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Jüdische Wochenschau · 1966-10-07 · 2188 (7.10.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2188 (7.10.1966)
Date
1966-10-07
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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'J o m FRANQUEO PAGADO 0.5 O -M ~ c c c Concesión 908 TARIFA REDUCIDA H o Concesión 1889 ISRAELITA Año XX Vil BUENOS AIRES, VIERNES 7 BE OCTUBRE BE 1966 N® 2188 el ejemplar en toda (a República PUEYRREDON 2190 1» i«,. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Begegnung in Washington Auch für die jüdische- Gemeinschaft sind die Besprechungen, die zwischen dem amerikanischen Präsidenten Lyndon Johnson und dem bundesdeutschen Kanzler Ludwig Erhard in Washington stattgefunden haben, von einem weittragenden Interesse. Denn es wurden dort Fragen angeschnitten und Lösungen angestrebt, die für das jüdische Volk durchaus nicht uninteressant sind. Hier handelt es sich nicht darum, zu gewissen Entwicklungen Stellung zu nehmen die in erster Linie das deutsche oder andere Völker betreffen, in deren politische Auseinandersetzungen wir weder eingreifen wollen noch können. Die Austrahlungen dieser Entwicklungen aber gehen uns mit aller Wahrscheinlichkeit direkt an. Deswegen interessieren sie uns nicht nur von einem theoretischen Standpunkt aus. Gewisse Erscheinungen und von JOEL LIEBMAN FRANTZ Tendenzen im internationalen Leben haben dazu beigetragen, die Bedeutung der Bundesrepublik Deutschland für die westliche Welt im Allgemeinen und für die amerikanische Position im j Besonderen zu erhöhen Hier- I für ist in erster Linie die eigenwillige Politik des französischen Präsidenten Charles 1 de Gaulle massgebend, der nicht ohne Folgen versuchte, i die Freundschaftsbande zu den Amerikanern zu lockern und einige Verpflichtungen ■ in der Atlantischen Allianz | aufzugeben. Zu diesen Bemii- 1 hungen sei ebenfalls nicht kritisch Stellung genommen; sie seien nur verzeichnet. Nunmehr sind also Johnson und Erhard zu gewissen Konsequenzen ihrer Verhandlungen und Betrachtungen gelangt, die in einer Bekanntmachung ihren Niederschlag gefunden haben. Hier bei ragen zwei Punkte heraus. die Frage der Wieder. Vereinigung Deutschlands und das Problem seiner nuklearen Bewaffnung oder seiner Teilnahme hieran. Beide Problemkreise sind von einer geradezu transzendentalen Bedeutung für die weitere politische Entwicklung, zumindestens der westlichen, wahrscheinlich der ganzen Welt. Denn ein wiedervereinigtes Deutschland würde aus diesem Staat innerhalb kürzester Zeit, wenn nicht sofort, die entscheidende Macht Europas machen, wobei es sogar fraglich erscheinen muss, wie weit Russland aus seiner Vormachtstellung verdrängt werden wild. Die allgemeine Meinung geht dahin, Russland werde einen solchen Schritt niemals erlauben. Nach den gemachten Erfahrungen und unter Berücksichtigung der gegebe- Argentinien und Israel Die Auseenmwisier Argentiniens und Israels im Gespräch Vereinte Nationen. — Der argentinische Aussenminister, Dr. Nicanor Costa Méndez, versicherte dem israelischen Aussenminister Abba Eban während eines kürzliehen Gesprächs, dass entgegen gewissen Informationen, welche ,,ein falsches Bild“ von der Politik des neuen argentinischen Regimes unter General Ongania geben, die Regierung seines Landes allen auf argentinischem Boden lebenden Volksgemein, schäften, eingeschlossen der beträchtlichen jüdischen Gemeinschaft in Argentinien, volle Freiheit zugesteht. Dr. Costa Méndez war einer der sieben Aussenminister, mit denen Abba Eban Unterhaltungen führte und die gegenwärtig an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen. Eban sprach z. B. auch mit dem polnischen Aussenminister Adam Rapacki, der als einer der einflussreichsten! kommunistischen Staatsmän- | ner in den UN gilt. Ebenso wie bei der Mehr- . zahl seiner Konferenzen mit 1 anderen Aussenministern sprach Dr. Eban auch mit 1 dem argentinischen Ausseni minister über das gemeinsa- ' me Bestreben, die Stellung- | nähme beider Regierungen! zu den Problemen, die gegen- | wärtig in den UN zur Verj handlungen stehen, weitestj gehend zu koordinieren, fer-! ner über die bilateralen Be- | Ziehungen zu ökonomischen technischen und sozialen Fragen und die verschiedenen Aspekte der Lage im Mittelosten, zu denen vor allem das Problem der arabischen Flüchtlinge gehört, das auch in diesem Jahr auf dem Programm der Generalversammlung steht. Der argentinische Aussen, minister nahm Gelegenheit zu betonen, dass seine Regie- Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de Ja Propiedad Intelectual N? 909.491 rung der Ansicht sei Israel sei im besonderen an Fragen interessiert, die das ganze jüdische Volk betreffen. Aus diesem Grunde wünschte er hervorzuheben, dass i viele Zeitungs . Meldungen ' fälschlich berichtet hätten, : das neue Regime in Argen- I tinien sei den Juden im Lan-! des nicht freundlich gesinnt. ' Er erklärte, dass er diese Inj formationen ,,tief bedauere, : und versicherte nachdrück | lieh, dass seine Regierung den Juden in Argentinien vollste Freiheit gewährt. Was Israel angeht, so gab Dr. Co- . sta Méndez seinem israeli-! sehen Kollegen die Versicherung, dass Argentinien Israel unterstützt. Er ersuchte Eban ferner, seiner Regierung nahezulegen, dass Israels Präsident Salman Shazar zu einem Besuch nach Argentinien kommen solle, der bekanntlich vor wenigen Monaten abgesagt worden war, weil Shazars Besuch während seiner kürzlichen Lateinamerikareise mit der argentinischen Revolution zusammen, fiel. (ITA) , nen politischen Konst ellatio | nen dürfte es unwahrscheinlich sein, dass der Plan der | Wiedervereinigung in abseh. j barer Zeit realisierbat ist. da mit einem heftigen russischen Widerstand gerechnet werden muss, über den sich die Amerikaner nicht ohne weiteres hinwegsetzen werden. Demnach wäre die Wiedervereinigung der jetzigen beiden deutschen Rumpfstaaten in erster Linie von den Russen abhängig. Bei der heutigen Konstellation muss man aber nicht nur mit dem russischen oder dem kommunistischen Wider gegen eine solche Wiedervereinigung rechnen — insbesondere auch in den Kreisen der ostdeutschen Kommunisten — sondern auch mit der Gegnerschaft de Gaulles oder besser gesagt Frankreichs. Künftige französische Regierungen, die weniger autokratisch gebildet sind, werden mehr als heute die Wiedervereinigung Deutschlands wegen der hier, aus resultierenden Gefahr der Wiedererstarkung zur dominierenden Macht Mitteleuropas fürchten. Das Gefühl der Bedrohung ist nach dem Zusammenbruch nicht mehr so deutlich wie früher ausgeprägt gewesen, trat aber mit dem bundesdeutschen Aufbau erneut hervor. Die Franzosen sind misstrauisch geblieben, und sie sind es nicht ohne Grund. Die Erfahrungen — und die Leiden — zweier Weltkriege in einem Jahrhundert sind nicht vergessen. Ein wieder vereinigtes Deutschland mit Nukiearwaf. fen erhöht bestehende Gefahren oder Möglichkeiten. Da diese Entwicklung weitgehend von den Russen abhängig sein dürfte, wächst der Unsicherheitskoeffizient. Man braucht sich nur des f alles Oesterreich zu erinnern, in welchem die Russen — wie aus heiterem Himmel — die . Initial ive ergriffen und die österreichische Souveränität hergestellt haben, ohne ihren Alliierten die Möglichkeit einer ruhigen Stellungnahme zu geben. Aus welchen Gründen sollten sich die Russen nicht auch im Fall Deutschland zu gleichen oder ähnlichen Schritten entschliessen? Nirgends gibt es eine Garantie dafür, dass selbst in der Bundesrepublik ein solches Vorgehen abgelehnt werden würde. Die geographische Lage Deutschlands als eines Landes der Mitte, zwischen Ost und West hat den deutschen Politikern — und Militärs wohlgemerkt — im Laufe der Geschichte wiederholt die Möglichkeit einer Entscheidung in die Hand gespielt, mit dem Osten oder mit dem Westen zu gehen. Mindestens zwejmal haben die Deutsehen diese Chance verscherzt, aber es gibt keine Sicherheit, dass dies auch zum dritten Mal der Fall sein wird. Johnson wäre sicherlich nicht der einzige, der von einer solchen Entwicklung überrascht wäre, aber dann wäre es auch zu spät. — Wo liegt ein spezielles jüdisches Interese bei der Beobachtung dieser Entwicklung? Wir wissen — und hoffen es heute mit einem demokra- Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ DAS SUEDKORBANISCHE Kabinett ist zurückgetreten. — DIE USA machten in den UN ein neues Friedens an. gebot. — DER ANGEKLAGTE jugoslawische Schriftsteller Mihailo Mihajlov verteidigte die politischen und sozialen Rechte der Bürger auf Freiheit, bevor er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. _ IN ALBANIEN errichteten die Roten Chinesen Stützpunkte für Atomwaffen. — MARSCHALL ARTHUR COSTA e Silva wurde aum 23. Präsidenten Brasiliens gewählt. — ANDREI GROMYKO. der russische Aussenminister, sprach sich erneut für ein Verbleiben II Thants im Amt des Generalsekretäre der UN aus. — DIe SPANISCHE Regierung diskutierte die Frage der Nachfoigesoha/t Francos, ohne zu einer Verständigung zu gelangen. — DAS PARLAMENT Kongos hat den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Portugal gefordert. — VIETOONG meldet, dass keine Aenderung seiner Politik geplant sei. — — LLERAS RESTREPO, der kolumbianische Präsident, drängte den Kongress zur Annahme eines Gesetzes, mit dessen Hilfe die Verfassung des Landes reformiert werden soll. — BOTSWANA, ehemalige britische Kronkolonie in Afrika. erhielt seine Unabhängigkeit. — ANTONIO CARRILLO FLORES, mexikanischer Aussenminister, brachte das Vertrauen seines Landes zu den Vereinten Nationen zum Ausdruck. — BUNDESKANZLER. Erhard gab gemeinsam mit Präsident Johnson, eine Erklärung ab, wie e:n dauerhafter Frieden erreicht werden solle. — DIE ROTe GARDE, eine Terrorgruppe in Rotchina, ist bereits zu Grabschändungen übergegangien. — DIE KUBANISCHE Botschaft in Ghana wurde geschlossen, da sie sich in interne Angelegenheiten des Landes gemischt habe. — ISRAELS Aussenminister Abba Eban besuchte seinen argentinischen Kollegen Nicanor Costa Mendez während der UN-Beratungen in New York. — BRBZHNEW, kommunistischer Parteichef in Moskau, benutzte seine Anwesenheit in Belgrad zu scharfen Angriffen gegen die USA. — ZENTARO KOSAKA, früherer japanischer Ausseiiminister. erklärte, Peking würde einer, neuen Weltkrieg vorbereiten — ERHEBLICHE VERDIENSTE werden dem entthronten Josef Stalin in einer neuen Geschichte des deutschrussischen Krieges zugestanden, die soeben in Moskau erschienen ist. — NACH ABBUESSUNG ihrer 20jährigen Strafe wurden die beiden Kriegsverbrecher Albert Speer und Baldur von Schirach freigelassen. — tischen Deutschland zu tun zu haben. Dies gilt aber nur für die Bundesrepublik. Der ostdeutsche Staat steht in der Front unserer Gegner, nicht etwa weil seine Bewohner Antisemiten oder antisemitischer als die Bundesrepublikaner sind. Hierüber kann man wenig aussagen, da die öffentliche Meinung im kommunistischen Teilstaat von der Regierung gelenkt ist. Wohl aber ist Ostdeutschland unter den Gegnern des Staates Israel zu finden und begünstigt einseitig die arabischen Interessen und politischen Forderungen, die in en. ger Verbindung mit Auseinandersetzungen stehen, die das internationale Verhältnis des jüdischen Volkes zum Staat Israel betreffen. Wie weit diese Haltung und Einstellung Ostdeutschlands bei einer Wiedervereinigung von negativem Einfluss auf die bisherige bundesdeutsche Israel-Politik wäre, müsste man abwarten. Eine Unsicherheit bleibt. Auch wenn man nicht der Meinung ist, dass eine Wiedererstarkung der alten oder neuer nazistischer Kräfte in der Bundesrepublik heute eine akute Gefahr darstellt, Israel und die EW6 Brüssel. — Israel hat sein Aufnahmegesuch als angeschlossenes Mitglied der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft eingereicht. Der israelische Botschafter vor dieser Gruppierung, Amiei Nachar, informierte den Mdnisterrat und die Exekutiv-Kommission der EWG von Israels Wunsch, un- J verzüglich die Verhandlungen aufzunehmen .damit eine besondere kommerzielle Vereinbarung in diesem Sinne getroffen werden kann. (ITA) bleibt die Möglichkeit keinoafalls ausgeschlossen, dass bei einer Wiedervereinigung diese Elemente durch die ostdeutschen Kommunisten eine erhebliche, vielleicht sogar die entscheidende Verstärkung erhalten und damit zu einer ernsten politischen Kraft anwachsen werden. Es ist möglich, dass solche Entwicklungen noch in weiter Ferne liegen. Politische Weitsicht hat aber noch niemals einen Schaden gebracht.

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