Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2181 (19.8.1966)
- Date
- 1966-08-19
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O Cû o s O O?g < o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Año XX VII. BUENOS AIRES, VIERNES 19 I>E AGOSTO DE 1966 N? 2181 EL EJEMPLAR en toda la República 15.- PUEYRREDON 2190 1* izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Hausser für die Steppe Israel ist ein wasserarmes Land. Südlich von Tei Aviv am Rande des Negew beiaufen sich die jährlichen Niederschläge auf weniger als 200 Millimeter. Es ist das bare Minimum für Felder ohne künstliche Bewässerung in Jahren der Dürre, die oft hintereinander auftreten, misslingt die gesamte Ernte der Südhälfte des Landes wo sich ¿0 Prozent der bebaubaren Böden befinden mit Ausnahme der kleinen Flächen. auf denen, in sehr begrenztem Ausmass, kiinstli che Bewässerung angewandt wird. Dabei ist zu bedenken, dass sich die Regenperiode nur v'ön November bis Ende März hinzieht. Während der übrigen Monate regnet es in Israel überhaupt nicht. Obwohl die Verteilung der bebaubaren Böden zwischen dem Gebiet nördlich und südlich von Tel Aviv fast gleichmässig ist, besitzt die nördliche Landeshälfte etwa 85 Prozent aller vorhandenen Wasserversorgungsquellen Es sind dies: Regengüsse, Flüsse, Gebirgsbäche, Quellen. Sturzbäche und Grundwasserbestände. Andererseits ist die Urbarmachung des Südens besonders des nördlichen Negew. eine durch Sicherheits - Erwägungen wie auch wirtschaftlich bedingte Notwendigkeit. Abgesehen davon beanspruchen die Zitrusplantagen, Israels hauptsächlicher Exportzweig künstliche Bewässerung, nicht weniger als die Gemüsefelder, die der Bevölkerung einen Grossteil ihrer täglichen Nahrung liefern. Diese Umstände liessen schon vor Jahren den Gedanken aufkommen, das lebenspendende Nass aus dem wasserreichen Norden durch Kanäle und Rohre in den ausgedörrten Süden zu leiten. SEGENSREICHE ERNTEN Der kleine Pionierstaat hat eine Fläche von 20.700 Quadratkilometer. Nur 4.100 Quavon HAIM MASS dratkilometer sind davon urbar gemacht worden Von dieser Fläche werden nur 1 400 Quadratkilometer künstlich bewässert. Das bewirkt nämlich, dass sie eine fünf Mal segensreichere Ernte liefern, als die auf Regengüsse angewiesenen Weizen- und Maisfelder. Um die künstlich bewässerte Fläche zu verdoppeln, müsste der Landwirtschaft eine jährliche Wassermenge von 1.370 Millionen Kubikmeter zugeführt werden, die das Land jedoch zur Zeit entbehrt, da auch 400 Millionen Kubikmeter von der Industrie und der städtischen und ländlichen Bevölkerung konsumiert werden. Die überschwengliche Ausbeutung der Grundwasserfcrunnen in der Küstenebene infolge der sich rapide entwickelnden Landwirtschaft in den bereits bestehenden Siedlungen ha' es mit sich gebracht, dass die Wasserplaner Israels von einer Versalzung der Grundwasser quellen zu sprechen begannen, was eine schwerwiegende Wassermangel-Katastrophe zur Folge haben könnte Die Durchführung des grossen Wasserprojekts, das Wasser aus dem Norden in den Süden leiten soll, ist daher für Israel eine Frage von Sein und Nichtsein geworden. Das grosse Wasserprojekt steht nun unmittelbar vor seiner Verwirklichung. Freilich wird es noch Jahre dau ern, bis sich der erwartete Wassersegen in der Ersprie ssung des ausgedörrten Negewgebietes auswirken wird. Doch seit sechs Jahren schon wird an dem gigantischen Projekt gearbeitet, dessen erste Phase vor ihrem Abschluss steht. Der ursprüngliche Plan sah vor, den Grossteil des Jordanwassers ln der Nähe des Ortes, an dem der Fluss entspringt, abzuzapfen und Israel abwehrbereit Tel Aviv. — Der Chef des israelischen Generalstabs Jizchak Rabin erklärte, dass Syrien mit seiner ungewöhnlich versöhnlichen Haltung bei dem kürzlichen Austausch von Gefangenen und seinen recht vagen Versuchen, irgendeine Art von Abkommen zu erzielen, die öffentliche Weltmeinung zu täuschen unternimmt. General Rabin, der vor den Absolventen eines Kurses für befehlende Offiziere der Israel-Armee sprach, betonte, dass die Syrer sich in Wirklichkeit mit der Ausbildung von El Fatach-Gruppen beschäftigten, um diese in ihrem „Volkskrieg“ gegen Israel einzusetzen. Er fügte hinzu, die Syrer wüssten, dass sie keinen frontalen Krieg gegen Israel gewinnen könnten, so dass sie einen offenen Kampf zu vermeiden trachten. Da sie aber auch neue Strafexpeditionen Israels fürchten müssten, glaubten sie, diesen auf die Weise entgehen zu können, indem sie Gruppen von Saboteuren von arabischen Nachbarländern aus operieren lassen. „Was ihren .Volkskrieg' angeht“, fuhr Rabin fort, ,,so führen die Araber nicht immer ihre Drohungen aus. Aber darauf können wir nicht vertrauen. Wir werden weiter jedes Land für verantwortlich halten, das den Terroristen gestattet, von seinem Territorium aus in Israel einzufallen. Aber wir werden Syrien weiterhin so bestrafen, als ob diese Banden direkt von syrischen Basen aus operieren. Dagegen wird Israel keine ehrlich gemeinte friedliche Geste, so geringfügig sie auch sein mag, ausser Acht lassen, ohne deswegen seine militärische Abwehr zu vernachlässigen. Wir wissen, dass unser Ueberleben und der Frieden an unseren Grenzen von der Stärke unserer Armee abhängen.“ (ITA( entlang der syriscnen Gren ze, durch Gravitation in ein Naturreservoir im Gebirge abzuleiten Von dort sollte das Wasser durch Rohre und über offene Kanäle ins Lan deszentrum und weiterhin in den Süden fliessen Gleichzeitig sah das Projekt den Bau eines Kanals zwi sehen dem Miftelmeer und dem Kinneret-See vor, in den der Jordan mündet. Da» Gefälle in das über 200 Me ter unter dem Meeresspiegel liegende Seebecken sollte ein hydraulisches Kraftwerk antreiben und somit grosse Energie - Mengen freigeben Das Salzwasser des Mittel meeres sollte dem Kinneret See sein durch die Abzap fung des Jordans verlustiges Süsswasser ersetzen. SYRISCHER WIDERSTAND Diesem Plan widersetzten sich auf3 energischste die arabischen Nachbarländer besonders Syrien, an dessen Grenze das Projekt seinen Anfang nehmen sollte. Die Syrer waren im Laufe des arabisch - israelischen Krieges,, dessen Folge die Grün düng des Judenstaates war, über die internationale Gren ze vorgedrungen und hatten dann unter Druck der UN das besetzte Gebiet nur unter der Bedingung geräumt dass es als entmilitarisierte Zone anerkannt werde. Israel betrachtet diese Zone dennoch als sein Hoheitsgeoiet und deutet die Begrenzung nur dahingehend aus, dass dort keine Streitkräfte stationiert sein dürfen. Die Aus legung der Syrer ist anders- Sie glauben, es verhindern zu können, dass Israel audiesem Terrain iandeswichtitige Entwicklungs-Projekte ausführt. Der UN-Sicherheitsrat, der sich wiederholt zwischen 1951 und 1956 in den Konflikt der auch oft in Grenzzwischenfälle ausartete, einschaltete unterstützte diesy rische Auslegung bzw. ersuchte Israel, die Entwick lungsarbeiten im Jordangebiet zu unterbrechen Nach Einmsichung der USA-Regierung, die einen Sonderbeauftragten, Eric Johnson, im Namen des damaligen amerikanischen Staatspräsidenten Eisenhower zu Verhandlungen mit allen beteiligten Ländern nach dem Nahen Osten entsandte, schien es im Jahre j.955, als ob sich eine befriedigende Lösung über die Verteilung der Jordanwasser zwischen Israel, Syrien Transjordanien und Libanon finden liesse. Die Verhandlungen scheiterten jedoch am irrationalen Widerstand Syriens, das eine negative Resolution der Arabischen Liga erwirkte. Daraufhin begann Israel sein Wasserprojekt unter Rücksicht auf iie politischen Gegebenheiten umzuplanen, zweifellos mit Zustimmung der USA, die sich sogar an der Finanzierung beteiligt haben. Die Wassermengen die dem Jordan entnommen werden sollen, halten sich dementsprechend auch im Rahmen der vorgesehenen Zuteilung Johnsons an Israel. Transjordanien hat gleich zeitig den Fluss Jarmuk öst lieh des Jordan, der bis nach Israel fliesst, für seine eigenen Bewässerungszwecke abgeleitet und dadurch Israel einer seiner bestehenden Siisswasser - Versorgungsquellen beraubt. Das neue israelische Projekt ist eine Modifikation des ursprünglichen Planes, doch wird nicht mehr direkt das Wasser des Jordans ,,abgezapft'-. sondern auf dem Umwege des Kinneret-Sees, in den es fliesst, in die an dessen Ufer anklimmende Anhöhe gepumpt. Das Wasser des Sees fliesst sodann durch einen offenen Kanal zu einem zweiten Pumpwerk, dann durch einen Tunnel in einen weiteren Kanal und dann, über einen kleinen Speichersee, in die 108 Zoll breite Rohrleitung durch die es, teils durch Tunnels, von denen der längste 6,5 Kilometer lang ist, durch Gravitation 100 Kilometer entlang nach Süden ins Landesinnere geleitet wird. Die erste Phase der Leitung endet bei Rosch Hajim, östlich von Tel Av’V Von dort kann das Wasser durch eine bereits bestehende schmalere Rohrleitung in den Negew befördert werden. Die zweite Phase des Projektes sieht vor, diese Schmalrohrleitung durch einen weiteren Abschnitt der 108-Zoll- Leitung zu ersetzen. Im ersten Stadium, das wie gesagt, seiner Vollendung entgegengeht, wurden bereits im Laufe des Jahres 1964, zwischen 160 und 180 Millionen Kubikmeter Wasser bis westlich von Beer Schewa, der Hauptstadt des Negew, abgeleitet. BESORGNISERRE¬ GENDER CHLORGEHALT Unlängst sind in der israelischen Presse schwerwiegende Befürchtungen lautgeworden, dass das kostspielige Entwicklungsprojekt, das bisher bereits nahezu 100 Millionen Dollar verschlungen hat, seinen Zweck verfehlen werde. Der Chlorgehalt des Kinneret-Sees hat sich nämlich, infolge der Freundschaft mit Bolivien Lima. — Der israelische Minister für Volkswohlfahrt, Dr. Josef Burg, verweilte aus Bogota kommend, wo er an den Feierlichkeiten anlässlich der Präsidentschafts . Uebernahme durch Carlas Lieras Restrepo teilgenommen hatte, auf seiner Seise nach Bolivien einige Tage in der peruanischen Hauptstadt. Obwohl sein Aufenthalt inoffiziell war, wurde er von seinem Kollegen. Wohlfahrtsminister Dr. Daniel Becerra, herzlich empfangen. Die Zionistische Organisation Penis und der Verband jüdischer Gemeinden veranstaltete Dr. Burg zu Ehren einen festlichen Empfang. Dr. Burg reiste nach Bolivien weiter, wo er offiziell Gast des Präsidenten René Barrientos ist, der ihn zu einem Gedankenaustausch über die Stärkung der bolivianisch-israelischen Beziehungen eingeladen hatte. (ITA) Die Rolle des Befehls von HORST WINCKLEh Während der vielen Prozesse die vor deutschen Gerichten gegen die Mörder und Schinder der Konzentrations- und Vernichtungslager abgewickelt werden haben sich die Angeklagten immer wieder darauf berufen, nur in Ausführung der ihnen erteilten Befehle gehandelt au haben. Fast ausnahmslos haben die Gerichte einen sogenannten „Befehlsnotstand“ nicht anerkannt weil den Tätern das Verbrecherische der Befehle und ihres eigenen Tuns bewusst gewesen iSt und auch sein musste. Das hindert aber die Angeklagten nicht daran, immer wieder mit dieser .Entschuldigung“ eine Entlastung für ihre Untaten zu suchen. „Befehle, die von Angehörigen des Staatssicherheitsdienstes oder von der Gestapo kamen, waren fiir mich bindend“, erklärte kürzlich der jetzt 70 Jahre alte ehemalige Polizeimeister Lampe vor dem Schwurgericht in Hagen. Damit wollte er sich gegen den Vorwurf, Beihilfe zum Mord von mindestens 83 Juden geleistet zu haben, verteidigen. Dass kein Befehlsnotstand Vorgelegen hat begründete der Staatsanwalt Rolf Sichting im Tarnopol-Prozess in welchem er für fünf Angeklagte die Höchststrafe, lebens. längliches Zuchthaus, für andere ebenfalls hohe Freiheitsstrafen beantragte. Die gesetzlichen Strafen reichen nicht aus, sagte der Vertreter der Anklage um die Verbrechen des NS-Regimes zu sühnen In seinem abschliessenden Plädoyer erklärte er, das eine Verbrechen der NS-Führung sei die Tötung vieler Menschen gewesen. Als anderes Verbrechen bezeichnete er die Ausnutzung der Befehlstreue zahlreicher Deutscher die sie zu Mördern gemacht habe. Sichting hob hervor, dass die Staatsanwaltschaft bei der Bewertung der Taten der Angeklagten einen sehr strengen Masstab angelegt habe. Er hielt den Angeklagten zugute, die intensive Schulung der SS-Angehörigen habe zu einer starken Beeinträchtigung ihrer Kritikfähigkeit geführt. Es stehe jedoch nach den Aussagen der Angeklagten und mehrerer Zeugen für die Staatsanwaltschaft fest, dass die Angeklagten schon damals das Verbrecherische der Mordbefehle erkannt hatten. Einen Befehlsnotstand habe es deshalb für fast alle Angeklagte nicht gegeben betonte Sichting. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen in der Bundesrepublik geführten NS-Prozesse, bei denen nicht in einem Fall nachgewiesen worden sei, dass SS-Angehcrige wegen der Verweigerung einer Teilnahme an Exekutionen zum Tode verurteilt worden wären. Der Einwand des Befehlsnotstandes ist deswegen unbegründet. — letzten Dürrejahre und des spärlichen Abflusses von Süsswasser aus den Bergen, bis zu nahezu 400 Milligramm pro Liter gesteigert. Ein solcher Chlorgehalt macht jedoch das Wasser des Sees für landwirtschaftliche Bewässerung untauglich Amerikanische Experten, die eilends zu Rate gezogen wurden haben vorgeschlagen, das aus dem Norder, kommende Wasser durch andere Wasser aus konventionellen Quellen zu versüssen und dadurch seinen Chlorgehalt zu verringern. Ein Chlorgehalt von bis zu 250 Milligramm pro Liter w-äre bereits, besonders im nördlichen Negew, für Bewässerungszwecke ange - bracht, im schlimmsten Falle könnte man auch ..Bodenspülungen“ mit Süsswasser vornehmen. Im Laufe der nächsten Jahre hoffen die Wasserplaner Israels auch, die salzhaltigen, meist unterirdischen Quellen, die sich in den Kinneret-See ergiessen, aufzuspüren und zu blockieren. Andererseits besagen Ge rüchte, dass die Syrer auf der östlichen Seite des Sees, dessen Ufer 10 Meter weit noch formell zu Israel gehört, absichtlich salzhaltiges Quellwasser in den See einführen. Syrien das seinerzeit Israel mit Krieg drohte, sollte es das grosse Wasserprojekt verwirklichen, hat sich nämlich selbst mit dem modifizierten Projekt, das die entmilitarisierte Zone umgeht, noch nicht abgefun den, wie die jüngsten Unruhen beweisen. Ob die gigantische israeli- Anklage gegen Thormeyer Freiburg. — Die .Staatsanwaltschaft hat gegen den 56 Jahre alten Justizobersekretär Walter Thormeyer Anklage beim Landgericht Freiburg erhoben. Wie bekannt wurde werden dem Beschuldigten ein Mord an einer 20jährigen Jüdin und Beihilfe zum Mord an Juden in weiteren 113 Fällen zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft hat 41 Zeugen aus Deutschland, Oesterreich, Israel und den USA benannt. Dem Beschuldigten der bis zu seiner Verhaftung im Februar 1964 Dienst im Justizgebäude leistete, hat im Ermittlungsverfahren gestanden, im Sommer 1943 bei dem polnischen Städtchen Mielec (Kreis Krakau) wo er damals einen Aussenposten der Gestapo leitete, seine 20 Jahre alte jüdische Freundin eigenhändig ,,liquidiert“ zu haben. Das Motiv war vermutlich die Angst, wegen ..Rassenschande“ belangt zu werden. Ausserdem soll er die Erschiessung nichtarbeitsfähiger jüdischer Männer und Flauen angeordnet haben. (AWZ) sehe Wasserleitung trotz aller Schwierigkeiten ihren Zweck erfüllen wird, wie es die Wasserplaner der Regierung prophezeien, oder ob die 100 Millionen Dollar, die darin bisher investiert wurden, sich als Fehlanlage erweisen werden, wird bereits die nahe Zukunft aufdecken. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.707