Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 27 (1966)
- Issue
- 2176 (15.7.1966)
- Date
- 1966-07-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o oa FRANQUEO PAGADO o £ _ Concesión 908 “? E R c W U 4) < O TARIFA REDUCIDA Goncesión 1629 MANA ISRAELITA Año XXVII. BUENOS AIRES. VIERNES 15 DE JUDIO DE 1966 N* 217 « el ejemplar «« toda la República 15.- PUEYRREDON 2190 1* izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Aus rumaenischen Archiven Vonseiten der rumänischen Staatsakademie ist dem jerusalemer Institut ,,Jad Waschern' ein von ihr in fran. BÖsischer Sprache veröffentlichtes Geschichtswerk zugegangen, welches ein grelles Licht auf die Vorgänge hinter den Kulissen während der Terrorepoche in Rumänien (1940—19441 wirft und die Drahtzieher der ungeheu. erlichen Verbrechen aufgrund von unwiderlegbaren Dokumenten anprangert. Das von der ersten bis zur letzten Seite sensationell wirkende Buch trägt den Titel ,,Rumänien im zweiten Weltkrieg*- und hat fünf Geschichtsforscher zu Autoren, darunter den jüdischen Historiographen N. Goldberger. Ueber das von Hitler dirigierte Terrorregime des Generals Jon Antonescu und seiner Clique weiss man bisher sehr wenig, — was die verborgenen Hintergründe anlangt. Die spärlichen Daten, welche sich nur auf deutsche Dokumente stützen vermögen nicht ein übersichtliches Gesamtbild zu bieten und alle Verantwortlichen für die Greueltaten restlos zu entblössen. Man vermutet mit Recht, die rumänischen Archive wüssten weit mehr zu erzählen und vermöchten Geheimnisse von entscheidender Wich von Dr. Tb. LA tigkeit zu offenbaren — vorausgesetzt, dass sie beim Rückzug der nazistischen Horden nicht vernichtet oder verschleppt worden waren. Aus dem früher erwähnten Werk geht indessen hervor, dass ein guter Teil der Archive erhalten geblieben ist, die von den tiefschürfenden Autoren mit wissenschaftlicher Gründlichkeit erforscht, klassifiziert und nun der breiten Oeffentlichkeit bekannt gegeben wurden. Was uns Juden, die das braune Grauen in Rumänien miterlebt und überlebt haben, in erster Linie an diesem sensationellen Geschichtswerk interessiert, ist der dokumentarisch belegte Nachweis des entscheidenden Einflusses und des unwiderstehlichen Druckes, welchen Hitler und seine Nazischergen auf die Regierung von Bukarest damals ausgeübt hatten. Zunächst ist es die Feststellung, dass General Antonescu im Jahre 1940 den Rumänen von Berlin aus als Diktator aufgezwungen wurde. Im Dokument Nr. 71 Band 88, findet man im vollen Wortlaut den diesbezüglichen Befehl Berlins, mit dem eindeutigen Schlirssatz: ,,Rumänien muss sich nun entscheiden, da ansonsten TI-LOEWENSTEIN seine militärische Besetzung, mit darauffolgendem Protektorat und Aufteilung der Provinzen, unvermeidlich ist.“ Dass es keine leere Drohung war, steht jetzt ausser Zweifel. Noch als die Tschechoslowakei im Jahre 1938 von den Nazihorden überannt worden war, berichtete der rumänische Botschafter in Prag über einen pikanten, vielsagenden Vorfall, wovon ein anderes Dokument des Archivs Zeugnis ablegt. Es handelt sich darum, dass in verschiedenen Orten Böhmens und Mährens Aufrufe der Nazidespoten in rumänischer Sprache irrtümlich angeschlagen wurden, — eine ,, bedauerliche“ Verwechslung, denn die Plakate sollten erst später in Rumänien zum „befreiten“ Volk reden... In einem Originalbrief des berüchtigten deutschen Botschafters Killinger an Antonescu datiert vom 6. Februar 1941, heisst es wörtlich: „Auf ausdrücklichen Befehl des Führers, steht die deut sehe Armee des Generals Hansen bis zum letzten Soldaten zu Ihrer Verfügung.“ Aus dem Bericht des Chefs des rumänischen Geheim, dienstes vom 17. Februar 1941 geht klar hervor, dass ein Vor der Konferenz in Brüssel Genf. — Der Herausgeber der arabischen Zeitung in Paris, „Jeune Afrique*“ (Junges Afrika), Bechar Ben Yahmed, wird die Araber bei der grossen Debatte vertreten, welche im Verlauf der 5. Generalversammlung des Jüdischen Weltkongresses in Brüssel stattfinden soll, wie der Generalsekretär des JWK in Genf, Dr. Gerhart Riegner, mitteilt. Die Debatte über die Beziehungen zwischen Juden und Arabern ist für Mittwoch, den S. August, um 8 Uhr 30 abends in einer Son dersitzung angesagt, die sofort auf den feierlichen Empfang folgen soll, den der Jüdische Weltkongress für die Delegierten geben wird. Vonseiten des jüdischen Volkes wird Prof. Albert Memmi, Professor an der Fakultät für Soziologie der pariser „Ecole des Hautes Etudes“ an dieser Debatte teilnehmen. Die Organisatoren der Aussprache wünschen dieses historische Zwiegespräch in einer Weise zu gestalten, dass die Probleme, welche aus der Wiedergeburt des jüdischen Staates erwachsen sind, nicht be rührt werden, sondern einzig und allein eine Grundlage für kulturelle Beziehungen zwischen den beiden Völkern erörtert werden soll. WERTE DES JUDENTUMS Für den Vormittag des gleichen Tages wird ein Gespräch am Runden Tisch im Rahmen der Plenarversammlung angekündigt, dessen Thema ..Werte des Juden tums“ ist und an dem sich hervorragende Repräsentanten dc-r Wissenschaften beteiligen werden, u. a. Prof. Nathan Rotenst reich, Rektor der Hebräischen Universität von Jerusalem, Prof. André Neher aus Strassburg und Prof. León Dujovne aus Buenos Aires. Diese Aussprache wird als besonders wichtig angesehen, da der JWK bemüht ist, die Intellektuellen in seinen Kreis einzubeziehen, wie dies in Frankreich schon geschehen ist und ir> anderen Ländern vorbereitet wird. Prof. Neher ist gegenwärtig Präsident der französischen Sektion des JWK, und die von dieser Organisation veranstalteten „Kolloquien“' über Themen von jüdi schem Interesse erregen heute schon in aller Welt viel Aufsehen. Eine andere Debatte der Tagung in Brüssel wird kul turellen Fragen gewidmet sein. Nach der vorläufigen Tagesordnung sind fünf Sitzungen hierfür anberaumt worden, um über die kulturellen und erzieherischen Erfordernisse aller jüdische*» Gemeinden ln der Welt und das schwierige Problem der jüdischen Jugend zu beratet- VORBEREITUNGEN Nach Mitteilung das Generalsekretariats des Jüdischen Weltkongresses sind die technischen und organisatorischen Vorbereitungen für die 5. Plenarversammlung, die am 31. Juli bis 9 August in Brüssel stattfindet, schon fest beendet. Fast alle indischen Gemeinden aus aüer Welt entsenden Delegierte, und besonders zahlreiche Delegationen werden aus den USA, England, Frankreich, Israel und Argentinien er wartet. Die feierliche Eröffnung der Konferenz wird am Sonntag, den 31. Juli, um 8 Uhr abends stattfinden und ihr werden hohe Beamte der Regierungen von Belgien und Israel beiwohnen. Auf der Eröffnungssitzung wird der Präsident des JWK. Dr Nachum Goldmann, das Hauptreferat halten und über das Thema „Das jüdische Volk im XX. Jahrhundert“ sprechen. Die Leitung der Konferenz wird am Montag, den 1. Juli gewählt werden. Anschliessend wird die grosse politische Debatte ihren Anfang nehmen. Wie es heisst, sollen die wichtigsten Arbeiten der Tagung von drei Kommissionen geleistet werden, einer Kommission für politishe Fragen einer zweiten für kulturelle Probleme und einer dritten für organisatorische Angelegenheiten. OFFIZIELLE PERSOENLICHKEITEN Wie der Leiter des Genfer Generalsekretariats des Weltkongresses, Dr. Gerhart M. Riegner. ferner mitteilt, werden der Vize-Premierminister von Belgien Willi de Clero und Israels Aussenminister Abba Eban der Tagung in Brüssel beiwohnen. Ebenso haben verschiedene Mitelie der des in der belgischen Hauptstadt akkreditierten Diplomatischen Korps ihr Erscheinen bei der Eröffnung«- ( Sitzung angekündigt! Im Laufe der Plenarversammlung wird ein Symposium Uber Menschenrechte abgehalten, an dem folgende; Persönlichkeiten teilnehmen werden : David Morse. Gene raidirekto* des Internationalen Arbeitsamtes, René Cassin. Präsident des Europage richts für Menschenrechte Gabriel d’Arboussier. Generaldirektor des UN-Instituts für Ausbildung und Forschung, und P“of. Milán Bartos, Professor für internationales Recht an der Universität Belgrad und Vizepräsident der Serbischen Akademie der Künste und Wissenschaften. I Heer von Gestapoagenten mit Argusaugen die Tätigkeit der Minister, der Offiziere, der politischen Persönlichkeiten und aller öffentlichen Institutionen überwachte und regelmässig nach Berlin rapportierte. Der Historiker Ion Popescu-Puturi stellt im erwähnten Buch fest: „Alle Normen der Regierung und des Staatsapparates waren damals in Rumänien bis aufs I-Tüpfelchen den Interessen des Dritten Reiches gleidigeschaltet. Die Satzungen des nazistischen „Rechtes“ wurden restlos auf die rumänische Gesetzgebung übertragen. Das Strafgesetzbuch trug den Stempel der hitleristischen Gesetze, nach dem Kriterium der Rassentheorie. In Bukarest und in allen grösseren Orten wimmelte es von berliner Emissären, welche die Kontrolle des Staatsapparates innehatten und Weisungen erteilten. Die rumänischen Machthaber, bis zu Antonescu hinauf, waren nichts weiter als Untergeordneta^der Hitler-Clique.““ Um somnverständlicher dünkt es, wenn manche deutsche Gerichtshöfe sich zu der Behauptung versteigen, Rumänien wäre in jener finsteren Epoche ein souveränes und unabhängiges Land gewesen,- das seine ungeheuerlichen Massnahmen gegen die jüdische Bevölkerung aus eige- I nem Antrieb getroffen habe und nicht unter unwiderstehlichem Druck Hitlers und seiner Henker. Ein Dreh, um! sich der Wiedergutmachungspflicht zu entziehen. Und wieder ein Zitat vom Historiker Popescu - Puturi: „Den Hitleristen war es geglückt, in alle Bereiche des öffentlichen Lebens einzudringen und sich den ganzen Staatsapparat unterzuordnen. Ohne die ausdrückliche Zustimmung des deutschen Botschafters in Bukarest wurde kein Minister oder höherer Beamte ernannt, ebensowenig irgendwelche nennenswerte Verfügung getroffen. In einem Brief Hitlers an Antonescu, datiert vom 12. Januar 1941, steht: „Mein Botschafter Killinger kommt zu Ihnen ln einer Spezialmission, nicht bloss als Vertreter des Reichs bei Ihrem König, sondern hauptsächlich um Ihnen als treuer Ratgeber und Helfer zur Seite zu stehen.“ So hat in Wirklichkeit Rumäniens „Souveränität“ damals ausgesehen. So spiegelt sie sich in den Dutzenden von Dokumenten wieder, die Ultimatum an Ford London. — Saudi Arabien hat die Agenten von Ford aufgefordert, das Land innerhalb von drei Monaten zu verlassen, falls dieses Unternehmen „seine Pläne, eine Filiale in Israel zu eröffnen, nicht ändern sollte*“, wie aus Riad gemeldet wurde. Vorigen Monat hatte die Ford Motor Co in Detroit angekündigt, dass sie mit einer israelischen Firma in Verhandlungen trat, um in Israel eine Niederlassung zu gründen, in der Ford-Traktoren und -Lastwagen montiert werden sollen (ITA) Neue Nazipartei gegründet Paus. — Vor kurzem wurde bei der Präfektur in Paris ein neuer Verein unter dem Namen „Europa! scher nationaler und sozialistischer Kreis“ angemeldet. Es handelt sich um eine neue Nazipartei, die in einem Vorort von Paris ihre Gründungsversammlung abgehalten hat. Nachdem die französischen Behörden bisher schon solche Gründungen minimalisiert hatten, gingen die Parteigründer sogar soweit, eine offizielle Anmeldung einzureichen Zur Gründungsversammlung sollten auch 1,5 Delegierte aus Schweden, Amerika, Italien und Argentinier; kommen. In letzter Minute wur den sie gewarnt; die Versammlung fand daher in der Villa eines der neuen Führer statt, wobei der Sitzungssaal ven einem grossen Bilde Hitlers beherrscht war. Au.“ die neue Bewegung wurde man aufmerksam, als in mehreren Geschäften in Paris Autoschlüssel- und gewöhnliche Schlüsselringe mit dem Bilde Hitlers aus Email verkauft wurden. Die neue Partei macht sich die momentane Mode der Sammlung von Schlüsselringen mit allen möglichen Motiven zunutze. Man wurde auf dij Auftraggeber aufmerksam. Es handelt sich bei ihnen um diese neue Partei. Eine Reihe jüdischer Organisationen sind bei der Regierung vorstellig geworden, damit die Anerkennung verweigert wird. AUS ALLER WELT Gedenkstaette Hamburg. — Auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme ist kürzlich eine Gedenkstätte eingeweiht worden. An der Feierstunde nahmen rund 4.000 ehemalige Häftlinge und Angehörige ermordeter Häftlinge teil. Mittelpunkt des ummauerten Gedenkplatzes sind eine 55.000 Männer Frauen und Kinder aus vielen Nationen durch die Nationalsozialisten getötet. Euthanasie-Verbrecher verhaftet Frankfurt a. M. — Unter dem Verdacht der Beteiligung am Massenmord ist kürzlich auf Antrag des hessischen Genera lstaatsanwal- 27 Meter hohe Granit-Stele j tes der letzte Leiter der und eine von Françoise Salj Hauptwirtschafts - Abteilung mon geschaffene, von der „Amicale Française de Neu engamme“ gestiftete Bronzeskulptur eines sterbenden Häftlings. In den Boden der Gedenkstätte sind 22 Steinplatten mit den Namen jener Nationen eingelassen, die Opfer in Neuengamme zu beklagen haben. Am Eingang der Gedenk Stätte wird nooh eine Steintafel angebracht werden mit der Aufschrift: „In den Jahren 1938 bis 1945 litten hier und in den Aussenkommandos des Konzentrationslagers Neuengamme 106.000 Menschen. Von ihnen wurden in den rumänischen Archiven aufbewahrt sind und jetzt ins Tageslicht gerückt wurden. Ueberaus reich ist die Sammlung an schriftlichen Beweisen über die unheilvolle Tätigkeit der Sendboten Hitlers in Rumänien, unter welchen sich Eichmanns engster Mitarbeiter, der berüchtigte Nazischerge Gustav Richter, besonders hervorgetan hat. Sein Referat umfasste zwei Punkte, die auf das gleiche hinausliefen: auf die Herbeiführung der „Endlösung“ für die Juden Rumäniens. Er befasste sich mit der Organisierung des sogen. Romanisierungs - Zentrums, das eine verschleierte Bezeichnung für den Raub des jüdischen Vermögens der Hunderttausende von Deportierten darstellte, und schliesslich mit der „neuen Lösung der Judenfrage in Rumänien“ — ein Titel, der keiner Kommentare bedarf. Richter und viele seinesgleichen leben in Freiheit, und kein Haar wurde ihnen in Deutschland nach dem Kriege gekrümmt, aus „Mangel an Beweisen“. des nationalsozialistischen Euthanasieprogramm (Tarnorganisation „T 4“)( Friedrich Robert Lorent (60), in Münster, Westfalen, verhaftet worden. Wie der Staatsanwalt mitteilte, gehört Lorent zu dem Personenkreis, der führend an den Eutha-- nasie-Massnahmen während der NS-Zeit beteiligt gewesen ist. (AWZ) Menschenrechte München. — Mit einem Bekenntnis zu den Menschenrechten ging ein internationaler Jugendkongress des Bundes der Vertriebenen, der Deutschen Jugend des Ostens und des Ostpolitischen Deutschen Studentenverbandes zu Ende. Der Kongress verlangte, in allen Teilen der Welt solle endlich die Konvention der Vereinten Nationen Uber die Menschenrechte ratifiziert werden. An dem Kongress nahmen rund tausend Jugendvertreter aus der Bundesrepublik, aus zahlreichen europäischen und überseeischen Staaten teil. SABOTAGE Tel Aviv. — Arabische Terroristen aus dem libanon brachten drei Dynamitladungen zur Explosion, wie ein israelischer Heeresspreoher bekanntgab. Das Attentat wurde in der Nähe des Ortes Metula an der libanesischen Grenze verübt. Israel erhob vor der Waffenstillstands - Kommission der Vereinten Nationen gegen diesen Sabotageakt Protest, der nach Aussage des Sprechen» materielle Schäden verursachte. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N» 868.707