Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-10-14 · 2189 (14.10.1966) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2189 (14.10.1966)
Date
1966-10-14
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615683--4568-9615691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Correo Argentino Centrnl B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 14 DE OCTUBRE DE 1966 N* 3189 SEMANA ISRAELITA el ejemplarIC en toda la República I Ui PUEYRREDON 2190 1* i«,. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Ein unerfreuliches Kapitel Die häufigen Schändungen jüdischer Friedhöfe in der Bundesrepublik beschäftigen weite Kreise. Es ist nicht einfach, plausible Erklärungen für diese Verbre. chen zu finden, die sich in einer nicht abreissenden Kette wiederholen. Da diese Verbrechen dem Ansehen der Bundesrepublik grossen Schaden zufügen, beschäftigen sich eine Reihe amtlicher Stellen seit langer Zeit damit, die Ursachen und Motive der meist jugendlichen Täter zu erforschen. Der Informationsdienst,,Innere Sicherheit“, der im Zusammenwirken mit dem von JAKOB KATZ-ROGASEN von entfielen 121 Fälle (41 Prozent) auf jüdische Fried, höfe. In den folgenden fünf Jahren, von 1960 bis 1964, waren es 232 Fälle (Jahresdurchschnitt 46), die Prozentzahl für jüdische Grabstätten fiel dagegen auf 32,2 Prozent (75 Fälle). Im Jahre 1965 stieg die Zahl der Friedhofsschändungen auf 78 an. In 28 Fällen (35.9 Prozent) handelte es sich dabei um jüdische Grabstätten. Auch für das Jahr 1966 muss mit einem erhöhten Jahresdurchschnitt gerechnet werden, da bis zum 1. April 1966 sind (z.B. Diebstahl von Kränzen und Metallteilen). Solche Delikte werden von den Verfassungsschutzbehörden nicht registriert.“ Dazu schreibt der Pressedienst „Innere Sicherheit“ u. a.: „Beim Vergleich der Zahlen darf allerdings nicht übersehen werden, dass die Zahl der jüdischen Friedhöfe nur einen Bruchteil aller Friedhöfe im Bundesgebiet ausmacht, so dass der Anteil der geschändeten jüdischen Gräber, auf die absolute Zahl der vorhandenen Gräber bezogen, erschreckend hoch ist. Bundesinnenministerium Informationen zu Fragen des Staatsschutzes veröffentlicht, bringt — wie wir aus dem ,,deutschland - bericht“ Rolf Vogels vom September 1966 erfahren — in seiner Ausgabe Nr. 9 vom 8. September 1966 eine Analyse des Bundeskriminalamtes zu den Schändungen jüdischer Grabstätten seit 1948. Das vorliegende Material des Bundeskriminalamtes über Fried. schon 26 Grabschändungen bekannt geworden sind. Trotz des starken Ansteigens der Vorfälle im Jahre 1965 und im 1. Quartal 1966 ist der Anteil der Schändungen jüdischer Friedhöfe nur geringfügig gestiegen und bleibt mit 37,5 Prozent noch um 0,5 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt der untersuchten Jahre (38 Prozent). Die. se Zahlen decken sieh genau mit den vom Bundesamt für hofsschändungen umfasst | Verfassungsschutz ermittelden Zeitraum vom 1. Januar 1 ten Zahlen, was u.a. darauf 1948 bis zum 1. April 1966. i zurückzuführen ist, dass die „In den Jahren 1948 bis ■ kriminalpolizeiliehen Statisti- 1959 wurden insgesamt 521 ken auch Fälle enthalten, in Friedhöfe (Jahresdurchdenen politische Motive mit schnitt 43) geschändet. Da- Sicherheit auszuschliessen Bessere Meldung aus Russland New York. — Eine „noch nicht, dagewesene* Zunahme der Zahl von Sowjetbürgern, die Erlaubnis erhielten, sich mit ihren Familien im Ausland zu vereinigen, darunter die bisher grösste Gruppe, die nach Israel reist, wurde von der newyorker Presse mitgeteilt. Es heisst, dass einige Tausend russische Juden jährlich sich mit ihren Verwandten in Israel vereinigen dürfen, was eine 80prozentige Erhöhung der Auswanderungsbewilligungen nach Israel darstellt, die vor zwei Jahren erteilt wurden. Allerdings verlautete aus glaubwürdigen Quellen, dass die sowjetischen Juden, die nach Israel auswandern dürfen, „nur ein Tropfen“ im Vergleich mit den Zehntausenden sei, die die Ausreise nach Israel beantragt haben. Die kürzliche Zunahme sowjetischer Visen hat nach diesen Informationen auch zur Vereinigung von Familien in Nordamerika, Kanada, Frankreich und anderen Ländern geführt. Es wird in dem Bericht betont, dass die Sowjetregierung nicht die Auswanderungsziffern bekannt gibt, sc dass es sich um inoffizielle Schätzungen handele. Ferner wird bemerkt, dass die Auswanderung nach Nordamerika ein langwieriger Prozess ¡sei, der zwei oder mehr Jahre vom Augenblick der Antragstellung bis zum Moment der Abreise in Ansprucht nimmt. (ITA) Die Gründe hierfür sind unterschiedlich; Zunächst, lassen diese Zahlen darauf schliessen, dass immei noch antisemitische Vorurteile in der Bevölkerung virulent sind. Auf der anderen Seite gibt es viele Täter, denen es weniger auf eine politische Demonstration als auf Befriedigung ihres Geltungstriebes ankommt. Man nennt sie die Herostraten. Sie schänden deshalb jüdische Fried, höfe. weil die Oeffentlichkeit hierauf empfindlicher reagiert als bei Schändungen, die an nicht-jüdischen Gräbern begangen werden. Hinzu kommt, dass häufig jüdi. sehe Friedhöfe aus historischen Gründen ausserhalb bewohnter Gebiete angelegt und deshalb leichter unbemerkt zu betreten sind. So wie auf anderen. Die Gegenüberstellung von derartigen Straftaten auf jüdischen und auf nicht jüdischen Friedhöfen verleitet zu falschen Rückschlüssen, auch wenn man berücksichtigt dass der Berichterstatter selbst darauf hinwies, dass es viel mehr nicht jüdische als jüdische Gräber in Deutschland gäbe. Er sagt nichts davon, wie die Proportion der jüdischen zu den nichtjüdischen Grabstätten ist; sie muss eine grosse Differenz ergeben, denn selbst in den Zeiten, als es die grösste Anzahl von Juden in Deutschland während der letzten Jahrhunderte gab, überstieg ihr Anteil an der Bevölkerung niemals einen Prozent, sondern blieb mit 0,9 Prozent »och darunter. Einen weiteren Hinweis bei der Motiv-Erforschung kann man aus dem Bericht entnehmen. Alle Fälle, in denen es sich um Diebstahl von Kränzen und dgl, handelt, scheiden für die jüdischen Friedhöfe aus. Denn bekanntlich tragen jüdische Friedhöfe nur in begrenztem Umfang äusserlicheu Schmuck, und was an Metallstücken auf j üdischen Friedhöfen vorhanden war, ist von Nazis durch Dekrete offiziell abmontiert, d. h. gestohlen worden. Das, was blieb, muss schon gesucht werden. Es kann sich nur um vereinzelte stücke handeln, j Der Berichterstatter im Informationsdienst „Innere Sicherheit“ behauptet, dass nach einer grossen Friedhofschändung 1957 in Salzgitter, die grosses Echo in der Inlands. und Auslandspresse hervorgerufen habe, die Durchschnittszahl der' Friedhofschändungen pro Jahr von 4.3 auf 96 gestiegen sei. Wenn diese Angabe richtig ist, dürfte die hieraus gezogene Folgerung dennoch falsch sein. Haben etwa die spielenden Kinder oder Halbwüchsigen die Auslansdpresse gelesen? Haben sie die Möglichkeit gehabt, die Inlandspresse zu studieren, um hierdurch zu weiteren und so häufigen Untaten angeregt zu werden? Das dürfte reichlich unwahrscheinlich sein. Unbeantwortet blieb eine ganz andere Frage. Die Friedhofschändungen waren und sind nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt, sondern geschehen in allen Teilen der Bundesrepublik. Aus welchen Gründen reagieren die Kinder und Jugendlichen in der Bundesrepublik auf diese Vorkommnisse allerorts damit, dass sie sich zu weiteren derartigen Verbrechen Dementi aus dem Weissen Haus Washington. — Ein Adjutant des Weissen Hauses bezf?j.chnete die Gerüchte, dass Präsident Johnson „die nor-jämerikanischen Juden und ihre Unterstützung’ des Vietnam-Krieges mit der Fortsetzung der Hilfe der Vereinigten Staaten für Israel in Beziehung gebracht habe“, als „völlig aus der Luft gegriffen“. Die Erklärung wurde von Harry C, McPheoson, Sonderberater des Präsidenten, in einem Schreiben an. den Studenten Peter J. Molay aus Cleveland Heights (Ohio) abgegeben. Molay hatte an den Präsidenten geschrieben und um Aufklärung über die Kontroverse gebeten, die vor einiger Zeit entstand, nachdem eine Delegation der Jüdischen Kriegsveteranen den Präsidenten im Weissen Haus aufgesucht hatte. Nach dieser Audienz eröffnete Kommandant Malcolm Tarlov von den Kriegsveteranen den Korrespondenten im Weissen Haus, Johnson sei überrascht, dass die jüdischen Führer gegen die militärischen Operationen der USA in Vietnam in einem Augenblick Stellung beziehen, in dem er sich anschicke, neue Massnahmen zu ergreifen, um Israel zu helfen. Seinem Schreiben, in dem McPherson betont, dass „der Präsident mich gebeten hat, Ihnen zu antworten“, fügt er eine Erklärung des Präsidenten der Bne Berit, Dr. William Wexler, bei. Darin hebt Wexler hervor, dass „die B.B. den’ dem Präsidenten Johnson zugeschriebenen Erklärungen wenig Glauben schenkt und beztösifelt, dass dieser die Hilfe der USA-Regierung für Israel von der mutmasslichen Einstellung der nordamerikanischen Juden zum Vietnam-Konflikt abhängig gemacht habe “ (ITA) mündiger Kinder als Täter ist alarmierend. Von den zwischen 1948 und 1964 registrierten 753 Fällen wurden 266, das sind 35,3% aufgeklärt. Darunter waren die Täter in 178 Fällen Kinderd), Die 287 Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe während dieses Zeitraums wurden zu 47,9 Prozent, das heisst in 137 Fällen, aufgeklärt. Von diesen 137 Fällen waren 122 Mal Kinder die Täter. Das ist eine erschrekkende Mitteilung. Jedenfalls will der Statistiker damit beweisen, dass keine politischen Ursachen oder antisemitischen Beweggründe für die Schändungen jüdischer Friedhöfe massgebend gewesen seien. Aber dieser Beweis ist durchaus nicht ge. lungen. Es blieb bei der Behauptung. Denn dass sich spielende Kinder vorwiegend jüdische Friedhöfe für ihre Verwüstungen aussuchen, ist nicht nur auffallend, sondern unerklärlich. Bei den übrigen Tätern, so heisst es, überwiegt als Motiv Diebstahl, es folgen Trunkenheit, grober Unfug, Rache. Der Bericht gibt zu: „Exakt lassen sich die Motive der Täter in Zahlen nicht ausdrüoken, da sich meist mehrere Beweggründe verbinden“, ., Hierfür wird ein Beispiel angeführt; Ein 15jähriger Schüler, also kein kleines Kind mehr, hat aus Verärgerung über eine jüdische Lehrerin 55 Grabsteine auf dem Ungewöhnliches sein dürfte, auf den eigenartigen Gedanken gekommen, sich an den Toten auf einem nichtjüdischen Friedhof zu rächen? Diese Frage dürfte wohl berechtigt sein. Eine Antwort gibt es auf diese Frage nicht, wahrscheinlich schon deswegen nicht, weil das Motiv des hoffnungsvollen jugendlichen Grabschänders nicht in der Rache an seiner Lehrerin zu suchen ist, sondern in anderen Beweggründen. Eine der letzten Schandtaten dieser Art wurde auf dem jüdischen Friedhof in Lübeck vor wenigen Wochen begangen (siehe das hier veröffentlichte Bild). Dazu schreibt eine deutsche Zeitung: „Die Friedschofschändung auf dem jüdischen Friedhof... unterstrich er« neut, dass der Antisemitismus in der Bundesrepublik weiter gefährliche Auswüchse zeigt. 45 Grabsteine wurden aus dem Boden gerissen. An 33 Grabsteinen wurden die Namen ausgekrat.zt, Auf dem Friedhof haben zahlreiche jüdische KZ-Häftlinge ihre letzte Ruhestätte gefunden.“ — Merkwürdig ist nicht, dass die deutschen Behörden und Statistiker, Jugenderzieher und Kriminalbeamten den Antisemitismus als Motiv noch nicht einmal erwähnen, sondern bestenfalls von politischen Motiven sprechen.! Was haben Friedhofschän- ' düngen mit Politik zu tun? Warum nennt man die Dinsuchten sich z. B. erst kürang#regt -fühlen? Uegt eine : deutsche Prä disposition für diese Art von Verbrechen jüdischen! vor? DaÄ wird man ~ wahr' in„, I sehe in lieh mit Recht — als zu weitgehend oder abwegig lieh zwei Jugendliche den Besitz eines Totenschädels kommen wollten, nur deshalb einen Friedhof aus, weil dieser weit genug vom Ort entfernt lag Es muss auch berücksichtigt werden, dass der kriminalpolizeiliche Meldedienst nicht alle Fälle von Schändungen allgemeiner Friedhöfe er fasst, zumal wahrscheinlich in vielen Fällen keine Strafanzeige erstattet wird." — Die statistischen Angaben werden von uns als richtig unterstellt. Dennoch können sie nicht ohne weiteres hingenommen werden oder zur Beruhigung dienen, weil der Eindruck daraus gewonnen werden könnte, die Schän-. düngen auf jüdischen Friedhöfen wären nicht so häufig zurückweisen. Aber welche Motive oder welche Gründe liegen sonst vor? I In den letzten Jahren wird wieder ein Ansteigen dieser Verbrechen beobachtet. Dass Kinder durch solche Taten in den Rundfunk oder auf den „Fernsehschirm“ kommen wollen, kann doch auch nicht als eine befriedigende Erklärung hüigenommen werden. Aus welchen Gründen reagieren gerade bundesdeutsche Kinder ihr Geltungsbediirfnis durch Friedhofschändungen ab, die z.B. in Ostdeutschland viel seltener. Auch die hohe Zahl strafjüdischen Friedhof in Wiesge nicht beim richtigen Na. baden umgestürzt. Mit dieser men? ... Tat, die schon durch die hohe Zahl der geschändeten Gräber auffällt, — 55 Grabsteine umzustürzen, nimmt sicherlich längere Zeit in Anspruch, — wollte der Schüler sich an der jüdischen Lehrerin rächen. Wieso ist bisher kein Schüler der Bundesrepublik wegen einer Differenz mit seinem Lehrer, was doch immerhin nichts Israel und Thailand Jerusalem. — Ein Abkommen zwischen Israel und Thailand zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion in Thailand wurde abgeschlossen. Eban bei Rush Vereinte Nationen. — Israels Aussenminister Ab ba Eban hatte eine Unterredung mit dem nordamerikanischen Staatssekretär Dean Rusk, den er in seiner Wohnung in New York aufsuchte. Beide Staatsmänner unterhielten sich ausführlich über die in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Debatte stehenden Probleme. Das Gespräch dauerte etwa eine Stunde (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rávadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 909.491

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.