Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2186 (23.9.1966)
- Date
- 1966-09-23
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O <B FRANQUEO PAGADO o £ _ t) «s r f- C u Concesión 908 4) O □> c O u u < ü TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 el ejemplar en toda la República 15.- Ano XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE SEPTIEMBRE DE 1966 N* 2186 PUEYRREDON 2190 1* i«,. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Der 2. Auschwitz-Prozess Der zweite, sogenannte „kleine" Auschwitz - Prozess ist in diesen Tagen beendet worden. Immerhin hat er sich über mehr als neun Monate hingezogen, bis das Gericht in Frankfurt seinen ßchuldspruch sprach: Josef Erler, früherer Leiter der politischen Abteilung im Frauenlager Birkenau, bis zu seiner Verhaftung Rentenempfänger der Bundesrepublik, erhielt lebenslänglisches Zuchthaus (die zulässige Höchststrafe), der frühere SS - Sturmbannführer und einstige Leiter der Lagerverwaltung in Auschwitz Wilheim Burger erhielt acht Jahre und der dritte Angeklagte. der frühere Sanitäter Gerhard Neubert. dreiundeinhalb Jahre Zuchthaus, al- *o relativ milde Strafen. Wie das Gericht u. a. feststellte, wurden in den nazistischen Gaskammern Millionen Juden umgebracht. Angeklagter Erler hat bei den Selektionen mitgewirkt, bei denen unglückliche Frauen ausgesucht wurden, um in die Gaskammern geschickt zu werden. Das Gericht teilte mit. dass zwischen zwei und einer halben Million bis zu Vier Millionen Juden in Auschwitz umgebracht worden seien. Verharren wir einen Augenblick bei dieser Mittei. King. Zwischen der vom Gericht angenommenen Mindestzahl und dem Maximum liegt ein „Spielraum“ von ein und einer halben Million Menschen. Ermordeten ... Sind diese Ziffern des Ge richte zuverlässig, dann könnte man niemals die Anzahl der Ermordeten exakt feststellen. Vielleicht waren es auch noch mehr? Da es sich um ein deutvon JAKOB KATZ-ROGASEN sches Gericht handelt, muss man davon ausgehen, dass es mindestens zwei und eine halbe Million Juden gewesen sind, die in Auschwitz einen grausamen Tod fanden. Ist diese Tragödie vorstellbar? — Gibt es Worte für den Umfang solcher Verbrechen? — Hieran zu erinnern sollte nicht nur bei dem Abschluss derholt wurden. Hat der Prozess einen Einfluss gehabt, der über die Verurteilung einiger Missetäter hinausgeht? — Geht eine warnende Wirkung aus, damit sich derartige Schandtaten nicht mehr wiederholten? — Haben die Menschen aus diesen schrecklichen Erlebnissen gelernt? Fragen und Zweifel drän- Um eine Erkiaerung Johnsons New York. — Der republikanische Senator für New York Jacob Javits. der öffentlich die Vietnam-Politik Johnsons unterstützt hat, bezweifelte, dass der Präsident zu einer Delegation der Jüdischen Kriegsvetera - nen, die ihn im Weissen Haus aufsuchte, geäussert haben soll die Israel gewährte Hilfe hänge von der Unterstützung ab. die die USA-Juden seiner Politik in Vietnam zu geben bereit seien. Javits selbst Jude, kündigte an. er sei bemüht, vom Präsidenten eine Bestätigung oder Richtigstellung seiner Erklärung zu erlangen. Javits machte diese Mitteilung, nachdem Arthur Goldberg, USA-Botschafter vor den Vereinten Nationen und einer der engsten Mitarbeiter des Präsidenten, die Leiter der Konferenz der Präsidenten der wichtigsten jüdischen Organisationen in seiner Wohnung im Waldorf Astoria Hotel einige Tage zuvor empfangen und ihnen versichert hatte es liege der Regierung Johnson fern, ihre Politik in Vietnam mit der Hilfe für Israel in Zusammenhang zu bringen. (ITA) solcher Mordprozesse geschehen. Gibt es eine adäquate Strafe? — Wirken die verhängten paar Jahre Zuchthaus für die Angeklagten Burger und Neubert nicht wie eine Verhöhnung der Toten? Neubert war Sanitäter. Aber seine Funktionen bestanden nicht darin, Menschenleben zu erhalten sondern sie zu vernichten. Das sind bekannte Fakten, die bei dieser Gelegenheit nur wie- Auch eine Reminiszenz von SEM FRAIS KEN STEIN Im Israelitischen Wochenblatt, das in Zürich erscheint finden wir die folgende Publikation, die hier wörtlich wiedergegeben sei „Wir können melden, dass wir den Auftrag den die Geschierte. Deutschland und der Führer uns gestellt haben, durchführten bis zum letzten und wir können melden, dass wir bereit sind, genauso den Auftrag durchzuführen, der als einziger noch zwischen uns und der Freiheit steht, die Vernichtung Englands." „Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zum atmen Erklärlich wurde das, wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah." Panzermajor Graf Kielmansegg in seinem 1941 in Berlin erschienenen Buch „Panzer zwischen Warschau und Atlantik". Der dies schrieb, marschierte nicht nur mit der deutschen Wehrmacht mit, sondern verherrlichte als Schriftsteller Hitlers Vernichtungsfeldzüge gegen die europäischen Völker. Heute ist General Johann Adolf von Kielmansegg Befehlshaber der NATO-Streitkräfte in Mitteleuropa... — Eines Kommentars bedarf diese Mitteilung nicht. Nun gäbe es ja die Möglichkeit dass sich selbst ein ehemaliger Nazi wandelt, aber dafür wären dann doch andere Beweise erforderlich als eine einseitige Feststellung irgendwelcher Behörden. Immerhin ist der ehemalig Panzermajor. Autor des von antisemitischen Bemerkungen durchsetzten ..Werkes“ mit dem sinnigen Titel .Panzer zwischen Warschau und Atlantik“ jetzt nicht nur bundesdeutscher General, sondern Befehlshaber der NATO-Streitkräfte also einer übernationalen Armee die Europa vor den Bolschewisten retteii soll. Schmutzige Häuser mit durchweg jüdischen Einwohnern findet der Graf wohl nicht mehr an, denn seine Stimmungsmache gegen die Juden wai auch ein kleiner Beitrag zum Thema „Endlösung der Judenfrage“ und widerlegt zugleich die Mär, dass die Reichswehr mit diesen antisemitischen Exzessen nichts zu tun gehabt habe. Sogar für die heutige Bundeswehr plus NATO ist ein solcher Mann mit dieser Vergangenheit „tragbar“. So sehen die Leute aus, denen die „demokratische“ Welt die Verteidigung gegen den Kommunismus anvertraut hat..» gen sich auf, wenn man sich in der Welt umsieht, wenn man überall wohin der Blick fällt, nur Kampf, Krieg, Revolution und Rebellion beobachtet. Urteil und Strafen in die sen Mordprozessen gegen die Henker und Schinder der früheren deutschen Konzentrationslager müssen immer unbefriedigend bleiben. Ungelöst ist bisher ein noch ernsteres Problem, die Frage der Hintermänner, derjenigen die nicht selbst mordeten, sondern die anderen dazu abkommandierten, den anderen hierzu die Möglichkeit gaber oder sie gar hierzu ermunterten. Im zweiten Auschwitz-Prozess wurde noch einmal die Rolle erörtert, die seinerzeit die IG-Farben gespielt haben. Denn der verurteilte Burger war vorwiegend damit beschäftigt, das Giftgas Zyklon B zu beschaffen, das wie Burger wusste, für die Vergasung von Millionen gebraucht wurde. Sanitäter Neubert dagegen hatte die Aufgabe, kranke oder nicht mehr voll arbeitsfähige Häftlinge auszusondern und sie in die Gaskammern zu schicken. Hierbei handelte es sich um Zwangsarbeiter, die im Buna-Werk Monowitz der IG- Farben Frondienste leisten mussten. Zum Thema IG- Farben äusserte sich der frankfurter Rechtsanwalt Christian Raabe wie folgt. „Ich glaube, dass auf Grund der in der Hauptverhandlung verlesenen Urkunden ernstlich nicht bezweifelt werden kann, dass einer der Hauptgründe der Wahl des Standorts Monowitz für das Buna-Werk darin lag, dass man dort billige Arbeitskräfte erhalten konnte die wegen ihrer völligen Wehrlosigkeit auch bis zur völligen physischen Erschöpfung ausgenutzt werden konnten. Fest steht ferner, dass die IG-Farben-Industrie das Leben der schwer arbeitenden Häftlinge durch bessere Versorgung mit Verpflegung und Medikamenten hätte erheblich verbessern bzw. verlängern können. Sie trägt ferner die Verantwortung für die schlechten Bedingungen am Arbeitsplatz, denen viele Häftlinge nicht gewachsen waren. Endlich kann und das muss mit aller Deutlichkeit gesagt werden, auf Grund einer Unzahl von Zeugenaussagen in dieser Haupt - Verhandlung nicht mehr bezweifelt werden, dass die IG-Farben-Industrie sich \ weigerte, länger als einen bestimmten Zeitraum, der j wahrscheinlich bei drei Wo- ' chen gelegen haben dürfte, für kranke Häftlinge zu bezahlen. Das bedeutete, dass die bis dahin nicht genesenen Häftlinge, nicht zuletzt auf Veranlassung des Angeklagten Neubert, anschliessend in den Gaskammern oder durch Spritzen getötet wurden.“ Auch eine weitere Illusion versuchte der Nebenkläger Christian Raabe zu zerstören, nämlich die Behauptung, die IG hätten unter dem Zwang der Gestapo gehandelt. Raa. be sagte: „Andrerseits erscheint es mir übertrieben, von einem Abhängigkeitsverhältnis der SS gegenüber der IG-Farben-lndustrie zu sprechen Ich bin vielmehr der Ansicht, dass sich hier zwei ebenbür. tige Partner getroffen hatten, die auf Grund gleichgerichteter Interessen komplizenhaft zusammenarbeite, ten." — Was wird nun also nach solchen Feststellungen geschehen? Massengrab entdeckt Warschau. — In Czenstochau wurde ein bisher unbekanntes Massengrab jüdischer Naziopfer entdeckt. Eine Bestattung nach jüdischem Ritus wird vorbereitet. Antisemitismus in Russland London _ „Offiziell gibt es in Russland keinen Antisemitismus, aber in der Praxis sind die russischen Juden rohen und gewaltsamen antisemitischer Massnahmen ausgesetzt“, schreibt der „Sunday Telegraph" in einem Leitartikel. „Ein Jude in der Sowjetunion zu sein, bedeute; fast ebensoviel wie die Last einer unbekannten Sünde zu tragen.“ Am Sch’uss dieses Leitartikels heisst es: „Ueberrasehend ist, dass nicht Stalin und seine Nachfolger dei se Art von Rassismus nährten, sondern dass das Gewissen der liberalen und linken Kreise in England, die stets zur Stelle sind, wenn es gilt, gegen die Diskriminierung an anderen Orten zu protestieren, die in Russland geübten Praktiken nicht energischer zu verurteilen wusste." (ITA) Von Nazis belaestigt Wegen dauernder Belästigung durch Rechtsradikale hat Rechtsanwalt Dr. Heinz Weber, Wahlverteidiger der Hauptangeklagten Hans Krüger, im Stanislau-Prozess vor dem Münsterschen Schwurgericht sein Mandat niedergelegc „Ich lasse mir von Nazis keine Vorschriften machen“, erklärte der Anwalt. Der Vorsitzende des Gerichts Landgerichtsdirektor Paul Funke, gab lediglich bekannt, dass Weber den ehemaligen Leiter der Sicherheitspolizei und Chef der Gestapo in Stanislau nicht Hehr verteidigen wolle. Weber sagte später dazu, Rechtsextremisten hätten dauernd versucht, Einfluss auf seine Verteidigungsmethode zu nehmen. Er sei schon seit Beginn des Prozesses im April ständig mit anonymen Telefonanrufen und Schreiben von Leuten die sich als Angehörige einer QS- Gemeinschaft ausgegeben hätten, belästigt worden „Das ist zerir ürbend und nicht über Monate und schon gar nicht über eventuell zwei Jahre hinweg auszuhalten“, sagte Weber. Der Anwalt bedauerte, dass er die Leute nicht kenne und deshalb keine Möglichkeit habe, gegen sie vorzugehen. Nach seinen Angaben bekommt er seine Anwaltshonorai e von Krüger selbst und nicht von irgendwelchen Mittels- oder Hintermännern. Bitte um Verstaendnis Dr. W.: — Dass das Haushaltssicherungsgesetz der Deutschen Regierung in seinem Paragraphen 19 dem alten nazistischen Unrecht neues bundesdeutsches Unrecht hinzugefügt hat, dürfte heute schon nicht mehr zweifelhaft sein. Diese Auffassung wird keineswegs nur von jüdischer Seite vertreten obwohl dies für unser eigenes Urteil ausleichen würde. Wir brauchen für unsere Auffassungen kel-* ne Bestätigung durch Dritte. Regierungspräsident Wiesbaden als Enteehädiguogsb»- hörde hat abe" dem gesetzwidrigen Paragen 19 noch durch ein „Rundschreiben“ eine weitere Provokation folgen lassen, die man gut verstehen wird, wenn man sich der Vergangenheit dieser Behörde erinnert, in welcher zwei Assessoren in angetrunkenem Zustand Nazi-Melodien angestimmt hatten Der Ungeist dieser Herren dürfte nicht gewichen sein, wann man den Wortlaut des Rundschreibens vom 19. Juli 196P genau und aufmerksam liest. Krokodilstränen weiden dort vergossen, dass aus irgendwelchen Gründen man dafür Verständnis haben soll, dass zuerst Alte, Kranke. Schwache oder Bedürftige an der Reihe wären, als ob das Recht eines Menschen von seinem Körperzustand oder von seinem Geldbeutel abhängig wäre Jeder Verfolgte und NS-Geschädigte hat wohl ein Anrecht dar. auf, heute, so viele Jahre nach dem nazistischen Zusammenbruch. endlich den auf ihn fallenden, meist völlig un> zulänglichen Betrag seiner .Wiedergutmachung“ zu erhalten. Worauf so'.i er eigentlich Warten? Vielleicht auf den Sieg der NPD? Der Regierungspräsident Wiesbaden meint, es müssten in erster Linie soziale Gesichtspunkte berücksichtigt wer« den. Ist er die geeignete Instanz, sich hierüber ein Urteil anzumassen? — Diese Frage ist klar formuliert, sie verlangt eine klare Antwort. Als ein weiterer Grund für die Nichtbearbeitung solcher Anträge, die überhaupt keine neuen Untersuchungen oder Erhebungen erforderlich machen, wie z. B. die Aufstockung der Ausbildungsschäden, wird dann als weiterer Vorwand der Nichtbearbeitung der Mangel an Mitteln vorgeschoben. ein Argument das selbst mit dem Paragraphen 19 des HSG nie ,* in Einklang zu bringen ist. Aber Wiesbaden steht h;ermit nicht allein. Hier darf nicht an das Landesentschädiguugsamt in Kiel vergessen werden, das für das Land Schleswig-Holstein zuständig ist. Wie merkwürdig stehen doch die Dinge in der demokrateichen Bundesrepublik, in der man sich auf den Bund nur bezieht wenn es einem gefall" z. B. auf den Paragraphen 19 eines Bundesgesetzes. Aber für die klare Zahlungs- und Erfüllungsverpflichtung des Entschädigungsgesetzes ist kein Sinn vorhanden, besonders nicht in Kiel, zumal Schleswig-Holstein das Paradies vieler alter Nazis ist. für die sehr beachtliche Pensionen gezahlt werden... Natürlich isf dann für die Opfer dieser Herren kein Geld mehr vorhanden... Hohnläche'nd schreibt der Wiesbadener Regierungspräsident: „Wenn ich Ihnen heute auch keine günstigere Nachricht geben kann, so möchte ich Ihnen doch versichern, das ich auch Ihren Antrag unverzüglich bescheiden werde, sobald die Möglichkeiten hierzu gegeben sind. Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie der schwierigen und bedauerlichen Situation der Behörde Verständnis entgegenbringen und vor. Rückfragen absehen“ — Also darf man i-och nichi einmal fragen, wann diese Behörde ihrer Verpflichtung nacl.kommen werde. Hierfür auch noch um Verständnis zu bitten, ist eine Herausforderung. Unterschrieben ist das Zirkular mit „Erbe“. Muss man noch fragen, wessen Erbe? Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registra de la Propiedad Intelectual N? 999.491