheben, die tiefer waren, als man bis dahin vermutet hatte. Das Schwergewicht verlagerte sich weiter, als Nasser Experimente im Yemen unternahm, die offensichtlich ausserhalb seiner Machtmöglichkeiten lagen und grosse wirtschaftliche Probleme schufen, die Kairo bisher nicht zu lösen vermochte. Inzwischen hatten sich auch die nordafrikanischen Länder in das arabische Kräftespiel eingeschaltet und waren nicht ohne weiteres gewillt, sich in das ägyptische Schlepptau nehmen zu lassen. Sowohl der marokkanische König wie der tunesisch® Präsident Bourguiba waren entschlossen, eigene Wege zu beschreiten, um einen Anschluss an Moskau zu vermeiden, den Nasser praktisch schon seit Jahren vollzogen hat. Mit dem Sturz Ben Bellas in Algerien, der Nassers intimster Freund und schärfster Konkurrent zugleich gewesen ist, verstärkte sich die Front der Gegner eines einseitig kommunistisch ausgerichteten Kurses der arabischen Welt, wie er de facto von Nasser gesteuert wurde. Jedenfalls verschärften sich die ohnehin bestehenden Gegensätze erheblich. Die üblichen Gipfelkonferenzen kamen nicht mehr zustande, sondern scheiterten bereits, bevor sie zusammengetreten waren. Heute spricht man ganz offen von zwei arabischen Blöcken, die von Nasser und Bourguiba angeführt werden, wobei auch die allgemeinen Sympathien, die bisher zweifellos Nasser genoss, langsam auf Bourguiba hinüberwechseln. Wie ernste Beboachter meinen, sind die „gemässigten“ arabischen Länder bereit, mit Bourguiba gemeinsam eine antinasseristische Front zu bilden, um auf diesem Wege di« arabische Welt vor einem totalen Abgleiten zum Kommunismus zu bewahren. Zu dieser Front sollen neben Tunis und Marokko auch Transjordanien und Saudi Arabien gehören, die beide gewiss seit vielen Jahren in schweren Konflikten mit Nasser-Aegypten leben, was keiner weiteren Beweise bedarf. Die Frage ist allerdings noch nicht beantwortet, ob diese tiefen Gegensätzlichkeiten ausreichen, um zu irgendwelchen konkreten Konsequenzen wie den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Tunis und Aegypten zu führen. Ob die Annäherung der beiden arabischen Königreiche, die Nachbarn Israels sind, auch zu einer Aenderung der anthsraelischen Politik führen, die beide bisher verfolgen, muss dahingestellt bleiben. — Grasszügige Spende an Israel Standard Oil Jerusalem. — Israelische hohe Beamte enthüllten, dass die Standard Oil von Ohio 90 Prozent der Aktion gekauft hat, die der Regierung bei der israelischen Petroleumgesellschaft DELEK gehören. Wie es heisst, hat die Standard Oil 170.000 Dollar für die Aktien bezahl. Dieser Betrag stellt 9 Prozent aller DELEK- Aktien dar, so dass die Regierung jetzt nur noch 1 Prozent Aktien besitzt (ITA) Axel Springer, Inhaber zahlreicher westdeutscher Veriagsanstalten, hat eine Million Dollar zur Errichtung eines würdigen Gebäudes auf dem Gelände des neuen Israel-Museums in Jerusalem gestiftet, in dem eine Bibliothek und ein Vortragssaal Raum finden sollen. Bei Ueberweisung der grosszügigen Spende stellte Springer keine Bedingungen für die Verwendung dieser Summe, noch verlangte er, dass das Haus seinen Namen tragen solle. Als sein Angebot in Israel bekannt wurde, erhob sich allerdings ein Meinungstreit, ob man Geschenke von Deutschen annehmen solle. Einige Oppo ■ nenten meinten schliesslich, wenn man dieses Geschenk schon akzeptiere, so dürfe wenigstens der Namen des Spenders nicht auf der Fassade des von ihm gestifteten Gebäudes stehen. Springer machte der israelischen Regierung von seiner I Spende am gleichen Tage 1 Mitteilung, an dem das . prächtige neue Haupthaus! seines Verlages eingeweihd wurde. Der Israel zugedach- : te Betrag stammt aus einem nach ihm benannten Fonds, der kürzlich gegründet wor«; den ist, und er ist die erste; aus diesen Geldern gemachte Stiftung. Axel Springer begleitete seine Ankündigung mit der Versicherung, dass er wohl die Gefühle verstehe, die die Israelis für die Deutschen hegen, und er es dankbar begrüssen würde, wenn Israel sein Angebot annehmen werde, wobei er ausdrücklich unterstrich, er verzichte darauf, dass dem geplanten Gebäude sein Name gegeben wird. Lebenslaenglich Rostock. — Der ehemalige SS-Unterscharführer Arnold Zöllner ist kürzlich vom Be zirksgericht Rostock wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslänglich Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt worden. Wieder ein Attentat Jerusalem. — Ein Militärauto stiess nahe der syrischen Grenze auf eine Mine. Der Wagen wurde beschädigt, doch waren keine Opfer zu beklagen. Der Ort, an dem sich dieser Zwischenfall ereignete, liegt bei Nebi Huda, gegenüber der befestigten syrischen Stellung in Tel Azzaziat, die den Ausgangspunkt für die jüngsten, von Terroristen verübten Ueberfälle bildete (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavta 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 909.491