Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2189 (14.10.1966)
- Date
- 1966-10-14
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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OKTOBER, itionelien MAR :A, Arm 2354. - Confitería OBER, DM 15 UHR t Spielnachmittag. altungen frei SER (Iciierweisunf tkm a »•«« l* Viernes, 14 de Oetvbre de 1966 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — N’ 2189 JWe irmitffung" in New York New York. — „Die Ermittlung“, ein Drama in 3 Akten das auf. der stenographischen Version des Auschwitz-Prozesses basiert, wurde im Ambassador Theater uraufgefübrt und von Kritikern und Zuschauern mit grösstem Interesse aufgenommen. Sein Autor ist Peter Weiss, ein in Berlin geborener Halbjude, heute schwedischer Bürger, der als einer der besten Dramatiker der Jetztzeit gilt. In den achtzehn Monaten, die der Prozess dauerte, in dem die der Beihilfe zum Mord an 4 Millionen Männern, Frauen und Kindern, zumeist Juden, angeklagten Nazischergen abgeurteilt wurden, hat Weiss vielen Sitzungen beigewohnt, ln einer Szene nach der anderen werden die Schrecken von Auschwitz, die als Wissenschaft konstruierte Mordmaschine, die Schamlosigkeit der Nazis kalt und ohne unnötige Betonung der Grausamkeiten gezeigt. Die Kritiker waren sich einig, dass das Stück einen tiefen Eindruck machte. Das Wort ,,Jude“ fällt nicht ein einziges Mal, doch man sieht, dass die Zeugen Juden sind. Weise will zum Ausdruck bringen, dass die ganze Menschheit litt und sie auch die Schuld trägt, solches geduldet zu haben. (ITA) Bmísm w<Klen : •’SS-"* Jüdische Einwanderung in USA Musik in Buenos Aires Achtzig Prozent der Juden der USA sind in Amerika geboren. Ihre Ehern und Grosseltern sind eingewandert; die neuen Generationen wissen aber nichts über die Wohnorte in der „alten Heimat“ und nichts über die Hilfe, welche die jüdischen Organisationen damals an sie geleistet haben. Die schweren Sorgen bei der Ankunft gehören der Vergangenheit an. Die Yivo hat es unternommen, diese Geschichte der Einwanderung in einer Ausstellung in New York wieder in Erinnerung zu rufen. Die jüdische Einwanderung ist älter als 100 Jahre, aber damals begann die grosse Massen - Einwanderung aus Osteuropa, die in vielen Fällen durch die österreichischrussische Grenzstadt Brody ging. Es war aber nicht so, dass die ehemaligen jüdischen Hilfsorganisationen in Nordamerika von dieser Masseneinwanderung begeistert gewesen wären; sie wollten vielmehr nur geschulte und unverheiratete Kräfte. Die Auswanderung nahm aber auch ohne Hilfe die Gestalt als die Einwanderer einmal da waren, musste ihnen geholfen werden. Die Behörden wollten dieser Massenflucht nicht untätig zusehen, sie führten im Jahre 1891 ein Gesetz ein, das Einwanderer ausschloss, die der Oeffentlichkeit zur Last fallen konnten. Die jüdischen Organisationen haben allerdings gegen dieses Gesetz protestiert, trotzdem auch sie nur für eine geord- I nete Kn Wanderung waren. Die Pogrome von 1903 und! die wachsende Armut haben ganze Gemeinden veranlasst, zu Fuss die Grenzen zu erreichen und sich nach Hamburg durchzuschlagen, wo die Schiffe bestiegen werden konnten. DIALOGLOSER „FIDELIO“ IM COLON Beethovens einzige Oper war ein problematisches Experiment. Die vielfachen Umarbeitungen, die Entstehung der vier Ouvertüren zeugen davon. Die Probleme sind in den 161 Jahren seit Entstehung von „Fidelio oder die eheliche Liebe“ nicht verschwunden; seit jeher haben sie zum Experimentieren Anlass gegeben Auch in unseren Tagen, in denen die Opernregie und Dramaturgie einen stets wachsenden Einfluss auf die Einstudierung gewonnen und so manche Werke vor dem Vergessenwerden bewahrt haben, ist es nicht anders: Kurz nach dem Krieg startete Wieland Wagner als erste ausserhalb Bayreuths und seinem Wagner-Oeuvre realisierte Inszenierung den revolutionären Stuttgarter ,,Fi delio“, die Errichtung der berliner Mauer liess in einigen deutschen Opernhäusern die Beethovenoper zum Ueberwindungssymbol eben dieser Mauer werden, und fast jeder Regisseur stellte mittels „Fideiio“ sein persönliches Freiheitskonzept zur Diskussion. „Baucbbinden-Hitler“ Karlsruhe. — Deutschlands Zigarrenrauchern bleibt in Zukunft der Anblick des Hitler-Bildes erspart. Eine Firma in Untergrombach bei Karlsruhe, die Zigarren in Bauchbinden mit Adolf-Hitler-Porträt an bot hat sich Jiuf Anraten der Kriminalpolizei entschlossen, das Bild des Diktators verschwinden zu lassen. Die Polizei war von der Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftragt worden. In einer Stellungnahme wies der Staatsanwalt darauf hin dass die Hitler-Bauchbinde zu einer Serie gehörte, in der auch Staatsmänner wie Napoleon, Nasser, Tito und Lenin gezeigt werden. Es handele sich offenbar nicht um einen Fall von politischer Propaganda. Die suspekte Serie ,,Grosse Männer und Tyrannen“ hat der Firmeninhaber nach seinen eigenen Angaben aus Holland importiert. (AWZ) Friedens Universifaet Jerusalem. — Jerusalemer Studenten teilten mit. dass sie einen Plan zur Errichtung einer Friedens-Universität in den. Gebäuden der Hebräischen Universität auf dem Skopus ausarbeiten, wo jüdische und arabische Professoren in hebräischer und arabischer Sprache Studenten aus allen Ländern des Mittleren Ostens unterrichten sollen. Im Jahre 1901 wurde von den jüdischen Organisationen in New York eine Zentralstelle geschaffen, welche die Juden auf das ganze Land verteilen sollte. Damals entstand der „Galveston-Plan“, laut welchem die Schiffe nicht mehr in New York sondern in Galveston larden sollten, damit die jüdischen Einwanderer sich in den südlichen und südwestlichen Staaten niederlassen sollten. Der Plan hatte aber keinen Erfolg, weil die Einwanderer ihre Angehörigen eben in New York hatten. Bis 1914 wurden durch diese Zentralstelle nur etwa 100.000 Juden ausserhalb New Yorks angesiedelt. In den Jahren des Ersten Weltkrieges fiel die Einwanderung stark zurück, aber nach dem Kriege stieg die Zah’, besonders aus Polen, wieder stark an. Die Hias wurde gegründet, und ihr damaliger Vertreter in Warschau, Adolph Held, der jetzige Leiter des „Forward“, der grössten jüdischen Tageszeitung, hatte Personen zu behandeln, die j 24 Stunden vor den Büros Schlange gestanden hatten. Der Joint hatte damals in Warschau seine Büros im gleichen Haus wie das amerikanische Konsulat, und oft mussten die Beamten des Joint mithelfen, die Pässe zu stempeln. Die polnische Regierung machte keine Schwierigkeiten bei der Auswanderung, sondern stellte die Pässe sofort aus. Die starke Einwanderung dauerte bis 1921, als in den USA die Quotengesetze eingeführt wurden. Vor dem Zweiten Weltkrieg kam die Einwanderung aus Mitteleuropa hinzu und nach dem Kriede diejenige der überlebenden Lagerinsassen. Die jüdi : sehen Hilfsorganisationen haben zur Einordnung einen grossen Beitrag geleistet. Die der unsterblichen Mu 6ik nicht kongenialen Textworte von Sonnleithner und Treitschke haben letzthin besonders in den Dialogen — diese müssen nun einmal in jeder Nummernoper zur Verständlichmaehung des Inhalts verbindend wirken — im Laufe der Jahre mancherlei Kürzungen erfahren. Und es wurde auch der Versuch unternommen, sie ganz fortfallen zu lassen und durch erklärende Sprecher (Cocteau: Oedipus, Britten — dort gesungen! — Lucretia) zu ersetzen. Ernst Poettgen, der vor genau acht Jahren mit diesem Opus hier debütierte und schon damals rücksichtslos die Dialoge zusammengestrichen hat, ist jetzt noch einen grossen Schritt weitergegangen, indem er weder sie noch den Sprecher gelten lässt; er hat auf seine Weise die stete Problematik stumm, durch Gestik, durch Pantomimik, gelöst. Dem argentinischen Publikum fehlen die Worte nicht, für den deutsch Verstehenden bedeutet der Fortfall des erklärenden, verbindenden Wortes einen Schock, der durch die gewonnene Konzentration auf das Wesentliche, die Musik, wettgemacht werden soll. Grausam konzipiert ist die Realistik des Regisseurs, dessen „Fidelio“-Version die eines Gefängnisses, ja eines Konzentrationslagers ist. Die Dekors beschränken sich fast ausschliesslich auf Gitter über Gitter, düstere Farben — grossartig von Paul Walter realisiert, wie auch die Kostüme — vor und hinter diesen Gittern schwerbewaffnete Wachttruppen im Stechschritt; erst der Endchor, Beethovens Apotheose auf die Gattenliebe, die Büttgens Idealvorstellung von der Humanitas mit der Liebe zum Menschen gleichsetzt, singt sein Freiheitslied auf offener, heller, dekorationsloser Stufenbühne bei erleuchtetem Saal, in Oratoriumsposition, wie überhaupt 1 die Grundform dieses „Fidelio“ sich von der herkömmlichen Opfer entfernt und dem szenischen Oratorium näherrückt. Die Partitur ist erst spät in Buenos Aires zum Erklingen gebracht worden, vor kaum 40 Jahren, in insgesamtf sieben Einstudierungen. Fritz Busch, Erich Kleiber und Sir Thomas Beecham waren ihre Berufensten. Die Version von Lovro von Matado ist die eines Routiniers, kommt aber keiner der genannten auch nur nahe, selbstverständlich holte sich der Kapellmeister mit der Leonorenouvertüre Nr 3 — seit Gustav Mahler vor das Schlussbild gesetzt — einen billigen Sonderapplaus, der natürlich ebenso dem sehr korrekt spielenden Colónor ehester galt. Leider war Tieho Parly dem „Florestan“ atimmlicn Keine ArmutsvierteJ mehr Tel Aviv. — Die Stadtverwaltung von Tel Aviv hat ein genaues Programm zur Auflösung der Armutsviertel in der Stadt vorbereitet -das so schnell als möglich verwirklicht werden soll. Tel Aviv beabsichtigt, im Laufe der nächsten vier Jahre 7.500 Wohneinheiten füi Famiien, die gegenwärtig in Armutsvierteln wohnen, zu errichten. Graeber in Weissensee Berlin, — Der Staatssekretär für Kirchenfragen in der DDR hat es westberliner Juden kürzlich ermöglicht die Gräber ihrer auf dem Weissenseeer Friedhof in Ostoer. iin beigesetzten Angehör-gen zu besuchen. Dies erging aus einem Bericht der DDR- Nachrichten - Agentui aDN über ein Synagogen-Konzert der Jüdischen Gemeinde von Grossberlin im ..Friedenstempel“ in Ostberlin. (AWZ) nicht gewachsen; stete For eierung seines offenbar durch „Tristan“ überiorderten Tenors verleitete ihn zu über, massig starkem und daher unreinem und unschönem Intonieren. Hildegard Hillebrecht war eine ideale Leo nore, ihr wohlklingender Sopran lyrisch wie dramatisch ausgeglichen, musikalisch und darstellerisch auf hoher Ebene. Gerd Feldhoff als „Pizarro“ hatte wohl darstellerisch, stimmlich jedoch keine Durchschlagskraft Ein prächtiger „Jaquino“ Gerhard Unger (im Debüt), dessen Duette mit Renate Hoim („Marzelline“) gut ankamen. Franz Crass als ..Rocco“ von gewohnter Hierarchie Der Colönchor (Tu-lio Bo. ni) verlieh der originellen Neufassung- und Einstudierung besonderen Glanz speziel] im Schlussgesang — Es gab freundlichen Beifall. Curl B. M. Weissstein CENTRA INFORMIERT über den bevorstehenden Besuch des früheren Berliner Gemeinde Rabbiners Dr. Max Nussbaum beute Rabbiner in Los Angeles, Praesident des American Jewish Cengress und der American Zionist Organsation von Freitag, den 28. Oktober, bis Sonntag, den 30. Oktober. Dr. Nussbaum SPRICHT FREITAG, DEN 28. OKTOBER, Predigt im Abendgottesdliemst (Ort und Zeitpunkt werden iioch bekannt gegeben) SONNABEND, DEN 29. OKTOBER, um 21 Uhr in den Raeiimen der ACIBA, Araoz 2854 UEBER DAS THEMA Juden und Deutsche Kann diese Frage geloesl werden! WEITERE EINZELHEITEN werden in der naeebsten Ausgabe der Jüdischen Wochenschau bekanntgegeben. Veranstaltungs-Kalender KERMESSE der WIZO am 24. und 25. Oktober in den Räumen der ACIBA, Araoz 2854. Besaeh RABBI Dr. NUSSBAUM Freitag, den 28. Oktober, bis Sonntag, den 30. Oktober, in Buenos Aires. CRNTRA-KONGRESS beginnt am 39. Oktober in Montevideo. — DER HILFSVERFIN veranstaltet am 6. November sei nen jährlichen „Asado“ in San Miguel. — JETZT: Einheitskampagne COMITE 6ENTR0EUR0PE0 DE LA CAMPAÑA UNIDA (Keren Ha jessed) SARMIENTO 2376 UL ■— T. E 47.3620