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Jüdische Wochenschau · 1966-07-22 · 2177 (22.7.1966) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
27 (1966)
Issue
2177 (22.7.1966)
Date
1966-07-22
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Worn«*, 22 àe Julio de 19«« SEMANA ISRAELITA Año XXVII. — N? 2177 — 5 DER DRITTE TEMPEL Wenn sich am Erew Tisoha be-Aw die ersten drei Sterne am Himmel zeigen, legt sich die tiefste Trauer des Jahres öber die Stadt Jerusalem, über das Land Israel und über das jüdische Volk in aller Welt: Tischa be’Aw beginnt. der Fasttag des Neunten Aw, der Tag. an welchem nach der Tradition der Tempel in dieser Stadt Jerusalem zweimal zerstört wurde’ der Erste Tempel unter Nebukadnezar, König von Babylon, und der Zweite Tempel durch die Römer unter Titus. Für uns, die wir in Jerusalem leben, dem Schauplatz der doppelten Tragödie unseres Volkes, wurde der Trauertag des Neunten Aw noch dadurch besonders gekennzeichnet, dass es uns nun seit bald zwei Jahrzehn, ten nicht mehr möglich ’st, dem letzten Rest unseres Tempels, der Westmauer des herodianisohen Heiligtums, der Klagemauer, „Kothel Hamaaravi“, einen Besuch abzustatten. Ach,, wie .iegt BO verwaist die Mauer, vor der sich das Volk einst in dieser Nacht drängte! Einsam ragt sie, die Mauer der Tränen, in den klaren Sommerhimmel. Wir sehnen uns nach den alten, riesenhaften Quadersteinen, und die Mauer — sehnt sich nach ans. Wir sind heimgekehrt und sie ist in die Verbannung gekommen; nur die feindlichen Söhne Israels wachen an der Mauer, um zu verhindern dass an ihr gebetet wird. Worum wurde an ihr gebetet? Ich weiss es nicht, und niemand weiss es, denn die vielen kleinen Zettelchen mit den Privatgebeten und Bitten, die Unglückliche und Sehnsüchtige, Besorgte und Hoffende in die Mauerritzen gesteckt haben, als wäre hier der Briefkasten zum Herrn der Welt, sind längst vermodert. Aber eines weiss ich bestimmt: an dieser Mauer haben unzählige Juden aller Generationen um die Wiedererrichtung des Tempels gebetet: um den Dritten Tempel, den messianischen Tempel. Wieder und wieder erklang hier — und wo immer Juden auf der Welt gebetet haben, •— die Bitte; „Erbaue den Tempel — bald in unseren Tagen.“ Die Hoffnung ist mit dem Tempel nicht untergagangen, die Hoffnung hat uns getragen. Strahlender und schöner, grösser und von SCHALOM BEN CHORIN prächtiger, als er je gewesen ist, wurde der Traum-Tempel eines geschlagenen Volkes, das alle Wehmut und alle Wünsche, alle Liebe und allen Stolz, alles Gottvertrauen und alle Zuversicht in diesen Dritten Tempel hineinprojiziert hat. Der Erste und der Zweite Tempe' waren aus Stein gebaut und mit Gold verziert, aber der Dritte Tempel wurde im Herzen Israels immer und immer wieder aus dem unbeugsa dingtheit des Opferkultes betonte und darin eine Art Konzession an die Riten der antiken Umwelt sah. Die Propheten hatten ja oft und oft betont, dass Gott der Opfer nicht bedürfe, dass es Ihn des Fettes der Opfertiere geradezu widere, wenn sie von unreinen Händen dargehracht wurden, an denen noch das Blut von Untaten klebte. Und doch hat die Halacha, das Gesetz, den Opferkult E TISCHA B’AW — Holzschnitt aus dem Buche Birkat Hamason aus dem Jahre 1723 men Geist des Volkes erbaut und mit Perlenschnüren von Millionen Tränen verzäerl;. Vor dem Tempel Salomos standen zwei geheimnisvolle Säulen: Jachin und Boas genannt, deren ursprüngliche Bedeutung in Vergessenheit geraten ist. Vor dem Dritten Tempel stehen zwei Säulen die Halacha und Aggada heissen, Gesetz und Legende Das Gesetz hat sich eingehend mit dem Bau des Tempels und vor allem mit dem in ihm zu praktizierenden Opferkult befasst, wenngleich es auch andere rationalistischere Auffassungen gab, wie die des Maimonides, der die geschichtliche Be Neuerscheinungen des Verlages „OLAMENU“ in TEL AVIV. POB 3002. ISRAEL Dr. E. J. GOERLICH (Wien): RUTH. — Geschichte eines jüdischen Mädchens. Ein Wiener Roman aus der Nazizeit. — Kart. $ 5.—. Prof. Dr. HARRT ZOHN (Waltham): Wiener Juden in der deutschen Literatur. Reich illustriert. Halbleinen $ 3.50. ZEITSCHRIFT FUER DIE GESCHICHTE DER JUDEN Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD Abonnement nur ganzjährig $ 8.50. DEMNAECHST ERSCHEINT: HUGO GOLD: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Das Standardwerk der jüdischen Geschichte Wiens. Hundörte Illustrationen. Ermässigter Subskriptionspreis vor Erscheinen $ 20.—, nach Erscheinen $ 35.— IN VORBEREITUNG: «HISTOR.Y OF THE JEWS IN AUSTRIA“ Ein Jahrbuch .in deutscher und englischer Sprache. Herausgegeben. und redigiert von HUGO GOLD. GEDENKBUCH DER UNTERGEGANGENEN JUDEN¬ GEMEINDEN DER TSCHECHOSLOWAKEI. Herausgegeben und redigiert von HUGO GOLD. Er. scheint in zwei Bänden. L Band Böhmen, Mähren und Schlesien. — II. Band Slowakei und Kaxpatorus. Alle diese Publikationen erscheinen im Rahmen des im Entstehen begriffenen CHAJES-INSTITUTS für den Dritten Tempel im Hinblick auf die Wiedereinführung der Opfer minutiös geregelt, und die orthodoxe Synagoge betet noch . heute um die Wiedereinführung der blutigen. Tieropfer im Dritten Tempel; ja es gab in unserer Zeit Thora-Grössen wie den Raw von Radyn, den man nach seinem Haupt ■ werk den Ghaphez Chajim nennt, der eine Lehranstalt für junge Priester, Cohanim unterhielt, um sie theoretisch im Opferkult zu unterweisen, damit der Messias sozusagen sofort eine einsatzbereite Priesterschaft an. treffe. Auch heute lernen auf dem Zionsberg über Jerusalem junge Cohanim die Opfer-Thora, um sie, wenn die Zeit erfüllt ist, zu prak tizieren... im Dritten Tempel. Wenn die Zeit erfüllt ist! Den Tag und die Stunde kennt freilich kein Mensch und kein Ehgel, sondern nur Gott allein, aber doch schien es vor 18 Jahren als sei die Stunde sehr nahe. Damals im Frühling 1948 waren unsere Truppen ganz nahe an die Altstadt herangerückt und es konnte sich in wenigen Tagen entscheiden, ob wir zum Tempelberge durchbrechen würden. Der Vorsitzende der Alija- Abteilung der Jewish Agency, Schlomo Salman Schragai, erzählte, dass in der Nacht vor dem Sturm auf die Jerusalemer Altstadt zwölf Kabbalisten in dem jerusalemer orthodoxen Viertel Mea Schearim im Hagel der Geschosse ln das Tauchbad gingen und weisse Kittel anzogen, wie man sie sonst zum Versöhnungstage trägt Dann begaben sie sich zum Kommandanten der Hagana, David Schaltiel, und baten ihn, falls der Tempelberg erobert würde, sie sofort dorthin zu lassen, damit sie einen Altar bauen und ein Opfer darbringen könnten Schaltiel zögerte und verwies sie an Oberrabbiner Dt Herzog s. A.. der aber einer Ent- Scheidung auswich. Er fühlte sich in dieser überaus heiklen Frage einfach über fragt. Da kehrten sie zurr Kommandanten Schaltiel zurück, und dieser rief den Ministerpräsidenten David Ben Gurion an. Ben Gurion antwortete spontan: „Lassen Sie sie gewähren.“ Die Stunde war damals nicht gekommen Wir wissen dass es eine lange und unerfreuliche Diskussion darüber gegeben hat, die vor allem durch das Buch von Justizminister Dr. Dow Joseph „The Fa;thful City* (I960) ausgelöst wurde, in welchem der Verfasser schwere Vorwürfe gegen Schaltiel erhob, dem angelastet wurde, dass er die strategischen Möglich, keiten verpasst habe. Aber rückblickend mag auch hier ein tieferer Sinn des Geschehens zu erkennen sein: hätten wir wirklich das Opfer der Kabbalisten gewünscht, hätten wir wirklich den antiken Opferdienst in einem Dritten Tempel restaurieren wollen und können, ganz abgesehen von der nicht zu bestreitenden Tatsache, dass sich über dem Felsen Moria, dem uralten Opferstein Abrahams, heute der moslemische Felsendom erhebt, eine monotheistische Andachtsstätte — auch er? Wie dem auch sei, wir können aus dieser merkwürdigen Episode ersehen, dass es noch Kreise in unserem Volke gibt, für die der Opferkult im Dritten Tempel eine aktuelle Realität darstellt. Die Orthodoxie hielt ja liturgisch immer an dieser Vorstellung fest. Die Konservati. ven haben an die Stelle der Gebete um die Wiedereinführung der Opfer im Dritten Tempel die historische Beschreibung des Opferkultes im Zweiten Tempel gesetzt, während die Liberalen und die Reform ausdrücklich darauf verzichtet haben und an diese Stelle die alte Hoffnung aus dem Propheten Jesaja setzten: „Denn mein Haus wird heissen ein Bethaus allen Völkern“ (Jesaja 5«, 7). In diesem Sinne beschreibt auch Theodor Herzl in seinem utopischen Roman „Altneuland“ das wundervolle monotheistische Heiligtum des künftigen Jerusalem nur noch als eine Stätte der Anbetung im Geist und in der Wahrheit. Aber am 27. Januar 1904 notiert er in sein Tagebuch: „Nachtrag zum Papst. Er sprach vom Tempel zu Jerusalem Der sei zerstört worden, für immer. Solle man den wieder aufbauen und da den Opferdienst in alter Weise verrichten? Er sprach auch von Josephus Flavius, zitierte ihn; ich verstand es aber nicht recht.“ Herzl meinte dies wohl primär sachlich-philosophisch aber dieses: „Ich verstand es aber nicht recht“ hat noch einen tieferen Sinn- Herzl konnte den Papst gar nicht recht verstehen, denn in seine. Herzls, poetische Judenstaatsvision und -konzeption fügte sich das Bild eines antiken Tempels mit seinen Opfern nicht mehr organisch ein. Wir aber sollen uns in aller Aufrichtigkeit fragen, was wir wirklich erhoffe» und erbeten dürfen, wenni wir als heutige Israelis und Juden das Wort vom „Bajit Schlisehi“, vom Dritten Tempel, in den Mund nehmen. Gastspiel in der Sowjetunion Tel Aviv. _ Das israelische Philharmonische Orchester wird seine Tournée in der Sowjetunion nunmehr am 12. November beginnen und im Laufe von drei Wochen dort 17 Konzerte geben. Das Uebersinkommen über dieses Gastspiel wurde vor einigen Tagen in Moskau im Namen Israels von Zwi Haftel unterschrieben. Andererseits wird das Staatsorchester von Moskau am 10. November in Israel eintreffen. Die Reise der beiden Orchester sollte ursprünglich im Mai stattfinden, wurde jedoch später auf Wunsch der sowjetischen Regierung verschoben. Der sowjetisch-jüdische Violinist David Oistrach wird mit dem israelischen Philharmonischen Orchester ■während dessen Aufenthalt in Russland als Solist spielen, und der Bassist Ivan Petrow, der als „Erbe Schaljapins“ gilt, wird mit dem sowjetischen Staatserchester in Israel singen. Zwi Haftel unterfertigte des weiteren Verträge, damit der Geiger David Oistrach und des- Cellist M. Rostropobieh im nächsten Jahr wieder in Israel konzertieren und zum ersten Mal der Pianist Swietoslaw Richter ki Israel zu hören sein wird. Ehrung für Hugo Gold Ein Jubiläums-Ausschuss veranstaltete kürzlich in Tel Aviv einen von etwa 250 Personen besuchten Ehrenabend für den Verleger Hugo Gold 'anlässlich seines 70. Geburtstages, anlässlich des Ersoheinens seines Sammelwerkes „Geschichte der Juden in Wien“ und anlässlich des Erscheinens eines Doppelheftes seiner „Zeitschrift für die Geschichte der Juden“, das der tschechoslowakischen Judenheit gewidmet ist. Dem Ehrencomite, das siCh auf Initiative von Dr. Fritz Ullmann gebildet hatte, gehören an: Oberrabbiner J. Katz aus Bratislava, Rabb. J. Ansbacsher, die Universitäts Professoren. Dr. Benjamin Akzin. Dr. Hugo Bergmann, Dov Sadan, Dr. Hugo Bojko Dr. Dr Flusser, Dr. Guido Kisch Dr. N. N. Tsur-Sinai. Dr. Harry Zohn und Dr J. Smotricz, ferner der jerusalemer Maler Ludwig Blum Dr. Ohaim Yachil, Dg. Oskar Neumann, Dr. Hardi Swarsensky, insgesamt 56 bekannte Namen. Am Präsidententisch sassén neben dem Jut>ilar Dr. Max Bord, Dr J. Guvrin (vormals als Dr. Oskar Grünbaum Präsident des zionistischen Landesverbandes Oesterreich), Dr. Oskar Neumann als Vorsitzender des Vereins der Olim aus der CSR und Richter Dr. Chaim Ehrlich als Vorsitzender des Olimverbandes aus der Bukowina, ebenfalls aus Rumänien Dr. Josef Mann, der Arzt Dr. Nachman Frey, Dr. F. Ullmann u. a. Hugo Gold hatte im Jahre 1925 den um das Jahr 1900 entstandenen Jüdischen Buch und Kunstverlag in Brünn nach dem Ableben seines Gründers Max Hickl übernommen und ihn bis 1939 in Brünn und in Prag weitergeführt. Er hat die Wochenschrift „Jüdische Volksstim. me“, einen Kalender als Jahresalmanach und eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der CSR. sowie Sammelwerke über die Geschichte der Juden und Judengemeinden in Mähren, in Böhmen und in Bratislava, und eine Zeitlang auch die jüdische Wochenschrift „Die Welt“ in Prag herausgegeben. Nach seiner Einwanderung in Erez Israel setzte er inj Tel Aviv unter dem Verlagsnamen „Olamenu“ die Herausgabe historischer Sammelwerke mit dem zweibändigen Kompendium über die Geschichte der Juden in de* Bukowina und nun in Wieii fort. Als nächstes bereitet e* die Geschichte der Juden in der CSR vor. Gleichzeitig gibt er nun bereits im dritten Jahrgang seine „Zeitschrift für die Geschichte de* Juden“ heraus. M. F. i Anleihen Tel Aviv. — Israels Regierung beabischtigt, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Unternehmungen in die Entwicklungsgebiete zu verlegen, und wird für diesen Zweck Anleihen zur Errichtung von Fabrikgebäude»! sowie andere Erleichterungen gewähren. DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 94 Allenby R4. — TEL AVIV — P.O.B. 4444 Fiambres Finos “FRIGUINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD

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