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Jüdische Wochenschau · 1966-08-05 · 2179 (5.8.1966) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2179 (5.8.1966)
Date
1966-08-05
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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EL EJEMPLAR en toda la República FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 PUEYRREDON 2190 V izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 N» 2179 BUENOS AIRES, VIERNES 5 »E AGOSTO I>E 1966 Año XXVII. €íñ€S An der holländisch-deutschen Grenze spielte sien vor kurzem die Auslieferung des Baron» Andreas Alexander P'ranz von Koskull an die deutschen Behörden ab. Gegen den jetzt 59jährigen SS-Führer von Koskull war von den deutschen Justizbehörden ein Auslieferungsantrag an Holland gestellt worden. Der Baron war im Jahre 1960 aus Deutschland verschwunden, nachdem die mit der Aufklärung von NS- Verbrechen beschäftigten Staatsanwaltschaften auf ihn aufmerksam zu werden begannen. Seine Spur verlor sich. Der internationale Haftbefehl gegen ihn lief in. dessen weiter. Vor wenigen Monaten nun hatte man von Koskull auf der holländischen Insel Curaçao im Hafen von Willemstadt verhaftet, als er ge. rade dabei war, seinen Unterschlupf zu wechseln Vor. Koskull, der sich im Besitz beträchtlicher Geldmittel in den verschiedensten Devisen befand, wurde wegen zahlreicher Mordtaten gesucht, die er an Juden jm besetzten Russland begangen hatte. Der Mann ist eine Renaissance-Figur in der Mörder- Galerie der braunen „Herrenrasse'1. Ein Mörder, aber mit ausgezeichneten Manieren, ein Sadist, doch einer mit einer raffinierten und ausgeprägten Kultur Balte, bei Hitler» Machtantritt 26 Jahre alt, fand er schon fünf Jahre früher „das Experiment Hitler ausserordentlich reich an dramatischen und abenteuerlichen Möglichkeiten“. Er war gewiss ein fanatischer Nazi, aber nicht aus tumber Ueberzeugung und knechtseligen Triebgefühlen, sondern aus einer perversen Leidenschaft für das Masslose und Zerstöreri sehe. Er sah in Hitler ein „Explosiv“, um das Leben „barbarischer und damit farbenreicher" zu gestalten. Von Koskull war ein vollendeter Zyniker, eine Art dekadenter Artist, der verdrängte künstlerische Komplexe in einem absoluten Nihilismus abzureagieren verstand. „Adolf Hitler — das ist der letzte Raubritter!•*, hat er einmal bewundernd gesagt, „wer so gemütsruhig inmitten von Kadavern als Vegetarier leben kann, ist ein sehr grosser Mann!“ Was von Koskull und seinesgleichen am Krieg, den Hitler der Welt aufzwang, faszinierte, war vor allem von KURT KAISER-BLUETH die absolute Immunität des ligenzia deutscher Zunge entfesselten Individuums, das durchfütterten. Dort trafen vernichten, austilgen, ausrotten, quälen und martern konnte, ohne sich dem geringsten strafrechtlichen Risiko auszusetzen. Dass er vor allem Juden umbrachte, lag allein, wie er einmal bemerkte, „am Praktischen*'. Das Leben eines Juden galt in den von den Nazis besetzten Ostgebieten noch weit weniger als das eines Polen oder Russen. Sein Wert lag für die nordischen Uebermenschen unter dem von Haustieren, sie zu liquidieren war die „bequemste Art, sich dem Vergnügen des Massenmordes zu widmen“. Diese Formulierung ist ein Zitat. Der Renaissance- Mensch von Koskull natte im Grunde gar keine besondere politische Ueberzeugung. Fr war noch nicht einmal im prinzipiellen Sinne Antise. mit. Er schoss nur vor allem das ab, was ihm am leichtesten vor die Flinte kam. In se'nen sehr jungen Jahren war er einmal für ganz kurze Zeit Kommunist gewe sen. Er w ’rde es wieder Das geschah in jenen bewegten Nachkriegsjahren, als ganz Berlin in Trümmern 'ag und man in gewissen Restaurants am Kurfürstendamm für ein „S.'hwarz-Markt-Essen“ ohne Marken 3.000 oder gar 4.000 Reichsmark zahlte. Im Jahre 1946 kaufte man in Berlin alles, was man haben wollte, wenn man nur ein paar Scheine ausländischen Geldes und „echte“ Zigaretten1in der Tasche hatte. Die wildesten Exnazis denunzierten sich gegenseitig als Kriegsverbrecher, Mädchen aus sogenannten guten Häusern erbettelten ein Schäferstündchen für eine Handvoll „Camels*, und die rassenremsten Teutonen standen Schlange vor gewissen Lokalen, in denen Amerikaner, Engländer, Russen und Franzosen ausgehungerte ehemalige Parteigenossen wortwörtlich für ein Linsen, gericht zum blitzartigen Ue berbordwerfen ihrer tausendjährigen Gesinnung veránlassten. Ein sehr beliebtes Verkehrslokal der „noch einmal da vongekommenen“ Prominenz war das in der Nähe des Stadtbahnhofs Friedrichstrasse gelegene Lokal „Möwe“, das von den Sowjets übernommen worden war, die dort ihre kommunistische und kommunisierende Intelsich Schauspieler, Schriftsteller, Filmdarsteller, unbekannte und sehr bekannte. In diese „Möwe“ kamen in diesem geisterhaften Berlin kurz nach der bedingungslosen Kapitulation auch noch manche andere, die keine Kommunisten waren, aber sich ein wenig im „neuen berliner Milieu“ umsehen wollten. Was mich angeht, so ging ich damals auch ln die „Möwe“. Ich muss in diesem Zusammenhanghinzufügen, dass ich das Berlin der ersten Nachkriegsjahre seiir gut kennengelernt habe. Obwohl ich meinen Wohnsitz in Paris beibehielt, habe ich den grössten Teil der Jahre von 1945—1948 in Berlin zugebracht. Es war ein ausserordentliches Berlin, hektisch, von tausend Zweifeln und Spannungen zerrissen irreal fast und von einer psychologischen Dichtigkeit, wie sie heute gewiss nicht mehr zu spüren ist. Die zerbombten und gespaltenen Häuser waren ebenso ungewöhnlch und erregend wie die menschlichen Schicksale Das war zweifellos die Stunde der Wahrheit, und die Aussage dieses in die Katakomben getriebenen Berlins war sicherlich um ein Vielfaches ehrlicher und weniger konformi stisch als die des heutigen Suoer Berlins, mit seinen eiskalt strahlenden und prahlenden Neubauten und seiner „amerikanischen“ Prosperität. Als ich damals als „Kriegskorresoopdent“ erstmais nach Berlin kam, stolperte man noch über dis Leichen und aus den U- Bahr-Schächten kam der Pestgeruch eines me;1enweiteil, offenen Friedhofes. In diesem Berlin also war die „Möwe“ eine Attraktion. Hier wurde mir dann auch Nazis einmal der Baron von Koskull vorgestellt. Irgendjemand hatte ihn eingeführt, und niemand ahnte etwas von seiner Vergangenheit. Die Russen verwöhnten ihn mit Artigkeiten. Man wusste nicht genau, woher er gekommen war, und er galt als fortschrittlicher, antifaschistischer Intellektueller. Er trank in kleinen Schlucken seinen Wodka und ass winzige, übersüsse russische Kuchen dazu. „Die Nazis . . winkte er mit unsäglicher Verachtung ab und liess durchblikken, wie sehr er, in irgendeinem Widerstand, in diesen Jahren des Grauens gelitten hatte. Man raunte, dass er in die Verschwörung der Offiziere gegen Hitler verwickelt gewesen sei. Er labte sich teils am Wodka teils an diesen unkontrollierbaren Gerüchten. die ihn zu einer legendären Gestalt machten, und mit leiser Stimme, als sei das, was er sage, zu enorm, um laut ausgesprochen zu werden, flüsterte er: „Es gibt nur eines was Zukunft hat, die Sowjetunion Sie hat uns vor der Barbarei gerettet."* Dann traf ich ihn später noch einmal — zufällig, wie damals in der „Möwe“. Das war bei gemeinsamen Bekannten. Von Koskull hatte sich bereits auf andere Positionen zurückgezogen. Er trank keinen Wodka und die Sowjetunion war keineswegs mehr ,die Zukunft“ für ihn. „Brutale Terroristen“ nannte er die Russen „die mit Menschlichkeitsphrasen die Politik Iwans des Schrecklichen betreiben.“ — „Schlimmer als die Sowjets sich seinerzeit in Berlin benahmen, als sie die Stadt nahmen“, so sagte er noch, „kann die SS aiK-h nicht gewütet haben.“ Wir ahnten nicht dass er hier mit hintergründigster Ironie in eigenster Sache gesprochen hatte. Bourguiba widerspricht sich Bonn. — Der tunesische Präsident Habib Bourguiba erklärte bei seinem Besuch in Deutschland auf einer Pressekonferenz in Westberlin, die berliner Mauer könne nicht mit der Grenze vergl-'clien werden, die Jerusalem in zwei Teile zerschneidet. Die berliner Mauer, so argumentierte Bourguiba, trennt zwei Teile ein und deiselben Volkes, von denen der eine unter kapitalistischem, der andere unter kommunistischem Regime lebt. Die Grenze in Jerusalem dagegen „wurde gezogen, weil ein von draussen ge kommenes Volk sich anstelle eines Volkes einnistete, das von seinem Boden vertrieben wurde.“ Während Bourguiba diesen Standpunkt verfocht, forderte die Presse von Irak und Kuweit den Ausschluss Tunesiens aus der Arabischen Liga, weil der Präsident dieses Landes für einen arabisch-israelischen Frieden wirbt. Rabbiner besuchten Russland Moskau. — Eine Delegation, der 20 nordamerikanische und ein kanadischer Rabbiner angehörten, besuchte die Sowjetunion, um die widersprechenden Informationen über die Lage der Juden zu klären und ihren Glaubensbrüdern die Botschaft zu bringen, dass „wir sie nicht vergessen haben“ Die Gruppe stand unter der Führung von Rabbi J. Weinstein aus Chikago Die Besucher kamen aus Polen, wo sie drei Tage geblieben waren. Nach einem Aufenthalt von einigen Tagen in Moskau, reisten sie nach Wilna, Leningrad und Kiew In allen diesen Städten waren sie bemüht, mit jüdischen Sowjetbürgern Kontakt zu nehmen. Sie besuchten auch Babi Jar bei Kiew, den Ort, der durch die von den Nazis hier verübten Massenerschiessungen von Juden eine so traurige Berühmtheit erlangt hat. Nach Abschluss ihres Aufenthaltes in Russland begaben sich die Rabbiner nach Ungarn und in die Tschecho Slowakei, um die in diesen Ländern wohnenden Juden zu besuchen. PROTESTE London. — Ueber 1.000 Studenten beteiligten sich kürzlich an einem Protestmarsch zur russischen Botschaft in London, wo vier Delegierte eine von 5.000 Hochschülern Unterzeichnete Petition überreichten, in der die religiöse und kulturelle Gleichberechtigung der Juden in der Sowjetunion sowie Keine Diskriminierung Vereinte Nationen. — Als fünftes lateinamerikanisches Land hat Peru die internationale Konvention über Abschaffung aller Formen von rassischer Diskriminierung unterfertigt. Die anderen südamerikanischen Länder die ihre Unterschrift schon geleistet haben, sind Bolivien, Brasilien, Costa Rica und Kuba. Die Konvention, welche bisher von 23 Nationen unterfertigt worden ist, wird 30 Tage, nachdem sie von 27 Staaten ratifiziert worden ist, in Kraft treten. Hussein beantwortete Fragen London. — König Hussein von Transjordanien, der ZU einem offiziellen Besuch nach London kam, gab auf einer Konferenz für die Auslandspresse zu, dass das „palästinensische Problem“ gelöst werden müsse. Sichtlich bemüht, seine Worte zu wägen, fügte er hinzu, er sei sich über die Lösung nicht klar, doch vielleicht sei sie zu finden, wenn ein Gleichgewicht der Kräfte erzielt werde und die bestehende Unruhe sich verringere. Der König sprach in gemässigten Ausdrücken über Israel, „erhitzte sich“ jedoch, als einer der Korrespondenten ihn über die kürzlichen Vergeltungsmassnahmen gegen Syrien befragte. Er entgeg-nete, dass derartige Angriffe vonseiten Israels unterbleiben müssten, da sie einen Brand entfachen könnten, dessen Folgen nicht vorauszusehen seien und niemandem im Mittelostraum zum Nutzen gereichen würden, denn „wir wären gezwungen, einem arabischen Bruderland zu Hilfe zu eilen, wenn e« angegriffen wird“. Das Schicksal der arabischen Flüchtlinge an Israels Grenzen nannte Hussein „eine Tragödie“. Auch die Lösung dieses Probletmh entziehe sich seiner Kenntnis, bemerkte er, doch er hoffe, es werde zu einer gerechten und ehrenhaften Regelung kommen. Hussein versicherte, er habe Massnahmen getroffen, damit von transjordanischem Boden aus keine Infiltranten in Israel eindringen könnten. Er bedauerte, dass der Fall Palästina für fremde Interessen ausgenutzt werde, was angesichts der gespannten Lage höchst gefährlich werden könne. Die Journalisten fassten dies als eine Anspielung auf die Intrigen Nassers auf. Auf die Frage, ob er, Hussein, die Ansichten des tunesischen Präsidenten Bourguiba über einen Frieden mit Israel teile, erklärte er: „Das Problem muss von allen arabischen Staaten gemeinsam gelöst werden. Wenn Bourguiba die Absicht hegt, uns zu entzweien, dann bin ich gegen ihn.“ Er bezeichnete. die Arabische Liga als lebensfähiges Element, das „trotz aller Schwierigkeiten“ nicht erstarren dürfe. UNEINIG MIT SHUKAIRY „Unter den obwaltenden Umständen sehen wir keine Möglichkeit, mit der Organisation für die Befreiung Palästinas zusammenzuarbeiten“, erklärte König Hussein auf eine Frage nach einer Rede, welche er im Kgl. Institut für internationale Angelegenheiten hielt. Die Frage bezog sich auf aus Alexandrien eingelaufene Meldungen, dass der Präsident dieser Organisation, Achmed Shukairy, Transjordanien ersucht habe, seine Truppen dort zu stationieren und die in diesem Land wohnenden arabischen Flüchtlinge fiir den Krieg gegen Israel zu schulen. Shukairy hatte in seiner Ansprache König Hussein als „Verräter“ angeprangert, der sich nur mit den Lippen zur arabischen Sache bekenne und praktisch die Aktivitäten der Befreiungsarmee hintertreibe. Auf eine Frage nach den Zielen dieser Organisation entgegnete Hussein: „Es ist schwierig, hierauf ztu entworfen, denn ich schätze dieses Unternehmen nicht sehr hoch.“ (ITA) Rückgabe verhafteter Araber Jerusalem. — Israel hat die vier ägyptischen Seeleute, die sich kürzlich auf der Fahrt von Port Said nach Libanon in israelische Gewässer verirrten und verhaftet wurden, an Aegypten zurückgestellt. Jüdische Erziehung Genf. — Die Präsidentschaft des Weltrates für jüdische Erziehung nahm eine Erklärung an, dass der Weltrat seine besondere Aufmerk, samkeit der Errichtung jüdi scher Tagesschueln zuwenden wird. An der Debatte über diese Frage beteiligter sich alle Leiter dieser Institution sowie 37 führende Er zieher aus 12 Ländern. (ITA) die Ausmerzung aller Erscheinungsformen des Antisemitismus gefordert wird. Es verlautet, dass die Petition mit der Begründung abgelehnt worden sei, dass in Russland keine Judenfrage bestehe. Eine ähnliche Haltung wurde von der Sowjetbotschaft in Washington zu ihr überreichten Protesten eingenommen. Ein Botschaftsfunktionär charakterisierte die Behauptungen, dass es in der Sowjetunion Antisemitismus gebe, als falsch und als sowjetfeindliche Propaganda Protest aus Jerusalem Jerusalem. — Politische Kreise in Israel äusserten sich verärgert über die Weigerung der sowjetrussischen und bulgarischen UN-Repräsentanten, der Einladung U Thants zu felgen und auf dem zu Ehren von Präsident Shazar veranstalteten Bankett zu erscheinen. Diese Haltung wurde als eine Beleidigung für das ganze Volk bezeichnet. „Die Ablehnung der Einladung“, so wurde betont, „widerspricht jeder diplomatischen Geflogenheit und ist ein Vergehe« gegen die normalerweise höflichen Beziehungen zwischen zivilisierten Nationen.“ (ITA) Araber in Israel Tel Aviv. — Am Tage der Revolutionsfeiern in Aegypten waren in der hauptsächlich von Arabern bewohnten Stadt Nazaret alle Kaffeestuben überfüllt, in denen die Veranstaltungen in Kairo in der Television gezeigt wurden. Auch in anderen arabischen Siedlungen in Israel sassen die Araber in den Cafés, die TV-Apparate besitzen, um die Uebertragung zu sehen. (ITA> Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 868.707

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