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Jüdische Wochenschau · 1966-08-26 · 2182 (26.8.1966) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2182 (26.8.1966)
Date
1966-08-26
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Elul 11, Elul Die neue Synagoge in Berlin Es werden jetat hundert Jahre, dass kurz vor den Herbetfeiertagen, am 5. September 1866, der Prachtbau der neuen Synagoge in Berlin in der Oranienburgerstra- ■se 30 in Gegenwart vieler Gäste; unter denen sich auch Bismarck befand, eingeweiht wurde. Wenn man ihn heute aus der Perne im Vorüberfchren sieht, oder wenn man an ihn herangeht, dann tauchen all die wehmütigen Erinnerungen wieder auf. Dieser Prunkbau war errichtet, worden als stolzes Zeichen der Gleichberechtigung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preussen, und er wurde vernichtet als Fanal für den Untergang der Juden in Deutschland. Wie an manchen anderen Stellen hat man nicht die Brandfackel hineingeschleudert, um nicht die umliegenden Bauten zu gefährden, aber was man innen und aussen demoliert hat, reicht aus, um jede Benutzung auszusehliessen. Vielleicht hat man mit Absicht davon abgesehen, die Ruinen abzutragen, und es mag gut so sein, denn dadurch wird tagtäglich jeder Vorübergehende an die Schandtat erinnert. Die Vorgeschichte dieses Baus liegt Jahre und Jahrzehnte zurück, seine Nachwirkungen waren bis zum bitteren Ende spürbar Längst schon hatte die wachsende berliner Gemeinde, die grösste in Deutschland, den Mangel an einem repräsentativen Gotteshaus empfunden, längst auch das Fehlen eines modernen liberalen Gottesdienstes. In den meisten anderen grösseren Gemeinden bestanden schon viele Jahrzehnte schmucke Synagogen, vielfach mit Orgel, gemischtem Chor und geändertem Gebetbuch, nur Berlin hatte eine einzige Gemeindesyn agoge, die bescheidene Synagoge in der Heidereuthergasse. Daneben gab es eine Anzahl privater Minjanim und teilweise von der Gemeinde gestützte private Synagogen, von denen die Lipmann-Tauss-Synagoge in der Golinowstrasse wohl die älteste war. Wenn man sich so spät zu von Rabbiner Dr. NEUFELD einem repräsentitiven Neubau entschloss, so sprachen .wohl weniger finanzielle Rücksichten mit als .der unangenehme Gedanke, . dass nach allen bisherigen Erfahrungen der Bau einer Orgelsynagoge und vielleicht auch die Anstellung eines fortschrittlichen Rabbiners Aufregung in der Gemeinde hervorrufen würde, so, wie es in vielen Gemeinden der Fall gewesen war. Man hatte bittere Erinnerungen an frühere Versuche. Schon 1815 waren zwei kleine Privatsynagogen im Hause von Israel Jakobson und Herz Beer, dem Vater von Meyerbeer, eingerichtet worden mit weitgehend deutschem Gebetbuch, mit Orgel und mit modernen Predigern (Israel Jakobson, Leopold Zunz, Eduard Kley). Damals war ein Versuch, einen dieser Gottesdienste der Gemeinde als Haupt - Gottesdienst aufzuzwingen, kläglich gescheitert. Durch Einspruch der Frommen war von der preussischen Regierung die Abhaltung dieser Gottesdienste verboten worden, und später wurde das Verbot erweitert und auf ganz Preussen ausgedehnt, wobei ausdrücklich angeordnet wurde, dass nur in hebräischer Sprache gebetet werden dürfe. Zur Erleichterung wurde gestattet, dass die deutsche Uebersetzung neben dem hebräischen Text gedruckt wurde. Der anfangs fortschrittlich gesinnte König Friedrich Wilhelm IV. ermöglichte gewisse Aenderungen., Damals entstand 1845 die Reformgemeinde in der Johannesstrasse lla, eine private Einrichtung. In ihr wurde zunächst am Schabbat und Sonntag, später nur am Sonntag gebetet. Dieser Gottesdienst hat sich aber nie entwikkeln können. Die Mitglieder - zahl blieb trotz des sprunghaften Wachstums der Gemeinde nahezu stabil. Als man sich nun endlich unter günstigeren Vorausset. Zungen zum Bau eines neuen Gemeindegotteshauses entschloss, erwog man lange, J. P. LANDSBERG VERSICHERUNGEN JEDER ART Bme. MURE 430 V. Of. 550 T.E.: 30-1474 CATECA S.A. Directorio 5555 Buenos Aires T. E. 68 - 1017/18 j 1264 S U A V A N D \ R el calzado legítimo de espuma de goma DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. — TEL AVIV — P.0.B, 4444 an welcher Stelle man bauen solle. Der König schlug noch vor seiner geistigen Umnachtung, also spätestens 1857, der Gemeinde den Platz im Süden der Stadt vor, auf dem später die Michaelkirche gebaut wurde. Dieser Vorschlag schien bestechend : ein weithin sichtba res Gebäude, an einem freien Platz, am damaligen Luisenstädtischen Kanal; aber in Wirklichkeit war damit der Gedanke verbunden, die Juden aus dem Stadtzentrum zu entfernen und in ein damals noch fast unbebautes Aussenviertel zu bringen. Der Plan wurde selbstverständlich von der Gemeinde abgelehnt, und man entschloss sich, an zentraler stelle in der Oranienburgerstrasse zu bauen. Jahre um Jahre vergingen, bis der Bau begonnen, bis er fertiggestellt und endlich im Herbst 1866 eingeweiht werden konnte. Aus Berichten eines konservativen Gemeindevorstehers ist zu ersehen, wie beim Bau Gemeindegelder vergeudet wurden. Man entschloss sich, um die Synagoge so prunkvoll wie möglich zu gestalten, einige der Gemeinde gehörende Parzellen an anderer Stelle zu verkaufen. Mit den Vorbereitungen war auch die Ausschau nach einem geeigneten Rabbiner verbunden. Der gefeierte Kanzelredner Michael Sachs hatte bereits erklärt dass er nicht in der Orgelsynagoge tätig sein werde. Er hat ihre Einweihung nicht mehr erlebt da er schon im Januar 1864 im Alter von erst 56 Jahren starb. Trotzdem hatte man ihn 1863 gebeten, in der Synagoge vor den Gemeindevertretern eine Predigt zu halten nur um — die Akustik auszuprobieren. Diese Predigt war eine Meisterleistung, er nahm Abschied von — den Bänken, zu denen er niemals wieder sprechen werde. Die Predigt wurde später von orthodoxer Seite im „Israelit“ veröffentlicht. Im Grunde war es eine Geschmacklosigkeit des' Vonstandes, diesen Hilfsdienst. den irgendein Lehrer hätte leisten können, eitler Persönlichkeit, wie Michael' Sachs zuzumuten. Durch den unerwarteten Tod von Sachs komplizierte sich die Situation noch mehr, denn man hätte immerhin in Sachs ein Gegengewicht gehabt, da er die Interessen der frommen Kreise hätte wahr, nehmen können. Nunmehr musste man sich bemühen, einen gemässigten Rabbiner zu finden, der auch für die frömmeren Kreise tragbar war und der in der Heidereuthergasse predigen konnte. Der gediegene geistige Führer des modernen Liberalis mus und der begeisternde Kanzelredner wäre Abraham Geiger gewesen, aber die Gmeinde schreckte vor seiner Wahl zurück denn wo er war, in Breslau und in Frankfurt hatte er als Spaltpilz gewirkt.. Seine extremen Gedanken und seine Versuche, sie in die Tat umzuselzen, mussten auch die gemässigten Leute erregen. Auf der Suche nach einem geeigneten Rabbiner gab der Gemeindevorstand viel Geld für Reisespesen aus. Mehrere Gemeindevertreter wurden in die verschiedensten Gegenden Deutschlands geschickt, um bekannte Kanzelredner zu hören und schliesslich fiel die Wahl auf Dr. Josef Aub in Mainz, der von seiner Gemeinde besonders gelobt worden war. Als Aub seine Antrittspredigt hielt, stellte sich sofort heraus dass sein mittelfränkischer Dialekt für die norddeutschen Hörer nicht nur untragbar war. sondern bisweilen lächerlich wirkte. Die Gemeindevertreter hatten unverantwortlich und leichtfertig gehandelt. Sie waren zwar in Mainz in der Synagoge gewesen, aber — sie waren zur Predigt zu spät gekommen und nachher hatten die Gemeindemitglieder ihnen das Beste über ihren Rabbiner erzählt, sie hatten ihn nicht nur gelobt, sondern weggelobt. Auch in Mainz und sogar im oberfränkischen Bayreuth hatte seine Aussprache gestört. Abe. Aub war nun einmal gewählt. Er predigte auch in der Heidereuthergasse, und der Friede war einigermassen erhalten. Jedoch mehrten sich Stimmen, die neben Aub als wirklich führende Person lichkeit Abraham Geiger wünschten, und so wurde er schliesslich gewählt Man ging auch auf seine Bedingungen ein auch auf die Schaffung einer modernen Rabbinerbildungsanstalt. Die se wurde wirklich 1872 als Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ins Leben gerufen, nahm aber in den fast siebzig Jahren ihres Bestehens eine ganz andere Entwicklung und bildete Rabbiner und andere Jünget der jüdischen Wissenschaft heran, ohne Unterschied der religiösen Einstellung. Der Dozent für Talmud war immer ein orthodoxer Mann, und manche Hörer strengster religiöser Observanz absolvierten die Anstalt. Als Geiger zum ersten Mal in der Heidereuthergas.se predigte, kam es zu erregten Auseinandersetzungen. Der Gemeindevorstand wurde in arge Verlegenheit gebracht, aber der Gemeindesekretär Philipp Wertheim erklärte dem schon damals tätigen Vorsteher Julius Jacoby, man könne doch einen gewählten Rabbiner nicht für treife erklären. Man bemühte sich nun, in Rudolf Ungerleider einen Rabbiner zu gewinnen, der in seiner konzilianten Art auch den Frommen geeignet erschien und vor allem auch die Verantwortung für das Kaschrut übernehmen konnte. Aber gerade in diesem Punkt war ein Kompromiss mit den Frömmsten nicht möglich.. Sie konnten sich wohl einen Rabbiner der in die Orgelsynagoge ging, auch in einer frommen Synagoge anhören, konnten erst recht einen belehrenden Vortrag 3 von ihm in irgendeinem Saal | hören aber sie konnten sich pniCht damit äbfinden. dass! die rituelle Zuverlässigkeit | des Fleicches. der Mazzot und; anderer Waren von einem Rabbiner verbürgt wurde, der in die Orgeisvnagoge ging'. Für sie war — bei aliei menschlichen und persönlichen Wertschätzung — diese Aufsicht nicht ausreichend. Es wäre ein Leichtes gewe- | ten, einen Dajan speziell für I diese Zwecke heranzuaiehen,; oder einen gemässigt-konser- | vativen Rabbiner nach dem I Vorbild von Michael Sachs zu i wühlen aber der Gemein de- , Vorstand und die Gemeindej Vertretung in ihrer darnalij gen Zusammensetzung hat- | ten keinerlei Verständnis für | diese Fragen. Da entschlossen sich die Frömmsten schweren Herzens zur Gründung eines Privatvereins und beriefen als ihren geistigen 1 Johnson, Vietnam und die Juden New York. — Die Zeitschrift „Christian Science Monitor“ teilte mit, dass Johnson weiter bemüht ist, die jüdischen Führer in den USA und im besonderen, die liberalen jüdischen Kreise für seine Politik in Vietnam zu gewinnen. Wie es heisst, werden diese Bemühungen Johnsons bisher mit kalter Ablehnung beantwortet. Kürzlich hatte Vizepräsident Humbert Humphrey auf einer Konferenz für die USA-Presse die nordvietnamitisehe Infiltration in Südvietnam mit der arabischen Bewegung für die Befreiung Palästinas verglichen. Er sagte wörtlich: „Wenn die Juden über die Zustände in Palästina besorgt sind, so sollen sie dies auch Uber Südvietnam sein.“ Präsidentjohnson soll sich zu Israels Präsidenten Salman Shazar bei dessen kiirzlichem Besuch in Washington im gleichen Sinne geäussert haben. (ITA) Führer Rabbi Esriel Hildesheimer, der in glücklicher Verbindung Tora und modernes Wissen vereinigte. Er stammte aus der halberstädter Gegend, stand in engen verwandtschaftlichen Beziehungen zur orthodoxen Fa milie Hirsch-Halberstadt, und hatte damals eine Jeschiwa etwas moderner Art in Eisenstadt im Burgenland gegründet. Hildesheimer kam zunächst als Lehrer einer kleinen Privatgemeinde nach Berlin, begnügte sich mit einem primitiven Betraum in der Bischofstrasse, aber es gelang ihm mit Hilfe kapitalkräftiger Mitglieder die Synagoge in der Gipsstrasse 12 A zu bauen, und schliesslich bewirkte er im Zusammenwirken mit Samson Hirsch in Frankfurt und mit Hilfe ganz liberaler jüdischer Abgeordneter wie Ludwig Bamberger und Eduard Lasker, dass den Juden in Preussen 1876 gestattet wurde aus religiösen Gründen aus der Gemeinde auszuscheiden, ohne aus dem Judentum auszutreten, und sich mit anderen Juden zu eigenen Gemeinden zusammenzuschliessen. Ebenso wie Geiger hai auch Hildesheimer die Schaffung einer modernen Rabbinerbildungsstätte aber aut streng orthodoxer Grundlage, erstrebt und 1874 erreicht. Gerade im letzten Jahr haben wir Einsicht in Briefe Esriel. Hildesheimers bekom men, die das Leo Baeck-Institut 1965 herausgegeber hat. und gewinnen daher einen noch gründlicheren Einblick in die inneren religiösen Verhältnisse, die zu Hildesheimers Berufung nach Berlin, zur Gründung der Privatgemeinde Adass Jisroei und schliesslich 1885 zur selbständigen Sondergemeinde als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Steuerhoheit geführt haben. Rückblickend können wir heute nach allem was in fast hundert Jahren über die deutschen und die europäischen Juden hereingebrochen ist, die damaligen, so tief gehenden Spaltungen kaum verstellen da heute im wesentlichen das Einigende betont wird. Aber es kann nicht geleugnet werden, dass die Gleichgültigkeit der lei- Herzl-Preis Der Verband der ungari» sehen Einwanderer in Israel stiftete einen Herzl-Preis für hervorragende Autoren ungarisch - jüdischer Absfam- S mung und verlieh ihn dem! Schriftsteller Elieser W'esel (für Literatur) und David Schön, Redakteur der Zeitung ,.Uj Kelet“ (für Journalistik). tenden Kreise, die Nic htachtung der religiösen Bes'-ni-! mungen, die Frömmsten aus der Einheitsgemeinde hinaustreiben mussten. Imrreih'n bestand ein Unterschied zwischen den Spaltungsbesirebungen in Berlin und .n Frankfurt. Hildesheimer hat nur widerstrebend gewissermassen als eine Note »tscheiöung in der damaligen Zeit, den Austritt als Ausweg empfunden und hat zum Wohl der jüdischen Gesamtheit in anderen jüdischen Organisationen mitgearbeitet während Hirsch und stärker noch sein Schwiegersohn und | Nachfolger Salomon Breuer in Frankfurt die Spaltung zum Prinzip erhob m c jede Brücke zur Verständ e;ng abbrach. Durch den frank, furt-er Einfluss ist diese Spaltung auch in die naheliegenden hessischen Gemeinden i hineingetragen worden und \ es wurden in den verh”’tnismassig kleinen Gemei"den ’ Darmstadt, Mainz und Giej ssen je zwei gleichberec'" tig- I te Bezirksrabbinate gegi ¡indet, denen sich die umPe-! genden Kleimemeind'm ie! nach ihrer Einstellung, an-; schlossen. Dagegen ist es in | Bayern gelungen, die Spal- | tung zu verhindern; dies war im wesentlichen einer so rtar. ken Persönlichkeit wie Rabbiner Seliamann Baer Bamberger in Würzburg zu danken der in seiner streg orthodoxen, aber ausclcirhenden Art verstand, die Gegensätze auszugleichen und das Einigende zu betonen. | So hat die Schaffung der! ersten modernen Synogoge : in Berlin weitgehend spürba-! re Wirkungen auf die gesam- ' t.e religiöse Entwicklung in ' Berlin und darüber hinaus;n Preussen und in Deutsch- ' land gehabt. JUAN JULIUSBURG 73-1148 BLANCO ENCALABA I64C Fiambres Finos - FRIG UINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD FRIGUINCIA ..,***■'

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