Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2185 (14.9.1966)
- Date
- 1966-09-14
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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MIermlwi, 14 d« S«|itienibrc de 1966 JÜDISCH* WOCHINSCH19 Am XXVU. — N: SUS — 3 Die Mordprozesse gehen weiter Diese vor deutschen Gerichten durchgeführten Prozesse gegen ehemalige Angehörige der SS oder andere Dienststellen, die für die Ermordung Tausender, Zehn- und Hundertausender Juden verantwortlich sind, werden noch lange Zeit die Oeffentlichkeit beschäftigen Erst vor kurzem erfuhren wir aus dem Munde des deutschen Bundestagspräsidenten Gerstenmaier dass die Deutschen hiervon nicht gern hören. Das glauben wir. Ob es sich dabei nur um die instinktive Abwehr handelt, nicht an jene Zeiten und die eigenen Taten erinnert zu werden, oder aber ob es hierbei um eine „politische Notwehr“ des schlechten Gewissens geht, dürfte im Endeffekt keinen wesentlichen Unterschied machen. Trotzdem ist dieses Bestreben von diesen vielen Prozessen mit den immer von neuem aufgedeckten Scheusslichkeiien und Aufsehen wie Ekel erregenden Brutalitäten der Angeklagten nicht? mehr erfahren zu wollen, aus manchen Gründen bedenklich. Man sollte diese Berichte über derartige Prozesse „tiefer hängen“, damit ein breiteres Publikum davon erfährt oder sich erinnert, was vorgefallen ist und unter dem blutigen Banner des Dritten Reiches geschah. Auch solte man sich nicht der Gewohnheit hingeben, hier von .Kriegsverbrecher- Prozessen' zu sprechen. Denn es stehen keine Kriegsverbrechen zur Aburteilung, sondern einfacher, gemeiner, an Massen unschuldiger Menschen begangener Mord. Die Angeklagten haben nicht gegen die Gesetze eines oder des Krieges verstossen, sonvon JAKOB KsiTZ-ROGASElS dern das Strafgesetz aller Völker, indem sie mordeten, aus weichen Motiven und Instinkten dies auch geschah, und welche Begründungen von ihnen oderihren Auftraggebern (Anstiftern oder Gehilfen) auch immer gegeben werden. — Wie gefährlich es ist, sich vor der Kenntnis des Geschehens oder der Vergangenheit abzukapseln, nur weil dies bequemer ist und ein ruhigeres Leben gestattet, können wir aus einer Ueberfalle von Beispielen lernen. Eines sei hier angeführt. Im Jahre j 1930 hatte Hitler den damals | 28 Jahre alten Albert Förster 1 zum Kommissarischen Leiter j der NSDAP für Danzig bestimmt. Kein Mensch nahm dies zur Kenntnis, auch nicht die Mission die man diesem jungen " Mann übertragen hatte: Sollte doch Förster den Wahlerfolg, den Hitler im Reich errungen hatte, als er 1930 genau 17,3 Prozent der Stimmen erhielt, in Danzig wiederholen, wo die Nazis dann auch 16,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten. 1933 erhielt nen im Reich niemals gelungen. Dennoch regierten sie mit uneingeschränkter Machtfülle weil die absolute Mehrheit der Bevölkerung ihnen zwar nicht ausdrücklich ihre Stimme gegeben hatte, die braune Terror - Herrschaft aber duldete und durch Passivität mitmachte. Ohne die zahllosen Mitläufer wäre Hitler weder an die Macht gekommen noch an der Macht geblieben. Der Fall Danzig kann aber auch noch als weiteres Beispiel für die Duldung nicht nur durch die eigene Bevölkerung, sondern für die Inaktivität oder Duldsamkeit der „Weltinstanzen“ gelten. Die Danziger Opposition (im wesentlichen die Sozialdemokraten) war auf sich allein gestellt und zur Führung des Kampfes nicht voroereitet Aber der Völkerbund wäre als Garant der Danziger Verfassung unbedingt verpflichtet gewesen, die vorgesehenen Schritte zum Schutz der Danziger Verfassung zu unternehmen. Wiederholt betonten einige Staatsmänner demokratischer Mächte die die NSDAP nach den ersten! Garantien des Völkerbundes, Terror-Wahlen 50,13 Prozent; bei der Volkstagswahl 1935 war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich: trotz aller Einschüchterungen und Grausamkeiten bekamen die Naaber es geschah nichts, um dem Treiben der NS-Leute entgegenzutreten oder auch nur der Opposition zu helfen. Man pflegte zu sagen: der Völkerbund hat versagt, zis damals nur („nur''?) 59,3 f und begnügte sich mit einem Prozent ... j Achselzucken. Was lernen wir heute aus diesen Ziffern? Mit einer knappen Mehrheit haben die Nazis ihr Regime geführt. Was ihnen in Danzig 1933 gelungen war, nämlich mehr als die Hälfte aller Stimmen auf sich zu vereinigen ist ih- HAGA COLA CON... REFRES¬ COLA y verá que resulta más... Die Nazis aber haben „diesen Kampf gegen die Opposition mit allen Mitteln geführt mit Rechts, und Verfassungsbrüchen und mit Gewalttätigkeiten, gesteigert bis zum indirekten und direkten Mord“... (vgl. hierzu Ernst Sodeikat in Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte, 1966, Seite 140). Was haben die „anständigen“ Danziger gemacht um diesen Gewalttätigkeiten bis zum direkten Mord entgegenzutreten? Und was taten die vielen, die Hitler im Reich nicht gewählt hatten, um den direkten Mord zu verhindern? Wären inzwischen picht bereits viele Jahre seit dem schrecklichen Geschehen ungenutzt vorbeigegangen, und hätten die Nazis nicht mehr als 90 Prozent der Opfer „vernichtet“, so würden sicherlich noch viele andere Tatsachen bekannt werden, die bisher nicht ans Tageslicht gekommen sind. Alle Angeklagten machen sich diese beiden Umstände zu COOPERATIVA DE CREDITO „JUNCAL“ üd. ERSTE COOPERATIVE DES ZENTRALEUROPAEISCHEN SEKTORS WECHSEL-DISKONT. SPARKONTEN. DARLEHEN Fuer Festanlagen besonders guenstiger Zinssatz. FUER SAEMTLICHE FINANZ-OPERATIONEN STEHEN WIR IHNEN ZUR VERFUEGUNG. — WIR ERWARTEN SIE! Bueros: ARAOZ 2854 —, im Gebaeude der ACIBA Geschaeftszeiten: Montag und Donnerstag von 2C.30 bis 22.30 Uhr «ZÜRICH» COMPAÑIA OE 6EQUR08 ZURICH SUIZA Helvetia Incendios San Gail 8AN QMfc SUIZA AGENTES GENERALES para la REPUBLICA ARGENTINA 'RECONQUISTA 359 RUENOS ÁlRÉS TÉL. 46 - 0776*- 0886 1037 - 1116 *366 Nutze, was vielleicht strafrechtlich betrachtet ihr gutes Recht sein mag, dennoch ihre Verworfenheit nur noch stärker unterstreicht. Sie leugnen. Da die Tatzeugen zugleich die Opfer waren, und weil inzwischen auch lange Jahre verstrichen sind! und viele Zeugen nicht mehr; leben, wird es immer schwe-; rer, den Angeklagten oder j Verdächtigten ihre Täter-; Schaft zu beweisen. Und nur wenn der schlüssige Beweis; für das Verbrechen vorliegt. | kann Verurteilung erfolgen. : Ziehen wir hier als Beispiel j den jetzt in Bremen ablaufenden Prozess heranj Unter der Anklage des I Mordes in 15 Fällen und der , Beihilfe zum Mord bei sechs Massentötungen muss sich der 63jährige ehemalige SS- Obersturm führer Fritz Hildebrand aus Syke vor dem Schwurgericht verantworten. Hildebrand war während des Zweiten Weltkrieges ,-,Judensachbearbeiter“ beim Stab des SS- und Polizeiführers von Galizien des nach dem Kriege gestorbenen SS-Gruppenftihrers Katzmann sowie Inspektor und später Kommandant der Zwangsarbeitslager Drohobycz und Boryslaw. Er wird beschuldigt, in diesen Funktionen selbst Juden erschossen, Ersclüessungen befohlen und an Masi sentötungen in verschiedenen! Lagern teilgenommen zu ha- . ben. Der Angeklagte war zuletzt kaufmännischer Abteilungsleiter in einer Bremer Firma. Zu dem Prozess, der bei drei Verhandlungstagen in der Woche neun Monate dauern soll, wurden 360 Zeugen aus aller Welt geladen, zumeist überlebende Opfer aus den Zwangsarbeitslagern. Hildebrand bestritt vor dem Gericht die ihm zur Last gelegten Verbrechen bis auf! den Vorwurf, er habe im Jui li 1943 eine aserbeidschanij sehe Truppe zur Erschiessung : von etwa 300 jüdischen | Zwangsarbeitern in das La- - ger Borki-Wielki geführt. In diesem Fall, den Hildebrand als „einmalige Sache“ bezeichnete, will er lediglich einem Befehl aus Lemberg gefolgt sein. Im übrigen habe er während seiner Tätigkeit als Inspekteur der jüdischen Zwangsarbeiter im Distrikt Galizien von Massenexekutionen offiziell nichts gewusst. Der Angeklagte räumte jedoch ein, dass von den „Massentötungen etwas durchgesickert“ sei. „Ich hatte reine verwaltungstechnische Aufgaben zu erledigen und musste unter anderem die Lebensmittelversorgung der Lager kontrollieren“, sagte Hildebrand. Die Methodik der Verteidigung, die dieser Angeklagte anwendet, unterscheidet sich nicht grundlegend von allen anderen Fällen. Nichts ge- IA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRRiDON 2190, 1» izq. - T E. 83-2613 29. Elul 5726 14. September 1966 Staatssekretaer angeklagt Bonn. — Dr. Friedrich Karl Viaion, Staatssekretär im westdeutschen Ministerium für wirtschaftliche Zu sammenarbeit, regte in einem durch Television übertragenen Interview an, man solle ihn zeitweilig von seinen Funktionen entheben, damit eine Untersuchung statthaben könne, ob er an der Massentötung von Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg beteiligt gewesen sei. Viaion machte diesen Vorschlag, nachdem die deutschen TV-Stationen ihn angegriffen und gefordert hatten, ihn wegen dieser Anklage auf der Stelle von seinem Amt zu suspendieren. In dieser Sendung hiess es man könne schwer glauben dass Dr. Viaion niemals etwas über die Massenausrottung gewusst habe. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Staatsanwaltschaft Bonn 2 Jahre lang diese Besch uldihört, obwohl dabei gewesen, ... Lagerkommandant, aber nichts gewusst, ... Lebensmittelverteilung unter sich gehabt, aber ohne jede andere Information, ... 300 Juden erschiessen lassen, einmalige Sache ... Diese und andere Redereien sollen eine Verantwortung abwälzen und eine Schuld negieren, die evident sind. Den Mut, eine umfassende Schilderung seiner Schandtaten zu geben und ein Geständnis abzulegen, hat weder dieser Angeklagte, nooh haben andere gehabt. Sie wollen sich einfach hinter einen Rauchschleier von Nichtwissen verstecken und als Befehlsemp. fänger gelten. Dass sie die Befehle auch ausgeführt haben, das sagen sie schon nicht mehr mit dieser Klarheit. Wie der Fall Danzig zeigt, war es ein deutlich sichtbarer Weg, den die Nazis von der Gewaltanwendung zum direkten Mord durcheilten. Wie kurz dieser Weg gewesen ist, wird heute meist vergessen. Deswegen sollten die jetzt Verantwortlichen alles tun, um die Kenntnis von diesen Mordprozessen zu verbreiten. Nur so kann vielleicht verhütet werden, dass eine neue Generation — wenn auch unerwartet — den gleichen Weg beschreitet, den Weg zum Mord und zum Massengrab, zur moralischen Dekadenz und zum allgemeinen Chaos. Organización Riegnei VERSICHERUNGEN Bmé. MITRE 430, 3er. p. E. 33-5276 46-1037 46-1115 Ihr ISRAEL- Spezialist Juan J, Holler BRIEFMARKEN Av. L. N. ALEM 336 (gegenüber der Hauptpost) E 310 F »6 4»^ ¥ y v “»■ * * f. gungen untersuchte und bei der Staatsanwaltschaft Koblenz eine dreijährige Unter, suchung durchgeführt wurde, ob Viaion sich bei seiner Vereidigung des Meineids schuldig gemacht habe. Viaion war von 1942 bis 1944 Administrator des jüdischen Vermögens bei der deutschen Verwaltung im besetzten Riga. Er sagte als Zeuge in einem Kriegsverbrecher-Prozess aus, er habe niemals von den Massenverbreehen der Nazis gehört Später klagten ihn die Ostdeutschen an, dass er direkt in die „Endlösung der Judenfrage“ verwickelt gewesen sei. Dokumente aus lettischen Archiven dienten bei dieser Anklage als Beweismaterial. Die deutsche Television zeigte Dokumente die die Unterschrift des Dr. Viaion trugen, und in denen er verfügt, dass die Grabsteine des jüdischen Friedhofs zugunsten der Naziregierung verkauft werden. Ing. Simon Wiesenthal, der Leiter de? Dokumentationszentrums für Kriegsverbrechen der Nazis in Wien, erschien in diesem Programm und erklärte, dass Franz Maurer, der sich vor einem österreichischen Gericht als Kriegsverbrecher zu verantworten hatte im Besitz erheblichen Materials gegen Viaion gewesen sei. ITA) .consul teños e diatamente tendrá la solución para su problema, ya sea éste la preparación de la superficie a pintar, el tipo de pintura a usar o los colores indicados. nme* mas Llame a: ' S. A. ALBA Depto. de Promoción Técnica T. E. 921- 5777