Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1966-09-14 · 2185 (14.9.1966) · p. [Seite 11]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2185 (14.9.1966)
Date
1966-09-14
Page
[Seite 11] (sequence 11)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9616703-9615320-9615631--4519-9615642
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

. J'ü » IS/C.HE WOCHEN S.-C III Miércoles., 14 Ae |mWwIk Ae 18M >J* , , «_r. (i ) , ___ ‘ r Aâe XX viï. — N» 218$ — H Ob es sich um eine „schmale Taille“ handelt oder um einen „dünnen Hals“ hängt davon ab, ■wie man die Geographie Israels anatomisch betrachtet. Gemeint ist der enge Landstreifen im Zentrum des Landes zwischen der See bei Nathania im Westen und der transjordanisdhen Grenze im Osten, nicht mehr als 20 km breit. Seit je war das im Sommer ausgetrocknete Flussbett des Alexander, der gerade hier vom Osten her an das Mittelmeer führt, eine Versuchung fUr feindliche Inkursionen, und Wo er aus den Bergen ins offene Tal tritt liegt auf einem Hügel „Hurvat Dardar", die „Ruine der Domen“, Re- Siedlung am Arabischen Dreieck ste einer Festung aus der Kreuzfahrerzeit. Schon damals war ihre strategische Bedeutung offensichtlich. Vor kurzem ist dort an der transjordanischen Grenze, gegenüber dem „Arabischen Dreieck“ — Tulkan, Jenin und Nablus — eine neue jüdisohe Siedlung entstanden: „Tsur Natan“, so genannt nach Simon Natan aus Passaic, New York dessen Spende an den Keren Kajemet die Erschliessung dieses Platzes ermöglichte. Eine Gruppe von „Naehal“, dem Piovon HERBERT FREEDEN Unterredung mit Odd Bull Jerusalem. — Aussenminister Abba Eban hatte eine Unterredung mit Generalleutnant Odd Bull, dem Ohef der UN-Kontrollkommission für die Ueberwachung der Waffenstillstände. dem er davon Mitteilung machte, dass Israels Ansicht über den letzten Zwischenfall „äusserst ernst‘< sei. Es handelte sich um die Explosion einer Mine, bei der sechs israelische Arbeiter in der Nähe der syrischen Grenze verletze wurden. Die UN-Beamten leiteten eine Untersuchung ein, um einen anderen Zwischenfall aufzuklären, der dadurch entstand. dass eine israelische Patrouille vier arabische Infiltranten überraschte und zwei der Eindringlinge tötete, während die anderen beiden entkommen konnten. Dies geschah nördlich der Kolonie Juwal an einem Punkt, an dem die Grenze zwischen Syrien, Libanon und Israel verläuft. Die toten Araber trugen Khakianzüge und Gummischuhe und waien mit russischen und deutschen Maschinenpistolen bewaffnet. Sie führten ferner Handgranaten russischer Prozedenz mit sich. In ihren Taschen fand man syrische Zigaretten und Streichhölzer woraus zu schliessen war, dass die Infiltranten aus Syrien kamen aber der Anschein erweckt werden sollte, als seien sie aus dem Libanon eingedrungen. Die iraelische Polizei enthüllte, dass die toten Araber Mitglieder einer Bande waren, welohe schon vorher Sabotage in Israel verübt hatte. Dies ging aus einem Vergleich der Fusspuren hervor, die in der Nähe von Operationsbasen der El-Fatach-Terroristen mit denen der Toten gefunden wurden. Der Kommandant der Patrouille meldete, er habe das Feuer eröffnet, als die Eindringlinge auf Anruf nicht stehen blieben und die entsprechende Gegenparole nicht geben konnten. Er berichtete dass die bei den getöteten Arabern gefundenen Waffen die in der syrischen Armee gebräuchlichen waren. (ITA) nier-Siedlerkorps der Israelischen Armee, ist bereits eingezogen. „Tsur Natan“ ist der 6. Nachalposten, den der Keren Kajemet in Zusammenarbeit mit Israels Befreiungsarmee während der letzten fünf Jahre aufgestellt hat Es begann im November 1961 mit „Almagor“, im Korazimgebiet an der syrischen Grenze, dessen Errichtung durch den KKL in Grossbritannien finanziert wurde, der auch einer anderen Grenzsiedlung „Biranit“ auf die Beine half. „Modein“ und „Maaleh Hagilboa“ wurden mit Hilfe der lateinamerikanischen Juden, heiten gegründet und „Me Ami“ war ein Projekt des JNF in Florida. Mit „Tsur Natan“ ist die erste Fünf- Jahres-Phase beendet. Nach dem Plan dürften in den nächsten fünf Jahren weitere sechs solcher Grenz. Siedlungen errichtet werden — drei an der 558 km langen transjordanischen Grenze (davon eine in Adorajim und zwei in der Arawa), je eine an der libanesischen und sy- «erischen Grenze, und genüber der SinaHrtiat* Gabi, Offizier der Ondna- Gruppe, die jetafc dea neuen Platz übernommen int, neigte nach Osten. Dort jnneits der tr ans jordanischen Grenze gibt es grüne Dbecken, Orangenplantagen und Felder. Rings herum fcfc aber nur Steingeröil und zinkige Erde. Dann drehte er eich um und deutete naeh Westen: „Sehen Sie dort die Häuser? Das iet Tira, ein arabisches Dorf in Benet, 6 km von uns entfernt. Bisher war Tira der erste Grenrort gegenüber TraneJordanien. Jetzt sind wir der Qrenae 6 km näher gerückt — wir haben Terrain gewonnen, ohne einen Schuss zu feuern.“ Der einzige jüdische Ort in dieser Gegend war vM» Jahre hindurch der I km entfernte Kibbuz Eyal. Man darf aber nicht vergessen, dass die transjordanische Stadt Kalkya, mit blossem Auge erkennbar, sogar näher liegt. Die neue Siedlung, auf einem Hügel über dem Alexanderfluss, bringt in die merkwürdige Atmosphäre des ganzen Grenzabschnittes einen neuen Faktor eine Barrikade gegen Infiltranten und Saboteure. Wie immer sind Strassen der Schlüssel zur Entwicklung. Bisher hat der Keren Kajemet 20 km Strassen angelegt, unter ihnen zwei Wege von je drei Kilometern nach „Tsur Natan“, und eine Verbindung mit dem Kibbuz Eyal- 8.000 Dunam werden der Siedlung einmal zur Verfügung stehen, wenn die Landgewinnungsarbeiten beendet sind, davon 2.000 Dunam für Ackerbau, und 5.000 Dunam für Weide und Wald. Weitere 1.000 Dunam sind für die Pflanzung einer Orangenplantage vorgesehen. Bisher wurden 500 Dunam urbar gemacht, das Strombett ausgeriohtet, und weitere 200 Dunam für den Platz der eigentlichen Siedlung nivelliert. In diesem Jahr sollen noch weitere 400 Dunam gewonnen werden. „Tsur Natan“ hat verläufig kein eigenes Wasser obwohl es Untergrundwasser gibt. Bis die Bohrungen beginnen, wird Wasser in kleinen Men- J gen vom Kibbuz Eyal herübergepumpt, aber nur für die persönlichen Bedürfnisse der Siedler. Die Zementhäuser stehen schon, sohmuck und sauber, mit einem Essaal, , einem Klubzimmer mit Zeitschriften. und den üblichen Wonnräumen. Aueh eine 'Küche mit modernster Einrichtung ist schon fertig, nur der elektrische Strom lässt noch auf sich warten. Die gegenwärtige Naehal. gruppe besteht aus Mitgliedern des Kibbuz Meuehad und wird nur die ersten sechs Monate dort arbeiten Dann soll die neue Siedlung von der Jugenbewegung Bethar übernommen werden. Eines nicht so fernen Tages, so hoffen sie, werden sie hier nicht mehr in einem halbmilitiä rischen Grenzposten leben, sondern als friedliche Farmer in einem Moschaw — „Tsur Natan“. Todesurteil für Kollaborateur Prag. — Ein Prager Bericht hat den tschechischen Staatsbürger namens Alexander Kebeiec wegen Beihilfe zur Ermordung von Juden in Theresienstadt und anderer Verbrechen zum Tode verurteilt. Lufthansa le ofrece lo Freitod vor 30 Jahren van KURT KAISER-BLUETH Vor kurzem war es dreissig Jahre her, dass sich der aus Deutschland stammende Stephan Lux, ein Jude, auf der Tribüne der (Pressefotografen vor den Augen der entsetzten Prominenten des in den letzten Zügen liegenden Völkerbundes erschoss. Einen Tag später erlag Lux in einem Genfer Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der Fall erregte seinerzeit sensationelles Aufsehen, Wurde aber spater schnell vergessen, obwohl der romantisch veranlagte Selbstmörder nicht aus persönlichen Gründen in den Tod gegangen war, sondern um Alarm zu sohlagen. Sein Sterben sollte ein Opfertod sein, ein Fanal für eine Welt, die zu feige und zu opportunistisch war, um das Verhängnis zu sehen, das auf sie zurollte. Stephan Lux hatte kurz vor seinem Selbstmord an mehrere grosse europäische Zeitungen und an Englands seinerzeitigen Aussenminister Sir Anthony Eden Briefe geschrieben, in denen er den Sinn seines freiwilligen Sterbens in ergreifenden Worten klarlegte. Er beschwor vor allem den englischen Aussenminister, alles zu tun, was in seiner Macht stand, um jener „Verbrecherbande“, die die Welt (n die fürchterlichste Katastrophe aller Zeiten zu stürzen drohte, das Handwerk zu legen. In geradezu unheimlich prophetischen Worten klagte er die Staatsmänner an, ihre Stunden mit überflüssigen Dingen zu verlieren, anstatt sich „energisch“ mit dem einzigen Problem zu befassen, das von brennend«: Wichtigkeit war. Dieses Problem ist, so warnte Lux, Deutschland, Hitlers Deutschland, das sich anschickte, den Schlag gegen die Menschheit zu führen. „Es ist tatsächlich“, so sagte Lux in seinem Schreiben an Eden, das damals niemand wirklich ernst nahm und das höchstens ein Stichwort für eine fesselnde Uebersohrift in der Zeitung abgab, „die letzte Minute. Die furchtbarste Explosion steht vor der Tür, wenn man nicht sofort, noch in dieser Stunde handein wird. In einem Jahr, vielleicht schon in sechs Monaten werden Sie Ruinen gegenüberstehen, im wahren Sinne des Wortes rauchenden Ruinen und auch den Ruinen Ihrer eigenen Heimat... Deutschland rüstet in eklatanter Missachtung aller internationalen Verträge und Gebräuche, wie dies bisher kein Land tat. Das ist allen Staatskanzleien in Europa bekannt, das wissen Sie auch, vielleicht besser als jeder andere. Aber Sie wollen diese schreckliche Wahrheit nicht sehen, Mister Eden...“ Stephan Lux, der Seher in die Zukunft, dessen bestürzende Klarsichtigkeit aus Verzweiflung geboren wurde, hat sich nur in den Daten geirt, nicht in der Sache. Geirrt hat sich allerdings, wenn auch in einem anderen Sinne, Dr. Nacnum Goldmann,, der nach dem heorischen, leider vergeblichen Freitod von Lux auf der Gründungsversammlung des Jüdischen Weltkongresses im Genfer Völkerbundspalast, des JWK, der auch vor dreissig Jah-; ren seine segensreiche Tätigkeit begonnen hat und jetzt zusammentrat, vor den ergriffenen Zuhörern erklärte:, „Es wird eine Zeit kommen, da man zu Ehren von Stephan Lux in Deutschland Denkmäler errichten wird.“ In Deutschland gibt es kein Denkmal von Lux. Man kennt dort nicht einmal seinen Namen. (Consulte a su agente de viajes IaTA) Mil "4 mm iß till: ■*« wim», is&S-ÎS:; KSK-::-:):-:.;.*,;. -iS*-' Lufthansa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.