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Jüdische Wochenschau · 1966-08-12 · 2180 (12.8.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2180 (12.8.1966)
Date
1966-08-12
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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< o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Ano XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 12 OE AGOSTO OE 1966 N« 2180 EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1* izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Bericht über die Weltkonferenz Die 5. Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses, dift am 31. Juli mit einem glanzvollen Eröffnungsabend im Palais der Kongresse in Brüssel begonnen hat. steht unter einem ganz besonderen Aspekt. Der Kongress begeht mit dieser Tagung des jüdischen Weltparlaments nicht nur das Jubiläum seines 30jährigen Bestehens — 1936 wurde er unter dramatischen Bedingungen der jüdischen Existenz in Europa und unter der furchtbaren Vernichtungsdrohung des Nazismus J gegründet — er kann auch mit Stolz darauf hinweisen, dass er sich immer mehr als authentische Repräsentation der gesamten Judenheit aller Richtungen, Tendenzen und Philosophien qualifiziert. Noch niemals hat es so viele Delegationen (weit über 50) und so viele Delegierte (rund 500) gegeben, wie auf diesem Kongress. Und etwas Anderes, höchst Bemerkenswertes ist zu ver zeichnen. Dem Kongress ist es gelungen, eine der Mauern umzustossen. mit denen manche Regierungen die Juden von ihren Brüdern abzuschliessen versuchen. Aus Jugoslawien. aus Rumänien und aus Ungarn sind Delegationen oder Beobachter zu von ERICH KAISER-BLUETH (ständiger Korrespondent der J. W. in Brüssel) einer Plenarsitzung des Jüdischen Weltkongresses ge - kommen. Noch gibt es schmerzhafte Lücken noch gibt es Mauern die nicht zu durchbrechen waren. Die etwa 5 Millionen Juden, die in der Sowjet-Union leben, sind auf diesem Kongress nicht repräsentiert, obwohl ihnen, nach ihrer Zahl wenn nicht die stärkste, so doch die zweitstärkste Delegation zustehen müsste. Man vermisst auch die Juden aus den arabischen Ländern, die gewiss nicht freiwillig abwesend sind. Sicher ist indessen, dass der Weltkongress mit sichtlichem Erfolg daran arbeitet, gewisse sektiererische Neigungen innerhalb des Judentums, die der Sache nur schädlich sein können, zurückzudrängen und die Juden mehr und mehr en bloc unter seinem Banner zu vereinen. Weil der Weltkongress keiner wie immer gearteten ideologischen Tendenz innerhalb des Judentums als Sprungbrett der Propaganda dienen will, sondern allein. Strategie aus höchste! Sicht, Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ LLERAS RESTREPO trat die Präsidentschaft von Kolumbien an. — GENERAL RENEE BARRIENTOS, der neue Präsident Boliviens, versprach in einer Botschaft an das Volk Einig keit und Beendigung aller internen Streitigkeiten — ALBERTO HEBER Usher, Präsident Uruguays, der Sich einige Tage zurückgezogen hatte erklärte, den Kampf fortsetzen zu wollen. — NORDAMERIKA entsandte neue Truppenverstärkungen nach Südvietnam. — TOETET IHN tötet ihn, riefen weisse Rassenfanatiker, als der Nobelpreisträger Dr. Martin Luther King einen Demonstrationszug der schwarzen Bevölkerung für gleiche Rechte der Neger durch Chikagos Strassen anführte. Dr. Luther King wurde durch einen Steinwurf verletzt, — MEHR ALS 120.000 Personen erwiesen dem verstorbenen Präsidenten Nikaraguas, René Schcik, die letzten Ehren. — DER AFRIKANISCHE BLOCK in den Vereinten Nationen der aus 36 Ländern besteht bat den Generalsekretär der UN, U Thant, für eine weitere Periode im Amt zu bleiben. — LORD CHALFONT, der Chef der britischen Delegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte seine Regierung sei optimistisch und hoffe, die Konferenz werde zu einer Verständigung gelangen. — YABUKU GOWON, Generalleutnant, stürzte den bisherigen Präsidenten Nigerias, General Ironsi der erst vor wenigen Monaten die Macht übernommen hatte — NEUE SPANNUNGEN wurden in der Dominikanischen Republik verzeichnet. — KOENIG FAISAL von Saudi Arabien und Präsident Nasser versuchen zu einem Friedensabkommen über deu Yemen zu gelangen, erklärte der Aussenminister von Kuweit. — UN-GENEiRALSEKRETAER U Thant erklärte bei seinem Besuch in Moskau, der Vietnam-Krieg werde sich ausbreiten wenn die gegenwärtige Tendenz anhält. — RUSSLAND und Japan unte:zeichneten einen Friedensvertrag um normale Beziehungen zwischen den beiden Ländern herzustellen — PAKISTAN teilte dem UN-Generalsekretarvat mit. dass Indien seine erste Atombombe demnächst explodieren lassen werde, was allerdings von den Indern bestritten wird. — ALEXEI KOSYGIN wurde vom Oberrat der Sowjets für eine weitere Amtsperiode zum Ministerpräsidenten der Sowjetunion gewählt. — GENERAL LO JUI-CHING, Generalstabschef aer chinesisehen Volks-Befreiungs-Armee. wurde im Zgue der Pekinger Reinigung1 seines Amtes enthoben. — SCHWERE KAEMPFE und neue Bombardements werden von den vietnamesischen Kriegsschauplätzen gemeldet für die Einheit und für die täglichen Interessen des Judentums in aller Welt arbeitet. ist es ihm gelungen, von Jahr zu Jahr stärker zu wer den. Dass der Kongress unendlich mehr ist als eine Heerschau jüdischer Honoratioren aus aller Welt, also eine Art prominenter jüdischer Welt - Folklore beweisen die Aufmerksamkeit und der Respekt. die man ihm entgegenbringt. Für das Interesse, das die Diskussionen des Kongresses in der Weltöffentlichkeit aus lösen, zeugt auch die Berichterstatter-Invasion in die belgische Hauptstadt. Annähernd 150 Journalisten haben ihre Karten beim Pressebüro angefordert. Sie sind bereits zur Stelle oder werden im Laufe der Woche eintreffen. All’ diese ,,ewigen Juden“ der öffentlicher Weltmeinung, die im kommandierten Dienst von Stadt zu Stadt irren, haben einen verständnisvollen Interpreten ihrer vielfachen Wünsche in Jack Winocour und Monty Jacobs gefunden, die sich selbst bemühen,- Französisch mit nicht polyglotten Kollegen zu konversieren wenn aueh — logische Folge des Gesetzes der Schwerkraft — Englisch als Sprache der Funktionäre des Weltkongresses überwiegt. Sehr erfreulich ist die grosse Beachtung, die der Kongress in der westeuropäischen Oeffentlichkeit findet. Der belgische Rundfunk und das Fernsehen haben bereits ausführlich zu der Plenartagung Stellung genommen. Der Präsident der belgischen Sektion des Weltkongresses Maitre Alexis Goldschmidt, wurde am Fernsehen über die Arbeiten des Kongresses und seine spezifisch jüdischen Aufgaben interviewt. Auch das Pariser Fernsehen hat auf den Kongress hingewiesen. Höhepunkte der Debatte werden neben der ausführlichen Diskussion über Dr Nachum Goldmanns Programm - Referat am Eröffnungsabend die Debatten über kulturelle und politische jüdische Probleme sein, denen Grundsatzreferate vorangehen. Auf der feierlichen Eröffnungssitzung, auf der u. a der stellvertretende Chef der belgischen Regierung die De legierten begrüsste, sprach auch der Aussenminister Israels Abba Eban, der einen Ueberblick über die aussen - politische Lage Israels gab Im Mittelpunkt diesei glänzenden Veranstaltung stand ein Referat des Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Nachum Golrimann über die jüdische Situation im Jahre 1966. Goldmann zeigte den grossen Wandlungsprozess des jüdischer Volkes auf, das heute ganz anderen Problemen als bei der Gründung des Kongresses im Jahre 1936 geg enüber - steht. In diesen 30 Jahren haben wir durch den Nazis mus ein Drittel unseres Volkes verloren. Heute ist ein Neonazismus keine akute Gefahr, wenn wir auch diesen Erscheinungen unsere Aufmerksamkeit zu widmen haben. Goldmann sprach sodann über die Entstehung Israels una die Pflichten für die Judenheiten der Galut die sich aus diesem historischen Ereignis ergeben. Unsere Sorge gelte dem russischen Judentum, dessen Rückkehr zum jüdischen Volk wir verlangen und erkämpfen müssen. Hierbei muss man allerdings mit realpolitischen Massnahmen operieren und kann sich weder auf Wunschvorstellungen noch auf Deklarationen allein verlassen. Auch über die ungelöste Frage unseres Verhältnisses zum deutschen Volk müsse man debattieren, wenn wir auch in dieser Generation zu keiner endgültigen Stellungnahme werden gelangen können. Ein weiteres brennendes Problem sei der Kampf um das Recht der Juden in der freien Welt als Juden zu leben und anders als die* anderen sein zu dürfen. Mit Besorgnis sprach sodann Goldmann über die jüdisch-kulturelle Lage. Das Feld der geistigen Schöpfung sei im jüdischen Bezirk beinahe ausgetrocknet. Die Wiederbelebung unseres spezifisch jüdischen Geisteslebens und die Verstärkung der jüdischen Erziehung unserer Jugend seien Notwendigkeiten, um den weiteren geistigen Bestand des jüdischen Volkes sicherzustellen. Zu zwei Fragen wurde in den folgenden Tagen leidenschaftlich Stellung genommen. Einige Redner kritisierten scharf, dass der Kongress, insbesondere sein Präsident nicht mit der erforderlichen Schärfe für die Rechte der russischen Juden eingetreten seien. In seiner Entgegnung wies Goldmann diese Vorwürfe als unrealistisch zurück, da man es mit einem Gegner zu tun habe, der zu den grössten Mächten der Erde zählt. Die Sowjetunion könne nicht durch Proklamationen gezwungen werden. Mit vielen Einzelheiten berichtete Goldmann über die zahlreichen eingeleiteten Schritte, über gewisse Erfolge, aber auch Rückschläge, die nun einmal im politischen Leben nicht zu vermeiden sind. Auch über die vom Kongress - Präsidium angesetzte Diskussion der Deutschland- Frage. die als ein ungelöstes Problem bezeichnet wurde, kam es zu heftigen Kontroversen, da viele Delegierte — vielleicht die Mehrheit — der Ueberzeugung war, dass diese Frage nicht durch einen Dialog mit Deutschen geklärt werden könne. Noch Neuer Angriff Tel Aviv. — Zwli transjordanische Soldaten eröffneten das Feuer aut eine israelische Patrouille Der Zwischenfall ereignete sich südlich des Berges Hebron in Chirbet Markaw. wie ein militärischer Sprecher bekanntgab. Die Israelis erwiderten das Feuer ihrer Angreifer. Verluste seien nicht zu beklagen gewesen, so fügte der Sprecher seiner Mitteilung hinzu. Drohung mit Atomkrieg? von JOEL LIEBMAN FRANTZ Obwohl von jüdischer Seite den Indern, ihren grossen Freiheitskämpfern Ghandi und Nehru, stets grosse Sympathien entgegengettgteht worden sind, hält die ‘irdische Regierung an ihrer unfreundlichen Politik gegenüber Israel fest und unterstützt unentwegt die arabische Front. Diese Haltung ist umso weniger verständlich weil sie mit der politischen und lebensphilosophischen Auffassung der Inder kaum vereinbar sein dürfte. Niemals wurde von unserer Seite die schwierige Lage verkannt in der sich dieses grosse Land, vor allem angesichts der ungelösten Versorgungsprobleme und des Hungers befindet, von dem weite Bevölkerungsteile betroffen sind. Hinzukommt die ständige Bedrohung durch das Rote China, von dessen Regierung die alten Konflikte Indiens mit Pakistan rücksichtslos für eigene Zwecke ausgenutzt werden. In der letzten Zeit wurde der Kalte Krieg in einen ,,Atom-Nervenkrieg“ zwischen Indien und Pakistan verwandelt und mit einem indischen, verläufig noch verbalen Gegenangriff fortgesetzt. Nachdem Pakistan den Vereinten Nationen gegenüber seine Besorgnis über die angebliche Kernwaffenproduktiqn Indiens zum Ausdruck gebracht hatte, äusserte die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi vor dem Parlament in Neu-Delhi ihre ,,Betrübnis“ über eine angebliche Zusammenarbeit zwischen Pakistan und der Volksrepublik China auf atomarem Gebiet. Indische Abgeordnete haben unter Hinweis auf Berichte, nach denen China in Ostpakistan ein Atomkraft werk bauen soll, gefordert, Indiens Politik, die Atomenergie nur für friedliche Zwecke zu verwenden zu revidieren. Frau Gandhi gab daraufhin die Versicherung ab, dass die indische Regierung ihre Strategie ständig überprüfe und dabei den Bau eines Atomkraftwerkes in Ostpakistan berücksichtige. „Wir können Massnahmen für unseren eigenen Schutz treffen, aber wir können diese Zusammenarbeit nicht verhindern“ erklärte Frau Gandhi. Sie lehnte ausserdem den Vorschlag von Parlamentariern ab, atomare Hilfe vom Ausland zu fordern. Schon vorher hatte ein Sprecher der indischen Regierung den Bericht einer kanadischen Zeitung dementiert, nach dem Indien einen atomaren Sprengsatz zünden wolle. Auch Verteidigungsminister Chavan hat diese Behauptung zurückgewiesen. Chinesische Truppen sollen nach indischer Darstellung die Grenze nach Sikkim überschritten haben und die dort stationierten indischen Truppen aufgefordert haben, die Regierung von Neu-Delhi zu stürzen. Dies wurde in einer dem Parlament vorgelegten indischen Protestnote bekannt, die am 28. Juli der chinesischen Botschaft in Neu-Delhi überreicht worden war. Indien beschuldigte darin China, die indischen Streitkräfte zur Revolte angestiftet zu haben. In der Note wurden Auszüge der Propaganda zitiert, die chinesische Truppen durch Lautsprecher verbreitet hätten. China habe behauptet: ,,Das indische Volk ist bereit zur Revolution. Offiziere und Soldaten der indischen Armee, auch ihr sollt die Revolution unterstützen und eine wahre Volksrepublik errichten. Eure Regierung ¡st reaktionäre und unterstützt den Kolonialismus. Der indische Aussenminister Swaran Singh erklärte vor dem Parlament, sein Land habe nicht die Absicht, mit China einen Nichtangriffspakt abzuschliessen sei jedoch bereit, mit Peking über Grenzfragen zu verhandeln, vorausgesetzt, dass es für derartige Gespräche eine vernünftige Basis gebe. Die Kontroversen zeigen mit einer schonungslosen Klarheit die Gefahr, in welcher nicht nur die Völker Asiens, sondern alle Länder des Erdballs schweben. — zu frisch seien die Wunden, zu gross sei die Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen habe, um hierüber zu debattieren. Die Generation, die Auschwitz, ITeblinka und die anderen Schrekkenslager erlebt hat, will nicht debattieren, da das Problem eindeutig und klar sei. Nicht wir haben das Band zerschnitten, das man auch nicht durch einen Dialog mit einwandfreien Persönlichkeiten wie Bundestagspräsident Gerstenmeier und Prof. Golo Mann wieder reparieren könne. Goldmann gezeichnete die deutsche Frage als ein ungelöstes Problem. Es sei jedoch ein Mangel an realem politischen Sinn, diesen Dialog zu ignorieren, der seit langer Zeit — jedenfalls nach seiner Auffassung — geführt werde. Der Kongress lehnte dann den Antrag ab diesen Punkt von der Tagesordnung zu streichen, da die Herren Gerstenmeier und Mann bereits eingeladen seien und keine Veranlassung bestünde, gerade diese beiden Män- , ner zu brüskieren, die gegen < den Nazismus gekämpft ha- ' ben. (Aus raumtechnischen Gründen musste der Bericht stark gekürzt und zusammengefasst ‘ werden. (D. Red.) t Jüdisch-christliche Konferenx London. — Etwa achtzig Delegierte aus zehn Ländern trafen sich na einer Aussprache in Cambridge. Die Teilnehmer an dieser Konferenz sind Juden und Christen, die gemeinsam über eine Zusammenarbeit zwischen ihren Religionen beraten wollen. Die Dauer der Gespräche ist auf eine Woche bemessen. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 631 Registro de VÁ Propiedad Intelectual 868.707

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