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Jüdische Wochenschau · 1966-08-12 · 2180 (12.8.1966) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2180 (12.8.1966)
Date
1966-08-12
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — t* izq- &> JeMtaK&y£\aelUa 83 - 26 1 3 T. E. Ano XXVII. BUENOS AIRES, VIERNES 12 DE AGOSTO DE 19t>6 N’ 218* Die zentrale Frage Eine Erklärung die alle Menschen zum Nachdenken zwingen sollte, gab der Generalsekretär der Vereinten Nationen U Thant, in Moskau ab. als er dort vor kurzem zu Besuch weilte. Er wies mit Nachdruck darauf hin. dass die Gefahr einer Ausbreitung des Vietnam-Krieges immer grösser werde, wenn die Grossmächte, vor allem die Vereinigten Staa teil von Nordamerika und die Sowjetunion, nicht bereit wären, sich über die Zukunft dieses unglücklichen Landes zu verständigen. Der Kampf um dieses ehemalige Französisch-Indochina tobt seit Jahrzehnten mit jener Unbarmherzigkeit, durch welche diese Art vou Machtkämpfen um die Vorherrschaft europäisch-amerikanischen Einflusses nun einmal gekennzeichnet wird. Die Franzosen mussten sich seinerzeit zurückziehen, eine andere Lösung als die Teilung des Landes in einen Nord, und einen Südstaat wurde nicht gefunden. Ein Hinweis auf die beiden Koreas dürfte die Situation erläutern. im übrigen weiss die Welt recht wenig von einem Volk, das ,,höheren“ Interessen wegen auseinandergerissen wurde und unter den schrecklichen Einwirkungen und Folgen eines modernen Krieges leidet. Nur eine Bemerkung soll über die übliche Formulierug des „modernen Krieges“ gemacht werden der inmitten der grossen Illusion eines Lebens im Frieden mit der Grausamkeit der vernichtenden Waffen geführt wird. Zeichnet sich unsere Zeit .und ihre Modernität wirklich durch nichts anderes als die zerstörenden Luftangriffe aus. die von den Mächten im Vordergrund und hintei den Kulissen vom Norden und Süden erfolgen? — Eine traurige Moderne, die mit einer übersteigerten Wirksamkeit der Fliegerbomben sowie allen anderen taktisohen und technischen Errungenschaften aufwartet, um ihre zerstörende Kraft an einem Volk au demonstrieren, das letztlich wohl doch nichts anderes ist als ein Spielbali des auf Siedehitze gebrachten ,,Kalten Krieges“. I. Der Gegensatz Im Vietnam-Krieg treten die Vereinigten Staaten sichtbar hervor. Sie haben die Verantwortung auf sich genommen. mit den ihnen zur Verfügung stehenden Gewaltmitteln dem Vordringen Absage aas Saudi Arabien Tel Aviv. — Die israelische Presse veröffentlichte unter grossen Ueberschriften eine Meldung aus Saudi Arabien, dass dieses Land beschlossen habe, nicht an der Finanzierung der Projekte zur Ableitung der Jordanwasser teilzunehmen. In den Kommentaren der Zeitungen wird der Vermutung Ausdruck verliehen, dass dieser Entschluss sehr wahrscheinlich bedeuten soll dass Saudi Arabien den in den letzten zwei Jahren zum Kampf gegen Israel gegründeten Organisationen seine Mitarbeit zu entziehen beabsichtigt. von JEHVDA GOTTHEIMER des kommunistischen' Nordens Einhalt zu gebieten, der selbstverständlich mit der Hilfe kommunistischer Grossmächte seine Angriffe lanziert und seine Verteidigung organisiert hat. Es wäre einfältig zu glauben, dass die Nordvietnamesen allein und auf sich gestellt ihren erbit - terten Widerstand leisten würden. Wie vordem Korea, so ist in den letzten Jahren Vietnam zum Experimentierfeld internationaler Kriegstechhen wird. Dass die Amerikaner verständigungsbereit sind, dürfte sich allein schon aus den objektiven Schwierigkeiten der dortigen Kriegführung, aber auch aus der subjektiven Stimmung der amerikanischen Massen ergeben. Der Einwand, heute sei der Zeitpunkt versäumt, ist nicht überzeugend. Zu einem friedlichen Ausgleich zu gelangen dürfte zu jedem Zeitpunkt grechtfertig und deswegen auch möglich sein. Wenn die sowjetische genüber ihren chinesischen Rivalen nicht dem billigen Vorwurf aussetzen wollen, mit der „kapitalistischen" Welt zu einem Arrangement gekommen zu sein. Die grausame Folge dieser internationalen Spannungen und Machtkämpfe ist die Fortsetzung eines Krieges, der ein Land verwüstet, ein Volk dezimiert und ungezählte blühende Menschenleben dem Phantom der Macht blindlings und skrupellos op. fert. Niemand zweifelt daran, dass Vietnam nicht das ein- IN ANGEREGTER UNTERHALTUNG sehen wir die Präsidenten Johnson und Shazar im Garten des Weissen Hauses in Washington. SS#*“ 'fei-*--. m&j- ¿SG/* mm nik geworden. Die Nordamerikaner haben in diese Auseinandersetzungen erst eingegriffen als die Kommunisten vom Norden her versuchten, den südvietnamesischen Staat zu überrennen und ihre Herrschaft untei Bruch internationaler Vereinbarungen auch auf Südvietnam auszudehnen. Wenn jemals ein Krieg unpopulär war, so ist dieser Kampf um ein fernes, von den USA weit ab liegendes Land in den Staaten keineswegs volkstümlich. Der innere Widerstand gegen diesen Krieg, der in allen Teilen der Vereinig, ten Staaten wächst spiegelt die Volksstimmung wider. Zu tüele Familien sind von diesem Kampf unmittelbar getroffen. ihre Väter und Sohne, ihre Männer und Brüder werden aus ihrem gewöhn ten Lebensrhythmus herausgerissen, leiden und sterben ohne dass es recht ersiehtlieh ist aus welchem Grunde gerade sie diesen opfergang beschreiten müssen. Motiv und Argument für die offizielle Haltung der amerikanischen Regierung ist der Hinweis, dass ein Nachgeben in Vietnam mit dem freiwilligen Verzicht der westlichen Welt auf alle asiatischen Staaten verbunden wäre. Siegen die Kommunisten in Vietnam, so sagt man wohl nicht ganz zu Unrecht dann bedeutet das nicht mehr und nicht weniger dass keine Macht wird verhindern können wenn nun die kommunistische Walze über ganz Asien hinwegge- Theorie von der Koexistenz der Völker zutreffend ist muss sie auch für Vietnam ihre Gültigkeit haben. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, dass der amerikanische Verständigungswillen aufrichtig ist, und dass die Russen letztlich auch einem Abschluss dieses Konfliktes zustimmen würden. Die Spannungen jedoch, die im kommunistischen Lager herrschen gestatten es heute den Sowjets nicht, eigene und dazu noch friedliche Wege zu beschreiten, da sie sieh ge- Miinchen. — Der gröhlende Gesang des Naziliedes „Es zittern die morschen Knochen“ durch münchner Korpsstudenten in einer Klosterschenke in der Nähe der bayerischen Hauptstadt hat lebhafte Proteste und offizielle Stellungnahmen ausgelöst. In einem Telegramm an Ministerpräsident Goppel drückte der Vorsitzende des Landesbezirks Bayern im Deutschen Gewerkschaftsbund Senator Linsert, seine Besorgnis über die „ungeheuerlichen Vorfälle“ aus. In dem Eräustüberl des Klosters Andechs seien nicht nur alte Nazilieder gesungen worden, zum erstenmal habe man auch gegen die protestierenden Demokraten Gewalt gebraucht. Der münchner Kritiker und Schriftsteller Reinhard Müller-Mehlis wiederholte in zige Land ist, das unter diesen Spannungen und Kämpfer zu leiden hat. Die meisten der zahllosen ungelösten Probleme dieser Erde dürfte durch diesen nicht überbrückten Ost-West-Gegensatz ihre eindeutige Erklärung finden. Die erschrekkende Unruhe von der vor allem die jungen und nicht stabilisierten Länder durchzuckt werden, ist in der Mehrheit aller’ Fälle auf die gleichen Ursachen zurückzuführen. Das grosse internationale Tauziehen um die einer der Deutschen Presse. Agentur übergebenen Stellungnahme. er habe deutlich „den im Dritten Reich offi ziehen Wortlaut des Liedes“ wahrgenommen. Die Sänger hätten auch den Refrain gesungen: ..Wir werden weiter marschieren bis alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland 'md morgen die ganze Welt.“ Nach der Darstellung des Münchner Senioren . Konvents sollen die Studenten dagegen auf die Melodie des Naziliedes „eine Persiflage nichtpolitischen Inhalts“ gesungen haben. Nach dem Lied von den morschen Kno chen war es in der Gastwirtschaft zu einer Schlägerei zwischen den Sängern und empörten Gästen gekommen. Die bayerische Landesregierung versprach, den Vorfall untersuchen zu lassen. Empoerung über Studenten U THAMT WENDET SICH AN ISRAEL Vereinte Nationen. — UN-Generalsekretär U Thant ersuchte Israel, die Durchführung seines Agrarprogramms im Süden der entmilitarisierten Zone in der Nähe der syrischen Grenze auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um die Verhandlungen zu erleichtern, die zur Verringerung der Spannung zwischen beiden Ländern im Gange sind. In einer an den Sicherheitsrat gerichteten Note erklärt U Thant, dass der Chef der UN-Kontrollkommission für die Ueberwachung der palästinensischen Waffenstillstände, Generalmajor Odd Bull, die Gespräche über einige der zwischen Syrien und Israel schwebenden Probleme fortsetzen wird. Vor Veröffentlichung seines Schreibens, die gleichzeitig mit der Publizierung des Textes der beiden Berichte erfolgte, welche Generalmajor Bull dem Sicherheitsrat vorgelegt hatte, beriet sich U Thant mit verschiedenen hohen Beamten der Vereinten Nationen. Eine Brandstiftung von SEM FRAIS KENSTEIN Vor kurzem erfolgte eine Brandstiftung im jüdischen Gemeindehaus in Berlin, die allgemeines Aufsehen hervorgerufen hat. Der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg D. Kurt Scharf erklärte: „Nicht nur der Geltungsdrang Jugendlicher, sondern der organisierte Hass und die Rache eines zwar kleinen, aber systematisch arbeitenden Kreises stehen hinter solchen Taten wie der Brandstiftung im Büro des Berliner jüdischen Gemeindehauses“. Der Biscnof gab seiner Auffassung Ausdruck', dass diese Tat im Zusammenhang mit den Brandstiftungen stünde, die gegen die Befürworter der Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche vor einigen Monaten verübt -worden seien. Von dem Kreis dieser Täter drohe nach der Meinung des Bischofs eine Vergiftung des Organismus des Volkes. — Bürgermeister Albert drückte dem Gemeindevorsitzenden Galinski sein Bedauern aus und forderte die Berliner auf bei der Ermittlung der Täter mitzuwirken. Auch der Gewerkschaftsbund verurteilte die „nicht zu begreifende Tat. die nur von politisch verblendeten Menschen ausgeführt worden sein kann“. — Ein anonymer Anruf erfolgte kurz nach dieser Tat bei der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press: „Wir haben eine Demonstration in der Joachimsthaler Strasse 13 (dort sind die Büros der Jüdischen Gemeinde. D. Verf.) veranstaltet.“ Der Anonymus bezeichnete sich als ostdeutschen Widerstandskämpfer und versicherte wie die Polizei mitteilte: „Wir haben nichts gegen die Juden, sondern sind nur gegen Heimatverräter“ — Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland meldete sich zu Wort und richtete eine Adresse an Bundeskanzler Erhard- ,,Wir sind der Meinung, dass derartige Vorkommnisse nicht nur Unruhe verursachen, sondern auch von ausserordentlichem Schaden für die Bundesrepublik sind. Aus diesen Gründen dürfte eine entschiede, ne Stellungnahme der Bundesregierung... angezeigsein.“ — Man kann darüber streiten ob diese Argumentation des Zentralrates sehr geschickt und glücklich ist. Nicht ein etwa drohender Schaden für die Bundesrepublik sondern die Schändlichkeit einer solchen Tat sollte Veranlassung genug sein um zu einem scharfen Protest und einer klaren Regierungserklärung Veranlassung zu geben dei dann auch tatsächlich erfolgte. Es wäre jedoch ein Irrtum, diese Brandstiftung als eine vereinzelte Tat zu betrachten, und dies jn einer Zeit, in der ungestört die Soldaten- und Nationalzeitung Hetzartikel veröffentlichen kann, in der Friedhofsscnändungen durchaus nicht vereinzelt zu verzeichnen sind und erst vor kurzem an der Aussenwand einer evangelischen Kapelle in Nenkersdorf Landkreis Siegen, ein etwa 80 cm grosses Hakenkreuz und die Aufschrift: „Es lebe Adolf Hitler“ erschienen. Hierzu die Polizei: „Jugendliebe werden als Täter vermutet da das Hakenkreuz mit bunter Schulkreide gemalt ist“... Führende deutsche Politiker erklärten erneut es sei absurd, von einem alten oder neuen Nazismus in Deutschland zu sprechen. Immerhin dürfte die Häufigkeit solcher Zwischenfälle, die offensichtlich gegen Juden gerichtet sind, — was auch nicht bestritten wird und nicht zu leugnen ist —, sehr bedenklich sein. Einfluss-Sphären treibt zu immer neuen Umwälzungen, zu Revolten und Revolutionen, mit deren Hilfe man die Festigung der eigenen Situation sucht, im Grunde genommen aber nur wenig er. reicht weil nirgends die politischen. ökonomischen und sonstigen Lebensbedingungen der Völker eine Aenderung erfahren. Ein Beispiel für viele andere, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent ist Nigeria. wo innerhalb weniger Monate gewaltsame Regimewechsel erfolgten ohne dass sich die Lage wesentlich gewandelt nat. Häufig interpretiert man diese dai ernden Umwälzungen als einen internen Machtkampf zwischen nationalen Gruppen oder unzufriedenen Militärs Man gibt sich mit solchen Definitionen der Lage zufrieden und verzichtet aus verschiedenen Gründen darauf zu einer ernsten Analyse zu schreiten, die sehr bald zeigen würde, welche Kräfte in Wirklichkeit hinter diesen Erscheinungen wirken Man hat sich daran gewöhnt, die vielen Krisenherde aufzuzählen die gefährlichen Spannungen zwischen Pakistan und Indien den Kampf um Malesien oder die Auseinandersetzungen zwischen Nasser und seinem saudistischen Gegenspieler Man weist auf die ungelöste Berlin-Frage oder allgemein auf das geteilte Deutschland hin. man spricht von den lateinamerikanischen und afrikanischen Problemen, man diskutiert über die-Bedrohung jeder menschli'-heii Existenz durch die Atomwaffen und über eine Abrüstung, um dem als sinnlos erkannten wilden Wertrüsten Einhalt zu gebieten trgend- < Schluss auf Seite 2* Friedhoefe geschaendet Krefeld. — Auf dem jüdischen Friedhof von Krefeld wurden vierunddreissig Grabsteine umgeworfen und besemniert Die Attentäter beschädig ten ebenfalls sechs Gräber auf dem angrenzenden katholischen Friedhof. Sie benutzten die Nachtstunden. um ihr schändliches Wesen zu treiben. Die Polizeibelmrden fahnden nach den Tätern.

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